Zainal Abidin Bin Ahmad (; geb. 16. September 1895 in Kampung Kerdas, Batu Kikir, Negeri Sembilan; gest. 23. Oktober 1973 in Petaling Jaya, Selangor) mit dem Ehrentitel Pendeta Za'ba, war ein malaiischer Intellektueller aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der den kaum muda (wörtl. „die [Gruppe der] Jungen“) zuzurechnen ist.Rolffs: Malay Literature 1955, S. 23. Damit ist diejenige malaiische Spielart eines modernistisch ausgerichteten Reformislams gemeint, die sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in ihrem Denken vornehmlich an den Gedanken der ägyptischen bzw. libanesischen Religionsgelehrten und Publizisten Muhammad ʿAbduh (gest. 1905) und Raschīd Ridā (gest. 1935) orientierte. Ein anderer prominenter malaiischer Vertreter der kaum muda war der Journalist und Schriftsteller Sayyid Shaykh al-Hadi (gest.1934), aus dessen Feder u. a. auch der erste moderne malaiische Roman namens Hikayat Faridah Hanom stammt. Pendeta Za'ba hat sich zudem auch um die Standardisierung der malaiischen Sprache verdient gemacht und zahlreiche Schriften, u. a. auch Handbücher zur Orthographie des Malaiischen in Jawi-Schrift, verfasst. Er konzipierte 1924 auch eine neue lateinschriftliche Orthographie für das Malaiische, bei der der Schwa-Laut durch ein eigenes Graphem <ě> wiedergegeben wird, und bestimmte Prä- und Suffixe vermittels eines Bindestrichs vom Wortstamm abgegrenzt werden. Dieser orthographische Standard, der nach ihm Ejaan Za'ba genannt wird, aber auch unter dem Terminus Ejaan Sekolah („Schul-Orthographie“) bekannt ist, löste die im Jahre 1904 von einem Komitee unter Vorsitz von Richard James Wilkinson erarbeiteten Regeln ab und war bis 1972 die offizielle Rechtschreibung für das Malaiische Malaysias.Ooi Keat Gin: Art. "Zainal Abidin Bin Ahmad (Za'ba)", in: Historical Dictionary of Malaysia, 2009, S. 332.

Ehrentitel und Pseudonyme Der eigentliche Name des Gelehrten lautet Zainal Abidin bin Ahmad. Der weitaus geläufigere Name, unter dem er auch in Malaysia und darüber hinaus in der wissenschaftlichen Literatur firmiert, ist jedoch sein Ehrentitel Pendeta Za'ba, wobei es sich bei dem Wort pendeta um einen ursprünglich aus Indien stammenden Ehrentitel handelt, der in Malaysia für besonders verdienstvolle Wissenschaftler und Gelehrte auf den Gebieten von Sprache und Literatur reserviert ist („orang yang banyak ilmu (pandai-pandai)“Kamus Dewan: https://prpm.dbp.gov.my/Cari1?keyword=pendeta). Im deutschen Sprachgebrauch ist die Form Pandit geläufiger.

Der Ehrentitel Pendeta wurde Zainul Abidin bin Ahmad 1956 auf dem dritten Malaiischen Kongress für Sprache und Literatur (Kongres Bahasa dan Persuratan Melayu) in Anerkennung seiner Bemühungen um die Etablierung des Malaiischen als National- und Unterrichtssprache des 1957 in die Unabhängigkeit entlassenen British Malaya verliehen. Der zu Ehrende äußerte sich allerdings in einem Brief vom 8. September 1958 an Muhammad Noor bin Ahmad, der für die Etablierung dieses neuen Ehrentitels verantwortlich zeichnete, dahingehend, dass er sich nicht sehr viel aus derartigen Ehrungen mache.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays 2010, S. 140. Er begründete seine skeptische Haltung in besagtem Brief folgendermaßen: „Der Brauch, Orden und Titel zu verleihen, ist eine feudale Tradition und steht für den Kolonialherren; sie sollte also tunlichst nicht perpetuiert werden“ (Adat mengurniakan bintang dan gelar itu adalah adat feudal dan simbol penjajah yang tidak sayugia dikekalkan).Brief Za'bas an Muhammad Noor bin Ahmad vom 8. September 1958. Zitiert nach: Ahmad Nabil Amir: Pemikiran Za'ba Dalam Karya-Karya Terpilih2020, S. 55. Dessen ungeachtet nahm er den Ehrentitel schließlich doch an.

