Dehrn ist ein Stadtteil von Runkel, gelegen am rechten Ufer der Lahn im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Dehrn hat rund 2200 Einwohner und ist damit größter Runkeler Stadtteil.
Geographie und Geologie mini|350px|Dehrn vom Kirchenfelsen in Dietkirchen (Süden) aus gesehen. Gut zu erkennen ist das stufenförmige Gelände mit einer höher gelegenen Ebene rechts der Lahn (im Bild hinten), einer niedrigeren links des Flusses (vorne) und dem Ort auf dem Hang dazwischen. Links die Burg mit dem umgebenden kleinen Waldstück. mini|Lahnbrücke am Ortsrand
Dehrn liegt im Lahntal im Limburger Becken auf einer Höhe von 112 bis 210 m ü. NHN. Das Gelände ist vom an dieser Stelle deutlich abfallenden rechten Lahntal geprägt, während das linkslahnische Gelände vergleichsweise eben bis an den Fluss reicht. Auf diesem rechtslahnischen Hang und in dem ebenfalls deutlich eingeschnittenen und nach Norden verlaufenden Tal des Rolsbachs befinden sich die Häuser des Ortes. Die übrigen Gemarkungsteile sind recht eben, entweder auf geringem Höhenniveau im Süden, links der Lahn, oder nach der Uferstufe im Norden, 40 bis 60 Meter höher. Der niedrigste Punkt liegt dort, wo die Lahn den Südrand der Gemarkung verlässt, bei rund 112 Metern, an der Gemarkungsgrenze nach Obertiefenbach in der Flur „Cassel“ werden 210 Meter über NN erreicht. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,5 °C. An Jahresniederschlag werden 550 l/m² gemessen.
Die geologische Prägung wird bestimmt durch Ablagerungen von Lösslehm. Dadurch wird der eigentlich landschaftsprägende Bau des paläozoischen Abschnitts des Tertiärs verdeckt. Zu sehen ist das in dem Massenkalkzug, der sich als Schlossberg, Kirschen- und Fichtenberg durch den Westteil der Gemarkung zieht. Daneben sind kleinere Vorkommen von Grauwackeschiefer, mitteldevonischem Schiefer und Schalstein zu vermerken. Im Norden der Gemarkung und im Bereich des sogenannten „Niederholz“ sind Quarzkiese vorzufinden. Südlich der Lahn sind eiszeitliche Ablagerungen als Terrassenkies, -schotter und -sande zu finden. Die besten Böden der Gemarkung sind degradierte Steppenböden in Form von Parabraunerden.
Das für Dehrn prägende Gewässer ist die Lahn. Der Ort selbst liegt rechtslahnisch an der nordwestlichen Krümmung einer großen, nach Norden ausbauchenden Lahnschleife, an deren nordöstlicher Krümmung der Nachbarort Steeden liegt. Im Dehrner Hafen liegen Sportboote des Bootsclubs Limburg. Früher wurden dort Kalkstein, Eisenerz, Tonerden und Kohle verladen. Ein weiteres Gewässer ist der Rolsbach. Der Rolsbach entspringt an der Gemarkungsgrenze nach Ahlbach im Norden. Auf der Südseite der Lahn liegen ehemalige Kies- und Tongruben, die dem wilden Bewuchs freigegeben sind.
Die Dehrner Gemarkung ist grob halbmondförmig, in Nord-Süd-Richtung gestreckt und nach Westen ausgewölbt. Sie grenzt im Norden über eine kleine Strecke an Obertiefenbach und im Nordosten an Niedertiefenbach, beides Ortsteile von Beselich, im Osten an Steeden und im Südosten an Ennerich, die ebenfalls zur Stadt Runkel gehören. Von Südwesten nach Nordwesten schließen sich die Limburger Stadtteile Eschhofen, Dietkirchen, Offheim und Ahlbach an.
Vegetation Eingestreut in die landwirtschaftlichen Nutzflächen sind eine große Streuobstwiese in „den Borngräben“ und eine auf „dem Cassel“. Der Wald verteilt sich auf einen dünnen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Streifen am westlichen Ortsrand, der sich nach Süden hin deutlich verbreitert, und in einen Anteil an einem größeren Waldgebiet im Südosten, auf der vom Ort aus gesehen gegenüberliegenden Lahnseite. Das Waldstück am westlichen Ortsrand wird als „Niederholz“ bezeichnet. Dieses Wäldchen ist der Rest des ehemals großen Dehrner Waldes, der sich von Ahlbach über den Bergrücken „Auf dem Cassel“ hinzog.
