mini|Lage der Bezirksämter in Baden im Jahr 1890 Das Bezirksamt Wolfach war eine von 1813 bis 1939 bestehende Verwaltungseinheit im Süden des Großherzogtums Baden.

Geographie Das Gebiet des Bezirksamtes erstreckte sich im mittleren Schwarzwald beiderseits des Oberlaufes der Kinzig. Nennenswerte Nebenflüsse waren die Wolf und die Schiltach. 1864 kamen noch die Gutach, 1936 Erlenbach, Nordrach und Harmersbach hinzu. Im Norden und Osten verlief die Grenze zum Königreich Württemberg mit den Oberämtern Freudenstadt und Oberndorf auf der gegenüberliegenden Seite. Abseits der Hauptorte waren die Siedlungsstrukturen geprägt durch zahlreiche kleine Weiler und Einzelhöfe.

Geschichte Historischer Hintergrund mini|Schloss Wolfach, Sitz des Bezirksamtes Den historischen Kern des Bezirksamtes bildete das im hohen Mittelalter entstandene Territorium der Herren von Wolfach, einem erstmals 1084 belegten Adelsgeschlecht, deren Stammsitz die Burg Wolfach war. Ende des 13. Jahrhunderts fiel es auf dem Erbwege an das Haus Fürstenberg. Im Spätmittelalter war Wolfach zeitweilig Residenz einer fürstenbergischen Nebenlinie. Unter dem Dach des Fürstentums Fürstenberg entstand schließlich das einem Landvogt unterstehende Oberamt Wolfach.Abschnitt hierzu im Staats- und Addresshandbuch des schwäbischen Reichs-Kraises, 1799, Band 1, S. 390f. Mit der Rheinbundakte von 1806 wurde das Haus Fürstenberg mediatisiert, ihr Fürstentum zum größten Teil der badischen Landeshoheit unterstellt. Dessen Regierung errichtete daher im Sommer 1807 das standesherrliche Amt Wolfach.

Nach der Gründung mini|Wolfach und benachbarte Bezirksämter mit Stand 1890. Nachdem die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1813 eine einheitliche Zuständigkeit der Ämter ermöglicht hatte. wurde das fürstenbergische Amt Wolfach in das landesherrliche Bezirksamt Wolfach umgewandelt. Bei dieser Gelegenheit wechselte die Stadt Hausach zum Bezirksamt Haslach, dafür kam vom Amt Hornberg Schiltach hinzu.Beilage A: Ämtereinteilung, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 30. Juli 1813, Heft XXII, S. 135.

1824 wurde dem Haus Fürstenberg erneut die Zuständigkeit für die Rechtsprechung auf der unteren Ebene (die bis 1857 bei den Ämtern lag) zuerkannt. Das hiervon nicht betroffene Schiltach wurde daher an das Bezirksamt Hornberg umgegliedert.Entsprechende Verordnung vom 29. April 1824, veröffentlicht am 8. Mai 1824 im Großherzoglich Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft X, S. 69 In der Folge firmierte das Amt nun als gemeinsames großherzoglich-badisches und fürstlich-fürstenbergisches Bezirksamt.Siehe diese amtliche Bekanntmachung vom 4. Mai 1825, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Anzeige-Blatt für den Dreisam-Kreis. Diese Phase endete 1849, Schiltach mit dem mittlerweile als eigenständig geführten Lehengericht zurückgegeben.Entsprechende Verordnung vom 8. September 1849, veröffentlicht im Großherzoglich Badischen Regierungsblatt am 21. September 1849, Heft LVI, S. 377.

1857 wurde das Bezirksamt Haslach aufgelöst und dem Bezirksamt Wolfach eingegliedert.Entsprechende Verordnung vom 24. August 1857, veröffentlicht im Großherzoglich Badischen Regierungsblatt am 1. September 1857, Heft XXXVII, S. 377. Für die ausgegliederte Rechtsprechung zuständig wurden die neu errichteten Amtsgerichte Wolfach und Haslach.

In der Folgezeit kam es sporadisch zur Neuzuweisung einzelner Ortschaften. Größere Zuwächse ergaben sich 1924 und 1936 aufgrund der Auflösung benachbarter Bezirksämter. Mit Inkrafttreten der Landkreisordnung vom 24. Juni 1939 wurde das Bezirksamt Wolfach in den Landkreis Wolfach umgewandelt.

