Johannes Carl August Eduard Zange (* 12. Dezember 1880 in Elberfeld; † 10. März 1969 in Jena) war ein deutscher HNO-Arzt, Hochschullehrer und Klinikleiter an der Universität Jena, der zur Zeit des Nationalsozialismus Maßnahmen der nationalsozialistischen Rassenhygiene aktiv unterstützte.

Leben Herkunft, Studium und wissenschaftliche Laufbahn Johannes Zange war der Sohn des Pädagogen Friedrich Zange und dessen Ehefrau Anna, geborene Michaelis. Er begann nach dem Ende seiner Schullaufbahn am Königlichen Gymnasium Erfurt ein Medizinstudium an der Universität Freiburg. Seit 1902 gehörte er der Burschenschaft Franconia Freiburg an.Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 560. Später wechselte er an die Universitäten in Gießen, Göttingen sowie Halle, das er mit dem Staatsexamen 1907 abschloss.Degeners Wer ist's?, Band 10, Berlin 1935, S. 1774 Zange wurde 1908 zum Dr. med. promoviert.Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 10: Thies – Zymalkowski, Berlin u. a. 2008, S. 797

Seine Assistenzarztzeit verbrachte er in Magdeburg, Halle und Hamburg. Danach folgte seine Facharztausbildung zum HNO-Arzt in Halle, Straßburg (bei Paul Manasse) und Jena (bei Karl Wittmaack). Nach seiner 1913 erfolgten Habilitation an der Universität Jena wirkte er dort zunächst als Privatdozent. Während des Ersten Weltkrieges war er Kriegsteilnehmer.

Ab 1919 wirkte er in Jena als außerordentlicher Professor. 1922 wurde er als ordentlicher Professor für Medizin an die Universität Graz berufen und leitete dort als Direktor auch die Ohren-Nasen-Halsklinik der Universität.Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, 2. Jahrgang 1926, Spalte 2217 Zange kehrte 1931 als Ordinarius für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde an die Universität Jena zurück und wirkte dort bis zum Eintritt in den Ruhestand 1955. Zudem stand er als Direktor der HNO-Klinik in Jena vor, die er nach seiner Emeritierung noch kommissarisch bis 1957 leitete.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 690

Zeit des Nationalsozialismus und Nachkriegszeit Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gehörte Zange zu jenen Medizinern, welche die rassenhygienischen Maßnahmen der NS-Machthaber unterstützten, so nahm er in Thüringen an den rassenpolitischen Schulungen der Staatsschule für Führertum und Politik teil und fungierte auch als stellvertretender Richter am Erbgesundheitsgericht in Jena. Am 6. Dezember 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.905.507).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/50040535 Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus konnte Zange in der SBZ beziehungsweise später DDR seine wissenschaftliche Karriere problemlos fortsetzen.

Forschung Zange machte sich „um die Entwicklung der Chirurgie und Strahlenbehandlung bösartiger Tumoren der Nasennebenhöhlen und des Kehlkopfes (Zange-Lidrandschnitt)“ verdient. Er war Autor wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Ehrungen 1951: Verdienter Arzt des Volkes 1932: Mitglied der Leopoldina 1955: Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR

Schriften (Auswahl) Die Bedeutung des Atoxyls für die Behandlung der Syphilis, Nietschmann, Halle/Saale 1908 (medizinische Dissertation an der Universität Halle) Die Entstehung der tympanogenen Labyrinthitis: Aus der otolaryngol. Universitätskliniken zu Jena und Straßburg, Bergmann, Wiesbaden 1913 (Medizinische Habilitationsschrift an der Universität Jena) Pathologische Anatomie und ihre Physiologie der mittelohrentspringenden Labyrinthentzündungen: Als Grundlage d. Klinik zugleich e. kurze Klinik dieser Erkrankungen, Bergmann, Wiesbaden 1919 (=Die Ohrenheilkunde der Gegenwart und ihre Grenzgebiete: Nr. 10) Rhinologische und plastische Operationen auf Grenzgebieten mit der Ophthalmologie und Chirurgie, Thieme, Leipzig 1950, zusammen mit: K. Schuchardt. Mit e. Beitr. von W. Kindler (=Ophthalmologische Operationslehre; Lfg. 4)

Literatur Degeners Wer ist's?, Band 10, Verlag Hermann Degener, Berlin 1935, S. 1774

Zange, Johannes. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, Band 10: Thies – Zymalkowski, De Gruyter, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-598-25040-8, S. 797.

Einzelnachweise

Kategorie:HNO-Arzt Kategorie:Burschenschafter (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Graz) Kategorie:Richter (Erbgesundheitsgericht) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1969 Kategorie:Mann Kategorie:Verdienter Arzt des Volkes Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR