mini|Lage der Bezirksämter in Baden im Jahr 1890
Das Bezirksamt Neustadt war eine von 1813 bis 1939 bestehende Verwaltungseinheit im Süden des Großherzogtums Baden.
Geographie Das Gebiet des Bezirksamtes erstreckte sich im südöstlichen Schwarzwald rund um den Oberlauf der Wutach. Zunächst mit einem schmalen Streifen im Südwesten reichte es in den Hochschwarzwald bis hin zum Feldberg, in seiner Endphase kamen in dieser Region noch zahlreiche weitere Gemeinden hinzu. Östlich angrenzend lag die Baar.
Geschichte Historischer Hintergrund mini|Orte des Bezirksamtes um 1830
Den historischen Kern des Bezirksamtes bildete das fürstenbergische Obervogteiamt Neustadt.Abschnitt zum Obervogteiamt Neustadt im Staats- und Addresshandbuch des schwäbischen Reichs-Kraises, 1799, Band 1, S. 388f. Es war eines von fünf Ämtern, in denen Fürstenberg zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches seine Besitzungen in der Baar organisiert hatte.Franz Ludwig Baumann: Die Territorien des Seekreises. Badische Neujahrsblätter, Viertes Blatt, 1894, S. 37. Mit der Rheinbundakte von 1806 wurde das Haus Fürstenberg mediatisiert, ihr Fürstentum zum größten Teil der badischen Landeshoheit unterstellt. Dessen Regierung errichtete daher im Sommer 1807 das standesherrliche Amt Neustadt.
Nach der Gründung mini|Neustadt und benachbarte Bezirksämter mit Stand 1890.
Nachdem die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1813 eine einheitliche Zuständigkeit der Ämter ermöglicht hatte. wurde das fürstenbergische Amt Neustadt in das landesherrliche Bezirksamt Neustadt umgewandelt. Bei dieser Gelegenheit wurden einige Orte an benachbarte Bezirksämter abgetreten.Beilage A: Ämtereinteilung, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 30. Juli 1813, Heft XXII, S. 133 Die vorgesehene Zuweisung des Großteiles der Orte des aufzulösenden Amtes Löffingen unterblieb. Stattdessen entstand dort das Bezirksamt Löffingen. Bei dessen Aufteilung 1821 kamen, wie ursprünglich vorgesehen, die Orte dann doch zu Neustadt.
1824 wurde dem Haus Fürstenberg erneut die Zuständigkeit für die Rechtsprechung auf der unteren Ebene (die bis 1857 bei den Ämtern lag) zuerkannt. Drei hiervon auch betroffene Orte des landesherrlichen Amtes Triberg wurden daher zum Bezirksamt Neustadt umgegliedert.Entsprechende Verordnung vom 29. April 1824, veröffentlicht am 8. Mai 1824 im Großherzoglich Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft X, S. 67 In der Folge firmierte das Amt nun als gemeinsames großherzoglich-badisches und fürstlich-fürstenbergisches Bezirksamt.Siehe diese Bekanntmachung vom 6. Mai 1825, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Anzeige-Blatt für den Dreisam-Kreis. Diese Phase endete 1849, die drei Orte verblieben zunächst bei Neustadt.Entsprechende Verordnung vom 8. September 1849, veröffentlicht im Großherzoglich Badischen Regierungsblatt am 21. September 1849, Heft LVI, S. 377.
1857 wurde Neustadt Sitz eines Amtsgerichtes, dessen räumlicher Zuständigkeitsbereich zunächst die 29 Gemeinden des Amtsbezirks umfasste.Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden, Jahrgang 1858, S. 174f.
Nach 1821 kam es sporadisch zur Neuzuweisung einzelner Ortschaften. Größere Zuwächse ergaben sich 1924 und 1936 aufgrund der Auflösung benachbarter Bezirksämter. Mit Inkrafttreten der Landkreisordnung vom 24. Juni 1939 wurde das Bezirksamt Neustadt in den Landkreis Neustadt umgewandelt.
Orte und Einwohnerzahlen 1825 wurde für das Gebiet des Bezirksamtes von 12.475 Einwohnern berichtet.Friedrich Dittenberger: Geographisch-statistische-topographische Beschreibung des Großherzogthums Baden. Karlsruhe 1825, S. 80f.
