Anton Meli (* 6. Oktober 1903 in St. Gallen; † 24. April 1985 in Bern) war ein Schweizer Statistiker und Direktor des Eidgenössischen Statistischen Amts (dem späteren Bundesamt für Statistik). mini|Anton Meli (1903–1985)
Leben Anton Meli war der Sohn des Karl Johann und der Marie Sophie Bertha geborene Kobler. 1930 heiratete er Klara („Claire“) Bertha Osterwalder, Tochter des Johann Konrad (1875–1955) und der Bertha geb. Stärkle. Mit ihr hatte er sechs Kinder: Marie-Johanna-Hildegard (1930–2026), Barbara Veronika Gertrud (* 1931), Thomas Jakob (1933–2010), Christoph Notker (1934–1992), Theresia Katharina (1938–2016), und Basil Bruno (* 1942).
In St. Gallen besuchte er die Primar- und Realschule und anschliessend das Kollegium in Engelberg und das Lyceum in St. Maurice, wo er 1923 die Maturität erlangte. Die Ausbildung in einem deutsch- und französischsprachigen Gymnasium formte ihn schon früh zum Bilingue. Er studierte bis 1929 Rechts- und Volkswirtschaft an den Universitäten Bern, Freiburg und Berlin, wo er u. a. Schüler des schweizerischen protestantischen Kirchenrechtshistorikers Ulrich Stutz war.Direktor Anton Meli 60jährig. In: Freiburger Nachrichten, 5. Oktober 1963 Nach dem StudienabbruchGemäss Information seines Sohnes und Nachlassverwalters Basil Bruno sei der Grund gewesen, dass er mitten in der Erstellung seiner Lizenziatsarbeit erfuhr, dass jemand anderes das gleiche Thema schon bearbeitet hatte. Welches Thema dies war, ist nicht bekannt. machte er ein Rechtspraktikum in einem Advokaturbüro in St. Gallen. Seine Ausbildung führte ihn auch nach Frankreich und Italien, wo er verschiedene Praktika absolvierte.Dr. h. c. Anton Meli zum Gedenken. In: Der Bund, Band 136, Nummer 103, 4. Mai 1985
Im Herbst 1930, mitten in einer tiefen Wirtschaftskrise, trat Anton Meli als Aushilfsangestellter bei der VolkszählungAnton Meli wirkte an den Volkszählungen von 1930, 1941, 1950 und 1960 mit. ins Eidgenössische Statistische Amt ein und wurde 1933 zum Beamten gewählt. In den nachfolgenden Jahren wurde er zum Stellvertreter des Volkszählungsbüros Genf gewählt und 1946 zum Leiter des Eidgenössischen Volkszählungsbüros befördert, wo er bis 1957 wirkte. 1948 wurde er vom Bundesrat zum 2. Adjunkten befördert.Der Bund, Band 99, Nummer 86, 21. Februar 1948 1954 erfolgte die Beförderung zum Adjunkten IDer Bund, Band 105, Nummer 153, 1. April 1954 1957 wurde er in einer nicht unumstrittenen WahlVielsagende Frühgeburt. In: Berner Tagwacht, Band 65, Nummer 279, 28. November 1957Vor einer wichtigen Wahl – Wer wird Direktor des Eidgenössischen Statistischen Amtes? In: Der Bund, Band 108, Nummer 556, 28. November 1957, in deren Vorfeld „das Personal des Statistischen Amtes mit einer von mehr als anderthalb hundert Unterschriften bedeckten Eingabe an den Bundesrat gelangte und mit aller Entschiedenheit gegen solche Intrigen und Diffamierungsversuche einer gewissen Gruppe Verwahrung einlegte“, als Nachfolger des am 5. Juli 1957 im Amt verstorbenen Albert Koller zum Direktor gewählt. Die Neuen Zürcher Nachrichten kommentierten: „Denn der «Charakterfehler», den der «Bund» bei Anton Meli glaubte entdecken zu müssen, bestand offensichtlich in der aktiven katholischen Ueberzeugung des neuen Direktors und wohl noch mehr in der Tatsache, dass Anton Meli kein «über allen Parteien stehender Freisinniger» ist!“Der Bundesrat als Wahlbehörde. In: Neue Zürcher Nachrichten, Nummer 279, 30. November 1957 Ausgabe 02Der neue Direktor des Statistischen Amtes. In: Der Bund, Band 108, Nummer 560, 30. November 1957 https://www.e-newspaperarchives.ch/?a=d&d=DBB19571130-01.2.20.2 mini|Anton Meli (Pressefoto zum Amtsantritt als Direktor des Statistischen Amtes im Jahr 1957) Er übte dieses Amt bis zu seiner Pensionierung Ende 1968 aus. Direktor Meli vom eidg. Statistischen Amt tritt zurück. In: Neue Zürcher Nachrichten, Band 64, Nummer 236, 10. Oktober 1968 Der Schwerpunkt seines Wirkungskreises bildeten die Bevölkerungs- und