mini|Die von 1926 bis 1928 an der Stelle der Gasanstalt errichtete Dermatologische Klinik Die bereits seit 1828 diskutierte und seit 1839 geplanteFlorschütz in Nerding, Zwischen Glaspalast und Maximilianeum, S. 148 erste Münchner Gasanstalt oder Gasbeleuchtungsanstalt wurde auf Grund des sogenannten Gasvertrags zwischen dem Bankier Christian Kohler aus Genf (Fa. Kohler und Comp.) und der Stadt München im Jahr 1848 an der Thalkirchner Straße 34–42 (jetzt 48, nördlich der heutigen Einmündung der Waltherstraße) in München errichtet. Ziel war es, die ineffektive Ölbeleuchtung in der Stadt durch das hellere Gaslicht zu ersetzen.
Anlage Die Anlage bestand aus dem Gasometer, zwei Ofenhallen, einem Reinigungshaus und einem 120 Fuß hohen achteckigen Schornstein; 1860 und 1863 wurde je ein weiterer achtseitiger Gasbehälter (mit flachem Kegeldach) angebaut.Florschütz, S. 150 Der Vertrag wurde zunächst auf 25 Jahre geschlossen, aber 1863 um weitere 36 Jahre verlängert. Die Anstalt wies damals drei Gasometer auf.G. R. Nagler: Acht Tage in München. Wegweiser für Fremde und Einheimische. Zweite Abtheilung. Kurze Beschreibung der … Sehenswürdigkeiten …. Druck und Verlag von Georg Franz, München 1863, S. 51/52. Ab 1881 wurde das zweite Münchner Gaswerk am Kirchstein in Steinhausen errichtet. Das Gaswerk an der Thalkirchner Straße stellte seinen Betrieb im Juni 1909 ein.Richard Bauer: Prinzregentenzeit. München und die Münchner in Fotografien. C. H. Beck, München 1988, ISBN 3-406-33396-6, S. 86/87, mit zwei Fotos. Es wurde 1910 abgebrochen.Florschütz, S. 150 Nach der Aufgabe der Gasanstalt wurde auf dem Gelände die städtische Dermatologische Klinik errichtet, der später auch die Dermatologie des Innenstadtklinikums der LMU angeschlossen wurde.
Entwicklung der Gasbeleuchtung in München Die Stadt hatte sich auf Anraten ihres Bürgermeisters Jakob Bauer auf die Verwendung von Steinkohle festgelegt und die bayerische Braunkohle ausgesprochen. Steinkohle bot das besser geeignete Leuchtgas und bei der Gasherstellung bildet sich Koks, der als Brennstoff an die Bevölkerung verkauft werden konnte. Diese Erlöse deckten die höheren Transportkosten. Eine Wahl hatte die Stadt ohnehin nur, weil der Aufbau des Eisenbahnnetzes seit der Eröffnung der Bahnstrecke München–Augsburg 1840 rasch fort schritt und so Massengüter wie Kohle zu akzeptablen Preisen transportiert werden konnten.Christine Rädlinger: München leuchtet – Geschichte der Straßenbeleuchtung in München. Herausgegeben vom Stadtarchiv München, Franz Schiermeier Verlag 2022, ISBN 978-3-948974-18-3, S. 66
Zehn Jahre nach Vertragsschluss waren in der Stadt 1260 Gaslaternen in Betrieb; dafür wurden 106.197 Zentner Kohle zu Gas verarbeitet. Mit dem Aufkommen der elektrischen Beleuchtung erwies sich der Vertrag für die Stadt als zunehmend hinderlich. Ein Schiedsgerichtsverfahren über die Einführung elektrischer Beleuchtung ging 1885 für die Stadt negativ aus. Damit blieb die Stadt bis 1899 an die Gasbeleuchtung gebunden. In diesem Jahr lief der Vertrag aus, der Gasbeleuchtungsgesellschaft ging es an die Existenz. Der damalige Zweite Bürgermeister der Landeshauptstadt, Wilhelm von Borscht, riet, auf die vorgeschlagene Preissenkung nicht einzugehen; am 9. Mai 1891 wurde ein Ablösevertrag geschlossen.Alexander Rotter: Wasser und Strom für München. Anton H. Konrad-Verlag, Weißenhorn 2018, ISBN 978-3-87437-585-6, S. 95/96.
Chronologie der Münchner Gaswerke 1848: Gasanstalt Thalkirchner Straße, stillgelegt 1909, durch Klinik überbaut ab 1926 1881: Gaswerk am Kirchstein, in Betrieb ab 1883, stillgelegt 1927, Abbruch nach Kriegsschäden 1943, seit 1953 Omnibusbetriebshof 1906: Gaswerk Moosach, Produktion ab 1909 bis 1967, danach bis auf Zählerhalle und Wasserturm abgebaut
Literatur Christine Rädlinger: München leuchtet – Geschichte der Straßenbeleuchtung in München. Herausgegeben vom Stadtarchiv München, Franz Schiermeier Verlag 2022, ISBN 978-3-948974-18-3 G. R. Nagler: Acht Tage in München. Wegweiser für Fremde und Einheimische. Zweite Abtheilung. Kurze Beschreibung der … Sehenswürdigkeiten …. Druck und Verlag von Georg Franz, München 1863. (Faksimile-Nachdruck. Carl Gerber Verlag, München 1983, ISBN 3-87249-067-2) S. 51/52, mit Vignette Alexander Rotter: Wasser und Strom für München. Anton H. Konrad-Verlag, Weißenhorn 2018, ISBN 978-3-87437-585-6, S. 84 bis 86, mit Lageplan und Abb. der Gaskessel. Inez Florschütz: 14. Gaswerk, in Wilfried Nerdinger (Hrsg.): Zwischen Glaspalast und Maximilianeum. Architektur in Bayern zur Zeit Maximilians II. 1848–1864, München 1997: Architekturmuseum der Technischen Universität München und Münchner Stadtmuseum (Ausstellungskataloge des Architekturmuseums der technischen Universität München und des Münchner Stadtmuseums Nr. 10), ohne ISBN, S. 148–150.
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in der Isarvorstadt Munchen-Thalkirchner Strasse Kategorie:Versorgungsbauwerk in Bayern Gasanstalt Kategorie:Baugruppe (Städtebau) in München Kategorie:Baugruppe (Städtebau) in Europa Kategorie:Energiewirtschaft (München) Kategorie:Erdgaswirtschaft (Deutschland)