mini|Komponenten der Atelier-Serie, 1979 bis 1990
Die Unterhaltungselektronik der Braun AG gehörte bis zu ihrer Auflösung 1990 zum „Artikelbereich Elektronik“. Der Artikel beschreibt den zeitlichen Rahmen und die Produkte. Bis 1991 wurden Plattenspieler und Lautsprecher noch bei Braun in Kronberg hergestellt.
Anfänge 1933 stellte Braun die ersten Rundfunkgeräte „Mozart“ und „Edelsuper“, sowie Ende der 1930er Jahre Kofferradios her. (PDF-Datei) Nachdem die Söhne des Gründers Max Braun 1951 das Unternehmen übernommen hatten, legten sie das Augenmerk auch auf das Design der Geräte, die dann 1955 erschienen. Seitdem zeichneten sich die Braun-Produkte durch ein unverwechselbares Design aus, das international Anerkennung fand und in Fachkreisen als stilbildend für deutsches Design gilt. Dazu war die Einstellung des Innenarchitekten Dieter Rams 1955 ein entscheidender Schritt.
Bis 1970 gehörten auch Blitzgeräte zum Artikelbereich Elektronik, wurden dann aber dem Artikelbereich Foto zugeordnet.
Zeitlicher Ablauf mit Produkten ab 1955 Tischradios mini|Röhrenradio Braun „SK 2“ von 1955
SK 1
Das Tischradio Braun SK 1 ist ein Röhrenradio, das von Fritz Eichler und Artur Braun 1954 entworfen wurde. Die neu entwickelten Tischradios „SK 1“ sowie „SK 2“ wurden 1955 auf der Düsseldorfer Funkausstellung vorgestellt. Der „SK 1“ war eines der ersten Braun-Produkte aus der Abteilung für Formgestaltung und leitete das neue Produktdesign des Unternehmens ein. TS-G 1954 entwarf Hans Gugelot für Braun das Tischradio TS-G. Als Rundfunk-Chassis wurden ein RC55AUK, RC55 AU, RC56 AUK oder ein RC60 verbaut, das Gehäuse war in Ahorn oder Nussbaum natur erhältlich. 1955 kostete das TS-G 360 DM. G 11 Das Röhrenradio G 11 wurde 1955 von Hans Gugelot entworfen und hat auf der Vorderseite oberhalb der Radioskala eine Metall-Jalousie, das Gehäuse ist Ahorn, und es wurde das Radio-Chassis RC60 verwendet. 1955 kostete das Tischradio 310 DM. Das Röhrenradio „G 11“ und der Plattenspieler „G 12“, beide in Ahorn, waren die ersten Bausteine einer Anbauserie. 1956 folgte passend zu diesen Geräten das Braun Fernsehgerät „FS-G“. TS 1 Das Gerät war in Nussbaum natur oder Rüster erhältlich. Entwurf von den Werkstätten Thun, 1955. RT 20 Der Tischsuper RT 20, entworfen von Dieter Rams, war erhältlich mit weißer Metallfront und buchefurniertem Gehäuse oder einer graphitfarbenen Metallfront und einem Gehäuse aus Birnenholzfurnier. Verbaut wurde ein Rundfunk-Chassis 31. Es wurde 1961 für 278 DM angeboten.
Radio-Phono-Kombinationen mini| „Phonosuper SK 61“ von 1962
Phonosuper SK 4
Der „Phonosuper SK 4“ von 1956 besteht aus einem Röhrenradio und einem Plattenspieler in einem ganzseitig geschlossenen Gehäuse aus Metall und Holz mit einem Acrylglasdeckel, deswegen umgangssprachlich „Schneewittchensarg“ genannt. Entworfen wurde diese Radio-Phono-Kombination von Hans Gugelot und Dieter Rams. PK 1 Das Modell „PK 1“ wurde von den Werkstätten Thun in Jettingen entworfen und erschien 1956. Das Gehäuse aus Nussbaum ist im sogenannten „Werkstättenstil“ gehalten. Die Radio-Phono-Kombination besteht aus dem Rundfunk Chassis RC 60, dem Plattenspieler PC3 und hat drei Lautsprecher. Mögliche Typen-Bezeichnungen sind: RC60, RC61, RC55UK oder RC56AUK. combi Die von Wilhelm Wagenfeld entworfene Radio-Phono-Kombination „combi“ gehört zu den Kofferempfängern und verfügt über die Möglichkeit des Batteriebetriebs. Das Gehäuse aus stoßfestem Kunststoff in lichtgrauen Farbtönen hatte rote Knöpfe und wiegt nur 4,4 kg. Als das Gerät 1955 von Braun vorgestellt wurde, fiel es besonders durch sein ungewöhnliches Design auf. Der Röhren-Kofferempfänger kostete 223 DM ohne Batterien. Er hat einen Empfänger für Mittelwelle und Langwelle sowie eine eingebaute Ferritstab-Antenne. Der Plattenspieler mit Spezialmotor ist für 17 cm Langspielplatten mit 45 Umdrehungen pro Minute ausgelegt. Eine Besonderheit war, dass das Gerät über einen abnehmbaren Tragriemen, einen Halter für sechs 17 cm Schallplatten im Deckel, eine automatische Sparschaltung bei Phonobetrieb und eine Drucktasten-Automatik verfügt.
