Löwengrube ist eine Familien- und Kriminalserie des Autors Willy Purucker und des Regisseurs Rainer Wolffhardt fürs Fernsehen, die in 32 etwa einstündigen Folgen das Schicksal zweier Münchner Familien über Generationen hinweg vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er-Jahre begleitet. Unter den Hauptdarstellern, die in den meisten Episoden dabei sind, befinden sich Jörg Hube, Christine Neubauer, Franziska Stömmer, Michael Lerchenberg, Gisela Freudenberg, Gerd Fitz, Sandra White, Alexander Duda, Gerd Anthoff und Fred Stillkrauth sowie Luise Deschauer, Erich Hallhuber, Werner Rom, Timothy Peach, Hansi Kraus, Stefan Reck und Tilo Prückner.
Vom Radio ins Fernsehen Ihren Ursprung hat die Serie in einer Hörspielserie mit dem Titel Die Grandauers und ihre Zeit, die von 1979 bis 1985 im Bayerischen Rundfunk lief und das Schicksal derselben Familien nachzeichnet wie die Fernsehserie. Die Hörspielserie endet allerdings mit dem Kriegsende 1945. Weitere geplante Hörspielepisoden wurden nicht mehr produziert, da der Hauptdarsteller Karl Obermayr, der in der Hörspielserie den Ludwig Grandauer sowie dessen Sohn Benno Grandauer verkörperte, starb. Benno Grandauer heißt in der Fernsehserie zu Ehren Karl Obermayers nun Karl Grandauer. Einige Hörspielfolgen wurden nicht für die verfilmten Folgen übernommen. Zunächst beginnt die „Löwengrube“ mit der Hochzeit von Ludwig und Agnes (Folge 3 der Radioserie: „Hochzeit“), zudem passten einige Folgen aus den 1920er-Jahren nicht zur Abteilung, in der Karl Grandauer Dienst tat, nämlich der Mordabteilung, da es hier um Fälle ging, die Betrug zum Inhalt hatten.Wolfgang Zehentmeier: Anfänge im Funk. In: br.de, 8. April 2016. Abgerufen am 30. Dezember 2016.Michael Kubitza: „Der Purucker und seine Zeit.“ In: br.de, 9. Februar 2015. Abgerufen am 30. Dezember 2016.
Die Fernsehserie Die Fernsehserie wurde von 1987 bis 1991 gedreht. Die 13 Folgen der ersten Staffel liefen vom 14. November 1989 bis Februar 1990 erstmals im Fernsehen. Die 13 Folgen der zweiten Staffel wurden 1991 erstmals ausgestrahlt, die 6 Folgen der dritten Staffel waren von Oktober bis November 1992 erstmals im Fernsehen zu sehen. Die Erstausstrahlung erfolgte dabei im Rahmen des BR-Regionalfensters der Dachmarke ARD vor Acht, und wurde später in verschiedenen Dritten Programmen wiederholt. Eine bundesweite Ausstrahlung in Das Erste erfolgte vom 6. Oktober 1997 bis zum 13. Juli 1998. Spätere Wiederholungen liefen u. a. in 3sat, BRalpha, sowie dem Heimatkanal. Von 2009 bis 2018 liefen mehrfach Wiederholungen der Serie im BR Fernsehen.
Drehbuchautor war Willy Purucker, Regie führte Rainer Wolffhardt. Die Aufgabe bestand darin, die großen Ereignisse der Geschichte Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Blickwinkel der ganz normalen, sogenannten kleinen Leute zu zeigen. Zu diesem Zweck wurden bestimmte politische und weltanschauliche Positionen einzelnen Figuren zugeschrieben, um so die Auseinandersetzungen und Entwicklungen in der „großen Politik“ in die Erlebnisse der Familie Grandauer und ihres Umfelds zu übertragen. So ist Adolf Grandauer beispielsweise ein überzeugter Nationalsozialist, Karl Grandauer entspricht weitgehend dem Klischee des „deutschen Beamten“, Adelgunde Soleder spielt die Rolle des naiv-halbgebildeten Hausmütterchens und Kurt Soleder die des jugendlichen Rebellen, der sich gegen jede Art von Obrigkeit auflehnt.
Hintergrund mini|links|Polizeipräsidium München („Löwengrube“) Das Münchner Polizeipräsidium, dessen Hauptadresse Ettstraße 2 lautet, ist auch unter der Bezeichnung „Löwengrube“ bekannt. Der Name geht auf die an den Gebäudekomplex angrenzende Straße Löwengrube zurück.100 Jahre Löwengrube auf bayern.de. Die Bezeichnung wurde als Titel der Fernsehserie übernommen.Löwengrube – Die Grandauers und ihre Zeit auf ARD Plus.
