Zwischen Welten ist ein Gesellschaftsroman von Juli Zeh und Simon Urban aus dem Jahr 2023, der in der Zeit vom 5. Januar bis 4. Oktober 2022 spielt. Die Aufzeichnung der digitalen Kommunikation von Theresa Kallis, einer Milchbäuerin im Land Brandenburg, und Stefan Jordan, einem stellvertretenden Chefredakteur einer Wochenzeitung in Hamburg, gibt Einblicke in Höhen und Tiefen der Streitkultur zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Milieus. Die beiden Protagonisten haben sich während des Germanistikstudiums kennengelernt und diskutieren private, lokale und globale Krisen, gesellschaftliche Veränderungen, aktuelle und aufkommende Streitthemen (Cancel Culture, Gendersprache, Klimapolitik, Rassismus, Landwirtschaftspolitik, Wokeismus, Identitätspolitik, Querdenken, Ukrainekrieg, Bauernproteste). Der Tonfall schwankt immer wieder zwischen freundlich, wohlwollend und beleidigend. Oft wird aus dem Dialog ein Monolog, obwohl sich beide in den grundlegenden Zielen der nötigen gesellschaftlichen Veränderungen weitgehend einig sind. Sie streiten allerdings über Wege zu den Zielen.

Während des neun Monate andauernden Streites entwickeln sich beide Charaktere gegenläufig. Während Stefan anfangs mit dem Klima-Sonderheft unter Beteiligung der Klimaaktivistin Leonie klar Position bezieht und damit die Neutralität des klassischen Journalismus unter Kritik von Theresa verlässt, wird Theresa am Ende des Romans zur Aktivistin.

Inhalt

Vorgeschichte Theresa Kallis – Alter 43 Jahre – ist Vorstand ("nicht Vorständin", wie sie selbst betont) der Agrargenossenschaft Kuh & Co. Schütte eG im fiktiven brandenburgischen Dorf Schütte in der Ostprignitz. Sie ist in Schütte geboren und aufgewachsen. Sie hat den Hof, den ihr Urgroßvater um 1900 erbaut hatte,S. 21. von ihren Eltern geerbt. Der Vater führte den Hof als LPG-Vorsitzender. Als ihr Vater starb, bricht sie das Germanistikstudium in Münster ab, um die Familientradition fortzuführen. Sie baut den Hof um in Richtung „Bio, Öko, Nachhaltigkeit“.S. 40. Ihre Sekretärin Britta war schon Sekretärin bei Theresas Vater und ist für die Quereinsteigerin Theresa eine große Hilfe. Theresa und ihr Ehemann Basti haben zwei Kinder, 8 und 10 Jahre alt. Ihre Schwiegereltern leben in Unterleuten.Der fiktive Ort Unterleuten ist eine Referenz auf den Roman Unterleuten, der auch von Juli Zeh verfasst wurde. Die Ehe ist zunächst glücklich, aber später fragil, weil Theresa sich wenig Zeit für die Familie, z. B. für einen Familienurlaub, nimmt. Theresa ist verantwortlich für den Bauernhof und muss zeitweise auch beim Melken der 200 Kühe in ihrem Melkstand einspringen.

Dr. Stefan Jordan – Alter 46 Jahre – ist stellvertretender Chefredakteur und leitet die Kulturredaktion der Wochenzeitung DER BOTE in Hamburg. Er hat nach dem Abschluss des Germanistikstudiums eine steile Karriere im Verlag gemacht, vor allem dank seiner Publikation des HEFTIG-Magazins, das den Anspruch hatte, mit dem Zeitgeist Schritt zu halten, und auf eine Idee zurückging, an der auch Theresa beteiligt war. Aber Stefan schämte sich später über den „hemmungslosen Hedonismus“, die „unfassbar naive Konsumfreude“ in diesem Magazin, das seine Karriere befeuert hat. Die UN-Klimakonferenz in Paris 2015, an der er als akkreditierter Journalist teilnahm, brachte ihn zum Umdenken.S. 146–149.

Theresa und Stefan studierten 20 Jahre vor Beginn der im Roman aufgezeichneten digitalen Kommunikation Germanistik an der Universität Münster und wohnten drei Jahre in einer WG, Theresa zur Untermiete bei Stefan.

Erster Erzählabschnitt (5.1. – 18.5.2022) Im digitalen Dialog beziehen sich die beiden Protagonisten mehrmals auf ihr lebhaftes Streitgespräch an der Außenalster in Hamburg zu Silvester 2021. Infolgedessen führen sie ihr Streitgespräch per E-Mail und WhatsApp-Nachrichten weiter. Es folgen vier Monate digitaler Kommunikation, die teils in freundlichem, teils in verletzendem Ton stattfindet.

