mini|Blick von den Höhen des Bozdağlar-Massivs bei Birgi in die Senke des Küçük Menderes-Grabens. Im Hintergrund die Aydın Dağları. mini|Blick auf ein Ensemble von Ortshäusern in Birgi.

Birgi (nicht zu verwechseln mit Birgi im Kreis Urla, Provinz İzmir, Türkei; in der Antike Dioshieron, später Christoupolis und Pyrgion) ist ein Amtsbezirkszentrum (Bucak, früher Nahiye) mit eher dörflichem Charakter in der Ägäisregion der Westtürkei im Landkreis (İlçe, früher Kaza) Ödemiş der türkischen Provinz (İl, früher Vilayet) İzmir und seit der türkischen Verwaltungsreform 2013/2014 zugleich Stadtteil/Ortsteil/Gemeinde (Mahalle) der Kreisstadt Ödemiş. Das Landstädtchen Birgi mit 17.61 Einwohnern (2024Nufusune.com: BİRGİ MAHALLESİ NÜFUSU ÖDEMİŞ İZMİR - İl İlçe Mahalle Köy Nüfusu, abgerufen am 12. Januar 2026) liegt etwa 9 km ostnordöstlich von Ödemiş am Birgi Çayı am südlichen Rand der Bozdağlar (Tmolos-Gebirge) in 326 m Höhe mit Blick südwärts über die Ebene des Küçük Menderes Nehri (Kleiner Mäander, in der Antike Kaystros) bis zu den Aydın Dağları. Der Ort beherbergt aufgrund seiner langen Geschichte zahlreiche historische Gebäude und wurde 2012 von der UNESCO in die Tentativliste des Weltkulturerbes aufgenommen. Im Jahr 2022 wurde er von der Welttourismusorganisation zu einem der 32 besten Tourismusdörfer der Welt gewählt.

Zum Namen Der Ort Birgi hatte im Laufe seiner Geschichte verschiedene Namen. Der älteste bekannte Name der Vorgängersiedlung des rezenten Dorfes Birgi war Dioshieron. Der Name „Dioshieron“ besteht nach griechischen morphologischen Sprachbestimmungen ausschließlich aus altgriechischen Wörtern. Das Wort „Dios“ (∆ιός/Genitiv τοῦ ∆ιός) ist die Genitiv-Form des Eigennamens „Zeus“ (Ζεύς), des höchsten Gottes des griechischen Pantheons (griechischer Götterhimmel, Olymp). Das Wort „Hieron“ (ἱερόν) ist der Nominativ des altgriechischen Wortes für „heiliger Ort, Tempel, Heiligtum“. Abgeleitet von der Kombination der Wörter „∆ιός“ und „ἱερόν“ bedeutet „∆ιοσιερόν“ (Dioshieron) also „Heiliger Ort des Zeus“. Die griechische Bezeichnung „∆ιοσιερόν“ wurde in römischer Zeit wohl zur entsprechenden Schreibweise „Dioshieron“. Eine Namensänderung erfolgte mit dem Übergang zu Christentum von Dioshieron zu „Christoupolis“ (Χριστούπολις). Auch hier bestand der Name „Christoupolis“ ausschließlich aus altgriechischen Wörtern. Das Wort „Christou“ (Χριστού) ist der Genitiv des Eigennamens Χριστός (Christos = der Gesalbte). Das Wort „Polis“ (πόλις) ist der Nominativ des altgriechischen Wortes „Stadt“/„Gemeinwesen“. So leitet es sich aus der Kombination der Wörter „Χριστού“ und „πόλις“ ab, und „Χριστούπολις“ (Christoupolis) bedeutet „Stadt des Gesalbten/Christi“. Was den späteren Namen „Pyrgion“ (Πυργίον) betrifft, was „Festung“ oder „Bastion“ bedeutet, so scheint die Stadt diesen Namen während der byzantinischen Zeit angenommen zu haben, als sie militärische Bedeutung erlangte. Daraus entwickelte sich der spätere und heutige Name „Birgi“ für den Ort am Platz des antiken Dioshieron.