1836 1836 waren es 14.392 Menschen, die im Gebiet des Bezirksamtes lebten. Sie verteilten sich auf diese 32 Gemeinden:Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden, Jahrgang 1834, S. 150–152. Neustadt: 1561 Altglashütte: 210 Bärental: 160 Bregenbach: 146 Dittishausen: 396, davon in Weiler: 11 Kirnberg: 6 Eisenbach: 584 Falkau: 264 Fischbach: 351, davon in Hinterhäuser: 63 Reiterswies: 15 Schwende: 47 Friedenweiler: 182 Göschweiler: 409, davon in Stallegg: 9 Hammereisenbach: 210 Kappel: 628, davon in Grünwald: 126 Langenbach: 373 Langenordnach: 303 Linach: 258 Löffingen: 1022, davon in Krähenbach: 11 Neuglashütte: 81 Oberlenzkirch: 642 Raitenbuch: 276, davon in Berg: 87 Windgfäll: 11 Reiselfingen: 393 Rötenbach: 550 Rudenberg: 280, davon in Reichenbach: 31 Saig: 391, davon in Mühlingen: 147 Schönenbach: 478 Schollach: 465 Schwärzenbach: 370 Seppenhofen: 389 Siedelbach: 91, davon in Eckbach: 41 Unterlenzkirch: 406, davon in Olpenhütte: 9 Urach: 583 Viertäler: 999, bestehend aus Altenweg: 381 Spriegelsbach: 121 Schildwende: 118 Jostal: 379 Vöhrenbach: 941, davon in Gefäll: 15 Schwanenbach: 80 Fuchsloch: 49 Ursbach: 27
1913 1849 wurden Bubenbach und Oberbränd, die bis 1840 zum Stabsamt Bräunlingen gezählt hatten, vom Bezirksamt Donaueschingen nach Neustadt umgegliedert.Entsprechende Verfügung vom 23. Oktober 1849, veröffentlicht am 8. November 1849 im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt, Heft LXX, S. 556. Im Gegenzug gingen 1850 Schönenbach, Linach, Vöhrenbach und Langenbach an das Bezirksamt Villingen,Entsprechende Verfügung vom 27. Juli 1850, veröffentlicht am 3. August 1850 im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt, Heft XXXVII, S. 267. 1852 Reiselfingen zum Bezirksamt Bonndorf.Entsprechende Verfügung vom 28. September 1852, veröffentlicht am 23. Oktober 1852 im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt, Heft XLVI, S. 442. 1860 wurde die Gemeinde Siedelbach (mit Eckbach) aufgelöst und der Gemeinde Breitnau im Landamt Freiburg eingegliedert.Entsprechendes Gesetz vom 24. Mai 1860, veröffentlicht am 21. Mai 1860 im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt, Heft XXVIII, S. 193. Von dort kamen 1864 Hinterzarten und Waldau hinzu.Verordnung, die Eintheilung des Großherzogthums für die Einführung der neuen Gerichtsverfassung und der neuen Organisation der inneren Verwaltung betreffend. Veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 25. Juli 1864, S. 311. 1897 wurden Bregenbach und Hammereisenbach zur Gemeinde Hammereisenbach-Bregenbach vereinigt.Entsprechendes Gesetz vom 7. Mai 1896, veröffentlicht am 8. Mai 1896 im Gesetzes- und Verordnungsblatt für das Großherzogthum Baden, Heft XI, S. 76.
1913 lebten im Amtsbezirk 17.344 Menschen in 29 Gemeinden:Hof und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden 1913, Statistischer Anhang Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek, S. 352f.
Löffingen: 1266 Neustadt: 4075 Altglashütten: 202 Bärental: 298 Bubenbach: 223 Dittishausen: 377 Eisenbach: 554 Falkau: 439 Fischbach: 181 Friedenweiler: 301 Göschweiler: 456 Hammereisenbach-Bregenbach: 380 Hinterzarten: 915 Kappel: 456 Langenordnach: 234 (Ober)Lenzkirch: 1194 Neuglashütten: 68 Oberbränd: 230 Raitenbuch: 198 Rötenbach: 610 Rudenberg: 248 Saig: 466 Schollach: 400 Schwärzenbach: 366 Seppenhofen: 350 Unterlenzkirch: 584 Urach: 563 Viertäler: 1292 Waldau: 326 zusätzlich, als abgesonderte Gemarkung mit eigener polizeilicher Verwaltung: Grünwald: 78
1939 1921 wurde Hammereisenbach-Bregenbach zum Bezirksamt Donaueschingen umgesetzt.Entsprechende Verordnung vom 3. Juni 1921, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 7. Juni 1921, Heft 32, S. 137. 1924 kamen zum Bezirksamt Neustadt:Entsprechende Verordnung vom 18. Januar 1924, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 22. Januar 1924, Heft 3, S. 9. und ergänzende Korrektur vom 19. März 1924, veröffentlicht ebenda am 26. März 1924, Heft 16, S. 51. vom aufgelösten Bezirksamt St. Blasien: St. Blasien, Blasiwald, Häusern, Menzenschwand und Schluchsee. vom aufgelösten Bezirksamt Bonndorf: Bonndorf, Boll, Ebnet, Faulenfürst, Grafenhausen, Gündelwangen, Holzschlag, Schönenbach, Wellendingen, Brunnadern, und Wittlekofen.