Stefan will sein moralisches Versagen mit der Herausgabe eines Sonderheftes zur Klimakrise wieder gut machen, dem „wichtigsten Thema unserer Zeit.“S. 16. Er bewundert Theresa, wie sie alleine einen Bauernhof unter schweren wirtschaftlichen Bedingungen leitet: „Es ist krass, was du leistest. Wie stark du sein musst und offenbar auch bist.“S. 38. Er findet sie „klug und neugierig und freiheitsliebend“.S. 54. Theresa kämpft derweil um den Erhalt ihres von wirtschaftlichen Krisen geschüttelten Bauernhofes.

Carla al-Saed ist Stefans junge Kollegin aus der Berliner Online-Redaktion von DER BOTE. Sie ist für Social Media zuständig und entwickelt gemeinsam mit Stefan die Klima-Ausgabe von DER BOTE. Ihre Eltern stammen aus Simbabwe. Aufgewachsen ist sie aber in Offenbach. Zwei Klimaaktivisten, Leonie und Justin, sollen das Sonderheft zur Klimakrise auf Einladung von Stefan mit eigenen Impulsen begleiten. Stefan charakterisiert sie als selbstbewusst, vor Fachwissen strotzend und schlau, aber erlebt sie auch dreist, arrogant und überheblich.S. 92–97. Er kündigt ihnen später, weil sie sich ihm gegenüber respektlos verhalten. Die Sonderausgabe erscheint dennoch.

Um den Streit nicht nur per WhatsApp und E-Mail auszutragen, treffen sich Theresa und Stefan am 18. Mai 2022 wieder an der Außenalster.

Zweiter Erzählabschnitt (4.7. – 24.8.2022) Erst sechs Wochen später wird Kommunikation durch Theresa wieder aufgenommen. Dabei wird deutlich, dass ihr Treffen an der Außenalster im Streit und mit Handgreiflichkeiten endete. Stefan wird dabei Theresa gegenüber übergriffig, nachdem sie ihn beleidigt hat. Stefan deutet in der nun folgenden Kommunikation Theresa gegenüber an, dass er ein sexuelles Interesse ihr gegenüber hat, was aber von Theresa nicht erwidert wird. Der intensive Gedankenaustausch mit ihrem Freund Stefan sowie Theresas überstürzter Besuch in Hamburg belasteten die Ehe von Theresa und Basti zusätzlich, so dass ihr Ehemann infolgedessen mit den beiden Kindern auszieht.

Flori Sota – albanischer Abstammung – ist ein aus Talkshows bekannter Journalist und der Chefredakteur von DER BOTE. Obwohl er recht konservativ ist, wird er seit 20 Jahren von Stefan sehr geschätzt. Die scherzhaft gemeinte Formulierung „Quoten-Schwarze“ bei der Vorstellung von Carla al-Saed führt schließlich, angefacht durch Shitstorm in den sozialen Medien, insbesondere Twitter, zum Ende seiner beruflichen Laufbahn und Verunglimpfung seiner Familie einschließlich des Mobbings der Kinder in der Schule.

Theresa lernt Eva, die Tochter von Lars, kennen. Eva radikalisiert sich zunehmend bei der globalisierungskritischen Protestbewegung „Green Redemption“. Diese Bewegung wird von einem konservativen, globalisierungskritischen amerikanischen Thinktank finanziert.S. 228. Die Gruppe – von Theresa unterstützt – bringt im August mit Gülle gefüllte Dosen in den Einzelhandel – mit dem Warnhinweis „Wer einen Dreck bezahlt, bekommt auch Dreck“.S. 285.

Dritter Erzählabschnitt (27.8. – 4.10.2022) Stefans E-Mail bezüglich des gewalttätigen Übergriffs gegenüber Theresa wird geleakt und droht ihm zum beruflichen Verhängnis zu werden: „Mir sind die Lichter ausgegangen. Ich habe mich nicht entschieden, dich zu schlagen. Es ist einfach passiert.“S. 334. Dennoch engagiert sich Stefan stark für die Neuausrichtung, den „Relaunch“, der Zeitung. Aus „DER BOTE“ wird „BOT*IN“ und Stefan deren Chefredakteur – gemeinsam mit Carla al Saed, aber zweitrangig nach ihr, als „Marionette“, als „Teil einer Scharade“.S. 407. Mit der neuen Zeitung gibt es die Ressorts „BOT*IN aktiv“ und „People of Colour“. Stefan ist begeistert von der „Vereinigung aller Gegensätze, Ost und West, Mann und Frau, Schwarz und Weiß.“S. 425. Wenige Tage später schreibt er jedoch an Theresa: „Wir haben beide gekämpft und verloren.“S. 441.

