mini|Verlauf der Wasserleitung beim Rosenhügel in Wien Die römische Wasserleitung von Vindobona ist eine historische Wasserversorgungsanlage, die in die römische Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. datiert wird. Es wird angenommen, dass sie ca. 20 bis 30 km lang war, im oberen Liesingtal begann und zur Wasserversorgung des römischen Legionslagers Vindobona sowie von dessen Zivilstadt diente.

Reste wurden im 13. und 23. Wiener Gemeindebezirk an mehreren Stellen entdeckt. Urkunden oder andere Quellen aus ihrer Entstehungszeit, über die Zeit ihrer Nutzung oder über den Grund von deren Beendigung existieren nicht. Archäologische Ausgrabungen sind für mehrere Fundorte dokumentiert. Die Wasserleitung verlief, soweit die Fundstellen dies nahelegen, vom Tal der Liesing am Osthang des Wienerwaldes über die Gebiete der Orte Kalksburg, Liesing, Atzgersdorf, Lainz und Hietzing bis zum Tal der Wien.

Bei Untersuchungen der Geschichte Vindobonas ab dem 5. Jahrhundert wurde bemerkt, dass Gräberfelder aus dem 5. bis 9. Jahrhundert sich nicht nur neben ehemaligen römischen Straßenverbindungen befanden, sondern auffälligerweise auch im Umfeld der hier geschilderten, als „Hauptwasserleitung“ bezeichneten Leitung lagen. In diesem Zusammenhang ist publiziert, dass die Leitung eventuell noch im Frühmittelalter Wasser geführt haben könnte.Martin Mosser, Bendeguz Tobias, Karin Wiltschke-Schrotta: Gräber des frühen 9. Jahrhunderts innerhalb der Legionsziegelei von Vindobona. In: Fundort Wien. Band 17 Jahrgang 2014, S. 80–95, hier: S. 91. Zit. nach: Gerstbach: Wasserleitung, S. 91. mini|Die Wasserleitung war zumindest teilweise mit einem befestigten Begleitweg versehen: Fundstelle Anton-Krieger-Gasse/Rudolf-Zeller-Gasse in Atzgersdorf im Herbst 1992 Die Wasserleitung steht nicht unter Denkmalschutz.

Verlauf mini|Leitungskanal mit Maßangaben des Bestandes am Rosenhügel mini|Schnitt durch den Leitungskanal bei der Fundstelle Anton-Krieger-Gasse/Rudolf-Zeller-Gasse in Atzgersdorf im Herbst 1992 Vermuteter Beginn Es gibt keine Belege über den Ort, an dem diese Wasserleitung begonnen hätte.

Es wird angenommen,Gerstbach: Wasserleitung, S. 69. dass die Wasserleitung am Oberlauf der Liesing oder eines ihrer Nebenflüsse wie dem Laaber Bach oder dem Gütenbach begann.Präsentation Österreichischer Limes Vindobona I (abgerufen am 26. Februar 2023). Bei Laab im Walde wurde angeblich 1931 eine römische Wasserleitung gefunden. Die Fundmeldung ging durch die Tageszeitungen, wobei allerdings eine Zusammenschau der Meldungen zeigt, dass nicht eine römische Wasserleitung gefunden worden sein dürfte, sondern beim Bau der neuen Wasserleitung für die Ortschaft eine aus Steinquadern gebaute römische Brunnenfassung, was nicht dasselbe ist und diese Fundstelle nicht als Teil der hier behandelten Wasserleitung erscheinen lässt. Nähere Unterlagen könnten sich im niederösterreichischen Landesmuseum befinden, weil auch (zumindest) eine römische Münze gefunden wurde.Katharina Hanak-Hammerl: Laab im Walde. Heimatchronik einer Wienerwaldgemeinde. Wien 2001. Diplomarbeit aus der Studienrichtung Geschichte an der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. S. 21, 44.Die amtliche Funddokumentation bezieht sich als Quelle nur auf die Veröffentlichung in der „Reichspost“ und enthält keine weiteren Ausführungen: Fundberichte aus Österreich (FÖ). Band 1 (1930–34). Hrsg. vom Bundesdenkmalamt bzw. von der Zentralstelle für Denkmalschutz, Wien 1934. , S. 112. Auf eine „uralte Quelle“ beim Dianator des Lainzer Tiergartens wird hingewiesen.Gerstbach: Wasserleitung, S. 70.Robert Bouchal, Josef Wirth: Verborgener Wienerwald. Vergessenes–Geheimnisvolles-Unbekanntes. Kral-Verlag, Berndorf 2014. ISBN 978-3-99024-302-2. S. 151. Ob diese Quelle mit der hier beschriebenen Wasserleitung in Verbindung stand, ist nicht belegt.