Musiktruhen/Musikschränke mini|Musiktruhe „PK-G5“, 1957/1958 mini|Musikschrank „HM 6-81“ von 1958 mini|Fernsehgerät HF 1, 1958, Herbert Hirche
Das Erscheinungsbild der Braun-Musikschränke wurde vor allem von Herbert Hirche von der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, von Hans Gugelot, den Werkstätten Thun und der Werkkunstschule Krefeld geprägt. Hirches Musikschränke gehörten zu den Braun-Spitzenprodukten; sie gehörten unter anderem zur Ausstattung der Musterwohnungen auf der Berliner Interbau von 1957 aber auch zur Ausstattung des Jazzkellers Frankfurt.
In den 1960er-Jahren wurde der Wandel vom Designmöbel zum designorientierten Gerät vollzogen, somit verließ auch Braun den Tonmöbelbereich. Die in Ahorn, Palisander oder Nussbaum furnierten Gehäuse wurden im Laufe der Jahre durch kompakte Aluminiumgehäuse und später Kunststoffgehäuse ersetzt.
HM 6 1957 entwarf Herbert Hirche den Musikschrank „HM 6“. Eer besteht aus dem Röhrenradio „RC 62“, 1958 aus dem Stereo-Röhrenradio „RC 7“ oder „RC 8“ und dem Plattenwechsler Telefunken „TW 501 Ron 2“. Das Gehäuse aus Teak oder Nussbaum Natur hat ein passendes Holzuntergestell und kein Stahlgestell erhalten. Der Stereo-Verstärker leistet 2×6 Watt, das Empfangsteil ist für die Wellenbereiche Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle und UKW ausgelegt. Er ist mit zwei Konzert-Lautsprechern und einem Mittel-Hochton-Lautsprecher bestückt. 1958 kostete der „HM 6-81“ 1030 DM.
PK-G Hans Gugelot entwarf 1955 den Musikschrank „PK-G“, der aus einem Holzgehäuse aus Ahorn besteht und mit dem Röhreradio-Chassis „RC 60“ sowie einem Plattenspieler „PC 3“ bestückt ist sowie den „PK-G2“, wie der PK-G, der im Unterteil einen großen Schallplattenschrank hat. Der Plattenspieler wird durch eine verschiebbare Glasplatte vor Staub geschützt. 1956 folgte der „PK-G3“ mit RC61, der „PK-G4“, 1960 der „PK-G5“ und 1961 das letzte Modell der „PK-G51“, eine Stereo-Kombination mit RC 82B.
Fernsehgeräte mini|Fernsehgerät „FS 6“, 1962, Herbert Hirche Braun hatte 1955 mit FS1 und FS2 noch Fernsehgeräte mit Holzgehäuse gefertigt, und Herbert Hirche noch 1957 den Fernsehschrank HFS 2 mit Holzgehäuse gestaltet; alle hatten mittig angeordnete Bildschirme. HF 1 1958 erschien das HF1. Sein von Herbert Hirche gestaltetes Gehäuse zeigte eine graue Kunststoffoberfläche. Die Technik stammte von Telefunken. Die Bildröhrendiagonale betrug 43 cm. Die Bedienungselemente waren unter einer Klappe in der Gehäuseoberseite platziert. Er diente auch als Motiv der 1,10 DM-Briefmarke aus der Serie Design in Deutschland 1999.
Weitere Modelle FS Die Modelle FS 3, 4, 5 und FS 51 zwischen 1958 und 1962 hatten eine mittig angeordnete 53-er und 59-er Bildröhre in einem weißen Rahmen.
1964 gestaltete Dieter Rams das Standgerät FS 80 mit einem Holzgehäuse, das mit hellgrauem Kunststoff beschichtet war; seine Rückwand bestand aus grauem Kunststoff. Das Gerät war auf einem Fußgestell drehbar und frei im Raum aufstellbar.
Farbfernseher Das FS 1000 war 1967 das erste Farbfernsehgerät von Braun. Das Gehäuse war hellgrau und hatte eine 63-er Bildröhre mit satiniertem Bildschirm (Hersteller: Westinghouse), um Reflexe zu vermindern. Im Bereich Fernseher gab es dann eine 15-jährige Pause, die erst 1985 mit dem TV 3 endete; sein Design war von Peter Hartwein. Er hatte eine 70er Bildröhre von Thomson Brandt, aber keine eigenen Lautsprecher, da er im Kontext der Braun Atelier-Anlage stand; außerdem konnte ein Lautsprechermodul LTV in der Breite der übrigen Atelier-Komponenten verwendet werden.
