Christa Niesel-Lessenthin (* 28. Dezember 1879 in Breslau, Provinz Schlesien; † 25. November 1953 in Konstanz) war eine schlesische Publizistin.
Leben Christa Lessenthin wuchs in Breslau und Obernigk in Schlesien auf, ihr Vater war wahrscheinlich der Kaufmann und Redakteur Berthold Lessenthin. Sie erhielt Ausbildungen im dramatischen Gesang und in der Krankenpflege. Seit 1904 publizierte sie einige Gedichte. Um 1908 heiratete sie den Rechtsanwalt Dr. Adolf Niesel und lebte mit ihm in Friedland in Oberschlesien. 1910 (oder 1919?) bekam sie in Neumarkt ihren einzigen Sohn Berto Niesel-Lessenthin, der später Agrarwissenschaftler wurde.
Seit 1926 gestaltete Christa Niesel-Lessenthin regelmäßige Büchersendungen für die neue Schlesische Funkstunde.Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 1926–1936 (in Börsenblatt digital, Suche Lessenthin), mit mindestens 25 Anzeigen der Schlesischen Funkstunde, Breslau, immer auf der letzten Umschlagseite; die meisten besprochenen Autoren und Werke waren konservativ konventionell und sind heute weitgehend unbekannt 1930 war sie in Rom bei Benito Mussolini zur Audienz und berichtete danach detailliert darüber. Die Hintergründe sind unbekannt, sie lobte ihn mehrfach in dem Gespräch, fragte aber auch kritisch nach dem fehlenden Frauenwahlrecht in Italien.Wolfgang Schieder: Mythos Mussolini. Deutsche in Audienz beim Duce. Oldenbourg, München 2013, S. 231– 233; mit wörtlichem Bericht aus der Zeitschrift Ernte. Halbmonatsschrift für Politik, 1930, S. 30–32, nach eigenen Angaben (möglicherweise verlief das Gespräch tatsächlich etwas anders); in dieser Zeit fuhren einige Deutsche zu diesen Audienzen nach Rom, aus Sympathie und zur Popularisierung Mussolinis in Deutschland
Von Ende 1932 ist ihre letzte Büchersendung bekannt.Börsenblatt, 17. Dezember 1932, letzte Seite; für Sendung mit Büchern am 23. Dezember 1932; danach hatte sie nur noch einen literarischen Vortrag 1936 im Reichssender Breslau Danach lebte sie weiter in Breslau und hielt Vorträge zu literarischen Themen.Reichs-Telephonbuch, 1938, mit Eintrag in Breslau, Auenstraße 1934 und 1935 publizierte sie zwei Bücher.
Nach 1944 siedelte Christa Niesel-Lessenthin nach Westdeutschland über. Dort verfasste sie einige Literatursendungen für den Südwestfunk.Das Ostpreußenblatt vom 25. August 1953, S. 20 (PDF), Eichendorffs Oderfahrt
Von ihr sind einige Briefe sowie ein Porträtrelief erhalten.
Publikationen Gedichte
Drei Gedichte in Nord und Süd, 110, 1904, S. 77f. Dem Leben Heil! Jauer i. Schl. 1908, 82 Seiten, Gedichte, als Christa Lessenthin Beethoven, Sprechchor, 1927Halbmonatsschrift für Schulmusikpflege, 1926/27, 5. März 1927, [S. 173] Informationen Katalog Beethoven
Vertonte Gedichte Der Brummer, Wohin du gehst, Geheimnis der Fernen, Menschen gibt's, die wie die Sonne sind, Wir sind die Kinder der schönen Frühlingszeit durch Hans KriegChrista Niesel-Lessenthin Forbidden Music Das Mäuschen durch Paul MittmannChrista Niesel-Lessenthin Lieder net
Radiosendungen Es ist das Heil uns kommen her, Weihnachtsspiel, gesendet in der Funkstunde Breslau am 22. Dezember 1927 und 24. Dezember 1928 live ohne AufzeichnungARD-Hörspieldatenbank
Weitere Schriften Siebenbürgisches Schrifttum, 1934 Schlesische Dialektdichtung unserer Zeit, 1935
Büchersendungen Christa Niesel-Lessenthin gestaltete mindestens 25 Stunden mit Büchern in der Schlesischen Funkstunde von 1926 bis 1932. Sie war in dieser Sendereihe die einzige Frau. Die vorgestellten Bücher waren meist konventionell und sind heute weitgehend unbekannt, eine Ausnahme mit etwas bekannteren Autoren war 10. Januar 1929 mit Leo Perutz Wohin rollst Du, Äpfelchen, Gertrud von le Fort Das Schweißtuch der Veronika, und Romanen von Wilhelm Speyer, Karl Figdor, Francis de Miomandre, Arthur Wehrlin, Pierre Benoit, Willy Reese, Joseph Delmont und Otto RudorffBörsenblatt, 5. Januar 1929, letzte Umschlagseite
Wohin du gehst
Wir schreiten durch den gelben Sand Vorbei am reifenden Getreide Feldblumen ich an meinem Kleide Du ein paar Blüten in der Hand In blauer Luft folgt unserm Schritt Der Häher und die Mandelkrähe Ich spüre selig deine Nähe ... Wohin du gehst – da geh ich mit !Nord und Süd, 110, 1904, S. 77
Literatur Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten. Band 5. 1913. S. 139, mit einigen biographischen Angaben (von ihr selber verfasst) Deutsches Literatur-Lexikon. Band 11. 1988; sehr kurze biographische Daten
Weblinks Bronzerelief Christa Niesel-Lessenthin Galerie Nierendorf Briefe von Christa Niesel-Lessenthin Monacensia digital
Einzelnachweise
Kategorie:Geboren 1879 Kategorie:Gestorben 1953 Kategorie:Frau Kategorie:Publizist