Zur Geschichte

Frühe Geschichte bis zur römischen Zeit Nach schriftlichen Quellen und archäologischen Befunden zu urteilen gab es in der fruchtbaren Ebene des Kaystros (Küçük Menderes) der antiken lydischen Region West-Kleinasiens vom späten Chalkolithikum bis zur Römerzeit lediglich verstreute Dorfgemeinschaften. Die Küçük-Menderes-Ebene hatte in der Antike als fruchtbare Fluss- und Beckenlandschaft eine reiche agrare Wirtschaftskraft und auch geeignete Siedlungsplätze, in denen in dichter Besiedlung „Kaystrosier“ im mittleren Teil und „Kilbosier“ im Osten lebten [der antike Fluss Kilbos (rezent: Kadın Deresi) in der Nähe von Kiraz ist der Hauptzufluss des antiken Kaystros (rezent: Küçük Menderes)]. Die Siedlungsgeschichte begann dort den Oberflächenfunden nach bereits im späten Chalkolithikum. Recep Meriç vermerkte dazu: „Dank der von der Oberfläche gesammelten Keramikstücke ist es möglich, die detaillierte Siedlungschronologie und Siedlungsdichte jedes Hügels zu bestimmen. Dank der Oberflächenfunde lässt sich sagen, dass alle Hügel vor allem in der frühen Bronzezeit, also im 3. Jahrtausend v. Chr., stark besiedelt waren und dass es im 2. Jahrtausend v. Chr. eine flächendeckende Besiedlung gab.“

Offensichtlich wurde die Ebene des Küçük Menderes von den Menschen schon immer als geeignetes Siedlungsgebiet bevorzugt, spätestens beginnend mit dem späten Chalkolithikum. Die bekannte schriftlich überlieferte Geschichte des Ortes, der sich um ein Heiligtum bildete, in dem der Gott Zeus verehrt wurde, und die Region Lydien reicht bis in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zurück, also in die Zeit des hethitischen Großreichs. „Nach den Keilschriftdokumenten der Zeit des hethitischen Großreichs hieß die Region Lydia Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. Assuwa und wurde von vielen lokalen Fürsten oder Herren regiert. Einer von ihnen war zum Beispiel Madduwattas, der einen ähnlichen Namen hatte wie die späteren lydischen Könige wie Alyattes und Sadyattes; ein anderer, [der Lydier] Muksus, war bei den westlichen Völkern als Mopsos bekannt. [Für Muksus/Moksos/Mopsos siehe auch Muzaffer Demir]. Auch Einwanderer thrakischer Herkunft, die ab 1200 v. Chr. vom Balkan kamen, zeigten ihren Einfluss in Westanatolien. Diese neuen Einwanderer, die Maionier hießen und eine andere Sprache hatten, nannten die Region Maionien.“ Der Name Lydia/Lydien wurde erst im 7 Jahrhunderte v. Chr. verwendet. Laut Homer ist die Ebene des Hermos (heute Gediz Nehri, im Norden der Bozdağlar) Maionia; die Kaystros-Ebene (Küçük Menderes) im Süden wurde Asia genannt.

Demnach war das Gründungsgebiet der Stadt Dioshieron und damit möglicherweise auch der Ort selbst seit Jahrhunderten ununterbrochen besiedelt, ehe man dort im 1. Jahrhundert n. Chr. in der Lage war, Münzen unter eigenem Namen zu prägen. Abgesehen von den aufgefundenen Münzen gibt es bislang keine andere Quelle, keinen klaren Hinweis darauf, dass die Stadt während des Lydischen Königreichs und des Persischen Reiches bereits existierte. Eines jedoch ist definitiv bekannt: Der Ort Dioshieron war in hellenistischer Zeit innerhalb der „Tempellandschaft“ des pergamenischen Reiches ebenso wie Hierapolis (Pamukkale) und Hierakome (Beyoba) als Dorf neben einem Tempel (oder Altar) entstanden und wurde mit der Zeit durch Gründung einer eigenen Zivilgesellschaft als wichtiges religiöses Zentrum nach und nach zur griechischen Polis urbanisiert. Diese Gemeinden prägten bereits vor der Römerzeit ihre eigenen Gemeinschaftsmünzen, aber sie hatten zunächst keine Städte. Die erste Urbanisierung in der Kaystros-Ebene erfolgte durch die ländlichen Stämme der Kaystrosier nach dem 1. Jahrhundert v. Chr. Die erste gegründete Stadt nach Veli Sevin war Hypaipa, 4-5 km nordöstlich von Ödemiş. Die zweite von den Kaystrosiern gegründete Stadt war Dioshieron. Einige Jahre nach dem Archäologen Veli Sevin stellte Recep Meriç (ebenfalls Archäologe) 1988 in einer Studie, einer Zusammenfassung seiner Habilitationsschrift, mit Hilfe sowohl schriftlicher Quellen als auch archäologischer Daten fest, dass das Phänomen der Urbanisierung in der Menderes-Ebene auf das hellenistische Zeitalter zurückgeht. Der Ort wurde allerdings erst im 1. Jahrhundert n. Chr. als Stadt erwähnt, worauf der Philologe und Epigraphiker Karl Buresch hinweist, der einer der wenigen modernen Wissenschaftler war, der sie erforscht hat.

