Hilka Nordhausen (* 2. November 1949 in Hamburg; † 1. Dezember 1993 in Berlin) war eine deutsche Konzeptkünstlerin, Zeichnerin, Malerin und Autorin. Durch ihr Projekt Buch Handlung Welt wurde sie eine wichtige Figur der Hamburger Kunstszene in den 1970er und 1980er Jahren und weit über Hamburg hinaus bekannt.

Nach dem Tod der Künstlerin wurde der künstlerische Nachlass im ARCHIV Hilka Nordhausen betreut. Im Jahr 2025 wurde durch eine Schenkung der Familie die Übergabe an die Hamburger Kunsthalle ermöglicht und durch das ARCHIV Hilka Nordhausen realisiert. Aus diesem Anlass wurde die Ausstellung „Das Gespenst in der Kurve“ gezeigt.

Beruflicher Werdegang und Werk Nach Schulabschluss und einer Lehre als Drogistin studierte Hilka Nordhausen von 1970 bis 1975 freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Franz Erhard Walther und Gerhard Rühm. Eine Reise nach Paris 1975 und der Besuch der Buchhandlung Shakespeare & Company brachte sie auf die Idee, etwas ähnliches zu gründen. Dabei wollte sie die Idee mit ihren Vorstellungen von einer anderen Art, mit Kunst umzugehen,Buch Handlung Welt – Mein Anschlag auf die Wirklichkeit, in: dagegen-dabei. Texte, Gespräche und Dokumente zu Strategien der Selbstorganisation seit 1969, hrsg. von Hans-Christian Dany, Ulrich Dörrie, Bettina Sefkow, Hamburg 1998, S. 11–14, hier S. 12. verknüpfen und gründete die Buch Handlung Welt, die von November 1976 bis 31. Dezember 1983 bestand. In diesen Jahren widmete sie ihre ganze Kraft der Entwicklung eines Ortes, der als Werkstatt ein wichtiger Anlaufpunkt für die Hamburger Kreativszene außerhalb der etablierten Institutionen wurde. Nordhausen gelang es, dass die Hamburger Literatur und Kunst der Zeit überregional stark wahrgenommen wurde. Dies erreichte sie durch lokale Vernetzung, zum Beispiel mit Orten der unabhängigen Musikszene im Karolinenviertel, wie auch überregional mit anderen Initiativen der sogenannten Off-Szene.Vorwort von Uwe M. Schneede in: Hilka Nordhausen: Montags Realität herstellen: Zeichnungen, Fotosequenzen, Diaprojektionen, Übermalungen, Künstlerbücher. Katalog zur Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, 16. Nov. 2001 bis 10. Feb. 2002

Ihre eigene künstlerische Arbeit bewegte sich zwischen konzeptueller Zeichnung und Aktionskunst. Sie arbeitete auch literarisch (Gedichte, Romane, experimentelle Texte), war Darstellerin in Filmen, malte auf alltäglichen Materialien wie Packpapier, Kartonagen und Zeitschriften wie dem Stern. Ihre Arbeiten waren auf vielen großen und kleinen Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst in den 1980er vertreten (siehe Ausstellungsverzeichnis). Sie fing an, ihre Texte in Copyheften herauszubringen, die häufig mit Ausstellungen verknüpft waren.Siehe zum Beispiel: Das Zimmer des Dichters, Hotel-Pension Nürnberger Eck, Berlin (West), 1987. In: Exzentrischer 80er: Tabea Blumenschein, Hilka Nordhausen, Rabe Perplexum und Kompliz*innen auf dem Jetzt, hrsg. von Burcu Dogramaci, Ergül Cengiz, Philip Gufler, Mareike Schwarz, Angela Stiegler, Berlin 2022. Dort findet sich auch eine umfangreiche Bibliografie und ein Ausstellungsverzeichnis. Zwei Bücher erschienen 1990 und 1993.Melonen für Bagdad, Ostheim vor der Rhön 1990Hilka Nordhausen, Glücklichsein für Doofe – Das Ende einer Obsession. Eine Novelle, Hamburg 1993. 1981 erhielt sie das Arbeitsstipendium für bildende Künstler der Kulturbehörde Hamburg, 1982 das der Hamburger Erdwin-Amsinck-Stiftung.

Eine besondere Freundschaft verband sie seit Anfang der 1980er Jahre mit dem Autor Helmut Salzinger, dessen Projekt Head Farm Odisheim dem der Buch Handlung Welt verwandt war. Ihren persönlichen Lebensmittelpunkt verlegte sie erst nach Köln, dann nach Berlin, wo sie am 1. Dezember 1993 nach längerer Krankheit starb.

