Josef Zora, gebürtig Josef Vacslav Tancibudek oder Josef Tanciburek (* 17. August 1894 in Modřany bei Prag, Österreich-Ungarn; † 2. November 1971 in Prag, Tschechoslowakei) war ein tschechoslowakischer Tontechniker beim heimischen und reichsdeutschen Film, außerdem ein Theaterregisseur und Bühnenschauspieler sowie Kleindarsteller beim Film.
Leben und Wirken Ausbildung und erste Schritte auf der Bühne Tancibudek hatte zum Beginn des Ersten Weltkriegs eine Lehrerausbildung angetreten und sich anschließend im Orgelspiel am staatlichen Konservatorium der Prager Karls-Universität unterweisen lassen. Noch vor Kriegsende entdeckte Tancibudek ein neues Interessengebiet und wechselte zur Bühnenschauspielerei, wo er kleinere Auftritte an Prager Spielstätten absolvierte. In der Spielzeit 1918/19 erhielt er sein erstes Festengagement an das städtische Theater von Mährisch-Ostrau. Als überzeugter Sozialist gründete er gemeinsam mit Jindřich Honzl 1920 ein Theaterkollektiv namens Dědrasbor, wo er auch Regie führte. Zeitgleich widmete sich Tancibudek auch der Vortragskunst (Rezitationen) und half, kulturelle Veranstaltungen für Prager Arbeiter auf die Beine zu stellen. Von 1920 bis 1923 sind auch Filmrollen mit dem vielseitigen Künstler, der sich fortan Josef Zora nannte, nachzuweisen.
Karriere beim Film bis 1945 Das Kino besaß jedoch erst mit Beginn des Tonfilmzeitalters in der Tschechoslowakei (1930) überragende Bedeutung in Zoras Berufsleben. Zwar trat er noch hin und wieder weiterhin vor die Kamera, doch konzentrierte er sich nunmehr die kommenden drei Jahrzehnte ganz auf die Tontechnik und wurde dessen wichtigster Vertreter in der heimischen Kinematografie. Bis zur Annexion seiner tschechischen Heimat durch Hitler-Deutschland (März 1939) sorgte Josef Zora für den guten Ton bei einer Fülle von Prager Unterhaltungsfilmen und arbeitete mit namhaften Regisseuren, allen voran Martin Frič, zusammen. Weitere Kollaborationen erfolgten mit den Regisseuren Gustav Machatý, Karel Lamač, Josef Rovenský und Otakar Vávra.
Ab 1939 konnte Zora mühelos seine Arbeit bei reichsdeutschen Firmen, allen voran die Bavaria Filmkunst, fortsetzen und kümmerte sich um den Ton sowohl bei Filmen die in (bzw. bei) Prag als auch in Münchner Studios entstanden. Dabei kam es zu Zusammenarbeiten mit führenden deutschen Künstlern wie Heinz Rühmann, Theo Lingen, Hans Moser und Johannes Heesters. Zuletzt für die Prag-Film tätig, erlebte Josef Zora 1945 die Befreiung seiner tschechischen Heimat vor Ort.
Die späten Jahre Offensichtlich verübelten die neuen Machthaber Zoras enge Zusammenarbeit mit den Deutschen während des Krieges, denn er blieb bis 1948 beim nunmehr wieder unabhängigen, heimischen Film unbeschäftigt. Danach setzte Josef Zora zwar bis 1961 – zuletzt beim Fernsehfilm – seine Tätigkeit als Tontechniker fort, wurde jedoch deutlich seltener engagiert als in den Jahren zuvor. Auch in den 1950er Jahren kam es mehrfach zu Zusammenarbeiten mit Martin Frič. 1961 zog sich Josef Zora, der auch in Fachpublikationen Artikel zu Filmthemen publiziert hatte, sukzessive ins Privatleben zurück. 1971 starb er, von der Öffentlichkeit weitgehend vergessen, im Alter von 77 Jahren in seiner Heimatstadt Prag.
Filmografie Als Schauspieler 1920: Červená Karkulka 1921: Zelený automobil 1922: Komptoiristka 1922: Koryatovič 1922: Prodaná nevěsta 1923: Únos bankéře Fuxe 1931: Dobrý voják Švejk 1931: Miláček pluku 1932: Lelíček ve službách Sherlocka Holmese 1932: Načeradec král kibiců 1936: Jízdní hlídka 1937: Tři vejce do skla 1938: Lucerna 1938: Slávko nedej se!
Als Tontechniker 1930: Ein Mädel von der Reeperbahn 1931: Dobrý voják Švejk 1931: Karel Havlíček Borovský 1931: Kariéra Pavla Čamrdy 1932: Funebrák 1932: Kantor ideál 1932: Anton Spelec, der Scharfschütze (Anton Špelec, ostrostřelec) 1932: Schwester Angelika (Sestra Angelika) 1933: Ekstase 1933: Junge Liebe (Řeka) 1933: Revizor 1933: Svitáni 1934: Hudba srdcí 1934: Marijka nevěrnice 1934: Matka Kráčmerka 1934: Polenblut 1935: Král ulice 1935: Maryša 1935: Pariserin (Studentská máma) 1936: Uličnice 1936: Vojnarka 1936: Švadlenka 1936: Kinder einer großen Liebe (Děti velké lásky) 1936: Sextánka 1936: Arme kleine Inge 1936: Ein Kamel durchs Nadelöhr (Velbloud uchem jehly) 1937: Der Scheidungsgrund 1937: Advokátka Věra 1937: Batalion 1937: Harmonika 1937: Jan Výrava 1937: Jungfernschaft (Panenstvi) 1937: Der unsterbliche Geliebte (Karel Hynek Mácha) 1938: Panenka 1938: Lucerna 1938: Der Schritt ins Dunkel (Krok do tmy) 1938: Pán a sluha 1939: Osmnáctiletá 1939: Veselá bída 1939: Věra Lukášová 1939: Eva macht Dummheiten (Eva tropí hlouposti) 1939: Seitensprünge 1939: Alles Schwindel 1940: Fahrt ins Leben 1940: Golowin geht durch die Stadt 1940: Im Schatten des Berges 1940: Der Herr im Haus 1940: Was will Brigitte? 1941: Hauptsache glücklich 1941: Familienanschluß 1941: Kameraden 1942: Das große Spiel 1942: Ein Zug fährt ab 1942: 5000 Mark Belohnung 1942: Peterle 1943: Die unheimliche Wandlung des Axel Roscher 1944: Ich bitte um Vollmacht 1944: Bravo, kleiner Thomas 1945: Leuchtende Schatten (unvollendet) 1949: Keine Angst um Peppo! (Pětistovka) 1949: Die Stieftochter des Wilddiebes oder Im Sumpfe der Großstadt (Pytlákova schovanka aneb Šlechetný milionář) 1950: Die Falle (Past) 1951: Wir sind nicht allein (Zocelení) 1953: Geheimnis des Blutes (Tajemství krve) 1954: Die Hundsköpfe (Psohlavci) 1955: Laß mich nur machen (Nechte to na mně) 1956: Robinsonka 1957: Melde gehorsamst (Poslušně hlásím) 1959: Dům na Ořechovce 1960: Český kontert (Fernsehfilm) 1961: Krátkometrážní (Fernsehkurzfilm)
Weblinks Kurzbiografie (auf tschech.) Josef Zora auf filmovyprehled.cz
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