mini|271x271px|Historische Aufnahme des Rittergutes Kössern Das Rittergut Kössern ist ein historischer Gebäudekomplex im Ortsteil Kössern der Großen Kreisstadt Grimma im Landkreis Leipzig, Sachsen. Der nahezu geschlossene Baukomplex umfasst ein freistehendes Herrenhaus im Stil der Neorenaissance mit markanten Giebeln sowie einen angrenzenden, weitläufigen Terrassengartenbereich. Zum Anwesen gehören zudem ein Barockgarten mit Brunnen und ein Boskett. Die Ursprünge des Ritterguts gehen auf slawische Siedlungen aus dem 9. Jahrhundert zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es im Jahr 1541, als es an Nikol von Techwitz belehnt wurde. Das gesamte Areal, einschließlich der Gebäude, Gärten und des Bosketts, steht als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz.Landesamt für Denkmalpflege, Obj.-Dok.-Nr.: 09305775, https://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de/CardoMap/Denkmalliste_Report.aspx?HIDA_Nr=08974461
Geographische Lage Das Rittergut Kössern befindet sich landschaftlich reizvoll auf einem etwa 12 Meter hohen Quarz-Porphyr-Felssporn oberhalb der vereinigten Mulde im Ortsteil Kössern der großen Kreisstadt Grimma im Landkreis Leipzig, Sachsen. Geografisch liegt es etwa 35 Kilometer südöstlich von Leipzig und rund 70 Kilometer nordwestlich der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des Muldentals, einer Region, die für ihre zahlreichen Schlösser und Burgen bekannt ist.
Das Rittergut ist am südwestlichen Rand von Kössern gelegen, mit einer markanten Südwestausrichtung des Herrenhauses und der angrenzenden Gartenanlagen, die über dem Muldental thronen. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Thümmlitzsee, der Thümmlitzwald sowie das Jagdhaus Kössern. Etwa zwei Kilometer flussaufwärts, im Nachbarort Sermuth, vereinigen sich die Freiberger und die Zwickauer Mulde zur Vereinigten Mulde. Diese landschaftlich herausragende Lage macht das Rittergut Kössern zu einem bedeutenden Teil des kulturellen und historischen Erbes der Region.
Geschichte mini|Ersterwähnungsurkunde Kozzerwer 1300 Das Rittergut Kössern hat eine Geschichte, die bis in das frühe Mittelalter zurückreicht. Bereits um das Jahr 800/900 n. Chr. entstand auf dem Areal eine slawische Siedlungsanlage, was den Beginn der Besiedlung dieses Gebiets markiert. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Kössern erfolgte im Jahr 1300 im Zusammenhang mit der Übereignung von Fischereirechten an das Kloster Marienthron in Nimbschen. Zu dieser Zeit war der Ort als Reichslehen der Herrschaft Colditz zugeordnet und unterstand dem Amt Colditz. Mit der Übernahme der Herrschaft Colditz durch die Wettiner wurde Kössern in die Verwaltung dieser einflussreichen Adelsfamilie integriert. Im 16. Jahrhundert erlangte Kössern den Status der Schriftsässigkeit und war damit direkt der kurfürstlichen Kanzlei unterstellt.
Frühes Mittelalter und Errichtung des Herrensitzes Die Entstehung des befestigten Herrensitzes, der den Grundstein für das spätere Rittergut legte, ist eng mit der Familie von Kozzer verbunden. Im Jahr 1348 wird der Herrensitz erstmals als Besitz des Apez von Kozzer urkundlich erwähnt, was seine Bedeutung als lokale Machtzentrale unterstreicht. Diese Zeit markiert die mittelalterliche Festigung des Herrensitzes, der im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen Adelsfamilien verwaltet wurde. Bis 1541 blieb das Rittergut im Besitz der Familie von Arras, bevor es mehrfach den Besitzer wechselte.
Besitzwechsel in der Frühen Neuzeit Ab 1541 wurde das Rittergut Kössern durch Nikol von Techwitz übernommen, und nur sieben Jahre später, im Jahr 1548, erfolgte eine erneute Belehnung durch Jobst von Loß. In den folgenden Jahrzehnten erlebte das Rittergut eine Reihe von Besitzerwechseln, was auf die dynastischen und wirtschaftlichen Herausforderungen dieser Zeit hindeutet. 1568 ging der Besitz an Abraham von der Oelsnitz über, und 1586 wurde Dietrich von Haugwitz mit dem Rittergut belehnt. 1592 trat dessen Sohn, Siegmund von Haugwitz, in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm das Anwesen.
