Der Brand in der UpStairs Lounge ereignete sich am 24. Juni 1973 in New Orleans. In der Schwulenbar kam es zu einer Rauchgasexplosion, als die Eingangstür geöffnet wurde, da die zum Lokal führende Treppe brannte. In dem Feuer starben 32 Gäste, über 30 wurden verletzt. Die meisten der Opfer waren schwule Männer, einige von ihnen gehörten der lokalen Gemeinde der Homosexuellen-Freikirche Metropolitan Community Church (kurz MCC) an.

Die Polizei und die Brandschutzbehörde gingen von Brandstiftung aus. Es gab einen Hauptverdächtigen, der kurz vor Ausbruch des Feuers der Bar verwiesen worden war. Er tauchte nach dem Brand für einige Zeit unter. Später wurde er verhört, was jedoch nicht zu neuen Erkenntnissen führte. Nach seinem Suizid 1974 fanden sich keine neuen Hinweise, weswegen die Ermittlungen 1980 eingestellt wurden. Die Brandursache blieb unklar. Viele Homosexuelle warfen der Polizei eine durch Homophobie und Indifferenz geprägte Arbeitsweise bei den Ermittlungen vor.

Die Medien berichteten zunächst über das Feuer, was sowohl in der regionalen als auch in der nationalen Presse nicht lange anhielt. Von der Stadtregierung oder anderen öffentlichen Stellen erfolgten keine Stellungnahmen, wie sie bei Vorfällen mit Todesopfern üblich waren. In der Stadtbevölkerung war der Brand nur kurz ein Gesprächsthema, wobei viele Bürger darauf mit Gleichgültigkeit beziehungsweise homophoben Bemerkungen reagiert haben sollen.

In der Stadt gab es 1998 zum 25. Jahrestag des Brands die erste große Gedenkveranstaltung. Seitdem wird in New Orleans in der Regel alle fünf Jahre der Opfer offiziell gedacht. Daneben folgten von der katholischen Kirche und der Stadtregierung öffentliche Entschuldigungen für das Verhalten ihrer Institutionen nach dem Feuer.

Drei Verstorbene mit ungeklärter Identität und ein Toter, dessen Familie nicht ausfindig gemacht werden konnte, wurden in unmarkierten Armengräbern beerdigt. Die Angehörigen des bekannten Verstorbenen erfuhren erst 2015 davon und suchen seitdem seinen Leichnam. 2018 wurde einer der unbekannten Toten mutmaßlich identifiziert, was umstritten ist.

Trotz der unklaren Ursache wird das Feuer in der UpStairs Lounge aufgrund der damaligen Ermittlungsergebnisse häufig als Brandanschlag bezeichnet. Es galt daher bis zum Anschlag von Orlando am 12. Juni 2016 als der Angriff auf die US-amerikanische LGBT-Gemeinschaft mit den meisten Todesopfern.

Vorgeschichte

Eröffnung der UpStairs Lounge alt=Das Bild zeigt ein zweistöckiges Gebäude in einer Wohnstraße. Das Erdgeschoss ist backsteinfarben, das Obergeschoss olivgrün. Im Erdgeschoss befinden sich mehrere Schaufenster und Türen zu Geschäften, im Obergeschoss etliche Fenster. In der Straße stehen einige Straßenschilder und schwarze Mülltonnen.|mini|Ehemaliger Standort der UpStairs Lounge. Sie befand sich im ersten Stock dieses Gebäudes.Nach den Stonewall-Demonstrationen wurden in den USA vermehrt Schwulenbars eröffnet,Dudley Clendinen, Adam Nagourney: Out for Good. Simon & Schuster, New York City 1999, ISBN 0-684-81091-3. so auch 1970 im French Quarter von New Orleans. Dazu gehörte die UpStairs Lounge im namensgebenden ersten Obergeschoss eines Gebäudes an der Kreuzung von Iberville Street und Chartres Street. Sie zeichnete sich durch ihre gesellige Atmosphäre besonders aus, weswegen dort verschiedene Gruppen wie Weiße und Schwarze oder Hetero- und Homosexuelle aufeinander trafen. Dank der vergleichsweise liberalen Einstellungen in New Orleans besuchten bald viele queere Kunden von außerhalb, vor allem aus dem Süden, die UpStairs Lounge. Ein weiterer Grund für ihre Beliebtheit über die Stadtgrenzen hinaus war die Tatsache, dass dort im Gegensatz zu anderen LGBT-Treffpunkten nie polizeiliche Razzien durchgeführt wurden. Das lag wahrscheinlich an der Diskretion, die die Betreiber von den Gästen verlangten.