Die Schauspielerin Sandra White verstarb während der Dreharbeiten. Ihr Tod wurde in die Serie eingebaut. Zahlreiche historische Personen tauchen als Randfiguren auf: Karl Scharnagl, der einstige Oberbürgermeister von München; Heinrich Himmler als Schüler; Adolf Hitler, der sich polizeilich anmeldet und später als Putschist in die „Löwengrube“ gebracht wird; Rosa Luxemburg hält in München eine Rede; Pater Rupert Mayer als Häftling; und mit Georg Elsers versuchtem Attentat beschäftigt sich sogar eine ganze Folge. Auch die unmittelbare Nachkriegszeit wird durch die Schauspielerin und Kabarettistin Ursula Herking verkörpert, die das Marschlied 1945 von Erich Kästner intoniert.
Franziska Stömmer (Adelgunde Soleder), Peter Pius Irl (Hauswart Uhl) und Joachim Wichmann (Vater Kampensi) übernahmen ihre Rollen, die sie schon in der Hörspielserie Die Grandauers und ihre Zeit gesprochen hatten, auch in der Fernsehserie. Zahlreiche Sprecher der Hörfunkserie kamen in anderen Rollen zurück. So spielte Gerd Anthoff in der Fernsehserie den Amtmann Deinlein, in der Hörfunkserie hatte er den Adolf Grandauer gesprochen. Toni Berger, der im Radio als Rudolf „Onkel Rudi“ Grüner aufgetreten war, spielte Adam Fröschl. War im Hörspiel Michael Lerchenberg noch als Biwi Lichtl zu hören gewesen, spielte er nun Kurt Soleder. Eine besondere Rolle kam Mona Freiberg zu: Bis zum Ende der Hörspielreihe hatte sie darin die Luise Kreitmeier verkörpert. Als der Tod ihrer Kollegin Sandra White in die Fernsehfassung eingebaut werden musste, kehrte sie zurück, diesmal als Kathi Lipp, die Max in seiner Trauer stützt und schließlich heiratet. Manche Dialoge, etwa eine Auseinandersetzung mit Kurt um dessen ständigen „riskanten“ Witze, hatte sie so ähnlich schon als Luise gesprochen, was durch Meta-Anspielungen („Jetzt hab ich gemeint, die Luise ist es.“) ins Drehbuch eingebaut wurde. Passend zur Ära der Episoden wurde das britische Pasadena Roof Orchestra zur Einspielung des Soundtracks gewonnen.
Auffällig ist die Mehrdeutigkeit vieler Episodentitel, die auf mindestens zwei der drei verschiedenen Handlungsebenen bezogen werden können: auf das Privatleben der Grandauers, auf aktuelle Kriminalfälle und auf die politische Lage. So spielt etwa Umzüge sowohl auf den privaten Wohnungswechsel der Grandauers an als auch auf den Aufmarsch im Rahmen der Hitlerputsches. Die Folge Schlafzimmergeschichten bezieht sich auf das rege Liebesleben einer jungen Frau, das zum Mordmotiv wird, und gleichzeitig spielt sie auf Querelen zwischen den Eheleuten Grandauer um die Anschaffung eines neuen Ehebetts an; Erbschaft bezeichnet sowohl die private Erbschaft, die die Grandauers vom verstorbenen Amtmann Grüner erhalten, als auch das schwere Erbe, das die deutsche Bevölkerung nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches antritt.
Generell arbeitet die Serie mit mehreren Querverweisen, Anspielungen und auch Running Gags: Ein von verschiedenen Figuren immer wieder vorgetragenes Mantra ist ,,So geht alles einmal zu Ende...". Auch können sich verschiedene Leute den Namen Adolf Hitlers vor 1933 nicht merken. Als in Folge 8 ,,Umzüge" ebendieser nach dem Putschversuch 1923 verhaftet wird, heißt es: ,,Jetzt haben wir ihn wenigstens nochmal von hinten gesehen." Tatsächlich ist das der letzte Auftritt Hitlers, ab da sind nur noch Fotos und Radioansprachen im Original präsent. In Folge 16 ,,Tauwetter" (1936) filmt die Kamera auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin bewusst zwei besondere Steine: Das Kriegerdenkmal in Erinnerung an jüdische Gefallene des Ersten Weltkriegs und ein Grabstein mit dem Todesdatum „gefallen in Frankreich“. Damit drückt die Regie aus, wie stark Juden eigentlich in Deutschland eingebunden waren und sich auch im Militär einbrachten. In Folge 23 „Erbschaft“ findet Karl Grandauer 1945 in der Schublade seines verstorbenen Freund und Gönners Grüner das Bild einer leicht bekleideten Frau – genau die Aufnahme, die er in Folge 2 als Jugendlicher mit Freunden gemacht hatte, um Geld zu verdienen.
