mini|Ford-Werk Saarlouis Ford Saarlouis Body & Assembly (SB&A) ist ein ehemaliges Automobilwerk am westlichen Stadtrand von Saarlouis im Saarland und gehört zur Ford-Werke GmbH, der deutschen Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Kfz-Herstellers Ford Motor Company.

Geschichte Der Bau des Werks begann 1966 auf dem 288.000 m² großen Gelände eines ehemaligen Flugplatzes. Am 16. September 1966 wurde der Grundstein gelegt. 1968 begann die Produktion von Karosserieteilen für Renault. Das Werk begann am 16. Januar 1970 mit der Automobilproduktion und wurde sechs Monate später im Juni 1970 in Anwesenheit von Henry Ford II offiziell eröffnet. Es sollte gemeinsam mit dem Werk in Halewood den kurz vorher eingeführten Ford Escort produzieren, mit dem Ford gegen den Opel Kadett auf den Märkten Kontinentaleuropas antrat. Zum Zeitpunkt der Werkseröffnung war Großbritannien, wo der Escort seit Ende 1967 produziert wurde, nicht Teil der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, und es war nicht klar, ob oder wann es beitreten würde.

Im Dezember 2018 kündigte Ford an, als Teil eines europaweiten Umstrukturierungsplans die Zahl der Schichten und der Arbeitsplätze in Saarlouis zu reduzieren, um Kosten zu senken. Im Juni 2022 kündigte das Unternehmen an, seine zukünftigen Elektromodelle bei Ford Valencia Body & Assembly zu produzieren. Im Februar 2024 wurde nach Verhandlungen mit der IG Metall ein Sozialtarifvertrag geschlossen, nachdem 1000 Mitarbeiter bis 2032 am Standort weiter beschäftigt werden sollen und weitere Mitarbeiter durch eine Transfergesellschaft übernommen werden sollen. Nach dem Ende des Fahrzeugbaus sollen am Standort noch Ersatzteile für den europäischen Markt hergestellt werden. Zwischen Herbst 2023 und Ende 2024 wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts der Arbeitskammer des Saarlandes Interviews mit Beschäftigten, Betriebsratmitgliedern und Gewerkschaftern geführt, um die Transformation aus Sicht der Arbeitnehmer zu dokumentieren.Ines Heisig: Nach der Arbeit an den Maschinen. In: saargeschichte|n 1-25, Heft 76, S. 82f

Das letzte Auto im Werk Saarlouis, ein weißer Ford Focus, wurde am 17. November 2025 produziert.

Das Werksgelände wurde im Dezember 2024 von der gwSaar, einer landeseigenen Gesellschaft, für 95 Millionen Euro gekauft. Der Pharmadienstleister Vetter Pharma kaufte einen noch nicht bebauten Teil des Geländes und plant dort eine Produktionsstätte mit 2000 Arbeitsplätzen.

Produzierte Modelle ModellProduktionszeitFord Escort1970 – 1998 (6.517.352 Stück in Saarlouis produziert)Ford Capri1971 – 1975Ford Fiesta1976 – 1980Ford Orion1983 – 1990Ford Focus1998 – 2025Ford C-Max2003 – 2010 und 2014 – 2019Ford Kuga2008 – 2012 In den produktionsstärksten Jahren in den 1980ern wurden in dem Werk täglich 1350 Autos hergestellt. Es produzierte im August 1983 sein dreimillionstes, 1990 sein fünfmillionstes Fahrzeug, am 1. Juli 2005 das zehnmillionste und am 19. Dezember 2019 das fünfzehnmillionste. Von 2013 bis 2018 wurde in Saarlouis zudem das erste Serien-Elektroauto von Ford in Europa produziert, der Ford Focus Electric. Insgesamt wurden bis November 2025 im Werk Saarlouis mehr als 15,6 Millionen Automobile hergestellt.

Beschäftigtenzahlen

Die Mitarbeiterzahlen haben sich wie folgt entwickelt: JahrMitarbeiter19715600197881001996560019996500200272002005680020136000201460002016600020187255201963002020550020244400Mai 20254400August 20252300Dezember 20251000

Noch im Mai 2025 war das Werk der drittgrößte privatwirtschaftliche Arbeitgeber im Saarland; in den 2010er Jahren hatte es in der Statistik an Platz 2 gestanden. 79 % der Mitarbeiter stammten aus Deutschland und 11 % aus dem etwa 10 km südlich gelegenen Frankreich. Es gab auch bedeutende Gruppen von Mitarbeitern aus Italien und der Türkei. 7 % der Belegschaft waren weiblich.

Nach Angaben des Saarländischen Rundfunks von Mitte November 2025 waren zu diesem Zeitpunkt noch 2700 Arbeitnehmer in dem Werk beschäftigt, von denen 1700 bis Ende des Monats entlassen werden sollten. Die ca. 1000 verbliebenen Beschäftigten übernehmen dann am Standort die Herstellung und den europaweiten Vertrieb von Ersatzteilen.

Einzelnachweise

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