Die Geschichten der Westküste ist eine Romantrilogie der US-amerikanischen Autorin Ursula K. Le Guin, die aus den Romanen Gifts (2004), Voices (2006) und Powers (2007) besteht.
Die Trilogie hatte den Ursprungsgedanken, was passieren würde, wenn ein Kind eine besondere Fähigkeit hat. In Wirklichkeit hat das Kind allerdings eine andere, komplett unbekannte Fähigkeit; wie reagieren Mitmenschen auf diese neue Gabe. Außerdem war es Le Guin wichtig, dass alle drei Werke das Lesen, Schreiben und Erzählen von literarischen Werken beinhalten, da dies Hauptaktivitäten der Protagonisten der unterschiedlichen Romane sind.Le Guin (2020) S. 640Die Geschichten der Westküste gehören nicht nur zu Le Guins letzten Werken, sondern auch zu einer ihrer kürzeren Romanreihen.
Allgemeine Informationen Die Trilogie ist untereinander verbunden, da die Protagonisten Orrec und Gry aus dem ersten Buch in den beiden Folgenden erscheinen.Le Guin (2020) S. 631 Außerdem hat Memer aus dem zweiten Buch in dem dritten Buch einen kurzen Auftritt.Le Guin (2020) S. 158, 605 Bei allen drei Romanen handelt es sich um Geschichten des Erwachsenwerdens der Charaktere und die zentralen Themen der Sklaverei, Stadtbesetzung und mysteriösen Gaben.
Geographisch finden alle drei Handlungsstränge an der fiktiven Region Westküste statt, welche eine Wüste im Osten hat. Die Westküste besteht aus vielen Stadtstaaten. Hierbei spielt das erste Buch in den sogenannten Uplands, einer Region, welche im Norden der Westküste liegt und als abgeschottete, ärmliche Gegend bekannt ist. Das zweite Buch handelt in der Stadt Ansul, welche im Süden liegt.Le Guin (2020) S. 3 Diese Stadt steht hierbei unter Besetzung durch das Wüstenvolk der Alds. Die Stadt ist eine Republik, in welcher der freie Wille eine hohe Bedeutung hat. Das dritte Buch spielt in Etra, einer Stadt, inmitten der Stadtstaaten und liegt somit zentral an der Küste. Dieses Buch zeigt Elemente der Sklaverei.
Gifts Der erste Roman, Gifts wurde im März 2006 in die deutsche Sprache übersetzt. Er handelt von dem 16-Jährigen Orrec und der 16-Jährigen Gry, welche in den Uplands leben und enge Freunde sind. Hier leben die Menschen in Clans, welche gegeneinander ums Überleben kämpfen und sich bekriegen. Die einzelnen Menschen haben verschiedene Gaben, wie beispielsweise das Rufen von Tieren, was Grys Gabe ist, oder das „Rückgängig Machen“, was Orrecs Gabe ist.Le Guin (2020) S. 3–9 Orrecs Vater ist Canoc, ein Uplander der ebenfalls die Gabe des „Rückgängig Machens“ hat. Er fand seine Frau, Orrecs Mutter, Melle, als er außerhalb der Uplands eine Frau suchte. Melle war, im Gegensatz zu den Uplandern, gebildet und konnte lesen und schreiben.Le Guin (2020) S. 19–27 Sie erzählte Orrec und Gry gerne Geschichten, welche sie auch niederschrieb.Le Guin (2020) S. 28–36 Innerhalb des Romanes spielen die Gaben eine wichtige Rolle, da sie überlebensnotwendig sind. Dementsprechend wird immer gespannt darauf gewartet, dass die Kinder ihre Gaben entwickeln, was bei Orrec verhältnismäßig lange dauerte und viel Druck auslöste.Le Guin (2020) S. 28–41
Inhalt Als Orrec mit Canoc und einem Farmer unterwegs ist, wird Canoc beinahe von einer Schlange attackiert, wovor Orrec versucht seinen Vater zu warnen. Jedoch hat Orrec die Schlange auf einmal „rückgängig gemacht“. Dies passiert allerdings unterbewusst. Dies startet ein erstes Unbehagen Orrecs mit seiner Gabe. Als die drei ein andermal unterwegs sind, treffen sie auf Ogge, welcher seinen Besuch ankündigt. Hierbei lädt er Orrecs Familie ein, ihn zu besuchen. Ogge kann durch seine Gabe beispielsweise Menschen langsam sterben lassen.
