Die Alliance for Responsible Citizenship (ARC) ist ein rund um den Initiator Jordan Peterson gegründeter Quasi-Think-Tank.What does a Jordan Peterson conference say about the future of climate change? Apparently we’re headed towards ‘human flourishing’. In: The Guardian, 9. November 2023. Abgerufen am 26. März 2025. Zusammen mit John Anderson und Philippa Stroud gab dieser im Juni 2023 die Gründung in London bekannt. Die Organisation ist unter diesem Namen seit Januar 2023 als Limited Company (Ltd.) in England und Wales eingetragen. Die Direktoren sind Alan McCormick und Jonathan Hill.

Aktivitäten

Anfang November 2023 führte die Organisation ihre erste internationale Konferenz in London durch. Aus Teilnehmerkreisen wurden ein „links-grünes Narrativ der Permakrise“, „Kultureller Marxismus“ und ein „Mangel an persönlicher Verantwortung“ kritisiert sowie ein „kulturelle[r] Wandel“ propagiert, „der den Menschen und seine schöpferische Kraft nicht mehr (nur) als Ursache, sondern als Lösung der gegenwärtigen Krisen sieht“. An der Konferenz nahmen über 1000 Delegierte teil, Konservative und Rechte aus der ganzen Welt. Auf der Konferenz wurde der Klimawandel zwar nicht direkt geleugnet, Berichte über die Gefahren der globalen Erwärmung wurden aber als „unehrlich“ und „irreführend“ dargestellt; Greta Thunberg wurde unterstellt, sie leide unter einer Persönlichkeitsstörung. Die Konferenz wurde als Teil des breiteren „Anti-Wokeismus“ eingeordnet.

An einer weiteren Konferenz Anfang 2025 nahmen gemäß geleakter Teilnehmerliste unter anderem Manager fossiler Energiekonzerne, Mitglieder der Regierung Trump, Verbündete von Klimawandelleugnerorganisationen, politische Führungspersönlichkeiten aus Europa und rechte Tech-Milliardäre teil.How Jordan Peterson became a global anti-net zero power broker. In: Canada's National Observer, 24. März 2025. Abgerufen am 26. März 2025. Außerdem nahmen christliche Influencer wie der rechtsextreme Blogger Leonard Jäger (der den YouTube-Kanal „Ketzer der Neuzeit“ betreibt) teil. Verschiedene Teilnehmer beschrieben die Veranstaltung als „rechtes Davos“, Mega-Kirchen-Versammlung oder „Rettet-den-Westen-Versammlung“.Part megachurch, part political rally: inside London’s ‘rightwing Davos’. In: Economist, 20. März 2025. Abgerufen am 26. März 2025.

Während bei der ersten Konferenz laut Canada’s National Observer noch vorsichtig über den Klimawandel gesprochen wurde, scheine bei der zweiten Konferenz „diese scheinbar vorsichtige Herangehensweise einer vollständigen Klimaleugnung zu weichen“. Unter anderem ging es offensiv um Bekämpfung von Klimaschutz und Verbreitung von gegen erneuerbare Energien gerichteten Narrativen. Peterson erklärte bei einem Panel mit Nigel Farage, die übergeordneten Ziele der ARC in Bezug auf den Klimawandel seien die Entlarvung des „Klimaschwindels der Umweltschützer“ und die Beendigung der „entsetzlichen Politik“ von Netto-Null-Emissionen. US-Energieminister Chris Wright sagte, Netto-Null-Emissionen seien ein „bösartiges Ziel“, und ergänzte in Anlehnung an kursierende Verschwörungstheorien, sie seien „mit Sicherheit ein mächtiges Instrument, um die Macht der Regierung und die Kontrolle von oben zu vergrößern und die Freiheit der Menschen einzuschränken“.

