Olena Mychajliwna Apanowytsch () (geboren 9. November 1919 in Melekess im Gouvernement Simbirsk, Sowjetunion; gestorben 21. Februar 2000 in Kiew, Ukraine) war eine ukrainische Historikerin und Erforscherin der Saporoger Kosaken. Sie war Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Trägerin des Taras-Schewtschenko-Preises und des Antonowytsch-Preises.
Leben Olenas Vater Michail Apanowitsch war gebürtiger Weißrusse und Bahnangestellter, ihre Mutter Camilla entstammte dem polnischen Adelsgeschlecht der Bortnowski. Sie war das fünfte von zehn Kindern, die meist schon im Säuglingsalter starben. Gemäß den Erinnerungen ihrer Verwandten brachte ihre Mutter Olena in einer Kutsche zur Welt. Ihr Vater stammte aus einer weißrussischen Bauernfamilie. Olena verbrachte ihre gesamte Kindheit in der Mandschurei, wo ihr Vater arbeitete. Ihre Familie wurde von den Japanern aus China deportiert. Sie ließen sich daraufhin 1933 in Charkiw nieder, wo Olena die Oberschule abschloss. Der Vater verließ die Familie, Olenas Mutter starb 1935 und ihr Vater wurde 1939 wegen falscher Anschuldigungen geächtet.
1937/38 besuchte sie das Institut für Journalismus des Zentralkomitees der Kommunistischen Allunions-Partei in Moskau, doch die Schule wurde bald darauf geschlossen, da die Lehrer in Ungnade gefallen waren. Daraufhin kehrte Apanowytsch nach Charkiw zurück, wo sie kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1941 ihr Studium an der Fakultät für russische Sprache und Literatur des Pädagogischen Instituts abschloss. Nach dem Beginn der deutschen Invasion wurde sie nach Kasachstan und Baschkirien evakuiert, wo sie im staatlichen Volkskommissariat für Gesundheit arbeitete. 1944 kehrte Apanowytsch nach Charkiw zurück, da jedoch ihre Wohnung zerstört war, zog sie nach Kiew um. Ab Mai 1944 arbeitete sie im Zentralen Staatsarchiv der Ukraine in Kiew und war an der Veröffentlichung vieler historischer Dokumente beteiligt.
Ab 1945 war Apanowitsch Doktorandin des Historikers Kostya Huslisty und sie verteidigte 1948 als Kandidatin der Wissenschaften ihre Dissertation über die Teilnahme der Saporoger Kosaken am Russisch-Türkischen Krieg (1768–1774). So wurde sie 1950 als führende Expertin für das Kosakentum in das Institut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der Ukraine aufgenommen und unternahm bis 1972 zahlreiche archäologische Expeditionen zu den Orten, die mit der Geschichte des Saporoger Kosakentums verbunden sind. Sie veröffentlichte viele wissenschaftliche Arbeiten und erstellte ein vollständiges Verzeichnis der Gedenkstätten der Saporoger Kosaken.
In dieser Zeit stand Apanowytsch in engem Kontakt mit kritischen Intellektuellen wie Elena Kompan, Mikhail Braichevsky, Yaroslav Dzyra, Viktor Ivanysenko, Boris Antonenko-Davydovich, Grigory Kochur, Nadezhda Surovtsova, Iwan Dsjuba und Mikhailina Kotsyubynska, las Samisdat-Literatur und hörte ausländische Radiosender. Nachdem sie 1972 – wie viele Intellektuelle – aus politischen Gründen aus dem Institut für Geschichte entlassen worden war, war sie zunächst ein Jahr arbeitslos, entging jedoch einer Verhaftung. Danach bekam sie auf Fürsprache eine Anstellung in der Zentralen Wissenschaftlichen Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der Ukraine und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Handschriftenforschung. Zunächst hatte sie Publikationsverbot, dann erschienen ihre Artikel unter fremden Namen. Erst nach der Unabhängigkeit der Ukraine ab 1991 konnte sie wieder ohne Zensur veröffentlichen. Darin stellte sie eine Reihe von Fakten richtig, die vorher nicht niedergeschrieben werden konnten. Schließlich wurde die Historikerin auch als Beraterin für Dokumentar- und Spielfilme über das ukrainische Kosakentum eingeladen.
Preise und Auszeichnungen Silbermedaille des VDNKh der UdSSR, der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft der UdSSR Seit 1991: Mitglied des Nationalen Schriftstellerverbandes der Ukraine 1994: Taras-Schewtschenko-Preis 1994: Preis der Omelyan und Tatiana Antonowytsch-Stiftung (US-amerikanischer Preis für Literatur in ukrainischer Sprache) für die Monographie „Streitkräfte der Ukraine der ersten Hälfte des XVIII Jahrhunderts“ Seit 2019 ist eine Straße im Goloseevsky-Bezirk der Stadt Kiew nach Elena Apanowytsch benannt.
Veröffentlichungen (Auswahl) Bücher
– Artikel
Literatur (Auswahl) Bücher
Artikel
Weblinks
Einzelnachweise
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