mini|Heilig-Geist-Kirche in Wittstock/Dosse Die evangelische Heilig-Geist-Kirche ist eine Saalkirche in Wittstock/Dosse, einer Stadt im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Sie gehört zur Gesamtkirchengemeinde Wittstock im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Das Gebäude steht seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz.

Lage Das Kirchengebäude steht im nördlichen Altstadtbereich an der Ecke Gröperstraße/Heiligegeiststraße. Es trägt die Adresse Heiligegeiststr. 1, das benachbarte Gemeindezentrum hat die Adresse Heiligegeiststr. 2. Die historische Stadtmauer ist nicht weit ab.

Geschichte des Gebäudes Die Heilig-Geist-Kirche entstand um das Jahr 1300 als kreuzgewölbter Backsteinbau mit ursprünglich zwei gleich hohen Schiffen und diente im Mittelalter den Kaufleuten und Reisenden als Andachtskirche. Um das Jahr 1500 erhielt das kleine Gotteshaus einen Turm mit einem einfachen Spitzhelm.

Am 8. September 1549 wurde aus der ursprünglichen katholischen Kirche infolge der Reformation eine evangelische Kirche, erstmals reichte der Franziskaner-Mönch Jakob Schünemann „das Abendmahl in beiderlei Gestalt“ (erstmals neben katholisch auch evangelisch).siehe Weblinks > Chronik.

Im Jahr 1704 traf ein Blitz den Kirchturm, der daraufhin vollständig ausbrannte. 1716 fiel die Kirche einem von einer Apotheke ausgehenden Stadtbrand zum Opfer, wodurch das Kreuzgewölbe einstürzte. In den Jahren 1729 bis 1731 wurde die Kirche ohne Gewölbe nun im spätgotischen Stil wieder aufgebaut, sie ist nur noch einschiffig. Dabei erhielt der 1732 fertiggestellte Turm seine heutige Form, eine barocke Laterne auf einem achteckigen Sockel.

Nach längerem Leerstand und Verfall ließ die Gemeinde den Sakralbau im Jahr 1854 restaurieren und weihte ihn anschließend neu.

In der DDR-Zeit, ab dem Jahr 1955 erfuhr der Innenraum eine vereinfachte Neugestaltung. Dabei entfernte die Kirchengemeinde im Jahr 1957 den barocken Altar sowie Seitenchöre und Bänke. Die Außenwände konnten im Jahr 1965 neu verputzt werden.

Nach der deutschen Wiedervereinigung erlangte das Christentum im Leben der Menschen höhere Aufmerksamkeit, Kirchen bekamen nun bei Sanierungsarbeiten auch finanzielle Unterstützungen. So fand in den Jahren 1996/97 eine umfassende Renovierung des Inneren und des Äußeren statt.

Die Kirche wurde zum Mittelpunkt des Gemeindezentrums Heilig Geist, zu welchem außerdem der Evangelische Kindergarten im Beginenhaus, das Catharina-Dänicke-Haus und die Ratswaage gehören.

Baubeschreibung Das Hauptgebäude mit dem Backsteinsaal ist teilweise verputzt, hat einen gerade geschlossenen Chor und wird innen von einer flachen Decke überspannt. Die Innenwände weisen auf eine ursprüngliche Bauweise mit vier Jochen und zwei Schiffen hin. Der Westturm mit quadratischem Grundriss hat ein abgewalmtes Dach und einen neuen Turmabschluss mit Schweifhaube, Laterne und schlanker Spitze.

Die Außenwände sind nur durch stichbogig veränderte Fenster und flache, diagonal gestellte Strebepfeiler gegliedert. Die Ostseite der Kirche verfügt über eine große Blende mit einem genasten Spitzbogen in Formsteinrahmung. An der Nordseite gibt es ein spätgotisches Stichbogenportal mit hoher Spitzbogenblende in rechteckiger Rücklage und Kehlen zwischen Birnstäben im Gewände. Das Westportal hat ein Gewände mit Wechsel von Rundstäben und Kehlen, darüber ist ein ähnlich gestaltetes, dreiteiliges Fenster erkennbar, das inzwischen vermauert ist.