Kompaktgeräte (Steuergeräte) mini|Skala und Tasten der Radio-Plattenspieler-Kombination „Studio 1“ von 1958
Studio 1 Die Gestaltung des Kompaktgerätes „Studio 1“ von Hans Gugelot und Herbert Lindinger dauerte von 1956 bis 1957, und die Serienproduktion begann im Januar 1958. Das Mono-Steuerteil (Radiochassis 62/5) sowie der von Wilhelm Wagenfeld entworfene viertourige Schallplattenspieler „PC 3“ wurden in einem 610 mm breiten, 235 mm tiefen und 300 mm hohen Gehäuse aus grauem Polyester integriert. Da das „Studio 1“ über keinen eigenen Lautsprecher verfügte, wurde es nur zusammen mit dem von Gerhard Lander entworfenen Braun-Lautsprecher „L3“ angeboten. Diese Kombination von Kompaktgerät und Lautsprecher erfüllte bereits beinah HiFi-Qualität. Braun präsentierte das „Studio 1“ auch im April 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel in der deutschen Bibliothek. Anfang 1958 wurde diese Anlage zum Preis von 1080 DM angeboten und bereits im Januar 1959 sank der Verkaufspreis beider Teile auf 960 DM.
Das Radiochassis beinhaltet ein neu entwickeltes Niederfrequenz-Teil, der die Elektronenröhren EC80, ECC83, 2 × EL84 und den Gleichrichter SSF B300C130 enthält. Sein Frequenzbereich beträgt 20 bis 50.000 Hz ±2dB. Der Regelbereich für Höhen und Tiefen wurde erweitert und die Endstufe liefert etwa 15 Watt Musikleistung. Das Röhrenradio verfügt über einen Langwelle-, Mittelwelle-, Kurzwelle- und UKW-Empfangsbereich sowie über die vier Betriebsarten Radio, Phono, Tonband und Reserve, die über Drucktasten wählbar sind.
Das Schallplattenspieler-Chassis, ein viertouriger Braun „PC 3“, hat ein Kristall-Abtastsystem mit einem Frequenzbereich von 30 bis 18.000 Hertz. Im Betrieb ist ein zweistufiges Geräuschfilter zuschaltbar sowie ein Vor-Entzerrer, der die Anpassung an die verschiedenen Schneidkennlinien der Schallplatten bewirkt.
Der Braun-Lautsprecher „L3“, ein Zweiwege-Lautsprechersystem mit 15 Watt Leistung bestehend aus einem 300 mm Tiefmitteltöner und vier dynamischen Hochton-Lautsprechern, wurde in einer langen Versuchsreihe von Gerhard Lander entwickelt. Das Gehäuse, eine Art Sideboard, aus Nussbaumfurnier mit Stahlgestell und einer weißen Deckplatte aus Resopalfunier hat die Außenmaße von 1000 mm Breite, 710 mm Höhe und 480 mm Tiefe und ein Gewicht von etwa 40 kg. Es wurde innen mit schallarmem Material ausgekleidet, und um Resonanzstellen durch stehende Wellen zu verhindern wurden rechte Winkel weitgehend vermieden. Die vier 100 mm Hochtöner sind als Fächer unterhalb der Resopalplatte montiert, um den Abstrahlwinkel zu vergrößern. Durch den in die Vorderseite montierten 30 cm Lautsprecher und eine rechtwinklige trapezförmige Öffnung auf der rechten Seite hat der L3 eine Art von Bassreflex-Gehäuse.
Atelier Dieter Rams entwarf 1957 das erste „Atelier“-Modell, das Kompaktgerät aus Rüster und weißem Metall hatte keinen eingebauten Lautsprecher und war noch ein Mono-Röhrenradio mit einem „PC 3“-Plattenspieler. Schon 1958 erschien mit dem Steuergerät „Atelier 1“ einer der ersten Braun-Stereo-Geräte. Mit dem Radio-Chassis „RC 7“ und dem Stereo Plattenspieler „PC 3SV“. Der Atelier konnte mit der Braun Lautsprecherbox „L 1“ ergänzt werden. TC 20 Die flach gebaute Kompaktanlage „TC 20“ erschien 1963, das Gehäuse besteht aus Metall und Kunststoff und hat eine Abdeckung aus Plexiglas. Dieter Rams entwarf dieses Transistorgerät in den Farben graphit und weiß. Das „TC 20“ ist ein Stereogerät für die Wiedergabe von Stereoschallplatten, das aber nur nach Einbau des Adapters TD 20 Stereo-Rundfunksendungen wiedergeben kann. Es wurde das damals neue Plattenspielerchassis „P2“ verbaut, mit justierbarem Gegengewicht und einem Abtastsystem „Elac KST107“. Das Steuergerät empfängt UKW, Mittel- und Langwelle und hat getrennte Regler für Höhen und Tiefen sowie einen Balanceregler.
HiFi-Geräte