Der Evangelische Kirchenkreis Tecklenburg ist einer von 26 Kirchenkreisen innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen. Amtssitz ist die Stadt Tecklenburg. Insgesamt gehören ca. 65.000 evangelische Gemeindeglieder in 17 Kirchengemeinden zum Kirchenkreis.

Geographische Lage Das Gebiet des Kirchenkreises umfasst den östlichen Teil des nordrhein-westfälischen Kreises Steinfurt und ist großenteils deckungsgleich mit dem ehemaligen Kreis Tecklenburg. Er grenzt im Süden an die westfälischen Kirchenkreise Steinfurt-Coesfeld-Borken und Münster und im Osten, Norden und Westen an die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers.

Geschichte In der Grafschaft Tecklenburg wurde schon ab 1527 durch Graf Konrad von Tecklenburg-Schwerin die Reformation eingeführt; 1543 war die Entwicklung durch den Erlass einer Kirchenordnung abgeschlossen. Sie galt auch für die 1541 geerbte Grafschaft Lingen, die aber schon 1547 wieder an Kaiser Karl V. abgetreten werden musste. In der Folgezeit wechselte die politische und damit auch konfessionelle Zugehörigkeit der Obergrafschaft Lingen (um Ibbenbüren und Mettingen) mehrfach; ab 1597 gehörte sie (mit Unterbrechungen) zu den Niederlanden, ab 1702 zum Königreich Preußen.Wilhelm Heinrich Neuser: Evangelische Kirchengeschichte Westfalens im Grundriß. Bielefeld 2002, S. 53–56. 107–109. Im Kerngebiet der Grafschaft Tecklenburg, das seit 1566 mit der Grafschaft Steinfurt vereinigt war, führte Graf Arnold II. (IV.) von Bentheim-Tecklenburg 1588 durch eine Kirchenordnung das reformierte Bekenntnis ein.Wilhelm Heinrich Neuser: Evangelische Kirchengeschichte Westfalens im Grundriß. Bielefeld 2002, S. 115–117. Steinfurt fiel im 18. Jahrhundert großenteils an das Hochstift Münster, nur die Kirchengemeinden in Burgsteinfurt und Gronau blieben bestehen. Auch in Coesfeld, im 16. Jahrhundert wie Rheine eine mehrheitlich evangelische Stadt, hatte sich die evangelische Gemeinde halten können.

Nachdem die Grafschaft Tecklenburg bereits 1707 preußisch geworden war, fielen nach dem Wiener Kongress auch die südlich davon gelegenen Gebiete an die preußische Provinz Westfalen. Im Zuge der Neuordnung des Kirchenwesens wurde 1818 als einer von 16 Kirchenkreisen auch der Kirchenkreis Tecklenburg (nach damaligem Sprachgebrauch meist Diözese Tecklenburg oder Synode Tecklenburg) gegründet. Sie umfasste die damals bereits bestehenden evangelischen Kirchengemeinden in den Kreisen Coesfeld, Steinfurt und Tecklenburg, nämlich Tecklenburg, Ledde, Leeden, Lengerich, Brochterbeck, Ibbenbüren, Lotte, Wersen, Cappeln, Mettingen, Recke, Schale, Lienen, Ladbergen, Steinfurt, Coesfeld und Gronau. Gab es mit Gronau und Coesfeld also zunächst nur zwei Diasporagemeinden, so wurden in den nächsten Jahren in den Städten des Münsterlandes weitere Gemeinden gegründet, die sich dem Kirchenkreis anschlossen, nämlich in Warendorf 1836, Rheine und Münster (1838), Ahaus und Vreden 1846, Lüdinghausen (1847), Emsdetten und Greven (1861) und Dülmen (1863). Bis auf Rheine und Emsdetten wechselten diese Gemeinden (zusammen mit Coesfeld) aber 1873 in den neu gegründeten Kirchenkreis Münster.Geert Franzenburg: Protestantisches Leben in der Diaspora. Der Kirchenkreis Münster im 20. Jahrhundert. Books on Demand, Norderstedt 2020. Bei der Gründung des Kirchenkreises Steinfurt (heute Steinfurt-Coesfeld-Borken) 1953 wechselten auch Emsdetten, Gronau, Ochtrup und Steinfurt in diesen Kirchenkreis.

In der NS-Zeit galt der Kirchenkreis als Hochburg der Bekennenden Kirche. Sieben Pfarrer formulierten im Sommer 1933 das Tecklenburger Bekenntnis, das als Vorlage für die Barmer Theologische Erklärung diente.Wilhelm Wilkens: Epochenjahre deutscher Geschichte im Spiegel der Kreissynodalprotokolle des Kirchenkreises Tecklenburg (1918/19–1932/33–1945/46). In: Helmut Geck (Hrsg.): Kirchenkreisgeschichte und große Politik. LIT, Münster 2006, S. 226–243.