Gründung der MCC-Gemeinde 1970 gründete sich in New Orleans eine Gemeinde der Metropolitan Community Church (kurz MCC), einer protestantischen Freikirche für homosexuelle Christen. Als sie ihren Stammtreffpunkt verlor, bot Phil Esteve, Eigentümer der UpStairs Lounge, ihr einen unbenutzten Hinterraum der Bar als neuen Gebetsraum an. Einige Zeit später stellte der mit dem MCC-Pastor Bill Larson befreundete Pfarrer Bill P. Richardson der Gemeinde eine Nebenkapelle in seiner St. George’s Episcopal Church zur Verfügung.James T. Sears: Stonewall: Rebels, Rubyfruit, and Rhinestones: Queering Space in the Stonewall South. Rutgers University Press, New Brunswick 2001, ISBN 0-312-20025-0, S. 95–106. Die UpStairs Lounge blieb für viele MCC-Mitglieder ein Stammlokal.Russell Pregeant: Reading the Bible for all the wrong reasons. Fortress Press, Minneapolis 2011, ISBN 978-1-4514-1794-4, S. 64.

Brandhergang Ausgangslage Am Abend des 24. Juni 1973 waren zwischen 60Clayton Delery-Edwards: The Up Stairs Lounge Arson: Thirty-Two Deaths in a New Orleans Gay Bar, June 24, 1973. McFarland & Company, Jefferson 2014, ISBN 978-1-4766-1510-3. und 90 Gäste in der UpStairs Lounge,Robert W. Fieseler: Tinderbox: The Untold Story of the Up Stairs Lounge Fire and the Rise of Gay Liberation. Liveright, New York City 2018, ISBN 978-1-63149-165-8. als es zu zwei Zwischenfällen kam. Ein angetrunkener Gast flüsterte durch den Türspalt einer Toilettenkabine anderen „aggressive sexuelle“ Bemerkungen zu. Zur selben Zeit bot der Kunde David Dubose dem Gast Steven Duplantis eine sexuelle Dienstleistung an. Weil Duplantis trotz seiner Ablehnung von Dubose bedrängt wurde, meldete er den Vorfall dem Barkeeper Buddy Rasmussen und dessen Aushilfe Hugh Cooley. Kurz nachdem Duplantis ihnen die Begegnung mit Dubose geschildert hatte, berichtete der Kunde Michael Scarborough Rasmussen und Cooley, was ihm auf der Toilette zugeflüstert wurde. Die Angestellten gingen zur Kabine und forderten den Mann auf, zu gehen. Er suchte stattdessen nach Scarborough und beschimpfte ihn. Dieser schlug ihm ins Gesicht, worauf der Mann gedroht haben soll, er werde die Bar samt Gästen „niederbrennen“. Rasmussen und Cooley warfen ihn hinaus, anschließend auch Dubose.

Ausbruch des Feuers Gegen 19:52 Uhr betätigte jemand durchgehend eine Klingel im Erdgeschoss des Gebäudes, in dem sich die Bar befand. Auf diese Weise kündigten sich von Gästen gerufene Taxifahrer an. Da niemand ein Taxi bestellt hatte, bat Cooley einen Bekannten, den Fahrer wegzuschicken. Als er die Tür öffnete, kam es zu einer Rauchgasexplosion, weil die zur Bar führende Treppe brannte, was einen schweren Brand auslöste.Ken Summers: Queer Hauntings: True Tales of Gay & Lesbian Ghosts. Lethe Press, Amherst 2009, ISBN 978-1-59021-239-4, S. 77.

Rasmussen stieß Warnrufe aus, wurde jedoch nur von ungefähr 20 Gästen gehört. Er führte sie durch einen unmarkierten Notausgang aufs Bardach und so auf ein Nachbargebäude. Andere Kunden schlugen Fenster ein, die mit ungefähr 36 Zentimeter langen Gitterstäben gesichert waren. Ein paar Gäste schafften es, sich durch diese zu zwängen, die meisten blieben aber stecken. 15 Personen überlebten, weil sie die Feuertreppen am Gebäuderand erreichten. Wegen deren fehlender Stufen mussten sie aus einer Höhe von mehreren Metern auf die Straße springen.

Einsätze der Rettungskräfte und Polizei Die Feuerwehr löschte den Brand ungefähr 17 Minuten nach Eintritt. Danach begannen Feuerwehrmänner und Freiwillige mit der über dreistündigen Leichenbergung. Die Körper wurden von herbeigerufenen katholischen Priestern gesalbt und in die Pathologie transportiert. Andere Feuerwehrleute leisteten den Verletzten Erste Hilfe, die etwas später von den Priestern die Krankensalbung erhielten und ins Krankenhaus gebracht wurden. Zudem untersuchte die Polizei die Brandschäden. Während der Einsätze versammelten sich Hunderte Schaulustige vor der Ruine der Bar.

