mini|Wiwilíbrücke – Radverkehrsknotenpunkt Freiburgs

Der Radverkehr stellt in Freiburg im Breisgau das Verkehrsmittel mit dem größten Anteil am Gesamtverkehr dar. Das Radfahren hat eine große Bedeutung innerhalb der Freiburger Stadtgesellschaft. Freiburg gehört seit Jahren neben Münster und Karlsruhe zu den drei Großstädten mit dem besten Ruf in Sachen Radverkehr in Deutschland.

Allgemeines Die Stadtbevölkerung verwendet für 31 % der Wege das Fahrrad. Das Fahrrad ist damit vor dem Fußverkehr mit 26 % und dem Auto mit 20 % das am häufigsten genutzte Fortbewegungsmittel. Für Wege, bei denen Start und Ziel innerhalb Freiburgs liegen, wird zu 34 % das Rad verwendet vor dem Fußverkehr mit 29 % und dem Auto mit 17 %. Freiburg erreicht damit im Vergleich zu Städten mit ähnlicher Größe deutlich überdurchschnittliche Werte und gehört in Europa zu den Großstädten mit dem höchsten Anteil des Umweltverbundes und dem geringsten Anteil des Autoverkehrs.

Das erste Radverkehrskonzept wurde von der Stadt Freiburg im Jahr 1970 erstellt und seitdem mehrfach weiterentwickelt.

Nachdem im Doppelhaushalt 2021/22 nach dem Fuß- und Radentscheid 16,6 Mio. Euro für den Ausbau des Fuß- und Radverkehrs vorgesehen waren, wurde der Betrag im Doppelhaushalt 2023/24 auf 9,8 Mio. Euro deutlich reduziert. Im Doppelhaushalt 2025/26 folgte eine weitere Reduzierung auf 9,0 Mio. Euro.

Freiburg verfügt insgesamt über 195 km bauliche Radwege (straßenbegleitende wie auch selbständig geführte), 34 km Radfahrstreifen, 4 km Schutzstreifen und 10 km Fahrradstraßen. Im Vergleich beträgt die Gesamtstraßenlänge ca. 500 km.

Wichtigster Knotenpunkt des Freiburger Radnetzes ist die Wiwilíbrücke über die Bahngleise am Hauptbahnhof, die an Spitzentagen von über 17.000 Radfahrenden befahren wird. Die Wiwilíbrücke ist als reine Fahrradstraße für den Kfz-Verkehr nicht gestattet. Fahrradstraßen sind ohne weitere Zusatzzeichen für den Kfz-Verkehr gesperrt. Die meisten Fahrradstraßen erlauben nichtsdestotrotz Kfz-Verkehr durch Zusatzzeichen.

Im März 2022 wurde an drei Kreuzungen im Stadtteil Stühlinger neben den Testkreuzungen zum bundesweit ersten Mal von der vom Bund neu geschaffenen Möglichkeit Gebrauch gemacht, einen Grünen Pfeil für den Radverkehr zu installieren. Dieser ermöglicht an einer Ampelanlage das Rechtsabbiegen für den Radverkehr bei Rotlicht in der Wirkung wie ein Stoppschild.

Freiburg ist Mitglied der AGFK (Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen) in Baden-Württemberg, erhielt zweimal die Auszeichnung Fahrradfreundliche Kommune (s. auch Wirkungen und Auszeichnungen) und hat die „Qualitätsstufe“ der AGFK BW erreicht.Hohe Qualität im Fuß- und Radverkehr: Freiburg erhält Würdigung auf greencity.freiburg.de, veröffentlicht am 28. Oktober 2024, abgerufen am 23. April 2025

Seit 2021 nimmt Freiburg an der Aktion Stadtradeln teil. Teilnehmer haben dabei auch die Möglichkeit, ihre Radfahrten von einer App aufzeichnen zu lassen. Die dadurch erzeugten Daten werden für die Radverkehrsplanung verwendet.

Fuß- und Radentscheid

Der Fuß- und Radentscheid ist ein Verbund lokaler Initiativen, die in verschiedenen Städten im Bundesgebiet das Ziel verfolgt oder verfolgt hat, durch Bürgerentscheide die Verkehrssituation für den Fuß- und Radverkehr zu verbessern. In Freiburg gründete sich die Initiative im Sommer 2019 aus der Mitte verschiedener bestehender Verbände etwa dem ADFC, VCD und Greenpeace. Die Initiative sammelte ab Juli 2020 Unterschriften für zwei konkrete Vorhaben: einmal die Herstellung eines radverkehrsfreundlichen Innenstadtringes und einmal ein allgemeines Maßnahmenprogramm zur Verbesserung des Rad- und Fußverkehrs für die kommenden Jahre. Zwischen Juli und Oktober wurden ca. 42.000 Unterschriften gesammelt und der Stadtverwaltung übergeben. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat erklärten das Bürgerbegehren für unzulässig, erarbeiteten allerdings ein Maßnahmenprogramm, das eine Stärkung des Rad- und Fußverkehrs vorsah. Als direkte Folge wurde im Jahr 2022 auf dem Schlossbergring als Teil des Innenstadtringes ein Fahrstreifen, die bis dahin dem Kfz-Verkehr vorbehalten war, dem Radverkehr zugeschlagen, wodurch der bisherige Radweg als Gehweg genutzt werden konnte.