Lars ist ein Jugendfreund von Theresa und ein Bauer aus dem Nachbarort Bracken der mit dem Anbau von „Energiemais auf die Nase gefallen“S. 110. ist und sich wirtschaftlich nicht wieder erholt. Wirtschaftlich in die Enge getrieben verspielt er das von Theresa geschenkte Geld (80.000 €, zuvor von Bastis Eltern ihrem Sohn als Starthilfe für seine Autowerkstatt geschenkt und von Basti an Theresa zur Rettung der Kuh & Co. Schütte eG weitergeschenkt) und begeht aus Verzweiflung Suizid.

In den letzten fünf Wochen wird die Kommunikation mit größerer Dramatik des Geschehens und PGP-Verschlüsselung bzw. per Telegram fortgesetzt, bis am 27. September die Kommunikation zwischen Theresa und Stefan abbricht, weil Theresa ihre E-Mail-Adresse kündigt und über WhatsApp und Telegram nicht mehr antwortet. Aus Verzweiflung am wirtschaftlichen Niedergang ihres Biohofes und des Bauernhofes von Lars sowie ihres erfolglosen demokratischen Engagements in der „Zukunftskommission Agrar“ beteiligen sich Theresa und Eva am Ende des Romans an einer Protestaktion der Protestgruppe „Free Gaia“, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Vor dem Landwirtschaftsministerium in Berlin findet eine Aktion dieser Gruppe statt. Stefan kritisiert diese Protestbewegung: „Du hast jetzt massenweise falsche Freunde, vor allem in der AfD.“S. 443. Eva wird mit dem Plakat einer Gruppe namens L.A.R.S („Ländlich-agrarische Räume sichern“), die an ihren Vater Lars erinnern soll. Theresa kommt wegen versuchter Gewalttätigkeit (Ohrfeige) gegenüber dem Landwirtschaftsminister in Polizeigewahrsam.

Stefan sucht mit der Zeitung BOT*IN „die Vereinigung aller Gegensätze“. Nicht er, sondern seine Co-Chefredakteurin Carla holt die zuvor fristlos entlassene Leonie in die Redaktion zurück. Das Foto von Theresa, das in Nahaufnahme zeigt, wie Theresa dem Landwirtschaftsminister eine Ohrfeige verpasst, erscheint als Titelbild der ersten Ausgabe der BOT*IN.

Personen +PersonBeschreibungTheresa Kallis43-jährige Leiterin der Agrargenossenschaft Kuh & Co. Schütte eG im fiktiven brandenburgischen Ort Schütte, verheiratet, zwei SöhneDr. Stefan Jordan46-jähriger stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung DER BOTE in Hamburg, später einer der Chefredakteure der neuen Wochenzeitung BOT*IN, ledig, kinderlosBastiEhemann von Theresa Kallis, Mechatroniker mit Wunsch, eine eigene Werkstatt zu eröffnenJonas8-jähriger Sohn von Theresa und Basti, lebt später bei seinem VaterPhil10-jähriger Sohn von Theresa und Basti, lebt später bei seinem VaterBrittaTheresas Sekretärin, bereits bei Theresas Vater als Sekretärin angestelltChristianVorarbeiter auf Theresas HofConnyMelkerin auf Theresas HofDennisMelker auf Theresas HofRonnyTraktorist auf Theresas Hof, wird wegen seines Alkoholkonsums von Theresa entlassen, rächt sich vermutlich mit einer BrandstiftungHerr PulsUnternehmensberater, der den Ratschlag gibt, Theresas Hof auf Maisanbau zur Energieproduktion umzustellenLarsBauer aus dem Nachbarort Bracken, Bekannter Theresas aus der Jugendzeit, Besitzer eines insolventen Bauernhofes mit Maisanbau, begeht am Ende SuizidEvaTochter von Lars, Studentin, radikalisiert sich bei den globalisierungskritischen Protestbewegungen „Green Redemption“ und „Free Gaia“, gründet mit Theresa die Protestbewegung L.A.R.S (Ländlich-agrarische Räume sichern) im Andenken an ihren VaterFlori SotaChefredakteur der Wochenzeitung DER BOTE, Stefans Mentor, später als Chefredakteur entlassen und zieht mit der Familie nach Belgien, albanischer Abstammung, verheiratet mit Rieke, zwei Kinder Tami und BalthasarCarla al-SaedLeiterin der Online-Redaktion der Wochenzeitung DER BOTE, später eine der Chefredakteure der neuen Wochenzeitung BOT*IN, Eltern stammen aus SimbabweDorothea von BargenBesitzerin und Verlegerin von DER BOTE bzw. BOT*IN, von Stefan oft nur DvB genanntLeonieKlimaaktivistin, die auf Anregung von Stefan die Klimabeilage von DER BOTE mit eigenen Impulsen begleitet, später Mitarbeiterin bei der Wochenzeitung BOT*IN von Carla al-Saed eingestellt, als selbstbewusst und arrogant beschriebenJustinKlimaaktivist, der die Klimabeilage von DER BOTE mit eigenen Impulsen begleitet, als selbstbewusst und arrogant beschrieben

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