Landnutzung und Schutzgebiete Die Gesamtgröße der Gemarkung beträgt 528 Hektar, davon werden 288 Hektar als Ackerland genutzt, es gibt 83 Hektar Grünland, 104 Hektar Wald und 84 Hektar nimmt der Ort selbst ein. Dehrn liegt im Bereich des Landschaftsschutzgebiets Taunus. Auch sind Waldbereiche, die ehemaligen Kiesgruben, „Wahls Tümpel“, die ehemalige Tongrube und ehemalige Lagerstätte für Hausmüll „Lüngen“ Naturschutzgebiet. Der Bereich Westerwaldseite ist Schutzgebietszone zwei der Wasserwerke in Steeden und in Obertiefenbach.
Geschichte mini|Friedrich Christian Reinermann: Blick über Dehrn nach Dietkirchen, um 1815
Frühgeschichte Schon seit der Jungsteinzeit, schätzungsweise 5000 v. Chr., leben Menschen an der günstigen Lahnfurt. Darauf lassen Funde von Knochen, Tonscherben und Steinbeilen beim Bau der Kirche St. Nikolaus im Jahr 1923 schließen. Auch fränkische Gräber aus dem 7. Jahrhundert nach Christus sind bei Erdarbeiten in Dehrn gefunden worden.
Historische Ortsnamen Der Ursprung des Ortsnamens Dehrn kann auf keltische Wurzeln zurückgeführt werden. Das Wort Dunum, keltisch für befestigte Anhöhe, fester Ort, Festung, Sicherung der Furt, ist im Laufe der Zeit zu Durn, Dern, Dehrn abgeschliffen worden. Das „h“ in der Bezeichnung „Dehrn“ entstand erst im Zuge einer Rechtschreibreform in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
In erhaltenen Urkunden wurde Dehrn unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Derne, de (1190) [Losse, Burgen und Schlösser an der Lahn, S. 80] Dorn (1616) [Kupferstichkarte von Nassau]
Örtlicher Adel Frey von Dern mini|hochkant|links|Wappen der Frey von Dern mini|hochkant|Epitaph des Philipp Frei von Dehrn im Lubentiusstift in Dietkirchen
Die heute noch bekannteste Adelsfamilie des Orts waren die Frey (Frei) von Dern.Johann Christian von Hellbach, Adels-Lexikon, Band 1, S. 381 Der Namensbestandteil „Frei“ deutet darauf hin, dass es sich bei ihnen um eine der edelfreien Familien handelte. Nach Friedrich Frei von Dehrn, der dadurch bekannt ist, dass er 1367 auf der Burg Dehrn den Bruder und Erben des Grafen Gerhard von Diez erstach, sank die Familie in die Ritterschaft herab, weil Friedrich eine Niederadlige geheiratet hatte. 1409 brachte das Haus erstmals die zuvor gräflich Diezer Burg Dehrn in seinen Besitz.
Historisch fassbar ist erstmals für das Jahr 1190 ein Heinrich Frio. Verwandtschaftliche Beziehungen in die Gegend von Frankenberg (Eder) und in die Wetterau sind nachgewiesen. Vertreter der Familie treten nur selten in fremden Verwaltungs- und Kriegsdiensten auf. Offenbar genügte der beträchtliche, um Dehrn herum konzentrierte Besitz weitgehend zum wirtschaftlichen Fortbestehen der Familie. Allerdings erreichte sie kaum überörtliche politische Bedeutung. Bei Streubesitz, der sich zum Teil bis in den Rheingau erstreckte, handelte es sich vermutlich nicht um planmäßig, sondern „zufällig“ durch Erbschaften erworbene Güter. Verwandtschaftliche Verknüpfungen sind unter anderem zu den Häusern Reifenberg, Cronberg, Eltz und Schönborn nachweisbar.
Eng verbunden waren die Frei mit dem Lubentiusstift in benachbarten Dietkirchen, dessen Vögte sie zeitweise waren. Aus dem Besitz sind heute die Burg Dehrn, das Burgmannenhaus an ihrem Fuß, Burg Crass im Rheingau und die Burg Hartenfels (Ruine) im Westerwald erhalten.
Im Mannesstamm starb die Familie im Jahr 1737 in Eltville mit Franz Alexander Kasimir, fuldischer Hof- und Regierungsrat, aus. Als letztes Mitglied der Familie starb 1794 dessen Tochter Johanna Amalia Christina, Gemahlin des kurmainzischen Hof- und Regierungsrats Adolf Wilhelm Franz Freiherr von Greiffenclau zu Vollrads.
Das Wappen der Frey von Dern zeigte in Blau unter goldenem Schildhaupt drei (2:1) goldene oder auch silberne Garben.
