La vera costanza (deutscher Titel: Die wahre Beständigkeit; Hob. XXVIII:8) ist eine Oper (Originalbezeichnung: Dramma giocoso) in drei Akten von Joseph Haydn (Musik). Das Libretto verfasste Francesco Puttini ursprünglich für eine gleichnamige Oper von Pasquale Anfossi, die erstmals 1776 in Rom gezeigt wurde. Haydns Vertonung wurde am 25. April 1779 im Opernhaus von Schloss Esterháza uraufgeführt. Für eine Wiederaufnahme im April 1785 rekonstruierte Haydn die mutmaßlich bei einem Brand verlorengegangene Partitur. Deutsch- und französischsprachige Fassungen wurden später auch unter den Titeln Der flatterhafte Liebhaber oder Der Sieg der Beständigkeit, Laurette oder List und Liebe gespielt.

Handlung

Erster Akt

Meeresstrand bis zum Horizont; an den Seiten Bäume, dazwischen Bauernhäuser und Fischerhütten

Das Meer ist von einem Sturm aufgewühlt. Auf einem Schiff befinden sich die Baronin Irene, der Marquis Ernesto, der reiche Villotto und Irenes Zofe Lisetta. Der Schluss des Vorspiels wird von Meeresgetöse, Blitzen und Donnergrollen begleitet. Die genannten Personen steigen mit Hilfe von Matrosen in ein Boot um, das von den Wellen hin- und hergeschleudert wird. Als der Sturm etwas nachlässt, nähert sich das Boot dem Strand. Die Fischerin Rosina und ihr Bruder Masino kommen erschrocken aus einer Hütte und rufen weitere Fischer um Hilfe herbei (Introduktion: „Che burrasca“).

Die Baronin erkennt in Rosina das Mädchen, das sie als Herrscherin über diese Gegend Villotto zur Braut bestimmt hat. Die beiden sollen noch am selben Tag heiraten (Arie Baronessa: „Non s’innalza non stride sdegnosa“). Sie zieht sich mit Ernesto und Lisetta zurück, und Villotto macht Rosina Komplimente, die bei ihr auf wenig Freude stoßen. Masino verspottet ihn mit deftigen Worten (Arie Masino: „Io che una bestia sei“). Da erscheint Graf Errico, ein Neffe der Baronin, und befiehlt Villotto, auf Rosina zu verzichten. Er versteckt sich in der Nähe, um dessen weiteres Verhalten zu beobachten. Ernesto kehrt zurück und fordert Masino unter Todesdrohungen auf, dafür zu sorgen, dass Rosina Villottos Frau wird. Auch Ernesto versteckt sich. Als die Baronin mit Rosina und Lisetta zurückkehrt, um Villotto zur Entscheidung zu drängen, ist er vollkommen verwirrt. Einerseits würde er Rosina gerne heiraten, andererseits fürchtet er sich vor dem Grafen. Er versucht daher, Zeit zu schinden (Arie Villotto: „Non sparate… mi didisco“). Die Baronin weist ihn darauf hin, dass sie sich durch sein Verhalten gekränkt fühle, und droht Rosina mit dem Tod, sollte sie ihn nicht heiraten. Auch Graf Errico und der Marquis Ernesto wiederholen ihre Drohungen Villotto und Masino gegenüber. Nachdem die Edelleute abgezogen sind, versucht Lisetta, ihren eingeschüchterten Bruder damit zu trösten, dass sie selbst keinen Mann finden könne (Arie Lisetta: „Io son poverina“). Rosina nähert sich zaghaft dem Grafen. Die beiden liebten sich einst und haben sogar heimlich geheiratet, doch dann verlor der Graf das Interesse an ihr und verließ sie. Er weist sie zwar noch immer ab, fühlt sich aber von ihrer Treue gerührt. Dennoch gestattet er Villotto (der die Hoffnung eigentlich bereits aufgegeben hat), sie zu heiraten. Er müsse ihren Widerstand nur erst wie einen Kriegsgegner bezwingen (Accompagnato und Arie Errico: „Mira il campo all’intorno“ – „Al trionfar t’invita“).

Rosina offenbart Lisetta, dass sich Graf Errico vor fünf Jahren in sie verliebt und sie so lange verfolgt und bedrängt habe, bis sie in die Ehe einwilligte. Nur zwei Monate später habe er sie verlassen, und sie habe ihn bis heute nicht wiedergesehen. Stattdessen bekam sie einen Sohn, den sie bis jetzt verborgen halten musste (Arie Rosina: „Con un tenero sospiro“).

