Das Kloster Rousanou () ist eins der sechs am häufigsten besuchten Klöster von Meteora in Thessalien, Griechenland. Das griechisch-orthodoxe Frauenkloster wurde 1988 als UNESCO-Welterbe anerkannt. Es steht unter dem Schutz der Heiligen Barbara und trägt deswegen auch den Namen Agia Varvara-Rousanou.
Name Zur Herkunft des Klosternamens Rousanou wurden verschiedene Theorien vorgebracht, beispielsweise ein Zusammenhang mit angenommenen Klostergründern aus Russland oder aus dem Dorf Rousani in Thessalien. Am wahrscheinlichsten gilt allerdings die Herkunft vom Personennamen Rousanos. Daneben wäre auch ein Zusammenhang mit dem Wort ρούσος (rousos, übersetzt „rotblond, rötlich“) denkbar, entweder direkt aufgrund der roten Schattierungen der Felsen beim Kloster oder indirekt über den Personennamen Rousanos, der selbst auf diese Farbbezeichnung zurückgeht.Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3, S. 43–44.
Geschichte Manche Theorien zu den ersten Bewohnern des Felsens basieren auf Erklärungen der Namensherkunft (siehe Name). Polykarpos Rammidis, Abt des Nachbarklosters Megalo Meteoro, überlieferte 1882 in seinem Buch über die Meteora-Klöster, dass die früheste Ansiedlung auf dem Berg und die Errichtung der ersten dortigen Kirche 1388 durch einen Priestermönch Nikodimos und einen Venediktos erfolgte. Die Herkunft und Korrektheit dieser Angabe lässt sich anderweitig nicht verifizieren; falls sie zutrifft, scheint der Felsen wenig später wieder verlassen gewesen zu sein. Erst die nächste Ansiedlung, die zwischen 1527 und 1529 erfolgte, lässt sich durch zeitgenössische Quellen nachvollziehen. Zwei Mönche, die (auch leiblichen) Brüder Ioasaf und Maximos aus Ioannina, erhielten zu dieser Zeit die Erlaubnis, ein Kloster zu gründen. Sie gelten als die Wiederhersteller einer dort vorgefundenen verfallenen Kirche und als die Bauherren des auf Ruinen errichteten Klostergebäudes.Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3, S. 44–46.
Während die Kirche der Metamorfosi tou Sotiros () gewidmet ist, steht das Kloster unter dem Schutz der Heiligen Barbara. Vor dem Verfall des Gebäudes im 19. Jahrhundert diente es verschiedenen Einzelpersonen und Familien als Zufluchtsort und später den Mönchen des größeren Meteora Klosters Varlaam als Einsiedelei. Von 1974 bis 1985 führte die siebte Ephorie für byzantinische Altertümer Restaurierungsmaßnahmen durch; das Kloster wurde in dieser Zeit von einem einzigen Mönch bewohnt. Nachdem Rousanou kurzzeitig von zwei Nonnen bewohnt (1986–1987) und kurzzeitig geschlossen war (1987–1988), erfolgte im Oktober 1988 eine Neugründung als Nonnenkloster durch eine Gruppe aus acht Nonnen aus dem nahe von Meteora gelegenen Dorf Stagiades.Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3, S. 52–54. Heute wird das Frauenkloster Rousanou von ungefähr 15 Nonnen bewohnt.
Das Kloster gehört heute zur Diözese von Stagion und Meteora der griechisch-orthodoxen Kirche mit Sitz in Kalambaka. Ihr Metropolit (Oberbischof) ist seit 2017 Theoklitos (Stand 2023).
Bauwerk mini|Kloster Rousanou von oben Das Kloster Rousanou nimmt das gesamte ca. 500 Quadratmeter große Plateau auf der Spitze eines ungefähr 60 Meter hohen, steilen Felsens ein und liegt 484 Meter über dem Meeresspiegel.Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3, S. 41. Es ist dreigeschossig; im obersten Stockwerk befindet sich das Katholikon, die Hauptkirche des Klosters. Im Erdgeschoss liegen Zellen; weitere Zellen und Nebenräume verteilen sich auf die anderen Stockwerke.
Das Katholikon ist eine Kreuzkuppelkirche von 12,2 m mal 5,4 m Grundfläche, die aufgrund der Felsenformation entgegen der traditionellen Ostung nach Nordosten ausgerichtet ist. Die Bestandteile der Kirche – Vorraum (Esonarthex), Kirchenschiff (Naos) und Altarraum (Bema) – sind vollständig mit Freskomalereien geschmückt. Diese gut erhaltenen Fresken stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurden von einem Künstler der Kretischen Schule geschaffen, möglicherweise von Zorzis, einem Schüler des Theophanes Strelitzas.Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3, S. 71–73. Die Kuppel der Kirche ist polygonal und besitzt auf jeder Seite ein einbogiges Fenster. Der Altarraum ist vom Kirchenschiff durch die Altarwand (Ikonostase) abgetrennt. Deren oberer Teil stammt noch aus dem 16. Jahrhundert und trägt Ikonen, die vermutlich vom selben Maler wie die Fresken der Kirche geschaffen wurden. Der untere Teil wurde irgendwann vor 1974, als das Kloster verlassen war, gestohlen, und erst 2017 durch eine Neuschöpfung des Künstlers Vlasis Tsotsonis ersetzt. Zudem sind in die Ikonostase zwei Ikonen des Heiligenmalers Konstantinos von Pyli aus dem Jahr 1779 eingearbeitet.Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3, S. 99.
Das Bauwerk erlitt schwere Schäden während des Zweiten Weltkriegs und soll in der Zeit auch geplündert worden sein. Außerdem stellt auch die Feuchtigkeit, die durch den Atem der Besuchenden entsteht, eine Gefahr für das Bestehen der Ikonenmalereien dar. Der Aufstieg zum Kloster erfolgte ursprünglich über Strickleitern und hinauf- und heruntergezogene Netze. Heute erreicht man es über eine Steintreppe, die an der Straße beginnt und in ihrer heutigen Form in den 1990er Jahren angelegt wurde. An seinem Ende nutzt der Weg feste Brücken, die 1930 errichtet wurden und ältere Holzbrücken von 1868 ersetzten.Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3, S. 51 und 59.
Für die Öffentlichkeit ist heute das oberste Stockwerk des Gebäudes zugänglich. Außer einem kleinen Geschäft mit Andenken ist ein kleiner mit Fresken ausgestatteter Andachtsraum zu sehen, sowie die Hauptkirche mit einem Vorraum, in dem sich der für griechisch-orthodoxe Kirchen typische Opferlichtständer befindet.
Lage und Zugang Das Kloster liegt an der Straße zwischen Kalambaka und den Meteora-Klöstern, unweit des kleinen Orts Kastraki. Es befindet sich nahe den Klöstern Varlaam und Agios Nikolaos Anapavsas. Der Zugang zum Kloster Rousanou erfolgt über eine zementierte Treppe, die an der Straße beginnt, und zwei Brücken. Bevor die erste Brücke betreten werden kann, wird die einem Kloster angemessene Kleidung kontrolliert. Sowohl Shorts für Männer als auch Hosen für Frauen gelten als inakzeptabel. An Frauen werden kostenlos lange Schürzen verliehen, die umgebunden einem Rock ähneln.
Literatur Spyridon Vlioras: Die Heiligen Meteora-Klöster – Heiliges Kloster Rousanou. Deutsch von Anna Hastrich und Sigrid Willer. Militos, Athen 2018, ISBN 978-960-464-927-3.
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