mini|Beispiel einer Divisionsflagge der Regulären Volksarmee der Spanischen Republik Ejército Popular de la República (Republikanische Volksarmee), auch Ejército Regular (Reguläre Armee), Ejército Republicano (Republikanische Armee) oder Ejército Popular Regular (reguläre Volksarmee), war der Name der regulären Landstreitkräfte der Zweiten Spanischen Republik während des Spanischen Bürgerkriegs (1936–1939). Die gegenüber der Republik loyalen Reste des alten Heeres wurden von Oktober 1936 an mit den ab dem Juli 1936 als Reaktion auf den Militärputsch ad hoc entstandenen Volksmilizen zur Volksarmee verschmolzen.
Ausgangslage mini|Kabinett Largo Caballero, Sept. 1936 Ab dem September 1936 reorganisierte die republikanische Regierung unter Largo Caballero ihre Streitkräfte.
Militärreform von 1931 mini|Die Gegner der demokratischen Republik, Juan Antonio Morales, 21. Juli 1937 Die bisherige Grundlage der spanischen Streitkräfte war die Militärreform von 1931, die von Manuel Azaña zu Beginn der Republik erarbeitet worden war. Während José Ortega y Gasset die Militärreform ganz ausgezeichnet fand, gab es Kritik von dem Sozialisten Juan Simeón Vidarte, der nach dem Bürgerkrieg darauf hinwies, dass eine republikanische Armee von Unterstützern einer Republik gebildet sein müsste.
Härter geht der Historiker Francisco Alía Miranda mit der Reform ins Gericht: .
Die Spaltung der Armee Der gescheiterte Militärputsch vom Juli 1936, der einen nicht geplanten Bürgerkrieg entfesselte, hatte die bisherige Organisationsstruktur der republikanischen Armee zerstört.
Laut dem Historiker Francisco Alía Miranda betrug die Verteilung der Generäle, Stabsoffiziere, Offiziere und Kadetten nach dem Putsch 8.929 in der republikanischen Zone und 9.294 in der Rebellenzone, und in Bezug auf die Verteilung der Truppen blieben 116.501 in der republikanischen Zone und 140.604 in der Rebellenzone, einschließlich der 47.127 Soldaten, die die in Nordafrika stationierte Armee bildeten. Diese war die am besten ausgebildete und erfahrenste Einheit mit der größten Kampferfahrung, was das Kräfteverhältnis zu diesem Zeitpunkt für die Aufständischen günstig machte. Ein weiteres für die Aufständischen günstiges Element war, dass die Kommandeure und mittleren Offiziere sich weitgehend dem Aufstand angeschlossen hatten. Wenn man die Entwicklung während des Krieges berücksichtigt, sind die Daten ebenfalls sehr günstig für die Aufständischen, denn während in dieser Zeit die Zahl der Kommandeure und Offiziere der Rebellenseite auf 14.104 Soldaten anstieg, verlor die republikanische Seite viele Hauptleute und Offiziere im Verlauf des Krieges. Ein Beispiel ist der Zentrale Generalstab in Madrid. Im September 1936 dienten noch 23 % der Offiziere in der Volksarmee, während es zum Ende des Krieges noch 12 % waren. Die Mehrheit der 18.000 Offiziere in Spanien begrüßten im Juli 1936 den Putsch, da unter ihnen eine konservative, korporative und militaristische Mentalität vorherrschte.
Politische, zivilgesellschaftliche und militärische Reaktionen mini|Anarchistische Miliz „Ascaso“ Die Frente-Popular-Regierung von Santiago Casares Quiroga, meist aus Liberalen der Izquierda Republicana gebildet, hatte keine Hinweise auf einen geplanten Militärputsch beachtet. „Vielmehr wurde jenen, die der Republik nur das Schlechteste wünschten, der Spielraum eingeräumt, einen Putsch zu ihrem Sturz zu planen.“ Eine Armee, die sich gerade in großen Teilen abgesetzt hatte, stand der republikanischen Bevölkerung zu ihrem Schutz nicht zur Verfügung, sodass die städtischen und ländlichen Massen zur Eigeninitiative griffen und sich gegen den Putsch und Hochverrat der reaktionären Kräfte unbewaffnet und bewaffnet zur Wehr setzten. In Barcelona und Madrid wurde so der Putsch erfolgreich verhindert.
