Rittershausen (mundartlich Ruurerschhause) ist ein Dorf und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Dietzhölztal im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Der Ort hat 740 Einwohner, das entspricht 13,7 % der Gesamteinwohner Dietzhölztals (Stand: 1. September 2026). Damit ist das Dorf der Ortsteil mit der geringsten Bevölkerung.
Geographie
Lage Durch Rittershausen führt die Landesstraße 1571. Die Bundesstraße 253 (Dillenburg–Frankenberg) ist etwa acht Kilometer entfernt; die A 45 ist über die Anschlussstellen Dillenburg und Wilnsdorf erreichbar, beide sind etwa 20 km von Rittershausen entfernt.
Geographisch grenzt der Ort (von Nord-Ost nach Nord) an Ewersbach, Haiger-Weidelbach, Haiger-Offdilln, Netphen-Hainchen, Bad Laasphe-Heiligenborn, Bad Laasphe-Sohl und Bad Laasphe-Fischelbach.
Berge und Flüsse Der Ort liegt an der Dietzhölze bei etwa 380 m.ü.NN, die höchste Erhebung in der Gemarkung mit 673,1 m.ü.NN ist der Jagdberg nördlich des Forsthauses Dietzhölze, gefolgt vom Nordhöll (641,1 m.ü.NN) nordwestlich des Ortes und Eichholzkopf (609,9 m.ü.NN) nördlich des Ortes. Der Jagdberg ist gleichzeitig die höchste Erhebung des Lahn-Dill-Kreises.
Gemarkung Rittershausen hat eine besonders große Gemarkungsfläche von 1.847 ha (Dietzhölztal: 3.744 ha). Somit ist es fast so groß wie die drei anderen Ortschaften Ewersbach, Mandeln und Steinbrücken zusammen. Rittershausen ist die größte Einzel-Gemarkung aller Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis, noch vor Brandoberndorf (Waldsolms, 1.727 ha) und Wetzlar (Kernstadt, 1.686 ha).
Geschichte Ortsgeschichte Besiedlung während der Latènezeit um ca. 300 v. Chr. in dem Ringwall Rittershausen.
Für das Alter Rittershausens ist nach geschichtlichen Überlieferungen grundsätzlich der gesamte Zeitraum zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert anzusehen. Die alte Namensform „Rudershusz“, die bevorzugte Lage im Tal der Dietzhölze und das Fortbestehen auch während der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode lässt eine Entstehung Rittershausens im 9., spätestens im 10. Jahrhundert, vermuten. Die älteste bekannte urkundlich Erwähnung geht auf das Jahr 1344 zurück. Im Mann- und Zinsbuch der Herren von Bicken aus diesem Jahr wird erwähnt, dass in „Ruderszhausen disz seyt der Bach“ den Herren von Bicken der „Groß- und Kleinzehnt“ zustand.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Bis zum 31. Dezember 1976 war Rittershausen eine selbständige Gemeinde. Zum 1. Januar 1977 wurde Rittershausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Gemeinde Dietzhölztal eingemeindet und somit deren vierter Ortsteil. Ortsbezirke wurden in der Gemeinde Dietzhölztal nicht gebildet. Ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Schulgeschichte Rittershausen ist seit dem 16. Jahrhundert Filialort der Kirchengemeinde Bergebersbach. Dort wurde in 1582 eine Kirchspielschule eingeführt. Seit wann genau in Rittershausen selbst regelmäßig Schulunterricht gehalten wurde, ist nicht genau bekannt. Vermutlich muss dies jedoch bereits Anfang des 18., eventuell bereits Ende des 17. Jahrhunderts gewesen sein, da in der Schulchronik bereits Lehrer in Rittershausen in einer Anzahl erwähnt werden, die auf diese Zeit hindeuten. Die ursprüngliche „Alte Schule“ wurde im Jahr 1779 erbaut und diente neben Schulsaal auch als Lehrerwohnung, als Backhaus, Hirtenwohnung, Stellplatz für die Spritze der Feuerwehr und als Notunterkunft für Wandergesellen und andere Personen.
Die Bezahlung des Lehrers zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte durch die Gemeinde selbst, ebenso hatte aber auch jede Familie, mit Ausnahme der „Armen“, Korn und Hafer oder einen Geldbetrag an den Lehrer abzuliefern.
Schulfächer waren Religions-Unterricht, Sprach-Unterricht, Real-Unterricht, Zahlen-Lehre, Formen und Maß-Einführung und Gesangs-Unterricht. Unterrichtet wurden alle Kinder zwischen dem 6. Lebensjahr und der Konfirmation, also in acht Schuljahren. Die Schülerzahl lag zwischen 70 und zeitweise bis 110 Kindern.
Das alte Schulgebäude wurde allmählich zu klein, so dass in 1887 ein Neubau geschaffen wurde, ursprünglich eingeschossig, aber nur noch als Schulsaal, mit Küche und anderen Nebenräumen. Wegen weiter steigender Schülerzahlen wurde 1920 eine zweite Lehrerstelle eingerichtet und das neue Schulgebäude 1939 um eine zweite Etage aufgestockt. In der Nachkriegszeit stieg die Schülerzahl weiter, zeitweise waren drei festangestellte Lehrkräfte hier tätig. 1965 wurde ein Schulpavillon als Behelfsneubau errichtet, da die bestehende Schule nicht mehr den Anforderungen entsprach. 1967 wurde die „neue alte Schule“ in ein Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.