Weitere Adelsfamilien Das ebenfalls edelfreie Geschlecht von Dehrn mit dem Schrägbalken entstammt dem Haus Kempenich. Deren in Dorndorf ansässiger Zweig hatte spätestens zu Beginn des 13. Jahrhunderts Besitz in Dehrn. Spätestens im Jahr 1226 nannten sich Teile der von Dorndorf auch von Dehrn. Wohl am Ende des 13. Jahrhunderts sank auch diese Familie in den Ritterstand herab und nannte sich Ritz von Dehrn. Wichtiger Vertreter der Familie war Godefried Ritz von Dehrn, von 1330 bis zu seinem Tod am 24. Februar 1345 Abt von Kloster Jakobsberg bei Mainz. Das letzte Mitglied der Familie starb nach 1414. Besitzschwerpunkte lagen neben Dehrn in Dauborn, Dorndorf und Obertiefenbach.
Die von Dehrn mit der Rose treten nur in den Jahren 1278 bis 1332 in Erscheinung und wahren mit den Ritz von Dehrn verschwägert.
Die von Dehrn genannt Erlenbach treten unter verschiedenen Namen auf, darunter von Altendiez, von Diez und von Tiefenbach. Ihr Wappen zeigte in gespaltenem Schild zwei untereinandergestellte Ringe. Die Familie wird 1285 erstmals mit Peter von Altendiez erwähnt. Im Jahr 1311 wird erstmals der Name „von Dehrn“ geführt. Letztmals wird 1596 ein Mitglied der Familie genannt. Besonders häufig hatten Mitglieder der Familie als Keller für die verschiedenen Vögte von Villmar auf. Besitzschwerpunkte waren neben Dehrn auch Diez, Altendiez, Freiendiez, Limburg, Obertiefenbach und Villmar.
Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Dehrn erfolgte unter dem Namen Dérné im Jahr 1197 in einem Pfandvertrag. In diesem Pfandvertrag unterzeichnete ein „Frei von Dern“ als Zeuge. Ebenfalls um das Jahr 1190 müssen ein nur noch in Resten erhaltener Turm und der heutige rechte Gebäudeteil des Burgmannenhauses gebaut worden sein, das sich unterhalb der Burg Dehrn befindet. Die Frei waren vermutlich auch die Erbauer der Burg, deren Baudatum sich nicht genau bestimmen lässt. Allerdings waren die Frei lediglich von den Grafen von Diez, denen auch der gesamte Ort gehörte, mit der Burg belehnt. Sie ging erst nach 1492 in das Eigengut der Frei von Dehrn über.
Dehrn war Sitz der „Dehrner Zentgerichts“. Diese Zent war wegen ihres Umfangs und ihres Alters eines der bedeutendsten der Grafschaft und hatte bis ins 18. Jahrhundert Bestand, allerdings vom 14. bis zum 16. Jahrhundert mit Sitz in Niederhadamar. Ein Schultheiß ist für Dehrn erstmals 1259 verbürgt, 1336 erstmals ein Heimberger, der Vorsteher eines Kirchspielgerichts. Der Zehnt wurde in der Zehntenscheune eingesammelt, die heute zu Hintergasse 1 gehört und in den letzten Jahren als Bauernscheune genutzt wurde. Die Scheune ist seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Caspari.
Nach mehrfacher Verpfändung ging Dehrn im Jahr 1387 mit dem Aussterben des Diezer Grafenhauses an das aufsteigende Haus Nassau über. Mit der für das Haus Nassau charakteristischen Aufspaltung in zahlreiche Seitenlinien erhielten zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Grafen von Katzenelnbogen und das Haus Eppstein durch Heirat sowie Erbfall Anteile an der Herrschaft über Dehrn, zum Ende des Jahrhunderts auch die Landgrafen von Hessen. Zudem war Kurtrier Lehnsherr des Hauses Nassau und erhob ebenfalls Ansprüche auf Dehrn. 1607 gehörte der Ort wieder vollständig zur Grafschaft Nassau-Hadamar, die 1650 zum Fürstentum erhoben wurde. Trotz der Reformation der übrigen Orte des Dehrner Cents blieb Dehrn selbst katholisch. Nach dem Tod des letzten Hadamarer Fürsten 1711 wechselte die Herrschaft über Dehrn mehrfach zwischen verschiedenen Linien des Hauses Nassau, war aber meist dem Amt Hadamar zugeordnet.
Im Jahr 1737 starben die Frei von Dehrn im Mannesstamm aus. Die Burg fiel an die Familie Greiffenclau, die sie zum Schloss umbaute und zu Beginn des 19. Jahrhunderts verkaufte. Seitdem hat der Besitz mehrfach gewechselt.