mini|Saxophonist Lee Thompson (hier 2009 mit Chas Smash) hatte die Textidee zu House of Fun
House of Fun ( für „Haus des Spaßes“) ist ein Song der britischen Band Madness, der 1982 ihr einziger Nummer-eins-Hit in den britischen Singlecharts war. Mit der B-Seite Don’t Look Back wurde er am 14. Mai 1982 auf Stiff Records mit der Katalognummer BUY 146 veröffentlicht.Eintrag für House of Fun in der Singles-Datenbank 45cat.com, gesichtet am 6. März 2023. Als Autoren werden zwei Bandmitglieder, Keyboarder Mike Barson und Saxophonist Lee Thompson, angegeben. Produzenten waren Clive Langer und Alan Winstanley, wie üblich unter ihrem gemeinsamen Aliasnamen Clanger Winstanley. Die ersten 70.000 Exemplare der Single erschienen als Picture Disc, ein Novum für Schallplatten der Band.“Madness have their first picture disc released next week”, in Record Mirror vom 8. Mai 1982, Seite 3, Scan des Magazins bei worldradiohistory.com, gesichtet am 6. März 2023. Bereits drei Wochen vor der Single war House of Fun auf der LP Complete Madness erschienen, einer Kompilation vorrangig der vorherigen Hitsingles der Band, die zeitgleich mit House of Fun die Spitzenposition der Albumcharts erreichte.
Textinhalt Das Lied handelt von einem Jugendlichen, der an seinem 16. Geburtstag das Age of consent erreicht hat – das Ende des Schutzalters also, ab dem er legal Sex haben darfIn England galt seit 1967 die Vollendung des 16. Lebensjahres als Grenze für das Age of consent, allerdings nur für heterosexuelle Beziehungen. Für homosexuelle Beziehungen wurde es erst 1994 von 21 auf 18, 2001 auf 16 gesenkt, vgl. Sexual Offences Act 1967, Amendment, gesichtet am 13. März 2023. – und erstmals Kondome kaufen möchte. Die Idee für den Text hatte Lee Thompson schon einige Zeit im Kopf gehabt,John Reed: House of Fun. The Story of Madness, Omnibus Press, London 2014, ISBN 978-1-78305-555-5, S. 196. ehe er in House of Fun umgesetzt wurde. Der Protagonist kommt mit den Worten „Guten Tag, heute bin ich 16 geworden und möchte ein bisschen Spaß, ich bin jetzt ein großer Junge.“ Er umschreibt gegenüber der Verkäuferin in der Apotheke jedoch das, was er haben will, ohne explizit Präservative zu erwähnen. So spricht er von einer „Schachtel Ballons mit dem federleichten Touch“ (“box of balloons with the feather-light touch”, eine Anspielung auf die Marke Durex Fetherlight). Er ändert seine Bestellung in Zahnbürste und Haarspray, als eine weitere – ihm bekannte – Kundin die Apotheke betritt. Die Verkäuferin versteht jedoch seine Bestellung nicht und rät ihm, nachdem er eine „Packung Partyhütchen mit bunten Spitzen“ (“box of party hats with the coloured tips”) verlangt, in ein Geschäft für Partyzubehör (das house of fun) zu gehen, denn er sei in einer Apotheke, nicht in einem „joke shop“, einem Scherzartikelladen. Symbolisch ist das house of fun im Kontext der Geschichte und aus Sicht des Protagonisten jedoch auch als Freudenhaus zu verstehen.Amanda London, „House of Fun“ by Madness, songmeaningsandfacs.com vom 6. Dezember 2020, gesichtet am 6. März 2023. Im Guinness-Buch der Nummer-eins-Hits nennen die Autoren den Song „eine Feier zur Einführung eines jungen Mannes in die Welt der verruchten Erwachsenen“.“a celebration of a young man’s introduction into the wicked adult world”, Eintrag 501: House of Fun, Madness, in Tim Rice/Jo Rice/Paul Gambaccini: The Guinness Book of Number One Hits, 2nd ed., Enfield 1988, S. 185; ISBN 0-85112-893-9; alle Übersetzungen aus dem Englischen: Divchino with a little help from deepl.com. Im Refrain heißt es: Simon Reynolds schrieb in seinem Buch Rip It Up and Start Again, Madness hätten mit House of Fun „ihr fruchtbarstes Reservoir an Peinlichkeiten ausgeschöpft“ und ließen so „das sexuelle Erwachen wie einen Sündenfall in eine Welt der Groteske erscheinen“.“Mining their most fertile seam of embarrassment, [House of Fun] made sexual awakening seem like a fall from grace into a world of sordid grotesquerie.” in: Simon Reynolds, Rip It Up and Start Again. Post-Punk 1978-1984, Faber and Faber, London 2005, ISBN 978-0-571-21570-6, S. 292. Bandsänger Suggs sagte später:
Musik und Entstehungsgeschichte mini|hochkant|Dave Robinson sorgte dafür, dass der Song einen Refrain erhielt mini|Deutsche Single House of Fun House of Fun ist eine Popkomposition im -Takt mit 126 Beats per minute in D-Dur. Eingespielt wurde der Song von der Stammbesetzung der Band: Graham „Suggs“ McPherson (Leadgesang), Chris Foreman (Gitarre), Mark Bedford (Bass), Mike Barson (Keyboard), Lee Thompson (Saxophon), Chas Smash (Trompete) und Daniel Woodgate (Schlagzeug).