Darüber hinaus war er auch Träger des malaiischen Ehrentitels Tan Sri.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays 2010, S. 125. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang weiterhin, dass Zainal Abidin bin Ahmad, vornehmlich in der Zeit seiner journalistischen Anfänge, unterschiedliche Pseudonyme (nama samaran) verwendete, wie z. B. Za'ba, Z, Anak Melayu Jati („echtes malaiisches Kind“) und Patriot.Vgl. Ermy Azziaty Rozali und Mohammad Redzuan Othman: ‘Jalan keselamatan bagi orang-orang Melayu’: Pemikiran Za'ba bagi memajukan pendidikan dan ekonomi pada tahun 1920-an, S. 21.

Leben Elternhaus und Bildungsgang (1895–1915)

Za'ba, dessen Vorfahren buginesischer und minangkabauischer Herkunft warenNawang: Za'ba: patriot dan pendeta Melayu. 1994, S. 2., wurde am 16. September 1895 in Kampung Kerdas, einem Dorf, das etwa 16 km von der im Bundesstaat Negeri Sembilan gelegenen Kleinstadt Kuala Pilah entfernt ist,Nawang: Za'ba: patriot dan pendeta Melayu. 1994, S. 31. geboren. Za'bas Geburtsort ist heute Teil der Stadt Batu Kikir, die seit 2001 auch ein Museum betreibt, das Leben und Leistungen des berühmten Landsmanns dokumentiert.https://lmns.ns.gov.my/my/kunjungi-muzium/rangkaian-muzium/teratak-za-ba

In einem Brief aus dem Jahre 1974 schildert Pendeta Za'bas jüngerer Bruder, Muhammad Yusof Ahmad, im Rückblick auf die gemeinsame Kindheit in Bukit Kerdas die Atmosphäre ihres von dichtem Urwald umgebenen Heimatorts. Da seine Zeilen sehr illustrativ für eine durchaus auch von materieller Armut geprägte malaiische Kindheit auf dem Lande zu Beginn des 20. Jh. sind, seien sie hier in Übersetzung und Original auszugsweise wiedergegeben:

Pendeta Za'ba war der älteste Sohn und hatte noch fünf Geschwister. Sein Vater, Ahmad bin Ibrahim, hatte buginesische Wurzeln, war im Handel (auch in Kooperation mit den britischen Kolonialherren) tätig und verfügte über solide Kenntnisse auf dem Gebiet der islamischen Religion. Er war auch des Lebens und Schreibens mächtig, was damals keine Selbstverständlichkeit war, und er war stets sehr um eine solide religiöse Bildung seines ältesten Sohnes bemüht, den er gerne als künftigen Religionsgelehrten gesehen hätte. Der Vater selbst gab den Dorfkindern sogar Koranunterricht.Rozali/Othman: ‘Jalan keselamatan bagi orang-orang Melayu’: Pemikiran Za'ba bagi memajukan pendidikan dan ekonomi pada tahun 1920-an. 2010, S. 20. Als kleiner Junge genoss Zainal Abidin bin Ahmad eine für die damalige Zeit durchaus übliche malaiische Schulbildung traditioneller Observanz, in der es hauptsächlich um das Memorieren des Korans sowie die Vermittlung grundlegender religiöser Kenntnisse ging.Loh Fook Seng: Seeds of Separatism: Educational Policy in Malaya 1874–1940. 1975, S. 11f. Aus diesem Grunde konnte Pendeta Za'ba bereits mit fünf Jahren den Koran auswendig und verfügte über grundlegende Kenntnisse auf dem Gebiet der islamischen Religion.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays. 2010, S. 116. Frühzeitig brachte sich der wissbegierige Junge auch die Grundlagen der Jawi-Schrift bei und las sehr viel. Neben Jawi brachte ihm ein Verwandter das lateinische Alphabet (rumi) bei, das neben dem arabisch-basierten Jawi ebenfalls für die Verschriftung des Malaiischen Verwendung fand. Mit dem Englischen kam er erstmals in Berührung, als er englische Wörter auf Zeitungspapier sah, in das Waren vom Markt eingewickelt waren.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays. 2010, S. 117.