1936 wurden dem Bezirksamt Neustadt zugeteilt:Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung vom 26. Juni 1936. vom aufgelösten Bezirksamt Schopfheim: Bernau, Brandenberg, Todtnau und Todtnauberg. vom Bezirksamt Freiburg: Breitnau und St. Märgen. vom Bezirksamt Donaueschingen: Bachheim, Ewattingen, Münchingen und Reiselfingen. Im April 1939 kamen noch Aftersteg und Muggenbrunn vom Bezirksamt Lörrach hinzu.§ 31 des Gesetzes über die Landkreisselbstverwaltung in Baden, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 28. Juni 1939, Heft 11, S. 99
Zwei Gemeinden änderten ihre Namen: 1929 Viertäler in TitiseeStatistisches Jahrbuch für das Land Baden. 44. Jahrgang, Karlsruhe 1938, S. 7 sowie Bärental 1939 in Feldberg (Schwarzwald).Gemeinderechtliche Zusammenfassung des Feldberggebiets. Beschluss vom 31. März 1939, veröffentlicht im Ministerialblatt für die Badische innere Verwaltung am 6. April 1939, Heft 14, Sp. 349–351
Dem gegenüber reduzierte sich die Zahl der Gemeinden um drei. Betroffen waren 1925 Unterlenzkirch (zu Lenzkirch)Statistisches Jahrbuch für das Land Baden. 44. Jahrgang, Karlsruhe 1938, S. 7. sowie im April 1939 Brandenberg (Hauptteil zu Todtnau) und Neuglashütten (zu Altglashütten).Entsprechender Beschluss vom 24. März 1939, veröffentlicht im Ministerialblatt für die Badische innere Verwaltung am 6. April 1939, Heft 14, S. 352
Somit umfasste das Bezirksamt zum Zeitpunkt seiner Umwandlung in den Landkreis Neustadt, neben der Amtsstadt, 52 Gemeinden, Einwohnerzahlen laut Volkszählung im Mai 1939:Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich aufgrund der Volkszählung 1939, Berlin, 1940, S. 211.
Aftersteg: 292 Altglashütten: 336 Bachheim: 328 Bernau: 1181 Blasiwald: 345 Boll: 157 Bonndorf: 1736 Breitnau: 1349 Brunnadern: 141 Bubenbach: 230 Dittishausen: 403 Ebnet: 95 Eisenbach: 640 Ewattingen: 675 Falkau: 454 Faulenfürst: 129 Feldberg (Schwarzwald): 454 Fischbach: 225 Friedenweiler: 425 Göschweiler: 451 Grafenhausen: 1181 Gündelwangen: 351 Häusern: 637 Hinterzarten: 1445 Holzschlag: 172 Kappel: 396 Langenordnach: 249 Lenzkirch: 1641 Löffingen: 1464 Menzenschwand: 461 Münchingen: 230 Muggenbrunn: 263 Neustadt: 4978 Oberbränd: 246 Raitenbuch: 179 Reiselfingen: 469 Rötenbach: 711 Rudenberg: 230 Saig: 518 St. Blasien: 1866 St. Märgen: 1414 Schluchsee: 742 Schönenbach: 140 Schollach: 366 Schwärzenbach: 329 Seppenhofen: 327 Titisee: 1502 Todtnau: 2357 Todtnauberg: 506 Urach: 481 Waldau: 264 Wellendingen: 345 Wittlekofen: 211
Gemeindefreie Gebiete Im Bereich des Bezirksamtes lag eine Reihe von gemeindefreien Gebiete, die in Baden als Abgesonderte Gemarkung bezeichnet wurden. 1885 waren es:Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Baden. Neue Folge, zweites Heft, zugleich 48. Heft der Reihe: Die Volkszählung vom 1. Dezember 1885, 2. Teil: Ortsverzeichnis. S. 48 Stallegg mit 14 Einwohnern Weiler mit 25 Einwohnern Kirnberg, unbewohnt Olpenhütte, unbewohnt Reiterswies, unbewohnt Windgfäll, unbewohnt
Das hier, mit 82 Bewohnern, ebenfalls genannte Grünwald hatte als Abgesonderte Gemarkung mit eigener polizeilicher Verwaltung den Status einer teilselbständigen Gemeinde inne.
1913 waren sie alle noch vorhanden. In der Badischen Gemeindeordnung von 1921 war die Auflösung der abgesonderten Gemarkungen festgelegt worden.Badische Gemeindeordnung von 1921, § 105 Daher verschwanden sie in den nachfolgenden Jahren.
Übergeordnete Behörden Die, im Rahmen der Verwaltungsgliederung des Landes übergeordneten Behörden waren: 1813 bis 1819 der Donaukreis 1819 bis 1832 der alte Seekreis 1832 bis 1864 der neue Seekreis ab 1864 der Landeskommissärbezirk Freiburg, zugleich wurden seine Gemeinden dem Kreisverband Freiburg zugeordnet.
Leiter der Verwaltung