Madness hatten bis zu diesem Titel alle elf veröffentlichten Singles in die Charts gebracht, die Titel auf dem Stiff-Label waren alle in den Top Ten bis auf den direkten Vorgänger Cardiac Arrest.Madness bei officialcharts.com, gesichtet am 6. März 2023. Dave Robinson, Eigentümer von Stiff, hoffte auf eine höhere Platzierung für den nächsten Hit. Barson und Thompson hatten einen Song mit dem Titel The Chemist’s Façade („Fassade einer Apotheke“)In die Matrix der britischen Originalsingle wurde der Titel als Chemist Facade auf der B-Seite eingraviert, s. Eintrag Madness, House of Fun in: Bert Muirhead, Stiff – The Story of a Record Label, Poole/Dorset 1983, ISBN 0-7137-1314-3, S. 40. komponiert; aufgenommen hatte die Band das Lied Anfang Februar 1982 in Trevor Horns Sarm West Studios in Notting Hill. Während der Mischung des Songs war Robinson mit den Produzenten und der Band in den AIR Studios. Robinson gefiel der Song, er vermisste jedoch einen Refrain. Sänger Suggs und Gitarrist Chris Foreman zogen sich – so erinnert sich Suggs in John Reeds Madness-Biografie House of Fun – darauf in ein Hinterzimmer zurück und schrieben den Refrain „Welcome to the house of fun“ und kreierten damit auch den Songtitel. Er beschwerte sich später darüber, dass beide nicht als Koautoren genannt worden waren.John Reed: House of Fun. The Story of Madness, Omnibus Press, London 2014, ISBN 978-1-78305-555-5, S. 195 f. Da die Aufnahmen der anderen Parts des Songs bereits abgeschlossen waren, musste Toningenieur Alan Winstanley diesen in die existierende Aufnahme mischen, was sich mit den damaligen technischen Mitteln als schwierig erwies. So war Suggs’ Gesang so aufgenommen, dass das Wort „Welcome“ letztlich als „Elcome“ auf der vorfinalen Mischung erschien. Suggs musste das Wort erneut aufnehmen und Winstanley es in die endgültige Version integrieren – „nur, weil der Fokus des Liedes nicht mehr auf der Apotheke lag“, wie Winstanley erzählte.Richard Buskin, Classic Tracks: Madness ‘Our House’, SOS Publications Group, SoundOnSound.com, Juni 2006, gesichtet am 6. März 2023. Robinson später: „Wenn man sich den Song anhört, den Teil, der reingeschnitten wurde – er hat einen leicht anderen Beat. Er ist nicht komplett synchron. Er wurde an das Ende jedes Verse angeschnitten, es blieb keine Zeit mehr; sie haben ihn [den Refrain] einmal aufgenommen und wir kopierten ihn mehrfach hinein.““What happened if you listen to that song, that’s edited in to the song, that’s got a slightly different beat. It’s not totally in sync, and that was edited into the end of each verse, there was no time to do anything, so they recorded it once and we copied it and we edited it all in.” in: Andy Claydon, Madness. Chapter 4: All in the Mind, 1999. Archiviert im , gesichtet am 6. März 2023.
