Der Kreis Bergheim (Erft) war von 1816 bis 1974 ein Landkreis im Regierungsbezirk Köln. Mit diesem gehörte er zunächst zur preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg, seit 1822 zur Rheinprovinz und seit 1946 zu Nordrhein-Westfalen. Sein Gebiet gehört heute zum Rhein-Erft-Kreis. Sitz der Kreisverwaltung war Bergheim.
Nachbarkreise Der Kreis Bergheim (Erft) grenzte 1971 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Grevenbroich, Köln, Euskirchen, Düren und Jülich.
Verwaltungsgeschichte miniatur|Der Kreis Bergheim auf einer Karte aus dem Jahr 1905 Der Kreis Bergheim wurde 1816 aus den von 1798 bis 1814 französischen Kantonen Bergheim und Kerpen gebildet, die bis 1813 zum Arrondissement de Cologne im Département de la Roer gehört hatten. Der Kreis gliederte sich zunächst in 14 Bürgermeistereien, die in der Franzosenzeit als Mairien eingerichtet worden waren. Mit der Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz von 1845 wurden einige Bürgermeistereien des Kreises in mehrere Gemeinden untergliedert.Gemeindeordnung für die Rheinprovinz 1845, §1 Im Kreis Bergheim bestanden seit dieser Zeit 33 Gemeinden:Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland (PDF; 1,3 MB), Berlin: Verlag des Königlichen statistischen Bureaus, 1888, Seite 126 ff Verwaltungsgliederung 1885 BürgermeistereiGemeinden Bedburg Bedburg Bergheim Bergheim, Kenten, Quadrath-Ichendorf, Wiedenfeld, Zieverich Blatzheim Blatzheim Buir Buir, Manheim Esch Angelsdorf, Apartehöfe, Elsdorf, Esch, Niederembt, Oberembt, TollhausenHeppendorf HeppendorfHüchelhoven HüchelhovenKaster Epprath, Kaster, LippKerpen Kerpen, MödrathKönigshoven Königshoven, Morken-HarffPaffendorf Glesch, Niederaußem, Oberaußem, PaffendorfPütz PützSindorf Hemmersbach, SindorfTürnich Türnich Die Gemeinde Hemmersbach wurde 1907 in Horrem umbenannt. Wie in der gesamten Rheinprovinz wurden 1927 die Bürgermeistereien in Ämter überführt. Am 1. November 1934 wurden alle preußischen Einzelgemeindeämter aufgehoben; die betreffenden Gemeinden im Kreis wurden dadurch amtsfrei.Preußische Amtsordnung von 1934 Am 1. April 1937 kam es zu weiteren Änderungen der Ämterstruktur:Amtsblatt der Regierung zu Köln 1937, S. 34 Das Amt Paffendorf und die amtsfreie Gemeinde Hüchelhoven wurden in das Amt Bergheim eingegliedert. Das Amt Kaster und die amtsfreie Gemeinde Pütz wurde in das Amt Königshoven eingegliedert. Die amtsfreie Gemeinde Heppendorf wurde in das Amt Esch eingegliedert. Am 5. Januar 1938 wurde das Amt Esch in Amt Elsdorf (Rheinland) umbenannt und am 24. März 1938 das Amt Sindorf in Amt Horrem.Amtsblatt der Regierung zu Köln 1938, S. 13Amtsblatt der Regierung zu Köln 1938, S. 49 Am 1. April 1938 wurden außerdem das Amt Buir und die amtsfreie Gemeinde Blatzheim in das Amt Kerpen eingegliedert.Amtsblatt der Regierung zu Köln 1938, S. 35
Mehrere Gemeinden des Kreises wurden im Rahmen der Braunkohleförderung abgebaggert, aufgelöst und anderen Gemeinden zugeschlagen: Apartehöfe wurde 1938 in Elsdorf eingegliedert. Kenten und Zieverich wurden 1938 in Bergheim eingegliedert. Tollhausen wurde 1938 in Esch eingegliedert. Wiedenfeld wurde 1958 in Bergheim eingegliedert. Epprath und Morken-Harff wurden 1956 in Kaster eingegliedert. Die Gemeinde Oberaußem wurde am 29. August 1949 in Oberaußem-Fortuna umbenannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde Lipp von den Besatzungsbehörden aus dem Amt Königshoven ausgegliedert und verwaltungstechnisch der Stadt Bedburg unterstellt. Dieser Zustand wurde seitens der deutschen Behörden 1950 durch die Schaffung des Amtes Bedburg, bestehend aus der Stadt Bedburg und der Gemeinde Lipp, formalisiert.Amtsblatt der Regierung zu Köln 1950, S. 375 Das 1938 aufgelöste Amt Buir mit den beiden Gemeinden Buir und Manheim wurde am 1. April 1954 wiedererrichtet.Amtsblatt der Regierung zu Köln 1954, S. 95