Villotto kehrt zurück und umwirbt Rosina erneut. Rosina weiß nicht, was sie davon halten soll (Finale: „Ah che devenni stupida“). Masino wird wütend. Die Baronin und Ernesto treffen ein. Rosina weigert sich, Villotto zu heiraten. Der droht mit Selbstmord. Masino fleht die Baronin und Ernesto vergeblich an, den Heiratsplan aufzugeben. Rosina zieht sich verwirrt zurück. Masino hindert Villotto daran, ihr zu folgen. Lisetta warnt Villotto und Masino vor dem Zorn des Grafen. Die beiden geraten in Panik und versuchen, sich zu verstecken. Als der wütende Errico schließlich eintrifft, fordert Rosina ihn auf, sie zu töten, um ihr Leid zu beenden. Seine alten Gefühle für sie sind jedoch inzwischen zurückgekehrt, und die beiden versöhnen sich. Die Baronin, Ernesto und Villotto überraschen das Paar, und die Baronin zeigt dem Grafen ein Porträt des Mädchens, das sie selbst für ihn ausgesucht hat. Das gefällt Errico so gut, dass Rosina glaubt, er wolle sie wieder fallen lassen.

Zweiter Akt

Hof in Erricos Schloss Belmonte

Die Baronin erklärt Ernesto, dass sie ihn erst nach der Vermählung ihres Neffen Errico heiraten werde. Sonst bestehe die Gefahr, dass die heimtückische Rosina ihn verführen könnte. Masino und Villotto fragen sich, wer von ihnen närrischer ist (Duett Masino/Villotto: „Massima filosofica“). Ernesto erzählt Rosina von seiner Liebe zur Baronin und deren Bedingung. Er fleht sie um Hilfe an (Arie Ernesto: „Per pietà vezzosi rai“). Die Baronin, der Graf, Lisetta und Villotto, die den Schluss dieser Szene mitbekommen, verstehen sie prompt falsch. Alle wenden sich jetzt gegen Rosina (Couplet/Quintett: „Va pettegola insolente“). Diese ist verzweifelt (Accompagnato und Rosina: „Misera chi m’ajuta“ – „Dove fuggo, ove m’ascondo“).

Ein Raum

Der Graf und Villotto steigern sich so sehr in ihre Wut auf Rosina hinein, dass der Graf Villotto befiehlt, sie und ihren Bruder zu töten. Sonst sei er selbst des Todes. Villotto bittet um Zeit, sein Testament zu machen, und flieht (Arie Villotto: „Gia la morte in mante nero“). Als Lisetta Errico darauf hinweist, dass Rosina ihm immer treu geblieben sei, will er sofort zu ihr eilen. Er vergleicht seine wieder erwachten Gefühle mit denen des Orpheus für Eurydike (Accompagnato und Arie Errico: „Mi quale ascolto oh Dei“ – Errico: „Ma che miro? non e quello?“).

Landschaft mit Rosinas Bauernhaus und einem teilweise verfallenen Turm

Rosina will mit ihrem Sohn fliehen (Accompagnato und Arie Rosina: „Eccomi giunta al colmo“ – „Care spiagge, selve, addio“). Da ihr nichts anderes einfällt, sucht sie vorerst im Turm Zuflucht. Masino schläft auf der Suche nach seiner Schwester erschöpft ein. Villotto entdeckt ihn – die perfekte Gelegenheit, ihn zu töten (Finale: „Animo risoluto“). Lisetta tritt dazwischen und entreißt ihm das Schwert. Masino erwacht. Es kommt zu einem kurzen Wortgefecht, bis die beiden Männer abziehen. Die Baronin und Ernesto kommen hinzu, und Lisetta erzählt ihnen von dem Streit. Die beiden interessieren sich aber nur für Rosina und den Grafen. Villotto und Masino kommen zurück, noch immer streitend. Schließlich stellen alle fest, dass niemand weiß, wo Rosina ist, und sie machen sich auf die Suche nach ihr. Unterdessen trifft der Graf auf Rosinas weinendes Kind, das ihm klagt, dass seine Mutter in Ohnmacht gefallen sei. Sie ist ihrem Sohn aber gefolgt, erblickt Errico und wird nun tatsächlich für einen kurzen Moment ohnmächtig. Als sie ihn anschließend mitteilt, dass der Junge sein eigener Sohn sei, versöhnen sie sich wieder. Die anderen kehren zurück und erkennen die Lage. Alle beschimpfen sich gegenseitig.