Ausstellungen (Auswahl) 1975: Hilka Nordhausen, Aktionen vom 3. bis 20. März 1975, Ausstellungsraum der Gruppe Grün, Bremen 1980: Aktion Pisskrücke – Geheimdienst am Nächsten, Künstlerhaus e.V., Hamburg 1980: Finger für Deutschland, Atelier Immendorff, Düsseldorf 1981: Szenen der Volkskunst, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 1981: Phönix, Alte Oper, Frankfurt am Main 1982: Hamburg-Stipendiaten 1981, Kunsthaus Hamburg 1985: Alles und noch viel mehr, Kunstmuseum Bern 1994/95: dagegen – dabei. Produktion und Strategie in Kunstprojekten seit 1969. Eine Ausstellung in sechs Etappen, Kunstverein in Hamburg (G), 3. Etappe im Dezember 1995: Hilka Nordhausen: Buch Handlung Welt 2000/01: Hilka Nordhausen: Montags Realität herstellen. Zeichnungen, Fotosequenzen, Diaprojektionen, Übermalungen, Künstlerbücher, Galerie der Gegenwart, Hamburger Kunsthalle 2004: Kunst in Hamburg. Heute, Hamburger Kunsthalle 2010: Weißer Schimmel – You can observe a lot by watching, Sammlung Falckenberg, PhoenixArt, Hamburg-Harburg 2016: Geniale Dilletanten. Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 2017: Zeichnungsräume II. Positionen zeitgenössischer Graphik, Hamburger Kunsthalle 2018/19: Die Erfindung der Neuen Wilden, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen 2022/2023: Exzentrische 80er: Tabea Blumenschein, Hilka Nordhausen, Rabe perplexum und Kompliz*innen aus dem Jetzt, Lothringer 13 Halle, München / Galerie Nord/Kunstverein Tiergarten, Berlin / Kunsthaus Hamburg, Hamburg 2025: Das Gespenst in der Kurve, Hamburger Kunsthalle, Hamburg

Publikationen (Auswahl) Melonen für Bagdad. Roman, Ostheim vor der Rhön 1990. Glücklichsein für Doofe. Das Ende einer Obsession. Eine Novelle. Hamburg 1993. Susie im Kongo - 2022 & Susie und der Zombie (= Spatzen #10). Hamburg 2023.

Literatur Hilka Nordhausen: Montags Realität herstellen. Zeichnungen, Fotosequenzen, Diaprojektionen, Übermalungen, Künstlerbücher, Kat. Hamburger Kunsthalle, Hamburg 2001. Annette Südbeck: Eine andere Art zu zeichnen – Die Wandzeichnung bei Sol LeWitt, Hilka Nordhausen und David Tremlett (Diss. Hochschule Bildender Künste Braunschweig, 2008), München 2011. Exzentrische 80er: Tabea Blumenschein, Hilka Nordhausen, Rabe perplexum und Kompliz·innen aus dem Jetzt, Dogramaci, Burcu / Mareike Schwarz / Ergül Cengiz / Philipp Gufler / Angela Stiegler (Hrsg.), Leipzig 2022. Bettina Sefkow, Fabian Reimann (Hrsg.): Buch Handlung Welt Bücher. Ein ARCHIV Hilka Nordhausen-Projekt. Textem Verlag, Hamburg 2023, ISBN 978-3-86485-291-6.

Filmografie Kamelfilm, Film von Hilka Nordhausen, Super 8, Farbe, stumm, ca. 5 Min. (Regie) (1970–1980) Die Wiese der Sachen, Film von Heinz Emigholz, 16 mm, s/w und Farbe, 88 Min. (Darstellerin) (1974–1987) Demon, Film von Heinz Emigholz, 16 mm, s/w und Farbe, 30 Min. (Darstellerin) (1976/77) Der kleine Godard, Film von Hellmuth Costard, Super 8 mm / Blow-Up 16 mm, Farbe, 84 Min. (Darstellerin) (1978) Normalsatz, Film von Heinz Emigholz, 16 mm, s/w und Farbe, 105 Min. (Darstellerin) (1978–1981) Meisterhafte Kapitäne, Film von Birger Bustorff, Original 16 mm, 4:3, s/w und teilweise Farbe, 5:58 Min. (Darstellerin) (1982 / Endfassung 2022) Hilkas Haus (ein Besuch bei Hilka Nordhausen), Film von Klaus Wyborny, Typee-Film, ungeschnittenes Super 8, Farbe, stumm (Darstellerin) (ca. 1982) Weltumzug, Film von Birger Bustorff, Original 16 mm, 4:3, Farbe, 11:45 Min. (Darstellerin) (1980/82 / Endfassung 2022)

Weblinks ARCHIV Hilka Nordhausen mit ausführlichem Werkverzeichnis

Einzelnachweise

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