Bis zum Jahr 1639 blieb das Rittergut im Besitz der Familie von Haugwitz. Nach dem Tod von Hanns Gottfried von Haugwitz ging das Rittergut an Hanns Dietrich von Erdmannsdorff über, der mit Margarete Katharina von Lohma (verwitwete von Zeschau) verheiratet war. Er teilte die Belehnung mit seinem Verwandten Nikol von Erdmannsdorff sowie Hans Ernst von Lohma. Diese Mitbelehnung wurde 1657 erneuert, wobei die Söhne Hans Ernst von Lohma des Älteren, Hans Ernst und Jobst Sigismund von Lohma ebenfalls beteiligt wurden. Eine weitere Belehnung fand 1692 statt, als Hans Ernst von Lohma der Ältere und seine Söhne erneut in den Besitz des Ritterguts gelangten.
Seit dem Jahr 1668 wurde dem Rittergut Kössern die Schriftsässigkeit verliehen, was seine Besitzer berechtigte, direkte Korrespondenz mit der kurfürstlichen Kanzlei zu führen. Ab 1687 erhielten die Besitzer zudem das Recht auf Landtagsfähigkeit, wodurch sie während der Sitzungen des Landtags eine Auslöse beanspruchen konnten. Diese Rechte unterstrichen den wachsenden politischen Einfluss und die Bedeutung der Besitzer des Ritterguts in der Verwaltung und Politik des Kurfürstentums.
Blütezeit unter der Familie von Erdmannsdorff Im Jahr 1693 erfolgte die Belehnung von Wolff Dietrich von Erdmannsdorff, der als Oberhofjägermeister und Ältestenminister am Hofe von August dem Starken eine bedeutende Rolle spielte. Mit ihm begann die Blütezeit des Ritterguts Kössern, das in dieser Phase stark ausgebaut wurde. Zeitgleich wurde Hans Ernst Dietrich von Erdmannsdorff, sein Bruder und königlich-polnischer sowie kurfürstlich-sächsischer Hausmarschall am Hofe von August dem Starken, mitbelehnt. Hans Ernst Dietrichs Söhne, Johann Friedrich von Erdmannsdorff (Landjägermeister) und Ernst Ferdinand von Erdmannsdorff (Kammerherr und Hausmarschall), führten die Geschicke des Guts nach 1733 weiter.
Zwischen 1703 und 1718 ließ Wolff Dietrich von Erdmannsdorff große Bauvorhaben umsetzen, die den Charakter des Dorfes Kössern nachhaltig veränderten. Er siedelte 45 Handwerker im Dorf an und initiierte den Bau von 45 Wohnhäusern, einer Schenke, einer Mühle sowie das Jagdhaus mit dem sogenannten Kavalierhaus. Bereits 1695 war das Herrenhaus des Ritterguts grundlegend neu aufgebaut worden, was den Beginn einer umfassenden Modernisierung des gesamten Anwesens markierte.
Im Februar 1758 wurde Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, der Sohn von Ernst Ferdinand von Erdmannsdorff, mit dem Rittergut belehnt. Friedrich Wilhelm bekleidete das Amt des Herzoglich Dessauischen Kammerjunkers, und unter seiner Leitung setzte sich die positive wirtschaftliche Entwicklung des Ritterguts fort.
Aufstieg unter bürgerlichem Besitz Im November 1772 erwarb der Chemnitzer Kaufmann Christian Friedrich Abendroth das Rittergut für 24.500 Reichstaler und 500 Reichstaler für das „vererbte“ Pferdnergut. Diese Übernahme durch einen bürgerlichen Besitzer markierte eine entscheidende Zäsur in der Geschichte des Ritterguts. Christian Friedrich Abendroth wurde 1793 von Kaiser Franz II. in den Adelsstand erhoben. Ab 1811, nach dem Tod Christian Friedrichs, übernahm dessen vierter Sohn Ferdinand Fürchtegott von Abendroth das Anwesen, gefolgt von seinem Sohn Hermann von Abendroth, der das Rittergut ab 1827 verwaltete.
1884 wurde das Gut an Alfred von Abendroth weitergegeben, den ältesten Sohn Hermanns, und zehn Jahre später, am 23. April 1894, übernahm dessen Bruder Max von Abendroth das Rittergut. Die Familie Abendroth prägte das Anwesen über mehrere Generationen hinweg, indem sie den Landbesitz kontinuierlich erweiterte. Besonders hervorzuheben ist der Zukauf von Waldflächen im Thümmlitzer Wald, wodurch der Waldbesitz des Ritterguts erheblich anwuchs. Zum Ende des 19. Jahrhunderts betrug der Landbesitz des Ritterguts rund 221 Hektar. Nach dem Tod von Max von Abendroth ging das Gut im Jahr 1903 auf dessen Sohn Max Hermann Ferdinand von Abendroth über.