Birgi unter Rom und Byzanz Die Region und damit auch der Ort ∆ιοσιερόν war nach der Schlacht bei Magnesia (Manisa) im Jahr 190 v. Chr. zum römischen Reich und dann im Jahr 133 v. Chr. zur römischen Provinz Asia gekommen, die unter der Autorität eines Konsuls von einem Gouverneur regiert wurde (ab 129 v. Chr.). Später entwickelte sich der Ort allmählich in der religiösen antiken Welt zu einem „heiligen Ort des Zeus“, zu Dioshieron mit eigener Münzprägung im 1. Jahrhundert n. Chr. Anhand des Dioshieron-Münzkatalogs des Britischen Museums, der von Barclay Vincent Head zusammengestellt wurde, lässt sich rekonstruieren, dass die antike Stadt Dioshieron seit der Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus bis zum Ende der Periode des Soldatenkaisers Marcus Antonius Gordianus (Gordian III.) durchgehend Stadt war, also zwischen 27 v. Chr. und 244 n. Chr. Man prägte dort eigene Münzen mit verschiedenen, jeweils in die Zeit passenden Motiven. Barclay Vincent Head hatte Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Katalog zusammengestellt, um die damaligen politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Aspekte des Lebens der Menschen in der Region Lydien zu erklären. In diesem Zusammenhang sind auf den in der römischen Kaiserzeit in der Stadt geprägten Münzen verschiedene Götter und Göttinnen verewigt: An erster Stelle steht Zeus, der der Stadt ihren Namen gab, gefolgt von Hera, Gattin und zugleich Schwester von Zeus, Asklepios (Äskulap, Gott der Heilkunst), Hygieia (Schutzpatronin der Apotheker), die Schicksalsgöttin Tyche und Kaystros (der Flussgott des Küçük Menderes Nehri, Kleiner Mäander).

Dioshieron war während der römischen Kaiserzeit hinter Hypaipa zur zweitgrößten Stadt und Verwaltungszentrum der Region Lydien geworden. Allerdings gibt es fast keine Informationen über die ältesten Daten und Gründungen von Dioshieron. Nicht ohne Grund lautet Sevins Artikel über die frühen Städte im Bereich der mittleren Kaystros-Ebene übersetzt: „Studie über die Geschichte von Hypaipa, einer wenig bekannten alten Stadt Westanatoliens“. Strabo, Plinius, Tacitus und Ovid erwähnten zwar Hypaipa in ihren Werken in Bezug auf die geographische Lage, machten aber keine näheren Angaben über die antike Stadt Dioshieron. Die wichtigsten Informationen zu Dioshieron erhalten wir aus den Daten der in der römischen Kaiserzeit geprägten Münzen: Dioshieron wird als große Siedlung erwähnt, die man als Stadt bezeichnen könnte und die unter dem Namen Dioshieron Münzen prägte. Das allerdings sagt nichts aus über das wirkliche Alter des Ortes. Als im 4. Jahrhundert n. Chr. das Christentum als offizielle Religion Roms anerkannt wurde, änderten christliche Geistliche den Namen der Stadt in „Χριστού̟ολις“ (Christoupolis = Stadt Jesu). In diesem Zusammenhang wurde die Stadt unter byzantinischer Herrschaft zunächst ein Bistum der Metropolis (Kirchenprovinz) Ephesos und dann Zentrum eines Erzbistums. Damals lautete der Name der Stadt „Pyrgion“ (Πυργίον), was in Griechisch „Burg oder Bastion“ bedeutet.

Birgi wird unter dem Beylik von Aydın muslimisch