Fahrradverleihsystem Frelo mini|Frelostation am Europaplatz

In Freiburg existiert das stationsbasierte Fahrradverleihsystem „Frelo“, das im Mai 2019 eingeführt wurde. Dieses wird von der Freiburger Verkehrs AG betrieben und von Nextbike geliefert. Zu Beginn gab es 400 Leihräder an 56 Stationen.

Mittlerweile stehen knapp 1.157 Räder, davon 206 Pedelecs und 22 Lastenräder, an 175 Stationen zur Verfügung. Für Studierende der Freiburger Hochschulen ist die Benutzung der Frelos in der ersten halben Stunde im Rahmen des Semesterbeitrages inbegriffen.

Im Jahr 2025 wurden über 816.000 Fahrten mit den Rädern absolviert, im Rekordmonat im Juni 2026 insgesamt 94.632 im Stadtgebiet Freiburg. Im Vergleich dazu verzeichnete MVG-Rad in München und Umgebung im Jahr 2024 bei 4.500 Rädern ca. 700.000 Ausleihen pro Jahr. Neben dem Hauptbahnhof und der Mensa in der Altstadt sind die Stusie als größtes Studierendenwohnheim in Freiburg und die Station Albertstraße im Institutsviertel im Stadtteil Neuburg die meistfrequentierten Stationen. An besonders frequentierten Stationen wird Werkzeug zur Reparatur der privaten Fahrräder zur Verfügung gestellt.

Im Februar 2025 wurde die Ausschreibung für den Zeitraum von 2026 bis 2031 abermals von Nextbike gewonnen. Es besteht eine Verlängerungsoption um weitere zwei Jahre. Seit 2026 wurde im Zuge der Ausweitung des Fahrradverleihsystems ins Umland neben der Leihe herkömmlicher Fahrräder die Leihe von Pedelecs ermöglicht. Hierzu wurden im Freiburger Stadtgebiet ca. 70 Pedelecs angeschafft, die an allen Stationen ausgeliehen und zurückgegeben werden können. Die Zahl der Stationen im Stadtgebiet wurde von 95 auf 113 erhöht.

Ausweitung in das Umland

Ab 2020 wurden Teststationen in den Freiburger Ortschaften und der Umlandsgemeinde Umkirch errichtet. Ab 2021 erhielten auch die Umlandgemeinden Gundelfingen und Merzhausen Teststationen, die nach Ablauf des Testzeitraumes als feste Stationen fortgeführt wurden. Im März 2024 folgten Denzlingen, Vörstetten und Reute, im Juli Bad Krozingen und im August Schallstadt

Seit der neuen Ausschreibungsrunde ab März 2026 wurde Frelo im Landkreis Emmendingen auch in Emmendingen, Kenzingen, Elzach und Sexau mit insgesamt 22 Stationen eingeführt. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wurde das Fahrradverleihsystem in Ebringen, Kirchzarten, Gottenheim, Bötzingen und Staufen mit insgesamt 40 Stationen eingeführt. Die Anzahl der Stationen insgesamt wuchs auf 175, die Zahl der herkömmlichen Fahrräder auf 929. Zusätzlich kamen 206 Pedelecs neu hinzu. Ab 2027 werden zudem Müllheim und Breisach teilnehmen.

Anbindung der Gewerbegebiete

Im Oktober 2023 wurden zur Anbindung des Industriegebietes Hochdorf drei neue Stationen in Betrieb genommen, die durch dort ansässige Unternehmen mitfinanziert werden. Zwei Stationen befinden sich im Industriegebiet selbst, eine weitere am nahe gelegenen Haltepunkt Hugstetten an der Breisacher Bahn. Damit wurde auch die Gemeinde March in das Einzugsgebiet aufgenommen.

Im Gewerbepark Breisgau, der größtenteils zum Gemeindegebiet Eschbach gehört, stehen seit April 2024 fünf Stationen zur Verfügung, eine weitere am ca. 1,5 km entfernten Bahnhof in Heitersheim. +JahrStationenRäderPedelecsLastenräderAusleihenNutzer201956400— —220.000202074530— —300.03816.500202184615—20374.56736.000202292720—20583.44646.0002023100780—20675.00066.0002024119—20755.00080.0002025120—20816.400103.035202617592920622

Fahrradmitnahme In den Zügen des Regionalverkehrs ist die Fahrradmitnahme wie überall in Baden-Württemberg in der Regel kostenfrei. Ausnahmen gelten für die Stoßzeiten wochentags zwischen 6.00 Uhr und 9.00 Uhr, für die ein Fahrradticket gelöst werden muss.