Enteignung und Nachkriegszeit Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Rittergut am 13. September 1945 im Rahmen der Bodenreform enteignet. Der umfangreiche Landbesitz wurde an landarme und landlose Bauern sowie Umsiedler verteilt. In den 1960er Jahren übernahm eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) mit Sitz in Großbothen die Bewirtschaftung des Anwesens, was zu einer grundlegenden Veränderung der landwirtschaftlichen Nutzung führte.
Neuanfang und Gegenwart Im Jahr 2006 wurde das Rittergut von der Gemeinde Großbothen zwangsversteigert und an eine Privatperson aus Irland verkauft. Sechs Jahre später, im Jahr 2012, erwarb die Rittergut Kössern eGbR das Anwesen und begann eine umfangreiche Sanierung, die schrittweise das Herrenhaus, den ehemaligen Kuhstall, den Innenhof sowie den Barock-Brunnen-Garten umfasste. Die Nebengebäude wurden ebenfalls restauriert. Heute ist das Rittergut nahezu vollständig der Öffentlichkeit zugänglich und wird unter anderem als Eventzentrum genutzt. Im umgebauten Kuhstall befindet sich ein Veranstaltungsort für Hochzeiten sowie ein Hofladen mit angeschlossenem Café, das von April bis November geöffnet ist und für seine regionale Produktvielfalt geschätzt wird.
Ensemble Das Ensemble des Ritterguts Kössern besteht als Sachgesamtheit aus mehreren bedeutenden Gebäuden und Gartenanlagen, die das historische und architektonische Erbe des Ortes prägen. Das Herrenhaus, das Gesindehaus, der ehemalige Kuhstall sowie die umfangreichen Gartenanlagen (bestehend aus Terrassengarten, Innenhof und Barock-Brunnengarten) bilden ein harmonisches Ganzes, das durch umfangreiche Restaurierungen wiederhergestellt wurde.
Herrenhaus mini|Saniertes Herrenhaus Das Herrenhaus des Ritterguts Kössern ist das zentrale Bauwerk der Anlage und beeindruckt durch seine Architektur. Die Grundmauern gehen auf einen mittelalterlichen Wohnturm zurück. Es wurde in seiner heutigen Gestalt 1695 von Wolf Dietrich von Erdmannsdorff errichtet und geht auf die Entstehungszeit um 1500 zurück. Es thront auf einer zwölf Meter hohen Porphyrkuppe über der Muldeaue, was ihm eine imposante Lage und Aussicht verschafft. Die ursprüngliche Architektur des Herrenhauses folgte dem Barockstil, der durch Symmetrie, Monumentalität und eine repräsentative Fassadengestaltung gekennzeichnet war. 1871 wurde das Gebäude im Stil der Neorenaissance umgestaltet, was sich insbesondere in der Fassaden-/Giebelgestaltung widerspiegelt.
Die Fassade des Herrenhauses ist geprägt von aufwendigen Stuckverzierungen und mehreren Wappen, die die Zugehörigkeit des Hauses zu bedeutenden Adelsfamilien bezeugen. Besonders hervorzuheben sind die Wappen der Familien von Erdmannsdorff und von Abendroth, die sich prominent über den Fensterreihen des Nordgiebels befinden. Der Neorenaissance-Stil ist durch die Verwendung von symmetrischen Fensterreihen, Gesimsen und Balustraden gekennzeichnet, die dem Bau eine harmonische und gleichzeitig prunkvolle Erscheinung verleihen. Der zentrale Blick beim Betreten des Areals wird neben dem Nordgiebel des Herrenhauses, durch ein großes Portal (fehlendes schmiedeeisernes Tor) erweitert, das den Zugang zum Rondell-Innenhof und den übrigen Teilen der Anlage ermöglicht.
Im Inneren des Herrenhauses spiegelt sich der repräsentative Charakter wider. Die großzügigen Räume, die hohen Decken und die architektonischen Details im wiederhergestellten Gothsche Saal (Sitz der Gerichtsbarkeit) betonen den Status des Herrenhauses als Sitz des Adels. Heute dient das Herrenhaus als Wohnhaus, wobei die historischen Elemente während der Sanierung erhalten und restauriert wurden, um den ursprünglichen Charme des Gebäudes zu bewahren.
Gesindehaus