Die neue von José Giral geführte Regierung versuchte, eine Freiwilligenarmee auf der Grundlage loyaler Einheiten mit professionellen Kommandeuren zu schaffen, aber die Realität ihrer Selbstauflösung und die Dringlichkeit der Militäroperationen sowie die erfolgreiche Bildung von Volksmilizen, die von Parteien und Gewerkschaftsorganisationen bewaffnet wurden, erschwerten die Reform. mini|Milizionäre bereiten die Verteidigung von Madrid 1936 vor. Im Kriegsministerium wurde die Generalinspektion der Milizen (Inspección General de Milicias) gebildet, die versuchte, das Projekt voranzutreiben und auf jeden Fall die immer weiter entstehenden Milizeinheiten auszubilden, zu koordinieren und richtig zu versorgen. Diese Aufgabe wurde Artillerie-Oberst Juan Hernández Saravia und einem Team von Berufsoffizieren mit Luis Barceló, Antonio Cordón und José Martín-Blázquez anvertraut. Nach der Entlassung von General Castelló wurde Oberst Hernández Saravia neuer Kriegsminister.
Ab Ende Juli 1936 ermöglichte die militärische Unterstützung des nationalsozialistischen Deutschland und des faschistischen Italiens es den Rebellen, die Blockade der Straße von Gibraltar durch die der republikanischen Regierung treu ergebenen Seestreitkräfte zu durchbrechen. Eine Luftbrücke der deutschen Luftwaffe verlegte die aufständischen Einheiten des Ejército de Africa (Afrikanische Armee) auf die Iberische Halbinsel. Damit war eine Vorentscheidung im Krieg gefallen. Diese effektiven und kriegserfahrenen Einheiten standen unter dem Kommando von aufständischen Offizieren und stellten in der Einschätzung von Francisco Franco die entscheidenden Truppen im Bürgerkrieg. Sie durchquerten Andalusien, die Extremadura und nach der Schlacht bei Talavera (1936) Ende August 1936 stand der Weg zur Hauptstadt Madrid offen und ließ die republikanische Regierung erkennen, dass die Gefahr einer militärischen Niederlage real und dass das Milizsystem nicht effektiv war, um sich gegen die rebellischen Militäreinheiten zu wehren. Ein neues Konzept musste her. mini|Caballero mit Offizieren bei einer Inspektion der Kämpfe um den Alcazar am 20. oder 21. September 1936 in Toledo Auf der Grundlage aller in den republikanischen Cortes vertretenen demokratischen Parteien (PSOE, Izquierda Republicana, Alianza Republicana, PCE, PNV, Esquerra Republicana) und der nationalen Gewerkschaftsorganisationen (CNT (Anarchosyndikalisten) und UGT (Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten)) wurde am 4. September eine neue Regierung gebildet, die zusammen das politische Fundament der neuen Volksarmee legte. Francisco Largo Caballero, der neue Ministerpräsident, war das Aushängeschild und stellte sich mit seiner Regierung der Aufgabe, die Spanische Republik zu verteidigen und die Rebellen zu besiegen.
Geschichte Reform der militärischen Struktur: Bildung der Volksarmee (Oktober 1936) mini|Kriegsschauplatz September 1936 In der Debatte, welche Organisationsform die neu zu gründenden Streitkräfte haben sollten, verwarf man unter dem Druck der Ereignisse ein reines Milizsystem und den Guerillakrieg.
In einem Interview mit Michail Kolzow von der Prawda, in Spanien am 16. September in La Libertad veröffentlicht, wird offen über die anstehende Reform gesprochen:
Koordinierte militärische Führung mini|Bewaffnete MilizionärinnenWegen der sich ständig verschlechternden militärischen Lage wurde der Aufbau der Volksarmee, gebildet aus Milizen und den loyalen Resten der alten Armee, die drängendste Aufgabe der neuen Regierung. Das Ressort führte Ministerpräsident Largo Caballero selbst. Am 16. Oktober 1936 wurde in der Gaceta de Madrid, dem Amtsblatt der Regierung, der von allen republikanischen Kräften geforderte Grundsatzbefehl vom Vortag veröffentlicht, mit dem der Ministerpräsident in seiner Funktion als Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber das Kommando über alle bewaffneten und organisierten Streitkräfte übernahm. Dazu zählten ausdrücklich auch alle Milizen. Dieser Prozess wurde auch als „Militarisierung der Milizen“ bezeichnet. Die militärische und strategische Beratung des Ministers oblag dem Generalstab des Ministeriums, der ausdrücklich keine selbstständige exekutive Funktion hatte, sondern seine Amtsgewalt aus der Beratung und Beauftragung durch den Verteidigungsminister bezog.