Vor dem Besuch bei Ogge macht Orrec versehentlich aus rein negativer Emotion seinen Hund rückgängig, sodass dieser stirbt. Hierdurch wird seine Angst vor seiner Gabe und der mangelnden Kontrolle so groß, dass er sich seine Augen verbindet, bis er seine Fähigkeit kontrollieren kann. Bei dem Besuch in Ogges Gebiet zeigt dieser eine Obsession mit Melle, weshalb sie sich entscheiden, früher nach Hause zurückzukehren. In der Nacht, bevor sie zurückkehren, hilft Melle einem kranken Kind und fühlt sich selbst im Anschluss krank.
Zuhause angekommen geht es Melle schlechter, da sie eine Fehlgeburt hatte, und Orrec stellt die Vermutung auf, dass Ogge Melle hat erkranken lassen. Über das folgende Jahr hinweg wird Orrecs Mutter immer kränker, bis sie ein Jahr und einen Tag nach dem Besuch bei Ogge stirbt. Während ihrer Krankheitszeit reden sie und Orrec viel über Geschichten und Melle schreibt diese nieder. Nach Melles Tod und in seiner Trauer nimmt Orrec erstmals im Alleinsein seine Augenbinde ab, um ein Buch seiner Mutter im Privaten zu lesen. Dieses Lesen wird zur Tradition für Orrec und zu etwas, worauf er sich freut. Des Weiteren stellt Gry die Theorie auf, dass die Gaben eigentlich für positive Dinge und nicht zur Zerstörung verwendet werden sollten. Außerdem erzählt Orrec eine Geschichte, bei der alle Zuhörer gespannt zuhören. Diese Erzählung hört auch ein dort anwesender Lowlander, welcher zum aktuellen Zeitpunkt zu Besuch ist. Dieser erzählt, dass Gry und Orrec in den Lowlands dank ihrer Gaben sehr beliebt wären, wobei er Orrecs Gabe als die des Machens und Erzählens klassifiziert. Anschließend denkt Orrec selbst über seine Gabe nach und stellt die Vermutung auf, dass er in allen Situationen nicht das jeweilige Tier „rückgängig gemacht“ hat, sondern dies immer sein Vater war. Daraufhin konfrontiert er Canoc, welcher Orrecs Theorie bestätigt.
Nachfolgend entfernt Orrec seine Augenbinde und geht wieder seinem vorherigen Leben und Pflichten nach. Hierbei werden Orrec, Canoc und andere Farmer jedoch überfallen und Canoc stirbt. Nach der Beerdigung beschließen Orrec und Gry dem Rat des Lowlanders zu folgen und reiten, als verheiratetes Paar, in Richtung Süden.Le Guin (2020) S. 41–148
Überlebenskampf innerhalb des Romanes In dem Roman Gifts, findet ein Überlebenskampf zwischen verschiedenen Clans in den Uplands statt. Jede einzelne Gruppierung will die individuelle Abstammung mit der eigenen Gabe verteidigen.Le Guin (2020) S. 9 Des Weiteren haben die Personen zum Teil Angst voreinander aufgrund der Stärke der Gabe.>Le Guin (2020) S. 5 So gibt es auch Clans, in welchen die Gabe nicht zum Kämpfen dient, weshalb sie weiter abgeschieden wohnen. Ein Beispiel hierfür ist die „Morga Abstammung“, welche innere Krankheiten und Schwächen sehen können.Le Guin (2020) S. 8
Rezensionen Die Rezensionen verschiedener Literaturkritiker des Romans sind durchgehend gut. Das Buch sei authentisch und wird als Standard gesetzt. Dem Kritiker Bill Capossere falle es schwer, überhaupt etwas negatives zu finden. So sei der Plot voller Spannung und die Charaktere voller Dimension. Diese Punkte werden ebenfalls von Rich Horton gelobt. Ihm sei allerdings der Bösewicht zu fies.
Einen leichten Kontrast hierzu bildet die Goodreads-Statistik. Hier hat der Roman bei 9.894 Bewertung 3,75 von 5 Sternen erhalten.