Nach anderen Vermutungen lag ein Beginn der Wasserleitung in GumpoldskirchenGerstbach: Wasserleitung, S. 67.D(avid) S(ilvester) Mayer von Rosenau: Atzgersdorf. In: Alt Wien. Zeitschrift für Wiener Art und Sprache. 6. Jahrgang Wien 1897, Heft 11, November 1897, , S. 204 (siehe Kopie dieses Blattes bei der Category in Commons). oder bei Brunn am Gebirge.Gerstbach: Wasserleitung, S. 74.Kubitschek: römische Wasserleitung, Spalte 273. Details über Fundort und Ausmaße einer 1867 bei Brunn gefundenen Leitung sind nicht publiziert. Es wurde bei Brunn auch eine römische Siedlung gefunden,Gerstbach: Wasserleitung, S. 74–75, bezieht sich auf eine Information in der Ausstellung des Heimathauses in Brunn am Gebirge. sodass selbst dann, wenn es dort Belege für eine lage- und bautechnisch passende römische Wasserleitung gäbe, noch keine verlässliche Aussage dahin möglich wäre, dass diese Leitung nach Wien geführt hätte oder Teil (Zubringer) davon gewesen wäre. Auch Mödling wird als Herkunftsort erwähnt.Gerstbach: Wasserleitung, S. 21. Dafür gibt es aber ebenfalls keine Fundstellen oder sonstige konkreten Belege.

Für einen südlicheren Beginn spricht allerdings das Bestreben in römischer Zeit, für die Trinkwasserversorgung möglichst kalkhaltiges Wasser zu verwenden, weil dadurch in den üblichen Leitungen aus Blei eine Schutzschicht aus Kalksinter entstehen konnte.Gerstbach: Wasserleitung, S. 8. Es wurde allerdings auch bereits bei der Quelle in Laab im Walde ein Gestein aus Kalkmergel festgestellt, während das Gebiet nördlich davon weitgehend aus Sandstein bzw. Flysch besteht, in dem nur einzelne Kalkklippen liegen.

1992 gab es noch weitreichende Unsicherheit über die Herkunft des Wassers vor der ersten Fundstelle in der Zemlinskygasse. 2022 wird die Herkunft aus dem Quellgebiet der Liesing als allgemein verbreitet geschildert.Gerstbach: Wasserleitung, S. 37.

Eine Dissertation aus dem Jahr 2000 erwähnt ebenfalls noch wie ältere Quellen, dass das Wasser aus der Nähe des Liesingtals in Perchtoldsdorf (sogenannte HerkulesquelleKubitschek: römische Wasserleitung, Spalte 82. oder Herkulesbad,wobei dieser Name erst von einem 1852 beim Knappenhof in Perchtoldsdorf gegründeten Bad stammt, nicht aus römischer Zeit: Gertrude Ostrawsky: Geschichte des Marktes Perchtoldsdorf (Band 2: 1683–1983). Verlag der Marktgemeinde Perchtoldsdorf S. 202. eine Quelle des Petersbaches beim OrtszentrumZellpark in Perchtoldsdorf (abgerufen am 1. März 2023).), aus Gumpoldskirchen (der eigentlichen Ursprungsquelle) und aus Brunn am Gebirge gekommen sein soll.Koblizek, Süssenbek: Trinkwasserversorgung, S. 114.

Eine weitere Vermutung geht dahin, dass die Wasserleitung im Gütenbachtal begonnen haben könnte, auch dort war kalkhaltiges Wasser vorhanden.Gerstbach: Wasserleitung, S. 73.

Es wird auch zur Diskussion gestellt, dass die Wasserleitung Zuleitungen aus mehreren Quellen hatte und daher mehrere mögliche Quellgebiete für ihren Beginn in Frage kommen. Eine dieser Zuleitungen wird für Lainz aus dem Gebiet Jagdschlossgasse-Rotenberggasse-Veitingergasse erwogen.Gerstbach: Wasserleitung, S. 59.

Verlauf im Mittelteil Die Wasserleitung verlief, soweit die Fundstellen dies nahelegen, vom Tal der Liesing am Osthang des Wienerwaldes über die Gebiete der Orte Kalksburg, Liesing, Atzgersdorf, Lainz und Hietzing bis zum Tal der Wien. Abschnitte der unterirdisch verlaufenden Leitung konnten in Rodaun, Liesing, Mauer, Hetzendorf und Hietzing verfolgt werden. mini|Verlauf der Wasserleitung südlich des Rosenhügels: unten Tullnertal (Stelle des Aquädukts), Lainergasse, schräglinks Stieglergasse, schräg Atzgersdorfer Straße, oben quer: Wundtgasse (Querung beim Kreisverkehr an der Südwestecke des Südwestfriedhofes, älterer Teil)

Am Rosenhügel verläuft die Leitung nach den Angaben der Grabung 1902 ungefähr 425 m östlich des Wasserspeichers Rosenhügel der 1. Wiener Hochquellenleitung und ca. 450 m westlich der Südbahntrasse beim früheren Bahnhof Atzgersdorf-Mauer.