Mobilmachung der Reservistenjahrgänge 1932–1935 Zudem wurde die Mobilmachung für die Reservistenjahrgänge 1932–1935 angeordnet. Obwohl es in manchen Milizen auch Frauen als Infanteristinnen und Schützinnen gab, wurde diese Entwicklung nicht verstärkt. Traditionelle Rollenzuweisungen überwogen noch. mini|Emblem des Fünften Regiments
Integration der Milizen in die reguläre Armee Rechtliche Grundlage waren ein Dekret zur Militarisierung vom 30. September 1936 und der Grundsatzbefehl vom 16. Oktober 1936, dessen Absatz 5 auch die Integration der Milizen in die reguläre Armee vorsah. Diese Dekrete galten als Beginn des Prozesses zur Schaffung der neuen Volksarmee, der rechtlich gesehen im Februar 1937 abgeschlossen sein sollte. Bis dahin waren die Milizen nach Gewerkschaften und politischen Parteien organisiert gewesen, ohne wirksame Koordination untereinander. „Was die Milizen betrifft, so waren sie unzureichend bewaffnet und schlecht organisiert – »nach normalen Begriffen ein vollkommen undisziplinierter Haufen«, wie Orwell bemerkte.“ Andererseits gab es auch militärisch vorbildliche Einheiten, wie das kommunistische Fünfte Regiment, das in Madrid sein Hauptquartier hatte. Das V. Regimente hatte aktiv die Integration in die neue Volksarmee gefordert. Es trug in der Volksarmee den Namen V. Armee-Korps und zählte zu den Elitetruppen. In Gebieten, in denen anarchistische Milizen die Mehrheit stellten, verzögerte sich die Militarisierung um ein Jahr mit all ihren Folgen für die militärische Lage.
Kriegskommissariat Am selben Tag (16. Oktober) wurde auch das Kriegskommissariat geschaffen. Politische Kommissare hatten die Aufgabe, den Soldaten in allen Einheiten Kampfmoral und Motivation zu verleihen und ihre Zusammenarbeit mit hochrangigen Offizieren sicherzustellen, denen viele republikanische Milizsoldaten nach dem Putsch kein Vertrauen entgegenbrachten. Schon Carnot hatte in der Französischen Revolution die Verlässlichkeit der Berufsoffiziere auf diese Weise überwachen lassen. In der gegnerischen Propaganda war das Kriegskommissariat nur ein Beleg für die kommunistische Durchdringung der Volksarmee. Durch die Arbeit der Kommissare konnten die Milizen in die Armee eingegliedert werden.
Gemischte Brigaden Am 18. Oktober 1936 wurden die ersten sechs Gemischten Brigaden aufgestellt, die die Kolonnen und Milizen ersetzen sollten: Die 1., angeführt von Enrique Líster; die 2. von Jesús Martínez de Aragón; die 3. von José María Galán; die 4. von Eutiquiano Arellano; die 5. von Fernando Sabio; und die 6. von Miguel Gallo Martínez. Drei Brigadeführer (Lister, Arellano und Gallo) stammten aus dem erfolgreichen Fünften Regiment. Seit Oktober und November konnten in Albacete auch die ersten Internationale Brigaden aus freiwilligen Kämpfern aus aller Welt nach diesem Modell aufgestellt werden. mini|¡No pasarán! (Sie werden nicht durchkommen!)
Gesteigerte Widerstandskraft Die Maßnahmen begannen zu greifen, sodass im Laufe des Novembers nach schweren Kämpfen die aufständischen Truppen an der Front von Madrid zum Stehen kamen. Trotz der scheinbar aussichtslosen Lage gelang es, durch umsichtige Führung, den Widerstandswillen der Bevölkerung und eine schließlich verbesserte Ausrüstung den Vormarsch der aufständischen Truppen zum Halten zu bringen.
Vicente Rojo analysierte nach dem Krieg, dass an der Front von Madrid zwar noch ein “ejército de milicias (Heer von Milizen)” erfolgreich für „Recht und Freiheit der Spanier“ kämpfte, aber dort der Geist einer Armee des Volkes, getragen vom Volk, geboren wurde. Die Folge des Misserfolgs von Francos Truppen im November 1936 vor Madrid, der spanischen Hauptstadt, war der Übergang zu einem „langen Zermürbungskrieg“ (Ian Kershaw) mit „grenzenloser Grausamkeit“.
Kriegsschauplätze und militärische Operationen 1936 Belagerung von Gijón Belagerung von Oviedo Belagerung des Alcázars von Toledo