Orte und Einwohnerzahlen 1814 wird für das Bezirksamt von 9977,Johann L. Büchler (Herausgeber): Das Großherzogthum Baden nach seinen Kreisen, Hofgerichtsprovinzen und Amtsbezirken topographisch dargestellt. Zweite vermehrte und umgearbeitete Auflage 1814, S. 51f. 1825 von 9018 Einwohnern berichtet.Friedrich Dittenberger: Geographisch-statistische-topographische Beschreibung des Großherzogthums Baden. Karlsruhe 1825, S. 120f.

1834 1834 waren es 9350 Menschen, die im Gebiet des Bezirksamtes lebten. Sie verteilten sich auf diese 10 Gemeinden:Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden, Jahrgang 1834, S. 350–352. + Gemeinde Einwohnerzahl Bergzell 442 Einbach 662 Kaltbrunn 559 Kinzigtal 1.189 Kniebis 262 Oberwolfach 2.085 Rippoldsau 716 Schapbach 1.516 Schenkenzell 419 Wolfach 1.500

1852 Mit der 1849 angeordneten Rückkehr von Schiltach und Lehengericht kamen zwei weitere Gemeinden hinzu. Bis 1852 war die Einwohnerzahl auf 12.275 gestiegen:Die Gemeinden des Großherzogthums Baden, deren Bestandtheile und Bevölkerung. In: Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden, Karlsruhe 1855, S. 169–172

Als einfache Gemeinden: + Gemeinde Einwohnerzahl Bergzell 460 Einbach 833 Kaltbrunn 626 Kinzigtal 1.299 Kniebis 299 Lehengericht 873 Oberwolfach 2.128 Rippoldsau 782 Schapbach 1.476 Schenkenzell 475 Schiltach 1.495 Wolfach 1.599 Von den 1299 Einwohnern Kinzigtals lebten 324 in den Nebenorten Langenbach und Uebelbach.

1885 Bei der Auflösung des Bezirksamtes Haslach 1857 wurden die Städte Haslach und Hausach sowie die Gemeinden Bollenbach, Fischerbach, Hofstetten, Mühlenbach, Schnellingen, Steinach, Sulzbach und Welschensteinach dem Bezirksamt Wolfach zugeteilt.Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden, Jahrgang 1858, S. 192f. Noch im selben Jahr folgte Kirnbach.Die Bezirkseintheilung der Gemeinde Kirnbach betreffend. Beschluss vom 16. November 1857, veröffentlicht im Großherzoglich Badischen Regierungsblatt am 30. November 1857, Heft LVIII,S. 531. 1864 wechselte Gutach vom Bezirksamt Triberg zum Bezirksamt Wolfach.Verordnung, die Eintheilung des Großherzogthums für die Einführung der neuen Gerichtsverfassung und der neuen Organisation der inneren Verwaltung betreffend. Veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 25. Juli 1864, S. 313.

Dementsprechend waren es 4 Städte und 20 Gemeinden, auf die sich 1885 die 19.463 Einwohner verteilten:Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Baden. Neue Folge, zweites Heft, zugleich 48. Heft der Reihe: Die Volkszählung vom 1. Dezember 1885, 2. Teil: Ortsverzeichnis. S. 68–72 + Gemeinde Einwohnerzahl Bergzell 577 Bollenbach 382 Einbach 736 Fischerbach 992 Gutach 2.133 Haslach 1.797 Hausach 1.467 Hofstetten 767 Kaltbrunn 562 Kinzigtal 1.247 Kirnbach 162 Kniebis 176 Lehengericht 794 Mühlenbach 1.604 Oberwolfach 1.966 Rippoldsau 727 Schapbach 1.288 Schenkenzell 731 Schiltach 2.136 Schnellingen 243 Steinach 1.338 Sulzbach 106 Welschensteinach 921 Wolfach 1.888

1939 Das Bezirksamt Triberg wurde 1924 aufgelöst, dabei wurden die Stadt Hornberg sowie die Gemeinden Niederwasser und Reichenbach dem Bezirksamt Wolfach zugeteilt.Entsprechende Verordnung vom 18. Januar 1924, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 22. Januar 1924, Heft 3, S. 9.

