mini|Signet des Jüdischen Verlags von E. M. Lilien
Der Jüdische Verlag war ein wichtiger zionistischer Verlag in Berlin und Köln von 1902 bis 1938. Zu den Mitbegründern gehörte Martin Buber.
Geschichte mini|Berlin 1902: Gründungsmitglieder des Jüdischen Verlags; v. l. n. r.: (stehend) Ephraim Moses Lilien, Chaim Weizmann, Davis Trietsch, (sitzend) Berthold Feiwel und Martin BuberLionel Gossman: Jugendstil in Firestone: The Jewish Illustrator E. M. Lilien (1874–1925), letzte Seite
Ende 1901 wurde der Jüdische Verlag von einem Initiativkreis mit Martin Buber, Chaim Weizmann, Ephraim Moses Lilien, Berthold Feiwel und Davis Trietsch gegründet, kurz vor dem fünften Zionistischen Kongress von Ende Dezember 1901. Er wurde im Oktober 1902 in das Berliner Handelsregister als GmbH eingetragen.Curt Vinz, Günter Olzog: Dokumentation deutschsprachiger Verlag. 8. Ausgabe. Olzog, München/Wien 1983, S. 201. Der Geschäftssitz war in der Budapester Straße 11.
1906 zog der Verlag nach Köln wegen wirtschaftlicher Probleme um. Dort nahm der Kaufmann David Wolffsohn Veränderungen der ökonomischen Struktur vor. Berthold Feiwel leitete ihn noch bis 1907.Anatol Schenker: Der Jüdische Verlag 1902–1938, S. 89 ff. 1911 zog der Verlag wieder nach Berlin. Neuer Leiter wurde Ahron EliasbergSchenker, S. 135 ff.
1918/1919 wurde parallel der Welt Verlag gegründet, der vor allem belletristische Literatur herausgab. 1920 übernahmen Siegmund Kaznelson die Geschäftsführung und Martin Buber die literarische Leitung des Jüdischen Verlages. Diese prägten das Verlagsprogramm, das nun vor allem aus zionistischen Schriften und Nachschlagewerken bestand.
Ab 1933 konnte der Jüdische Verlag nur noch unter großen Behinderungen weiterarbeiten. Mit der Emigration Kaznelsons 1937 hörte er praktisch auf zu bestehen, 1938 wurde er offiziell aufgelöst.
Publikationen (Auswahl)
Überblick mini|hochkant|Anzeige, 1912 mini|hochkant|Jüdisches Lexikon, Band IV,2 (1930) mini|hochkant|Leo Herrmann (Hrsg.): Treue: Eine jüdische Sammelschrift. (1916). „Wir lasen über Agnon zuerst in einer kleinen literarischen Sammelschrift, … die für die jungen Zionisten bestimmt war, die im Felde standen.“ (Gershom Scholem, Judaica 2, Suhrkamp, 1970)
Im Jüdischen Verlag erschienen Werke von Schalom Asch, Chaim Nachman Bialik, Martin Buber, Simon Dubnow, Schemarja Gorelik, Theodor Herzl, Theodor Lessing, Jizchak Leib Perez, David Pinski und anderen. Es wurde auch das Jüdische Lexikon und eine Ausgabe des Babylonischen Talmud herausgegeben.
Einzelne Werke
1902–1916 Juedischer Almanach 5663, 1902/1903 Berthold Feiwel: Junge Harfen. Eine Sammlung jungjüdischer Gedichte, 1903 Heinrich York-Steiner: Der Talmudbauer. Erzählungen, 1903 Martin Buber: Lesser Ury, 1904 J. L. Perez: Ausgewählte Erzählungen, 1905 David Pinski: Eisik Scheftel. Ein jüdisches Arbeiterdrama in drei Akten. Autorisierte Übertragung aus dem jüdischen Manuskript von Martin Buber. 1905[?] Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des VII. Zionisten-Kongresses und des außerordentlichen Kongresses in Basel 27.–31. Juli, 1. und 2. August, 1905 Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des XIII. Zionisten-Kongresses im Haag vom 14. bis inklusive 21. August 1907, 1907 Max Nordau: Zionistische Schriften, Hrsg. vom Zionistischen Aktionskomitee, 1909 J. H. Kann: Erez Israel., Das jüdische Land, 1909 Zionistischer Hilfsfonds in London (Hrsg.): Die Judenpogrome in Russland, 2 Bände, 1910 Arthur Ruppin: Die Juden der Gegenwart. Eine sozialwissenschaftliche Studie, 1911 Heinrich Loewe: Die Sprachen der Juden, 1911 Max Besser: Die Juden in der modernen Rassentheorie, 1911 Heinrich Loewe: Die Juden in der katholischen Legende, 1912 Elias Auerbach: Palaestina als Judenland., Hrsg. vom Aktionskomitee der zionistischen Organisation, 1912 Davis Trietsch: Palaestina Handbuch, 1912 Scholem Asch: Im Lande der Väter. Bilder und Dichtungen aus Palästina (= Von Alten Stamm. Sammlung jüdischer Bücher), 1912 Schmarja Gorelik: Die liebe Provinz. (= Vom alten Stamm. Eine Sammlung jüdischer Bücher), 1912[?] Theodor Zlocisti: Am Tor des Abends. Lieder vom Heimweg, Gedichte, um 1912 Sussman Kisselhof: Das jüdische Volkslied, 1913 Alfred Feilchenfeld (Hrsg.): Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln. Aus dem Jüdisch-Deutschen übersetzt, mit Erläuterungen versehen und hrsg. v. Alfred Feilchenfeld, 1913, Neuauflagen 1920, 1923 Jizchok Leib Perez: Volkstümliche Erzählungen (= Vom alten Stamm. Eine Sammlung jüdischer Bücher), 1913 Achad Haam (d. i. Ginzberg): Am Scheidewege. aus dem Hebräischen von Israel Friedlaender. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. 2 Bände. 1913–1916. E. W. Tschlenoff: Fünf Jahre der Arbeit in Palästina, aus dem Russischen, 1913 Schalom Asch: Kleine Geschichten aus der Bibel, aus dem Jiddischen übersetzt und bearbeitet von Helene Sokolow, 1914. Adolf Friedemann: Das Leben Theodor Herzls, 1914, Neuauflage 1919 Hugo Herrmann (Hrsg.): Chad Gadja. Das Pessachbuch, 1914 Leo Herrmann (Hrsg.): Treue. Eine jüdische Sammelschrift, 1916 Ludwig Franz Meyer: Gedichte, 1916
1918–1932 Daniel Deronda: George Eliot, deutsch von A. Strodtmann. Gekürzt und herausgegeben von Alexander Eliasberg, 1918 Jakob Klatzkin: Probleme des modernen Judentums, 1918 Krisis und Entscheidung im Judentum. Der Probleme des modernen Judentums, 2., ergänzte Auflage, 1921 Majer Balaban: Die Judenstadt von Lublin, 1919 Sch. Gorelik: Fünf Jahre im Lande Neutralien. Schweizer Kriegserlebnisse eines jüdischen Schriftstellers, 1919 Arthur Ruppin: Der Aufbau des Landes Israel. Ziele und Wege jüdischer Siedlungsarbeit in Palästina, 1919 Edom: Berichte jüdischer Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge, 1919 Martin Buber, Helene H. Cohn: Drei Legenden, 1920 Martin Buber: Die Jüdische Bewegung. Gesammelte Aufsätze und Ansprachen. 1900–1914, 1920 Simon Dubnow: Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes 1789/1914. 3 Bände, deutsch von Alexander Eliasberg, 1920–1923 Jiskor. Ein Buch des Gedenkens an gefallene Wächter und Arbeiter im Lande Israel. Deutsche Ausgabe. Geleitwort von Martin Buber 1920 Joseph Klausner: Geschichte der Neuhebräischen Literatur, 1921 Simon Bernfeld: Die jüdische Literatur. Erster Teil. Bibel, Apokryphen und Jüdisch-Hellenistisches Schrifttum, 1921 Abraham Robinsohn: David Wolffsohn. Ein Beitrag zur Geschichte des Zionismus, 1921 Helene H. Cohn: Frauenfragen in Palästina, 1921 David Koigen: Der moralische Gott. Eine Abhandlung über die Beziehungen zwischen Kultur und Religion, 1922 Theodor Herzls Tagebücher 1895–1904., 3 Bände, 1922/1923 Sammy Gronemann: Hawdoloh und Zapfenstreich. Erinnerungen an die ostjüdische Etappe 1916–18. Mit Zeichnungen von Magnus Zeller, 1924 Mendele Moicher Sfurim : Schloimale. Mit Vorspruch, 1924 Joseph Trumpeldor: Tagebücher und Briefe, 1925 Simon Dubnow: Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Von seinen Uranfängen bis zur Gegenwart. In zehn Bänden. Autorisierte Übersetzung aus dem Russischen von Dr. A. Steinberg, 1925–1929 Sammy Gronemann: Schalet. Beiträge zur Philosophie des „Wenn schon“, 1927 Emil Bernhard Cohn (Hrsg.): Jüdischer Kinderkalender. Erster Jahrgang. 5689. 1928/29, 1927 Georg Herlitz, Bruno Kirschner (Hrsg.): Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden. Unter Mitarbeit von über 250 jüdischen Gelehrten und Schriftstellern und unter redaktioneller (…), 1927–1930, 4 Bände Babylonischer Talmud, übersetzt von Lazarus Goldschmidt, 1928–1936, 12 Bände Theodor Herzl. Ein Gedenkbuch zum 25. Todestage. Hrsg. Exekutive der Zionistischen Organisation, 1929 Aharon David Gordon: Erlösung durch Arbeit. Ausgewählte Aufsätze. Aus dem Hebräischen übersetzt und eingeleitet von Viktor Kellner, 1929 Simon Dubnow: Geschichte des Chassidismus, Aus dem Russischen von A. Steinberg, 2 Bände, 1931
Literatur Monografien Anatol Schenker: Der Jüdische Verlag 1902–1938. Zwischen Aufbruch, Blüte und Vernichtung. Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-65141-5. Auszüge; grundlegende DarstellungMarkus Bauer: Rezension zu Anatol Schenkers Der Jüdische Verlag 1902–1938, in: H-Soz-Kult, 17. September 2004 (Online)
Artikel Anatol Schenker: Jüdischer Verlag. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 3: He–Lu. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02503-6, S. 260–263. Ahron Eliasberg: Das Werden des jüdischen Verlags, in: Neue jüdische Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West, Heft 2–4 vom 25. Oktober 1919, S. 81–85.
Weblinks
Dokumente über den Jüdischen Verlag (und andere) in der Deutschen Digitalen Bibliothek Jüdischer Verlag GWU (Memento, englisch)
Einzelnachweise
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