Dritter Akt

Ein Raum

Rosina und der Graf haben von der Baronin gefälschte Briefe erhalten, die sie gegeneinander aufbringen sollen. Im direkten Gespräch erkennen sie jedoch die Intrige und versöhnen sich endgültig (Duett Errico/Rosina: „Rosina vezzosina“). Als die Baronin mit Ernesto eintrifft, stehen die beiden zu ihrer Verbindung, stellen der Herrscherin ihren gemeinsamen Sohn vor, und Rosina bittet untertänig um Mitgefühl. Die Baronin gibt nach, lobt Rosinas „wahre Beständigkeit“ („vera costanza“) und erneuert ihr Versprechen, Ernesto zu heiraten. Alle preisen die Tugend, die letztlich zum Sieg der wahren Liebe führe (Chor: „Ben che gema un alma oppressa“).

Gestaltung

Orchester

Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:

Holzbläser: Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte Blechbläser: zwei Hörner Pauken Streicher Basso continuo

Die aus Pasquale Anfossis Erstvertonung des Librettos übernommene Arie Nr. 14 benötigt zwei Flöten bzw. Piccoloflöten.

Musiknummern

Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:

Sinfonia – für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher

Erster Akt Nr. 1. Introduktion (Rosina, Masina, später Baronessa, Lisetta, Ernesto): „Che burrasca“ – ohne Tempobezeichnung; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 2. Arie (Baronessa): „Non s’innalza non stride sdegnosa“ – Allegro; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 3. Arie (Masino): „Io che una bestia sei“ – Allegro; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 4. Arie (Rosina): „Con un tenero sospiro“ – Andante; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 5. Arie (Villotto): „Non sparate… mi didisco“ – Allegro; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 6. Arie (Lisetta): „Io son poverina“ – Allegretto; für Flöte, zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 7. a) Accompagnato (Errico): „Mira il campo all’intorno“ – für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner, Pauken und Streicher b) Arie (Errico): „Al trionfar t’invita“ – Allegro Nr. 8. Finale (Rosina, Masetto, Villotto, später Baronessa, Ernesto, dann Lisetta und Errico): „Ah che devenni stupida“ – Allegro con brio; für Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher

Zweiter Akt Nr. 9. Duett (Masino, Villotto): „Massima filosofica“ – Allegro; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 10. Arie (Ernesto): „Per pietà vezzosi rai“ – Andante; für Flöte, zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher Nr. 11. Couplet/Quintett (Rosina, Baronessa, danach Errico, Lisetta, Villetto): „Va pettegola insolente“ – Presto; für Streicher Nr. 12. a) Accompagnato (Rosina): „Misera chi m’ajuta“ – für Flöte, zwei Oboen, Fagott (solistisch mit der Flöte), zwei Hörner und Streicher b) Arie (Rosina): „Dove fuggo, ove m’ascondo“ – Presto Nr. 13. Arie (Villotto): „Gia la morte in mante nero“ – Adagio; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 14. [Musik von Pasquale Anfossi] a) Accompagnato (Errico): „Mi quale ascolto oh Dei“ – für zwei Flöten, zwei Hörner und Streicher b) Rezitative (Errico) im Wechsel mit Instrumentalmusik – Andantino c) Arie (Errico): „Ma che miro? non e quello?“ – Allegretto Nr. 15. a) Accompagnato (Rosina): „Eccomi giunta al colmo“ – Moderato; für Streicher b) Arie (Rosina): „Care spiagge, selve, addio“ – Largo; anschließend Rezitativ Nr. 16. Finale (Villotto, Lisetta, Masino, später alle anderen): „Animo risoluto“ – ohne Tempobezeichnung; für Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher

Dritter Akt Nr. 17. Duett (Errico, Rosina): „Rosina vezzosina“ – Poco adagio; für zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher Nr. 18. Chor: „Ben che gema un alma oppressa“ – ohne Tempobezeichnung; für zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher A) „Que l’amour lui cause d’alarme“ – Larghetto; später Allegro

Libretto und Musik