Voices Der Roman Voices handelt von der Protagonistin Memer, welche von Geburt an ein Mitglied des Hauses Galvamand in der Stadt Ansul ist. Das Haus Galvamand hat eine geheime Bibliothek, zu welcher nur Memer und der Waylord, der Kopf des Hauses, Zutritt haben. Des Weiteren bietet der Waylord Memer an, sie im Lesen zu lehren. Schon bevor Memer geboren wurde, wurde Ansul von dem Wüstenvolk der Alds überfallen und eingenommen.Le Guin (2020) S. 151–158 Da die Alds Bücher als dämonisch ansehen, dürfen die Bücher die Bibliothek nicht verlassen. Andernfalls würden die Bücher mitsamt Memer und dem Waylord versenkt und somit vernichtet werden.Le Guin (2020) S. 159–166
Inhalt Als Memer eines Tages zum Markt geht, hört sie auf ihrem Weg von der Ankunft eines Geschichtenerzählers aus den Uplands. Auf ihrem Rückweg zum Haus trifft sie auf Gry Barre, welcher sie einen Schlafplatz für sie und ihre Tiere anbietet. Nachdem Gry sich eingerichtet hat, gehen sie und Memer zurück zum Markt, um dort Grys Mann Orrec beim Geschichtenerzählen zuzuhören. Als die drei zurück zum Haus gegangen sind und gemeinsam essen, äußert Orrec sein Interesse an Büchern und offenbart seine und Grys Einladung zum Palast der Alds. Im Nachhinein berichten sie, dass sie von dem Gand Ioratth, welcher der Führer der Ansuler Alds ist, empfangen wurden und Orrec ihm Poesie vortrug. Zudem laden sie Memer ein, sie beim nächsten Mal zu begleiten.
Nach deren erneutem Besuch erklärt der Waylord Orrec, dass die Alds viel von ihm als Macher und Wahrheitserzähler halten. Überdies berichtet er von einer geplanten Rebellion der Bewohner Ansuls. Nachdem sie vom erneuten Palastbesuch zurückkehren, macht der Waylord Orrec klar, dass er auch für das Volk eine wichtige Rolle spiele, da das Volk auf ihn als Macher höre.
Anschließend erzählt der Waylord Memer von dem Orakel des Hauses, welches aus einer Wasserquelle in der geheimen Bibliothek und dem Brunnen außerhalb besteht. Nach einer öffentlichen, bewegenden Rede seitens Orrec am folgenden Tag, erhält er erneut eine Einladung zum Palast.
Im Anschluss an Orrecs und Grys erneutem Besuch wird der Palast der Alds von den Rebellen in Flammen gesetzt, wobei viele Alds und auch der Gand Ioratth ums Leben kommen. Durch den Tod Ioratths ist sein Sohn Iddor der neue Gand. Jedoch erfahren sie am nächsten Morgen, dass Iddor machthungrig war und den Tod seines Vaters vorgetäuscht hat. Als Iddor am nächsten Tag zum Haus Galvamand kommt, um den Tod des Vaters zu rächen, aktiviert der Waylord das Orakel, wodurch der Brunnen wieder funktioniert und das Orakel durch Memer als Medium sagt, dass jemand freigesetzt werden solle.
Darauf folgend geht Orrec mit einer Menschenmenge zum Palast und befreit Ioratth. Orrec hält eine Friedensrede und sagt, dass die Bewohner Ansuls ein Anrecht auf ihre Stadt haben. Allerdings gesteht der Gand, das dies außerhalb seiner Kontrolle liege.
Als Ruhe eingekehrt ist, erhalten sie das Angebot der Alds, dass Ansul ein unbesetzter Teil der beschützten Staaten von Asudar werden könne und im Gegenzug Steuern zahlen müsse. Durch die Annahme dieses Angebotes wird Ansul wieder zu einer freien Stadt, es kehrt Frieden ein, Memer erkennt ihre wichtige Rolle dem Haus gegenüber an und Gry und Orrec bieten Memer einen Platz bei deren Reisen an.Le Guin (2020) S. 167–336
Büchervernichtung Die Büchervernichtung in Voices wird religiös begründet. Das Vernichten der Bücher lief so ab, dass bei dem Fund eines Buches die Priester der Alds kamen und daraufhin Sklaven das Buch im Kanal oder in der See mit Steinen beschwert versenkten. Im Anschluss wurden die Besitzer des Buches ebenfalls mit Steinen beschwert versenkt. Die Bücher wurden von den Alds verbannt, da diese dämonisch sind, weshalb die Priester die Bücher nicht selbst berühren.Le Guin (2020) S. 159 Allerdings galten nicht nur Bücher als dämonisch, sondern jegliche Form des geschriebenen Wortes.Le Guin (2020) S. 258 Diese Aversion übertrug sich allerdings nicht auf das gesprochene Wort. So sprach der Gand Ioratth beispielsweise gerne mit Orrec über Poesie und Geschichten und hörte sich diese an.Le Guin (2020) S. 202
Außerdem nahm die Religion einen großen Einfluss auf die Art der Entsorgung der Bücher, da Bücher in Ansul nicht verbrannt werden durften. Dies liegt daran, dass Feuer mit dem Gott Atth der Alds in Verbindung steht, da er als „Brennender Gott“ bezeichnet wird. Somit wird den Büchern die Ehre des Brennens verweigert.Le Guin (2020) S. 159–160
Rezensionen