Der Lauf der Leitung zwischen Rodaun und der Lainzer Straße ist etwa 10 km lang und hat einen Höhenunterschied von 30 m. Das ergibt ein durchschnittliches Gefälle von 0,3 %.Gerstbach: Wasserleitung, S. 64.

Der starke Knick, den die Wasserleitung zwischen Rosenhügelstraße und Fasangartengasse ausführt, führte schon bald nach den ersten Entdeckungen zu Unsicherheit,Gerstbach: Wasserleitung, S. 54. noch dazu, weil sich die Leitungstrasse dabei aus dem Einzugsgebiet der Liesing über eine kleine Wasserscheide in den Bereich des Wienflusses bewegt. Es wäre angesichts der Höhenverhältnisse auch vorstellbar, dass die Trasse nicht nach Westen, sondern nach Osten, Richtung des späteren Meidling, Margareten und Wieden zum Legionslager geführt hätte. Das setzt aber genaue Kenntnis der Höhenlagen zur Entstehungszeit der Leitung (und plausible andere Erklärungen für die Fundstellen bei der Fasangartengasse) voraus, wobei es wegen des geringen Gefälles der Leitung auf wenige Zentimeter ankommen kann. Für einen östlichen Verlauf der Leitung bestehen aber keine Anhaltspunkte.

Der Verlauf der Wasserleitung ist in mehreren Grafiken publiziert.Insulander: Römische Wasserleitung. Archäologische und geologische Aspekte.Grupe: Hydrogeologie Liesing.

Vermutetes Ende Das genaue Ende der Wasserleitung ist unbekannt. Es wird angenommen, dass die Leitung im Lager Vindobona endete, das Vorhandensein eines „castellum aquae“, eines Wasserschlosses oder einer vergleichbaren Einrichtung, wird vermutet. Ob das Gebäude, auf das in dieser Quelle hingewiesen wird und das auf dem Plan des Lagers bei Alfred Neumann aufscheint,Alfred Neumann: Forschungen in Vindobona: 1948 bis 1967. Teil 1: Lager und Lagerterritorium. In: Der römische Limes in Österreich. Band 23. Böhlau-Verlag, Wien-Graz-Köln 1967. Planbeilage 2. tatsächlich etwas mit einer Wasserversorgung zu tun haben könnte, ist ungeklärt. Auch ein Ende der Wasserleitung (mit einer oder mehreren Abzweigungen?) an einem anderen Ort mit Wasserbedarf (Mühle, Steinschleiferei?) oder direkt in der Zivilstadt bzw. einem Landgut wäre aufgrund der Höhenlage der Leitung denkbar. Auch dafür gibt es keine Belege. Die Zivilstadt liegt etwa 50 m tiefer als die Leitungstrasse beim RosenhügelKoblizek, Süssenbek: Trinkwasserversorgung, S. 116. bzw. 60 m tiefer als die Wasserleitung bei Rodaun.

Es ist auch nicht bekannt, ob die Wasserleitung den Wienfluss bereits bei Hietzing oder erst später bei Meidling oder in der Gegend des Karlsplatzes gequert hätte oder ob ein unterirdischer Gang, der in der Sechshauserstraße 7 entdeckt wurde, ein Teil dieser Leitung war. Gegen eine Querung bereits bei Hietzing spricht, dass von Lainz bis dorthin ein relativ großes, für Freispiegelleitungen unübliches Gefälle zu betreuen gewesen wäre (die Energie des fließenden Wassers wäre am Ende des Gefälles durch Baumaßnahmen, z. B. ein Tosbecken, abzufangen gewesen). Es gibt auch keine Hinweise auf diesen Verlauf.Gerstbach: Wasserleitung, S. 76–80. Für eine Querung erst auf Höhe des Karlsplatzes könnte sprechen, dass dort ein Stück einer römischen Fernstraße gefunden wurde, die den Fluss mit einer Furt überquerte und neben der die Wasserleitung über einen leicht zugänglichen Aquädukt verlaufen sein könnte.Gerstbach: Wasserleitung, S. 78, (2. Auflage auch:) S. 96.