miniatur|hochkant=1.5|Fernmeldesektorturm B mit „Horizontaler Erweiterung“ für das LAPAS-Projekt auf dem Thurauer Berg bei Woltersdorf in Niedersachsen

Die Aufklärungstürme waren für die Einheiten der Elektronischen Kampfführung (EloKa) bei der Bundeswehr an der Deutsch-Deutschen Grenze und der Grenze zur Tschechoslowakei aufgestellt worden, um über die Streitkräfte des Ostblocks aufzuklären.

Die Türme der Luftwaffe übermittelten ihre Ergebnisse dem Fernmeldebereich 70 der Luftwaffe in Trier, General-von-Seidel-Kaserne zur zusammenfassenden Auswertung und wurden Fernmeldesektortürme genannt. Die Fernmeldesektoren A, B und C unterstanden dem Fernmelderegiment 71 in Osnabrück, General-Martini-KaserneChronik - Fernmelderegiment 71 (April 1980), die Sektoren E und F dem FmRgt 72 in Feuchtwangen, HochmeisterkaserneChronik - 40 Jahre Fernmeldebereich / Fernmelderegiment 72 - 35 Jahre Standort Feuchtwangen (1996). Der auf dem Untersberg bei Berchtesgaden geplante FmSkt G wurde nie gebaut; die FmSkt D in Osnabrück und H in Feuchtwangen führten FmAufkl im Kurzwellenbereich durch und benötigten hierfür keine Aufklärungstürme. Bis zur Zentralisierung der Auswertung in Trier 1970 bestanden die FmSkt N (Nord) in Osnabrück und S (Süd) in Feuchtwangen.

Die Türme befanden sich in unmittelbarer Nähe zur Grenze, teils in Sichtweite zu ihren östlichen Gegenparts. Sie waren mit umfangreichen Geräten zur Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung ausgestattet. In einem Turm waren in der Regel circa 200 Soldaten im Schichtbetrieb beschäftigt. Diese waren in einer Kaserne in der Umgebung untergebracht.

Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende der militärischen Konfrontation durch die Auflösung des Warschauer Pakts wurden die Türme überflüssig und daraufhin sämtlich aufgegeben; die sie betreibenden militärischen Einheiten wurden aufgelöst.Manfred Bischoff, DIE STATIONÄRE FERNMELDE- UND ELEKTRONISCHE AUFKLÄRUNG DER LUFTWAFFE BIS 2002

Luftwaffe Fernmelde­sektorStandort Turm Unterkunft Bau­beginnAuf­gelöst weitere NutzerA / FmRgt 71Chronik - 40 Jahre Fernmeldesektor A 1959-1999KlaustorfGroßenbrode, Fehmarnsund-Kaserne1965 2004 BFStB / FmRgt 71Chronik - 35 Jahre Fernmeldesektor B 1957-1992 Thurauer Berg Neu Tramm, Kaserne Neu Tramm1965 1994 FmKp 945, 2. Zug (später FmKp 1) des HeeresC / FmRgt 71Chronik - 35 Jahre Fernmeldesektor C 1957-1992 Stöberhai Osterode am Harz, General-feldmarschall-Rommel-Kaserne1964 1993, 2005 gesprengtTeile der FmKp 947 (später FmKp 7) des HeeresE / FmRgt 72 Schneeberg (Fichtelgebirge)Wunsiedel, Fichtelgebirgs-Kaserne 1963 1993 F / FmRgt 72Chronik - 40 Jahre Fernmeldesektor F 1961-2001 Hoher Bogen (mit zwei zusätzlichen Antennenträgern)Bad Kötzting, Hohenbogen-Kaserne 1965 2004 II. Zug FmKp 946, später FmKp 12 des Heeres

mini|hochkant|Lage der Türme an der damaligen westdeutschen Ostgrenze mini|Ehemaliger Aufklärungsturm des Heeres am Großen Kornberg Heer Fernmelde­kompanieStandort Turm UnterkunftBau­beginn Auf­gelöst945 Barwedel Ehra-Lessien1976 1994947 Hoher Meißner Hessisch Lichtenau1976 1994, 2002 gesprengt946Großer Kornberg (Fichtelgebirge)Hof (Saale) 1976 1994

Marine Bezeich­nungBetreiberStandort TurmUnterkunftBau­beginnAuf­gelöstMMarine­fernmelde­sektor 73PelzerhakenNeustadt in Holstein1972 1992

Die Türme und ihre Kasernen waren zum Teil in den strukturschwachen Regionen an der Grenze mit die größten Arbeitgeber. Der Turm B nahe Dannenberg (Elbe) sollte eigentlich das geplante LAPAS-Projekt beherbergen und wurde nach dessen Einstellung 1993 schnell aufgelöst.

Einige Türme werden noch als Plattform für Mobilfunkbetreiber weitergenutzt, der Turm am Großen Kornberg wird von einem Fraunhofer-Institut genutzt.

In den Horizontalen Erweiterungsbau am Fernmeldesektor A wurde im Februar 2012 das Ostsee Geocenter & Aquarium „Ostsee Erlebniswelt“ eingerichtet. Der Turm selbst ist ab 2016 zugänglich, zunächst wird der Balkon um das 7. Stockwerk als „Ostsee Aussichtsturm“ genutzt.

Einzelnachweise

Weblinks Erinnerungen an den Fernmeldesektor C auf dem Stöberhai Aufklärungstürme des Heeres auf geschichtsspuren.de (vormals lostplaces.de) Fernmeldesektortürme der Luftwaffe auf geschichtsspuren.de (vormals lostplaces.de) Ostsee Aussichtsturm * Ostsee Geocenter & Aquarium „Ostsee Erlebniswelt“ Fernmeldekompanie 946

Kategorie:Elektronische Kampfführung Kategorie:Militärische Einrichtung (Bundeswehr) Kategorie:Turm in Deutschland Kategorie:Turm in Europa Kategorie:Geschichte der militärischen Aufklärung