Die Schauinslandbahn kann mit pro Gondel zwei Fahrräder transportieren, für die ein Fahrradticket gelöst werden muss.

In der Straßenbahn in Freiburg ist die Fahrradmitnahme ausgeschlossen. Geplant ist jedoch die Einführung eines Tests zur Fahrradmitnahme nach 22 Uhr, sofern genügend Platz vorhanden ist. In den Bussen im Stadtgebiet ist keine Fahrradmitnahme möglich. Wochenends und feiertags in den Sommermonaten verkehren im Freiburger Umland auf der Linie 7215 Kirchzarten – Notschrei – Todtnau und 7300 Zell im Wiesental – Feldberg – Titisee spezielle Radbusse, die bis zu fünf Räder transportieren können. Für den Transport eines Rades muss ein Fahrschein gelöst werden.

Radverkehrskonzept mini|RadNETZ plus

Im April 2023 wurde das sogenannte RadNETZ plus als neues Radverkehrskonzept der Stadt Freiburg im Breisgau im Gemeinderat beschlossen. Das RadNETZ plus stellt eine Aktualisierung des im Jahr 2012 entwickelten Radverkehrskonzept 2020 dar. Der Plan für das zukünftige RadNETZPlus sieht vier sogenannte Radschnellwege und acht Radvorrangrouten vor. Der Fokus liegt dabei auf einem durchgehend befahrbaren Netz, bestehende Engstellen sollen nach und nach behoben werden.

Die Radschnellwege sollen dabei über die Stadtgrenzen hinaus attraktive Radverkehrsverbindungen ins Umland darstellen, die Radvorrangrouten dienen der Abwicklung des innerstädtischen Verkehrs. Der Radschnellweg in Richtung Norden nach Emmendingen und Waldkirch in Form eines Y ist in Bau, geplant sind zudem ein Radschnellweg in Richtung Osten nach Kirchzarten, ein Radschnellweg in Richtung Süden nach Bad Krozingen und ein Radschnellweg in Richtung Westen nach Breisach. Die Achsen sind bereits zum jetzigen Zeitpunkt durchgehend befahrbar. Es geht bei der Umsetzung vor allem um die Verringerung von Zeitverlusten an Kreuzungen, Verbreiterungen der Flächen für den Radverkehr, um Überholungen zu erleichtern, und die Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Das RadNETZ plus stellt eine Aktualisierung und Priorisierung des Radverkehrskonzepts 2020 dar. Im RadNETZ plus sind weniger Routen vorgesehen als im Radverkehrskonzept 2020. Der Fokus liegt hier neben der Erhöhung der Verkehrssicherheit auf der schnellen Umsetzbarkeit, sodass die meisten Strecken mit größeren und komplexeren Projekten aus dem Radverkehrskonzept 2020 nachrangig betrachtet werden. Das RadNETZ plus stellt lediglich eine Schwerpunktsetzung für den Ausbau des Radverkehrs dar, das Radverkehrskonzept 2020 behält seine Gültigkeit neben dem RadNETZ plus.

Selbstverständlich ist Freiburg auch in das RadNETZ Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de eingebunden. Dessen Alltagsrouten verbinden Freiburg über den Stadtteil Zähringen und über Gundelfingen mit Emmendingen und mit Waldkirch, über Umkirch und Gottenheim mit Breisach, über den Stadtteil St. Georgen und über Schallstadt mit Bad Krozingen und mit Kirchzarten. Diese Strecke soll perspektivisch über Hinterzarten nach Titisee-Neustadt verlängert werden („Zielnetz“). Die jetzige Strecke von Kirchzarten nach Hinterzarten hat eher touristischen Charakter.

Radschnellwege Radschnellwege mit einem Potential über 2.500 Radfahrer pro Tag erlangen den Status einer Landstraße. Bei Landstraßen liegt die Baulast grundsätzlich beim Land Baden-Württemberg. Kommunen mit mehr als 30.000 Einwohnern tragen allerdings die Baulast innerhalb ihrer Ortsdurchfahrten. Radschnellwege mit einem Potential von 2.000–2.500 Radfahrern pro Tag werden als Kreisstraßen eingestuft. Die Baulast tragen die Landkreise. Der Baulastträger ist zuständig für die Planung, den Bau und die Unterhaltung des jeweiligen Verkehrsbauwerkes. Die Bedeutung dieser Schwelle in finanzieller Hinsicht wird durch die Gewährung von Zuschüssen durch das Land Baden-Württemberg und den Bund abgemildert.