Der Kreis war zum Ende seines Bestehens in sieben Ämter und insgesamt 26 Gemeinden gegliedert: Verwaltungsgliederung 1974 Amt Gemeinden Bedburg Bedburg (Stadt), Lipp Bergheim (Erft) Bergheim (Erft) (Stadt), Glesch, Hüchelhoven, Niederaußem, Oberaußem-Fortuna, Paffendorf, Quadrath-Ichendorf Buir Buir, Manheim Elsdorf (Rhld.) Angelsdorf, Elsdorf (Rhld.), Esch, Heppendorf, Niederembt, Oberembt Horrem Horrem, Sindorf Kerpen Blatzheim, Kerpen (Stadt), Mödrath Königshoven Kaster (Stadt), Königshoven, Pütz amtsfrei Türnich Durch das Köln-Gesetz kam es mit Wirkung vom 1. Januar 1975 zu einer grundlegenden Gemeindereform und zur Auflösung des Kreises Bergheim (Erft): Die Städte Bedburg und Kaster wurden mit allen weiteren Gemeinden der Ämter Bedburg und Königshoven zu einer neuen Stadt Bedburg zusammengeschlossen. Die Stadt Bergheim (Erft) wurde mit allen weiteren Gemeinden des Amtes Bergheim zu einer neuen Stadt Bergheim zusammengeschlossen. Die Stadt Kerpen wurde mit allen weiteren Gemeinden der Ämter Buir, Horrem und Kerpen sowie der Gemeinde Türnich zu einer neuen Stadt Kerpen zusammengeschlossen. Alle Gemeinden des Amtes Elsdorf (Rhld.) wurden zu einer neuen Gemeinde Elsdorf zusammengeschlossen. Der Kreis und alle Ämter wurden aufgelöst. Bedburg, Bergheim, Elsdorf und Kerpen wurden mit Brühl, Frechen, Hürth und Pulheim aus dem ebenfalls aufgelösten Landkreis Köln sowie mit Erftstadt aus dem Kreis Euskirchen zum neuen Erftkreis zusammengefasst. Der Erftkreis wurde 2003 auf einstimmigen Beschluss des Kreistages in Rhein-Erft-Kreis umbenannt.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1816 27.996 1828 31.284 1871 39.940Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885, S. 244 1880 41.154 1890 42.706 1900 47.518 1910 53.108 1925 64.286 1939 69.504 1950 92.321 1960 103.500 1970 119.400Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 136.700Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946
In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.
Stimmenanteile der Parteien in Prozent
Jahr SPD CDU FDP KPD 1946 38,0 54,0 7,0 19481 48,2 42,3 5,8 1952 45,9 37,4 13,3 1956 51,7 38,0 10,2 1961 46,1 46,0 7,9 19642 49,4 41,4 6,1 1969 51,5 41,9 5,002
Fußnoten
1 1948: zusätzlich: DZP: 3,2 % 2 1964: zusätzlich: UWG: 3,1 %
Landräte
1816–1837 Franz Beissel von Gymnich 1837–1865 Adolf Carl Raitz von Frentz 1865–1868 Otto Rintelen 1868–1876 Ernst Birck 1876–1891 Richard Herwarth von Bittenfeld 1891–1919 Otto Graf Beissel von Gymnich 1919–1933 Karl Sieger 1933–1934 Otto Pieperbeck (kommissarisch) 1934–1939 Udo Krüger 1940–1942 Werner Drück 1942–1945 Bernhard Köttgen (Dienstausübung während Wehrmachtsurlauben u. Lazarettaufenthalten) 1942–1944 Heinrich Loevenich (Mitverwaltung als Landrat des Landkreises Köln) 1945–1946 Karl Modemann (von den Alliierten eingesetzt) 1946–1948 Johannes Even, CDU 1948–1952 Johann Großmann, SPD 1952–1956 Alexander Kabza, CDU 1956–1961 Matthias Werner, SPD 1961–1964 Albert Schlangen, CDU 1964–1974 Richard Kasper, SPD
Infrastruktur Der Kreis Bergheim war durch den Braunkohleabbau besonders stark geprägt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war die örtliche Braunkohle- und Energieindustrie Hauptarbeitgeber. Damit einher ging auch ein Erstarken der SPD im Kreis und seinen Gemeinden.
Der Landkreis setzte vor allen Dingen auf Bildung. Nach 1945 entstanden zahlreiche Schulen, darunter Realschulen und das heutige Adolph-Kolping-Berufskolleg in Horrem.
Auch die Versorgung der Bevölkerung übernahm der Kreis selber. Bis zum Verkauf an RWE betrieb der Landkreis eigene Kreiswerke zur Strom- und Wasserversorgung.
Kfz-Kennzeichen
Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BM zugewiesen. Es wird im Rhein-Erft-Kreis (zunächst Erftkreis) durchgängig bis heute ausgegeben.
Quellen 150 Jahre Landkreis Bergheim 1816–1966. Hrsg. Landkreis Bergheim. Bedburg(Erft) 1966. Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A: Preußen. Hrsg. Walther Hubatsch. Band 7: Rheinland. Bearb. Rüdiger Schütz. Marburg (Lahn) 1978, ISBN 3-87969-122-3, S. 353–358.
Weblinks
Einzelnachweise
Bergheim Bergheim Kategorie:Bergheim Kategorie:Geschichte (Rhein-Erft-Kreis) Bergheim Kategorie:Aufgelöst 1975