Struktur Die Synode des Kirchenkreises ist die Vertretung der Kirchengemeinden. Die Kreissynode wählt die Mitglieder des Kreissynodalvorstandes, der den Kirchenkreis zwischen den Kreissynoden leitet. Vorsitzender ist der Superintendent, derzeit André Ost.

Mit den Kirchenkreisen Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken wurde ein gemeinsamer Gestaltungsraum gebildet. Seit 2020 werden die drei Kirchenkreise von dem gemeinsamen Kreiskirchenamt Münsterland/Tecklenburger Land in Münster verwaltet.

Kirchen und Gemeinden Zum Kirchenkreis gehören 17 Kirchengemeinden.

Bild Kirche Ort Gemeinde Bemerkungen100pxEvangelische Kirche BrochterbeckBrochterbeckTecklenburgFriedenskircheBüren (Lotte)Wersen-BürenLukaskircheDickenberg (Ibbenbüren)IbbenbürenMarkuskircheDörentheIbbenbüren100pxEvangelische Kirche HambürenHambürenWesterkappeln100pxFriedenskircheHörstelHörstel100pxHohner KircheHohne (Lengerich)Lengerich100x100px Evangelisches Gemeindezentrum HopstenHopstenRecke100x100pxChristuskircheIbbenbürenIbbenbüren100x100pxMatthäuskircheIbbenbürenIbbenbürenEvangelische Kirche KattenvenneKattenvenneKattenvenne100x100pxEvangelische Kirche LadbergenLadbergenLadbergen100x100pxJohanneskircheLaggenbeckIbbenbüren100x100pxEvangelische Kirche LeddeLeddeTecklenburg100x100pxStiftskirche LeedenLeedenTecklenburgJohanneskircheLengerich-StadtfeldmarkLengerich100x100pxEvangelische Stadtkirche LengerichLengerichLengerich100x100pxEvangelische Kirche LienenLienenLienen100x100pxEvangelische Kirche LotteLotte (Westfalen)Lotte100x100pxSamariterkircheMesumRheine-Jakobi100x100pxEvangelische Kirche MettingenMettingenMettingen100x100pxGnadenkirche (Neuenkirchen)NeuenkirchenNeuenkirchen-Wettringen100x100pxEvangelische Kirche ReckeReckeRecke100x100pxJakobi-KircheRheineRheine-JakobiJohanneskircheRheineRheine-Johannes100x100pxVersöhnungskircheRiesenbeckHörstel100x100pxEvangelische Kirche SchaleSchaleSchale100x100pxEvangelische Stadtkirche TecklenburgTecklenburgTecklenburg100x100pxBodelschwinghkircheWechte (Lengerich)Lengerich100x100pxEvangelische Kirche WersenWersenWersen100x100pxEvangelische Stadtkirche WesterkappelnWesterkappelnWesterkappelnFriedenskirche (Wettringen)WettringenNeuenkirchen-Wettringen

Superintendenten

von bis NameWolfgang Werbeck: Die Superintendenten der evangelischen Kirche in Westfalen 1818–2000. In: Jahrbuch für westfälische Kirchengeschichte 96, 2001, S. 201. 1818 1830 Ernst Werlemann 1830 1845 Florenz Jakob Smend 1845 1859 Rudolf Kobmann 1859 1874 Rudolf Smend 1874 1891 Rudolf Kobmann 1891 1909 Friedrich Trockels 1909 1927 Rudolf Meyer 1927 1937 Armin Wollschläger 1937 1946 Hans HörstebrockAnfangs nur als Superintendenturverwalter; als vom Kirchenregiment eingesetzter Superintendent teilte er sich die Verantwortung mit dem von der Bekennenden Kirche bestimmten Pfarrer Wilhelm Brandes, der 1947 sein Nachfolger wurde; vgl. Wilhelm Wilkens: Epochenjahre deutscher Geschichte im Spiegel der Kreissynodalprotokolle des Kirchenkreises Tecklenburg (1918/19–1932/33–1945/46), S. 238 f. 1946 1948 Wilhelm Brandes 1948 1972 Hans Rübesam 1972 1983 Paul Schreiber 1983 1990 Wilhelm Wilkens 1991 2011 Hans-Werner Schneider 2011 … André Ost

Literatur Wilhelm Wilkens: Der Kirchenkreis Tecklenburg in Geschichte und Gegenwart. Berteilsmann, o. J. Jürgen Kampmann (Hrsg.): 200 Jahre Diöcese Tecklenburg 1818–2018. Evangelischer Kirchenkreis Tecklenburg 2018.

Weblinks

Website des Kirchenkreises

Einzelnachweise

Tecklenburg Kategorie:Christentum im Kreis Steinfurt Kategorie:Organisation (Tecklenburg) Tecklenburg Kategorie:Christliche Organisation (Nordrhein-Westfalen)