Kulturstatistik, die politische Statistik (Nationalratswahlen), die Kriminal- und Konkursstatistik sowie die Schul- und Hochschulstatistik. Zudem zeichnete er sich bei der Bearbeitung von Rechtsfragen der Statistik aus.Jean-Jacques Senglet: Dr. h. c. Anton Meli zum achtzigsten Geburtstag. In: Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik, Heft 3/1983, S. 209 In seine Amtszeit fiel unter anderem die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung in der amtlichen Statistik, welche Anfang der sechziger Jahre durch die Schaffung eines dem Statistischen Amt angegliederten Rechenzentrums der Bundesverwaltung realisiert wurde.Freiburger Nachrichten, 16. November 1963Jean-Jacques Senglet: Dr. h. c. Anton Meli zum achtzigsten Geburtstag. In: Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik, Heft 3/1983, S. 209–210Der Bund, Band 136, Nummer 103, 4. Mai 1985 Dieses führte 1999 zur Gründung des heutigen Bundesamtes für Informatik und Telekommunikation (BIT).Das BIT feiert sein 25-jähriges Bestehen. In: BIT Kundenzeitschrift "Eisbrecher", April 2024 Anton Meli vertrat das Eidgenössische Statistische Amt in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien, so im Verband Schweizerischer Statistischer Ämter, in der Kommission für Konjunkturbeobachtung, in der Redaktionskommission für den Atlas der Schweiz,Atals der Schweiz – ein Rückblick. In: Geographica Helvetica, Band 34 (1979), Heft 4 in der Konferenz Europäischer Statistiker der ECE/UNO in Genf, im BIT, im Europarat, in der UNESCO und im Internationalen Statistischen Institut.Jean-Jacques Senglet: Dr. h. c. Anton Meli zum achtzigsten Geburtstag. In: Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik, Heft 3/1983, S. 210 Sein Nachfolger wurde der damalige Vizedirektor Jean-Jacques Senglet. Frédéric Joye-Cagnard: "Senglet, Jean-Jacques", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 7. Juli 2015, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/031854/2015-07-07/
Lehrtätigkeit und Ehrendoktorwürde Ab 1955 war Anton Meli für fast zwei Jahrzehnte Lehrbeauftragter für theoretische und praktische Statistik an der Universität Freiburg, wobei er seine Vorlesungen und Übungen in deutscher und französischer Sprache hielt.Neue Zürcher Nachrichten, Band 55, Nummer 83, 10. April 1959 In den Jahren 1959/60 übernahm er zudem stellvertretungsweise einen befristeten Lehrauftrag für Statistik und Demographie an der Universität Neuenburg. Am 15. November 1963 (dem Dies academicus und Todestag des Patrons der Universität, Albertus Magnus) wurde ihm von der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ehrendoktor (Dr. rer. pol. h.c.) in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiet der nationalen und internationalen Statistik verliehen.„Die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät verleiht die Ehrendoktorwürde Direktor Dr. Anton Meli (Bern) in Würdigung seiner Verdienste um den Ausbau, die Entwicklung und die Förderung der Statistik in Praxis und Wissenschaft durch 30-jährige berufliche Tätigkeit, welche ihn zur Leitung des Eidgenössischen Statistischen Amtes geführt hat, durch den inneren und äußeren Ausbau der statistischen Dienste der Eidgenossenschaft, insbesondere durch die Förderung der elektronischen Datenverarbeitung, durch die Abfassung und Gestaltung von Quellenwerken und Kommentaren zu statistischen Erhebungen, vorab der Volkszählung, durch die Förderung der Zusammenarbeit zwischen statistischen Ämtern und Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene, durch die Indienststellung seiner theoretischen und praktischen Kenntnisse für den akademischen Unterricht.“ In: Ehrendoktoren der Universität Freiburg Neue Zürcher Nachrichten, Nummer 267, 16. November 1963 Ausgabe 02Der Jahrestag der Freiburger Universität. In: Freiburger Nachrichten, 16. November 1963 mini|Anton Meli