Es gibt zwei Versionen von House of Fun, die unterschiedlich enden. Auf der Originalsingle ist am Schluss ein kurzer Orchestral Hit zu hören, dem die Geräuschkulisse eines Jahrmarkts mit Drehorgel folgt. Diese Aufnahme wurde auch in einer Folge der Sitcom The Young Ones, in der Madness auftrat, benutzt (wurde dort aber vor den Jahrmarktgeräuschen ausgeblendet).The Young Ones Music Guide: Series One, auf dirtyfeed.org, 16. Juni 2020, gesichtet am 6. März 2023. Der Orchestral Hit und das Ende der Aufnahme wurden auf weiteren Veröffentlichungen (auch auf der zuvor erschienenen LP Complete Madness) entfernt und das Lied mit einem Fadeout des Refrains beendet, so dass diese Version etwa sieben Sekunden kürzer ist. Erst bei einer Wiederveröffentlichung 2010, auf einer erweiterten Neuauflage des Albums The Rise and Fall, kam die ursprüngliche Singleversion wieder zum Einsatz.
Rezeption Für Musikpsychologe Michael Bonshor von der University of Sheffield zählt House of Fun zu den drei Songs, die am besten eine fröhliche Stimmung im Hörer erzeugen, neben Good Vibrations von den Beach Boys und I Got You (I Feel Good) von James Brown. Für ihn sind seine Kriterien in dem Madness-Song erfüllt, darunter ein kurzes Intro und ein treibender Beat: „Fröhliche Lieder haben in der Regel einen starken 1-2-1-2-Takt, so dass man dazu tanzen kann. Wir mögen hohe Lautstärke… mit Tönen, die von Instrumenten wie Trompeten oder E-Gitarren auf helle und lebhafte Weise gespielt werden. Das Tüpfelchen auf dem i ist schließlich ein sich wiederholender Rhythmus oder ein Gitarrenriff, an dem sich die Menschen festhalten können und der einprägsam ist.“Michael Bonshor, “Cheery songs usually have a strong 1-2-1-2 beat to them, so that you can dance along. We like high volume… with notes played in a bright and bouncy way by instruments such as trumpets or electric guitars. Finally, a repetitive rhythm or guitar riff that people can latch on to and becomes memorable is the cherry on the cake.”; in: Fiona Jackson: "Got the blues? Here’s the formula for a happy tune", Daily Mail vom 16. Februar 2023, S. 21, gesichtet am 21. April 2023.
Das Lied sei eine Hommage an die Music Hall und empfinde durchgehend „die Atmosphäre eines Jahrmarkts“ nach, schrieb Richard Balls in seinem Buch über Stiff Records. „Der alltägliche Charakter der Texte und der Sinn für das Erzählen von Geschichten war in Stil und Darbietung ebenfalls typisch englisch.““[I]t doffed its cap to Music Hall and maintained a fairground feel throughout. The everyday nature of the lyrics and sense of storytelling was also quintessentially English in its style and delivery.” Richard Balls: Be Stiff – The Stiff Records Story, Soundcheck Books, London 2014, ISBN 978-0-9575700-6-1, S. 263. John Reed, Autor der Madness-Biografie House of Fun, konstatierte, dass die Doppeldeutigkeiten im Text „über den peinlichen ersten Kauf von Kondomen so manchen männlichen Teenager mit einem Glitzern im Auge zurückließen“.„[I]ts mischievous double entendres about that awkward first purchase of condoms left a twinkle in the eye of many a male teenager.“ John Reed: House of Fun. The Story of Madness, Omnibus Press, London 2014, ISBN 978-1-78305-555-5, S. 2. Andy Smith stellt in seinem Eintrag über Madness im Buch Rock – The Rough Guide fest, House of Fun sei wahrscheinlich der „großartigste Moment“ ihrer Karriere gewesen, „eine herrlich surreale Geschichte über das Erwachsenwerden und pubertäre Missverständnisse in der Apotheke.““Their finest moment was probably 1982’s ‘House of Fun’ (oddly their only UK chart-topper), a magnificently surreal tale of coming of age and adolescent misunderstandings at the chemists’s.” Andy Smith, Madness, in Jonathan Buckley/Mark Ellingham (Hg.): Rock – The Rough Guide, London 1996, ISBN 1-85828-201-2, S. 533. „Kurz gesagt,“, bilanziert John Reed seine Sicht des Songs, „House of Fun verdeutlichte die Fähigkeit von Madness, vorpubertäre Kinder anzusprechen, die von den schrägen Melodien und den witzigen Ideen der Band begeistert waren, während sie ihnen gleichzeitig berührende, tiefgründige Texte boten.““In a nutshell, "House of Fun" crystallized Madness’s skill at appealing to pre-pubescent kids who couldn’t help but be smitten by the band’s madcap melodies and playful antics, while also offering more poignant, substantial lyrics.” John Reed: House of Fun. The Story of Madness, Omnibus Press, London 2014, ISBN 978-1-78305-555-5, S. 200.