1936 wurden Nordrach, Oberentersbach, Oberharmersbach, Unterentersbach, Unterharmersbach und Zell am Harmersbach vom Bezirksamt Offenburg sowie Prechtal vom aufgelösten Bezirksamt Waldkirch zum Bezirksamt Wolfach umgegliedert.Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung vom 26. Juni 1936. Von dort wechselte am 1. April 1939 zusätzlich noch Biberach sowie Prinzbach von Lahr, dafür wurde Prechtal dem zukünftigen Landkreis Emmendingen zugewiesen.§ 31 des Gesetzes über die Landkreisselbstverwaltung in Baden, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 28. Juni 1939, Heft 11, S. 98.

Dem gegenüber reduzierte sich die Zahl der Gemeinden durch Eingemeindungen um vier. Betroffen waren Sulzbach (im April 1921 zu Einbach),Statistisches Jahrbuch für das Land Baden. 42. Jahrgang, Karlsruhe 1925, S. 4. Bergzell (im April 1937 zu Schenkenzell) und Kniebis (im April 1938 zu Rippoldsau)Statistisches Jahrbuch für das Land Baden. 44. Jahrgang, Karlsruhe 1938, S. 9, dort unter den laufenden Nummern 154 und 159. sowie im April 1939 Schnellingen (zu Haslach)Entsprechender Beschluss vom 24. März 1939, veröffentlicht im Ministerialblatt für die Badische innere Verwaltung am 6. April 1939, Heft 14, S. 352 Somit umfasste das Bezirksamt zum Zeitpunkt seiner Umwandlung in den Landkreis Wolfach, neben der Amtsstadt, 30 Gemeinden, Einwohnerzahlen laut Volkszählung im Mai 1939:Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich aufgrund der Volkszählung 1939, Berlin, 1940, S. 211. + Gemeinde Einwohnerzahl Biberach 1.639 Bollenbach 369 Einbach 708 Fischerbach 902 Gutach 2.023 Haslach 3.537 Hausach 2.236 Hofstetten 701 Hornberg 3.263 Kaltbrunn 597 Kinzigtal 1.032 Kirnbach 790 Lehengericht 890 Mühlenbach 1.339 Niederwasser 368 Nordrach 1.692 Oberentersbach 183 Oberharmersbach 1.975 Oberwolfach 2.027 Prinzbach 364 Reichenbach 802 Rippoldsau 1.259 Schapbach 1.330 Schenkenzell 1.181 Schiltach 2.472 Steinach 1.511 Unterentersbach 446 Unterharmersbach 1.452 Welschensteinach 892 Wolfach 2.495 Zell am Harmersbach 1.965

Übergeordnete Behörden Die, im Rahmen der Verwaltungsgliederung des Landes übergeordneten Behörden waren: 1810 bis 1832 der Kinzigkreis 1832 bis 1864 der Mittelrheinkreis 1864 bis 1866 der Landeskommissärbezirk Karlsruhe, zugleich wurden seine Gemeinden dem Kreisverband Offenburg zugeordnet. ab 1866 der Landeskommissärbezirk Freiburg

Leiter der Verwaltung Die Leitung der Verwaltung, mit unterschiedlichen Titeln und später Landrat, hatten inne:Wolfram Angerbauer: Die Amtsvorsteher der Oberämter, Bezirksämter und Landratsämter in Baden-Württemberg : 1810 bis 1972. Herausgegeben 1996 von der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive beim Landkreistag Baden-Württemberg.

Weitere Entwicklung Der Landkreis Wolfach wurde Anfang 1973 aufgelöst, dabei kam der überwiegende Teil mit der Stadt Wolfach zum Ortenaukreis. Vier Gemeinden wechselten zum Landkreis Rottweil, zwei weitere zum Landkreis Freudenstadt.

Literatur Historischer Atlas von Baden-Württemberg, online verfügbar bei LEO-BW: Blatt VII.4: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1815–1857 Blatt VII.5: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1858–1936 Gemeinsames Erläuterungsblatt, verfasst von Ulrike Redecker (Baden) und Wilfried Schöntag (Württemberg) Ludwig Heizmann: Der Amtsbezirk Wolfach in Vergangenheit und Gegenwart. Offenburg, 1929.

Einzelnachweise

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