Nach 32 Folgen war die Löwengrube im Serienjahr 1954 angekommen, als der Bayerische Rundfunk ihr Ende beschloss. Regisseur Rainer Wolffhardt hätte die Geschichte gerne noch bis in die 1970er Jahre ausgedehnt und bedauerte das Ende.
Auszeichnungen 1991 wurde die Serie mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 1992 erhielten Willy Purucker, Rainer Wolffhardt, Jörg Hube und Christine Neubauer dafür den Adolf-Grimme-Preis in Gold.
Episodenliste Staffel 1
Handlung Staffel 1, Folge 1 bis 13 Folge 1 Charivari Frühjahr 1897: Agnes und der Dorfgendarm Ludwig Grandauer feiern in einem Dorf zwischen München und Tölz ihre Hochzeit. Es ist eine bescheidene Feier, die in einem Gasthaus abgehalten wird. Das Paar hat bereits einen dreijährigen Sohn, den kleinen Karli. Der Hausierer Eccell, der gerade in der Gegend ist, bereichert das Fest mit ein wenig Musik. Herr Gantner, ein wohlhabender Münchner, der der Feier mehr zufällig beiwohnt, gerät mit dem Hausierer aneinander, weil er sich von dessen Gesang angegriffen fühlt. Am nächsten Tag ist Gantner spurlos verschwunden. Sofort fällt ein Verdacht auf Eccell. Man findet bei ihm ein Charivari, das laut der Aussage von Gantners Frau ihrem Mann gehöre. Auch unter Gewaltanwendung bleibt Eccell dabei, die silberne Kette gefunden zu haben. Der Verdächtige wird nach München überstellt.
Jahre später findet Grandauer bei einem Toten eine Taschenuhr mit den Initialen „F. G.“, die dieser, wie die Ermittlungen ergeben, in einem Pfandhaus erstanden hatte. Grandauer, der nie daran geglaubt hat, dass der Hausierer etwas mit dem Verschwinden Gantners zu tun hatte, stößt bei seinen Vorgesetzten auch jetzt wieder auf taube Ohren, kann den Fall aber letztendlich doch noch lösen: Der alte Thannhäuser (Schreibname Schober) und sein Sohn haben Gantner umgebracht. Sie wollten von dem wohlhabenden Mann Geld erpressen mit der Lüge, er habe Schobers Tochter Ernie, mit der er ein Verhältnis hatte, geschwängert. Als Gantner sich weigerte, brachten sie ihn um, raubten ihn aus und vergruben ihn. Das Charivari, das er zuvor auf dem Waldweg verloren hatte, wurde von dem Hausierer gefunden. Für ihn kommt die Lösung des Falls allerdings zu spät. Er hat sich in der Untersuchungshaft erhängt.
Darsteller: Jörg Hube: Ludwig Grandauer, Sandra White: Agnes Grandauer, Gerd Fitz: Rudolf Grüner, Fred Stillkrauth: Lederer, Gundi Ellert: Franzi Gaßner (geb. Reschreiter, verw. Fuchs), Gerhart Lippert: Herr Gaßner, Willy Harlander: Wirt, Bert Breit: Eccell, Rolf Castell: Dr. Muggenthaler: Norbert Gastell: Bezirksamtmann Gareis, Marie Bardischewski: Frau Gschmeißner, Willi Röbke: Baierl, Elisabeth Karg: Frau Gantner, Rüdiger Hacker: Herr Gantner, Angelika Sedlmeier: Ernie Schober (Thannhäuser-Tochter), Thomas Obster: Fleischer Schober (Thannhäuser), Michael Sattler, Christian Mader: Karli Grandauer, Julia Gaßner: Luise Grandauer, Thomas Klietsch: Adi Grandauer, Andreas Zappe: Metzger-Willy, Andreas Gepfert: Lichtl-Biwi, Veronika Faber
Folge 2 Abgründe Mai 1909: Ludwig Grandauer ist inzwischen Kriminaloberwachtmeister. Sein Sohn Karli hat Angst, seinen Eltern zu gestehen, dass ihm sein Radl entwendet wurde, da er dann auch eingestehen müsste, dass er mit Freunden im Panoptikum war. Um an Geld für ein neues Rad zu kommen, schlägt ihm einer seiner Freunde vor, Bilder von einem leicht bekleideten Mädchen zu machen, was profitabel sei. Dass Karli im Fotogeschäft Gaßner eine Ausbildung absolviert, erleichtert das Unterfangen. Mit zweien seiner Spezis nötigt der Junge ein befreundetes Mädchen, sich entsprechend vor der Kamera zu präsentieren. Als sie die gut gelungenen Bilder veräußern wollen, verursachen die Jungen mit dem Rad des Freundes einen Unfall und werden von einem Polizisten erwischt, der auch die verräterischen Bilder entdeckt, die auf der Straße gelandet sind. Karli hat jedoch Glück, seine Mutter regelt die Angelegenheit für ihn.