Aktivdienst Während des Zweiten Weltkriegs leistete Anton Meli seinen Aktivdienst (1939–1945) in der Luftschutzorganisation der Gemeinde Köniz.„Einmalig. Es ist wohl noch nie dagewesen, dass aus der gleichen Luftschutzorganisation 1939–1945 gleich drei Ehrendoktoren hervorgegangen sind, nämlich die Herren Werner Fyg, Anton Meli und Prof. Hans König. Alle drei haben in der LO der Gemeinde Köniz (Köniz und Wabern) aktiven Dienst geleistet.“ In: Der Bund, Band 118, Nummer 66, 16. Februar 1967 Ausgabe 02
Publikationen (Auswahl) Particularités de la statistique des élections au Conseil national suisse, Berne, 1949. Die Schweiz im Zahlenbild. Bern, Eidg. Statistisches Amt, 1952 (2. neubearb. Aufl., 1968). Handbuch der schweizerischen Volkswirtschaft. Hrsg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Statistik und Volkswirtschaft. Ausgabe 1955. 2 Bände. Benteli-Verlag, Bern, 1955. Darin diverse Beiträge: Statistik der Betreibungen, Konkurse und Nachlassverfahren (Bd. 2, S. 369–371), Bevölkerungsgliederung: Konfession (Bd. 1, S. 261–265), Schulstatistik (Bd. 2, S. 403–404), Kriminal- und Gefängnisstatistik (Bd. 2, S. 394–396), Politische Statistik (Bd. 2, S. 402) Geschichte und Organisation der Statistik, HBSVw 1955, II, 354–359. Rechtsfragen in der Statistik, 1956 (Hrsg. Robert Kehl). Ausblicke auf die Volkszählung 1960 (Referat). Bellinzona, 1957. Statistisches Jahrbuch der Schweiz (Mitarbeit und redaktionelle Verantwortung diverser Jahrgänge)Statistisches Jahrbuch der Schweiz Atlas der Schweiz (1965–1978) (als Mitglied der Redaktionskommission). Rezension in: Vermessung, Photogrammetrie, Kulturtechnik, Band 76, Heft 9, 1978 Das neue Familiennamenbuch der Schweiz (1969) (als Mitglied der Redaktion). Rezension in: Der Schweizer Familienforscher, Band 36, Heft 1-3 (1969) Zur Geschichte des Eidgenössischen Statistischen Amtes von Direktor Anton Meli (Vortrag an der Hundertjahrfeier, 9. Dezember 1960). Historique du Bureau fédéral de statistique (Allocution prononcée par M. Anton Meli, directeur, le 9 décembre 1960, à l’occasion du centenaire du Bureau fédéral de statistique). Entwicklung der Universität, 1965-1968: ausgewählte Daten. Freiburg, 1969.
Mitgliedschaften Schweizerische Gesellschaft für Volkswirtschaft und Statistik (SGVS) (als Vorstandsmitglied und Sekretär 1959–1965) Kirchgemeinde St. Antonius (Köniz) (als Kirchgemeindepräsident)Freiburger Nachrichten, 30. November 1957„Von 1939 bis 1946 war Anton Meli Mitglied der Gesamtkirchgemeinderates und der Kirchenverwaltungskommission. Letztere präsidierte er ab 1958 nach dem Tode von Dr. h. c. Franz von Ernst, erster Präsident der drei Behörden der Gesamtkirchgemeinde. […] Acht Jahre nach der Abgabe seiner Ämter in den Kirchgemeinden übernahm Anton Meli 1972 eine letzte grosse Aufgabe: die Mitarbeit in einer Kommission zur Ausarbeitung des Entwurfs für ein Organisationsreglement der Gesamtkirchgemeinde.“ Quelle: Pfarrblatt, Mai 1985. Röm.-kath. Gesamtkirchgemeinde Bern (als Vizepräsident)La liberté, 10. Januar 1961 Akademische Verbindung Berchtoldia (Universität Bern) Akademische Verbindung Fryburgia (Universität Freiburg)AV Fryburgia
Literatur Hans Ulrich Jost, Von Zahlen, Politik und Macht. Geschichte der schweizerischen Statistik. Unter Mitarbeit von Carlo Malaguerra [Direktor des Bundesamts für Statistik vom 1. April 1987 – 31. Dezember 2001]. Chronos Verlag, Zürich 2016, ISBN 978-3-0340-1330-7. Thomas Busset, Zur Geschichte der eidgenössischen Volkszählung. Bern, BFS, 1993 (PDF). Fritz Hagmann, 100 Jahre Eidgenössisches Statistisches Amt. Biographische Skizzen über die früheren Direktoren. Bern 1960 (ohne eigenes Kapitel über Anton Meli, in dessen Amtszeit das Jubiläum fiel).
Ehrungen und Nachrufe Zum 60. GeburtstagFreiburger Nachrichten, 5. Oktober 1963 Jean-Jacques Senglet, Dr. h. c. Anton Meli zum achtzigsten Geburtstag. In: Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik, Heft 3/1983, S. 209–210. Dr. h. c. Anton Meli zum Gedenken. Pfarrblatt, Mai 1985 mini|Anton Meli
Weblinks
Anton Meli in Zeitschriftenartikeln in E-Periodica