Za'bas Mutter, Intan Awaluddin, hatte minangkabausche Wurzeln und starb bereits 1907, als ihr ältester Sohn gerade einmal zwölf Jahre alt war. Im selben Jahr wurde in seinem Heimatdorf die erste malaiische Elementarschule eröffnet, in der er aufgrund seiner fortgeschrittenen Vorbildung bereits in die höchste Klasse eingestuft wurde.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays. 2010, S. 117. Nach einem halben Jahr gab ihn sein Vater auf eine andere Schule in Linggi, wo er bei Religionsgelehrten u. a. ersten Arabischunterricht erhielt. Hier zeichnete er sich durch sehr gute Leistungen aus, wodurch er sich für sehr angesehene Schulen, wie etwa das Malay College in Kuala Kangsar, qualifizierte. Das Malay College in Kuala Kangsar war 1905 von den Briten eröffnet worden, um Söhne aus vorwiegend höhergestellten malaiischen Familien für einen späteren Einsatz in der Kolonialverwaltung auszubilden. Zainal Abidin sollte jedoch nach dem Wunsch seines Vaters Lehrer werden und ging deshalb nicht auf diese angesehene Einrichtung, ein Umstand, den er später sehr bedauerte.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays. 2010, S. 118. Zainal Abidin wechselte schließlich auf die St Paul’s Institution (SPI) in Seremban, die erste englische Schule in Negeri Sembilan, die 1899 von christlichen Missionaren gegründet worden war und hohes Ansehen genoss; hier ging es ihm vornehmlich um die Verbesserung seiner Englischkenntnisse. Sein Vater war mit diesem Schritt absolut nicht einverstanden, da er die – wie sich allerdings herausstellen sollte unbegründete – Befürchtung hatte, dass die islamischen Überzeugungen seines Sohnes, der doch in seinen Augen zum Religionsgelehrten bestimmt war, Schaden nehmen könnten.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays. 2010, S. 118. Am SPI legte er 1915 auch das Senior Cambridge Exam ab – auch hier wieder als einer der besten Absolventen. Was seine Sprachkenntnisse betrifft, so beherrschte er nunmehr neben dem Malaiischen auch Englisch und Arabisch.

Schulische Lehrtätigkeit und Mitarbeit in der Bildungsadministration (1916–1947) Zainal Abidin beschloss, Lehrer zu werden, und arbeitete zunächst als Aushilfslehrer. Parallel zu dieser Tätigkeit trat er bereits mit ersten journalistischen Texten an die Öffentlichkeit.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays. 2010, S. 118f. Ab August 1916 unterrichtete er am Johor Government English College in Johor Bahru, einer englischen Schule, die ähnlich organisiert war wie das Malay College in Kuala Kangsar.

Seine Freizeit widmete Zainal Abidin vornehmlich autodidaktisch betriebenen weitergehenden Studien, in deren Rahmen er sich auch einem vertieften Studium des Arabischen zuwandte. In diesem Zusammenhang machte er die Bekanntschaft Tahir Jalaluddins (1869–1956), der ein bedeutender islamischer Gelehrter und prominenter Vertreter des Reformislams war. Durch das Vorbild und die Anregungen dieses Mannes, der ein Mitbegründer der modernistischen und reformorientierten Zeitschrift al-Imām war, beschäftigte sich Zainal Abidin mehr und mehr mit den Ideen und Überlegungen der sog. kaum muda (wörtl. „die jungen Leute“), denen es auf der Basis der Schriften der ägyptischen Reformer Muḥammad ʿAbduh (gest.1905) und Raschīd Ridā (gest. 1935) darum ging, ähnliche Reformen im malaiischen Archipel publik zu machen. Tahir Jalaluddin war neben Sayyid Shaykh al-Hadi (gest. 1934) die zentrale Figur, mit deren Namen sich diese geistige Strömung in der malaiischen Welt verbindet.Hashim: Pendeta Za'ba: Education for the Upliftment of the Malays. 2010, S. 119. Später ergaben sich auch enge persönliche Kontakte zu diesen bedeutenden Intellektuellen.Tuncer: "Malay Dünyasında Reformist Bir Hareket Olarak Kaum Muda: Endonezya ve Malezya Örneği". 2022, S. 368f.

Die nächste Station in seiner beruflichen Laufbahn war das Kolej Melayu in Kuala Kangsar, wo er von 1916 bis 1923 unterrichtete. Da die britische Kolonialverwaltung allerdings den Eindruck hatte, dass er seine Studenten auf unerwünschte Weise, d. h. konkret mit anti-britischen Äußerungen, beeinflusse, zog man ihn von dieser Lehrtätigkeit ab und beschäftigte ihn in den kommenden Jahrzehnten (bis 1947) als Übersetzer und Verfasser vornehmlich didaktischen Materials für die malaiischen Schulen.Rozali/Othman: ‘Jalan keselamatan bagi orang-orang Melayu’: Pemikiran Za'ba bagi memajukan pendidikan dan ekonomi pada tahun 1920-an. 2010, S. 20. In einer solchen Position hielt ihn die britische Kolonialadministration wohl für besser kontrollierbar, insbesondere auch deshalb, da die von ihm verfassten bzw. übersetzten Schriften selbstverständlich britischer Zensur unterlagen.

Universitäre Lehrtätigkeit ab 1947