Ebenfalls ab 1967 wurde die Schule in eine reine Grundschule mit den Klassen 1–4 umgewandelt, ab dem 5. Schuljahr mussten die Kinder weiterführende Schulen in der näheren Umgebung besuchen.
Im Behelfsneubau von 1965 wurde bis 1989 unterrichtet, dann erhielt Rittershausen einen Schulneubau, der den modernen Maßstäben entsprach.
Seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Grundschüler, so dass der Fortbestand der Grundschule im Dorf mittelfristig nicht mehr gesichert ist. Für das Schuljahr 2015/2016 wurde durch Ummeldung einzelner künftiger Schülerinnen und Schüler der Weiterbestand der Schule erreicht. Aufgrund der Geburtenrate der folgenden Jahrgänge scheint die Aufrechterhaltung des Schulstandortes Rittershausen in naher Zukunft möglich zu sein.
Wüstung „Langenbach“ Innerhalb der Gemarkungsgrenzen Rittershausens lagen früher noch die Wüstungen Langenbach, Dunnenbach (am Nordhang des Hausbergs), Hof Hilgeshausen (etwa 200 Meter oberhalb des Unteren Dietzhölzweihers), Glashütte (etwa 400 Meter unterhalb des Oberen Dietzhölzweihers), Kizzenbach (links am Weg zum Forsthaus Dietzhölze) und Hof Wilhelmsthal (heute Forsthaus Dietzhölze). Die größte unter ihnen war Langenbach. Dieses Dorf lag nordwestlich von Rittershausen an einem Nebenbach der Dietzhölze mit gleichem Namen. Noch heute gibt es dort die Flurbezeichnung „Dorfwiese“. Langenbach selbst wird schon drei Jahre vor Rittershausen, also im Jahr 1341, erstmals urkundlich erwähnt. Wann genau der Ort wüst wurde, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Der oben bereits erwähnte Pfarrer Karl Nebe beschreibt, dass nach mündlicher Überlieferung die Bewohner Langenbachs der Pest zum Opfer gefallen seien, der letzte Überlebende sei nach Rittershausen gezogen. In einer um 1400 datierten Liste der Adligen von Haiger wird Langenbach noch erwähnt, 1486 beim Verkauf des Gerichts Ebersbach von den Herren von Bicken an die Grafen von Nassau wird er nicht mehr genannt.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rittershausen angehört(e):
vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Ebersbach ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Ebersbach 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Dillenburg 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Ebersbach ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HerbornAbtrennung der Justiz (Justizamt Dillenburg) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, DillkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Dillenburg) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde DietzhölztalAm 1. Januar 1977 wurde Rittershausen der neu gebildete Gemeinde Dietzhölztal eingegliedert. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Dietzhölztal
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rittershausen 864 Einwohner. Darunter waren 15 (1,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 153 Einwohner unter 18 Jahren, 342 zwischen 18 und 49, 153 zwischen 50 und 64 und 216 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 360 Haushalten. Davon waren 90 Singlehaushalte, 102 Paare ohne Kinder und 132 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 75 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 216 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 450 evangelische (= 100,00 %) Einwohner • 1961: 741 evangelische (= 87,28 %) und 103 katholische (= 12,13 %) Einwohner • 1999: 1002 evangelische (= 68,30 %), 196 katholische (= 11,77 %) und 270 (= 16,23 %) sonstige Einwohner
Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine In Rittershausen gibt es CVJM, DRK-Jugend und -Senioren, die Freiwillige Feuerwehr, den Gesangverein 'aCHORd', den Evangelischen Posaunenchor, Schützenverein, VdK, Verschönerungsverein und den TSV. Der TSV Rittershausen wurde durch die Skiabteilung bekannt. Im Bereich des Nordischen Skisports wurden aufgrund der früher existierenden Skisprungschanze in Rittershausen in den 60er Jahren auch Hessische Meisterschaften ausgetragen. Noch heute ist Rittershausen durch seine Langlaufloipen bekannt.
Die Fußballabteilung des TSV fusionierte 1970 mit dem TV Ewersbach und bildet jetzt die SG Oberes Dietzhölztal. Die Männer spielten von 2000 bis 2004 drei Jahre als (dill-)kreishöchstes Team in der Landesliga. Nach vielen Abstiegen bis in die Kreisliga B ist die SG zur Saison 2016/17 in die Kreisliga A und 2022/23 wieder in die Kreisoberliga aufgestiegen.
Die überregional bekannteste Abteilung des TSV ist die Abteilung Radfahren. Von 1993 wurden fast zwei Jahrzehnte lang in Rittershausen regelmäßig internationale Mountainbike-Downhillrennen durch den TSV ausgetragen.
Maimann und Pfingstbraut „Maimann“ und „Pfingstbraut“ sind zwei noch erhaltene Brauchtümer in Rittershausen, welche jedes Jahr an Pfingsten durchgeführt werden. Verantwortlich hierfür sind jeweils die Jungen (Maimann) und Mädchen (Pfingstbraut) des 8. Schuljahrganges.
Der Maimann