Verstorbene und Verletzte Todesopfer1. Joseph Henry Adams2. Reginald Eugene Adams3. Guy Andersen4. Joe William Bailey5. Luther Boggs6. Louis Horrace Broussard7. Herbert Dean Cooley8. Donald Walter Dunbar9. Adam Roland Fontenot10. David Stuart Gary11. Horace Getchell12. John Thomas Golding13. Gerald Hoyt Gordon14. Glenn Richard Green15. James Walls Hambrick16. Kenneth Paul Harrington17. William R. Larson18. Ferris LeBlanc19. Robert K. Lumpkin20. Leon Richard Maples21. George Steven Matyi22. Clarence Joseph McCloskey23. Duane George Mitchell24. Larry Stratton25. Eddie Hosea Warren26. James Curtis Warren27. Willie Inez Warren28. Perry Lane Waters29. Douglas Maxwell Williams30.–32. Drei unidentifizierte Männer In der Bar starben 28 Männer und eine Frau. Laut Autopsie erstickten sieben Personen, während die restlichen ihren Brandwunden erlagen. Von den 15 Personen, die mittlere bis schwere Verbrennungen erlitten, befanden sich sechs in einem lebensbedrohlichen Zustand. Einige von ihnen waren aus den Fenstern gesprungen. Weitere Überlebende trugen nur leichte Brandverletzungen und Platzwunden davon.

Die einzige weibliche Tote kam aus Monroeville und hatte die Bar mit ihren Söhnen besucht. Die beiden wohnten in Pensacola und starben ebenfalls beim Brand. Sieben weitere Tote stammten jeweils aus Dadeville, Jacksonville, Cornersville (Tennessee), Jackson, Tampa, Waggaman (Louisiana) und Jefferson Parish.

Zehn der Verstorbenen waren Mitglieder der MCC von New Orleans. Daneben starben beim Brand drei Angestellte der UpStairs Lounge sowie zwei Paare.

Vier Tage nach dem Brand erlag James Walls Hambrick im Krankenhaus seinen Verletzungen, Anfang Juli folgten Luther Boggs und Larry Stratton. Damit erhöhte sich die Zahl der Toten auf 32.

Ermittlungsverfahren Klärung der Brandursache Der Polizeichef Henry Morris ging von Brandstiftung aus, nachdem er am Ende der verbrannten Treppe eine leere Ronsonoldose fand. Ronsonol ist ein petroleumhaltiger Feuerzeugbrennstoff. Im Fernsehen sprach der Feuerwehrchef William McCrossen aufgrund der schnellen Ausbreitung der Flammen sowie der hohen Opferzahl ebenfalls von wahrscheinlicher Brandstiftung. Sam Gebbia und Charles Schlosser, die zuständigen Ermittler der Mordkommission, waren hingegen der Ansicht, dass eine Brandstiftung möglich sei, aber nicht zweifelsfrei bewiesen werden könne. Das lag an den fehlenden Fingerabdrücken auf der Ronsonoldose und Rückständen des Stoffs in der Bar.

Identifizierung der Verstorbenen Die Verstorbenen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und trugen zumeist keinen Ausweis bei sich. Der Polizei dienten deswegen Hinweise aus der Öffentlichkeit über den Schmuck einiger Toter sowie Hotelzimmerschlüssel und Überreste von Führerscheinen aus den Barruinen als vorübergehende Identitätsnachweise. Die Ermittler erhielten daneben Anrufe von Personen, die Bekannte unter den Opfern vermuteten. Sie notierten die Namen und baten die Anrufer, ihnen Zahnabdrücke der Betreffenden zu schicken. Die Identität vieler Toter konnte so bestätigt werden. Ein für die Identifizierung günstiger Umstand war, dass etliche Stammkunden der UpStairs Lounge Patienten eines beim Brand gestorbenen Zahnarztes waren. Seine Sekretärin ging mit dessen Zahnunterlagen zur Polizei, da sie ahnte, dass er unter den Toten war, und überließ den Beamten Patientenakten. Trotz der vielfachen Sendungen von Zahnabdrücken konnten drei Männer nicht identifiziert werden.

Aufspürung der Verdächtigen

Duboses Befragung Gebbia und Schlosser fanden den ersten aus der Up Stairs Lounge verwiesenen Gast nicht. Sie ließen deshalb Kollegen nach dem zweiten Verdächtigen Dubose suchen und ihn sowie seinen Partner aufs Revier bringen. Kurz darauf befragten die Ermittler James Smith, bei dem sich Dubose zum Brandzeitpunkt angeblich aufgehalten hatte. Smith schilderte, dass er Dubose nach dessen Rauswurf gegen Bezahlung in seine Wohnung mitnahm, ihm eine Mahlzeit zubereitete, mit ihm Sex hatte und ihn anschließend in eine andere Bar brachte. Duboses spätere Aussage stimmte vollständig mit der von Smith überein, weswegen er nicht mehr als verdächtig galt. Suche nach dem zweiten Verdächtigen