Der Eingang in die Kirche befindet sich auf der südlichen Längsseite des Gebäudes direkt an der Straße. Im Inneren trägt eine dreiseitige Empore die Orgel und hält weitere Besucherplätze bereit.

Die schlanke Kirchturmspitze ist mit Kupferblech verkleidet, darüber befindet sich eine Turmkugel mit einer Wetterfahne obenauf.

Ausstattung Altarraum Auf einem ovalen dreistufigen Holzpodest steht ein einfacher hölzerner Altartisch auf zwei Metallbügelfüßen. Dahinter an der Wand lenkt ein raumhoher großer dreieckiger Naturholzrahmen die Blicke auf sich; er wird beidseitig von einem umlaufenden Holzband gehalten. Auf der nördlichen Seite des Podestes ist ein Ambo platziert, auf der südlichen Seite ein Taufbecken.Heilig-Geist-Kirche in Wittstock, Innenansicht, abgerufen am 22. März 2026.

Bänke, Fenster, Sonstiges Die Besucher sitzen auf Holzstühlen, die in Reihen und drei Gruppen angeordnet sind, dazwischen verlaufen zwei Gänge vom Westeingang her bis zum Altarbereich. Die Fenster im Altarbereich sind gleich hoch und enden in je einem Segmentbogen. Unbunte Scheiben mit einem dezenten Ornament im oberen Bereich lassen das Tageslicht in den Raum.

Aus der historischen Ausstattung ist ein großes Leuchterpaar aus Messing erhalten.Die Heiliggeistkirche in Wittstock, abgerufen am 22. März 2026.

Orgel Im Jahr 1888 wurde die erste von Friedrich Hermann Lütkemüller erbaute Orgel im Kirchenraum installiert. Im Zusammenhang mit dem Umbau der Kirche in den 1950er Jahren wurde diese Orgel abgebaut und in der Dorfkirche Gadow nach Wartungsarbeiten wieder in Betrieb genommen. Die Kirchengemeinde konnte 1965 eine neue Orgel aufstellen, die aus der Werkstatt von Hans-Joachim Schuke stammt. Sie verfügt über 818 Pfeifen.

Gemeindeleben und Nutzung Die Heilig-Geist-Kirche dient der Gesamtkirchengemeinde Wittstock als Winterkirche, während die St.-Marien-Kirche als Sommerkirche genutzt wird. Außerdem finden in der Kirche Konzerte statt, beispielsweise von den The Gregorian Voices.

Die Gemeinde unterhält einen Kindergarten (Bienenstock) und zwei Treffpunkte für Gemeindemitglieder.

Die Pfarrer der Heiliggeistkirche (Auswahl): ab 1553: Pfarrer Liest 20. Jhd.: Heinz-Joachim Lohmann um 1990–2014: Klaus-Volker Schütz; er war lange Zeit Superintendent in Wittstock und hat die Sanierung der kirchlichen Gebäude nach der Wende maßgeblich vorangetrieben seit 2015: (Pfarrteam) Hans-Georg Furian (Superintendent des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin) sowie Dr. Manuela Vaetke

Literatur Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel; Deutscher Kunstverlag 2012, S. 1207.

Weblinks

Webauftritt der Gesamtkirchengemeinde Wittstock Chronik der Heilig-Geist-Kirche Wittstock Histor. Stadtansicht von Süden (Brandenburgisches Album, Blatt 31): links im Hintergrund die Heilig-Geist-Kirche, in der Mitte die Marienkirche. museum-digital.de.

Einzelnachweise

Heiliggeistkirche Heiliggeistkirche Kategorie:Heilig-Geist-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Evangelischen Kirchenkreises Wittstock-Ruppin Kategorie:Saalkirche in Brandenburg Kategorie:Kirchengebäude der Backsteingotik Kategorie:Backsteingotik in Brandenburg Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Kirchengebäude in Europa