Organisation Es sind zwei Gesellschafter des Unternehmens Alliance for Responsible Citizenship bekannt, eine in Dubai registrierte Investment-Management-Gruppe namens Legatum Ventures und der rechtsgerichtete britische Investor Paul Marshall. Beide Investoren finanzieren auch das rechtsgerichtete Mediennetzwerk GB News und den konservativen Thinktank Legatum Institute.

Das Unternehmen war von Dezember 2016 bis Ende Januar 2023 als Limited Company (Ltd.) in England und Wales mit dem Namen Prosperity UK 2017 Limited eingetragen. Seit dem 20. Januar 2023 trägt es den Namen Alliance for Responsible Citizenship.

Das Organisationskomitee setzt sich laut Eigenauskunft der Organisation zusammen aus: Alan McCormick Amanda Stoker Arthur C. Brooks Barry Strauss Bjørn Lomborg Christopher Chandler Colin Brazier Dan Crenshaw Erica Komisar Gudrun Kugler Helena Morrissey James Orr John Anderson John Howard Jonathan Pageau Jordan B. Peterson Katy Faust Leslyn Lewis Louis Gave Louise Perry Mike Johnson Mike Lee Miriam Cates Nicholas Boys Smith Niall Ferguson Nims Obunge Paul Marshall Philippa Stroud Rebeccah L. Heinrichs Rick Geddes Riva Melissa Tez Robin Batterham Stephen Blackwood Tony Abbott Vivek Ramaswamy Winston Marshall

Einordnung Die ARC definiert sich selbst als eine „Internationale Bewegung mit der Vision einer besseren Welt, in der mündige Bürger Verantwortung übernehmen und zusammenarbeiten, um ihren Familien, Gemeinschaften und Nationen Wohlstand und Wohlergehen zu bringen“.

Der Soziologe Huw Crighton Davies beschreibt die ARC in einer 2025 erschienenen Studie als Organisation, deren Redner einen kurz bevorstehenden Untergang der westlichen Zivilisation erwarten und dafür den modernen Liberalismus, den Feminismus, den Multikulturalismus oder suggestiver, Einwanderung und den Islam verantwortlich machen und oft auch Verschwörungstheorien nutzen, um Fremdgruppen beschuldigen, große Ereignisse zu manipulieren. All dies seien Charakteristiken des Rechtsextremismus. Damit solle eine kulturelle Brandmauer gegen die Fremdgruppe und eine Rechtfertigung für Ethnonationalismus, aggressive Sicherheitsmaßnahmen und Grenzkontrollen geschaffen werden. Zwar sei die ARC keine lehrbuchmäßige rechtsextreme Bewegung, jedoch verwischten die abgehaltenen Konferenzen die Grenze zwischen christlichem Nationalismus, seinem neoliberalen Bekenntnis zu einer deregulierten Wirtschaft und einem schlanken Staat und der extremen Rechten. Damit trage die ARC dazu bei, die Annäherung dieser verschiedenen Ideologien zu beschleunigen. Letztendlich stehe die ARC für einen „regressiven Neoliberalismus“ und gebe seinen Mitgliedern „die Möglichkeit, weltweit zu agieren und ihre Gewinne aus fossilen Brennstoffen für private Universitäten, Medienunternehmen und andere politische Interventionen auszugeben, ohne sich schuldig fühlen zu müssen und Vorwürfe über die Eigeninteressen der Elite umzukehren“.

Die Theologin Maria Hinsenkamp beschreibt die ARC als „Netzwerk konservativer, rechtskonservativer und libertärer einflussreicher Persönlichkeiten“, das sich von selbst behaupteten „hoffnungslosen und apokalyptischen Zukunftsszenarien ‚linksgrüner‘ gesellschaftlicher Strömungen“ abgrenzen und neue Zukunftserzählungen verbreiten wolle, um der angeblichen „Geringschätzung westlicher Errungenschaften, des christlichen Glaubens und christlicher Werte“ entgegenzutreten.

Correctiv ordnete die Organisation als „Sammelbecken für die internationale politische und religiöse Rechte“ ein.

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Einzelnachweise

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