mini|Dorfkirche Guhlsdorf

Die evangelische, denkmalgeschützte Dorfkirche Guhlsdorf steht in Guhlsdorf, einem Gemeindeteil im Ortsteil Klein Gottschow der Gemeinde Groß Pankow im Landkreis Prignitz in Brandenburg. Die Kirche gehört zum Pfarrsprengel Uenze-Rosenhagen-Krampfer im Kirchenkreis Prignitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Lage Das Rundangerdorf wird von Westen durch die Kreisstraße 7016 sowie von Süden und Osten durch die Landstraße L103 erschlossen. Sie führen durch die gleichnamige Straße Guhlsdorf zum Anger. Dort steht mittig die Kirche auf einem Grundstück, dass nicht eingefriedet ist.

Geschichte Guhlsdorf wurde 1420 erstmals urkundlich erwähnt. Im frühen 13. Jahrhundert existierte nordwestlich des heutigen Guhlsdorfs ein Siedlungsplatz, der Jaal genannt wurde. Nach Brandschatzungen und Raubritterschäden verließen die Bewohner den alten Siedlungsplatz und errichteten auf einem Höhenpunkt die neue Siedlung. Experten vermuten, dass auf diesem zentralen Platz eine hölzerne Kirche und damit ein Vorgängerbau entstand. Bei dendrochronologischen Untersuchungen konnte das für den Dachstuhl und das Fachwerk verwendete Eichenholz auf das Jahr 1591 datiert werden. Es dürfte demnach im Frühjahr/Sommer des Folgejahres verbaut worden sein. Dieser Vorgängerbau von 1591 wurde 1712 erneuert.Gordon Thalmann: Kleinod in der Westprignitz: Über die Fachwerkkirche und Patronatsfamilie von Wartenberg in Guhlsdorf, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Offene Kirchen 2026: jung und alt – alt und neu, S. 18–21.

Architektur Die Dorfkirche Guhlsdorf ist eine Fachwerkkirche, deren Gefache 1877 im Rahmen einer Instandsetzung mit Backsteinen ausgefüllt wurden und die ursprüngliche Lehmstakengefache ersetzen. Die Kirche besteht aus einem Langhaus, das mit einem Satteldach bedeckt ist, und einem quadratischen Kirchturm im Westen, dessen oberstes Geschoss hinter den als Biforien gestalteten Klangarkaden den Glockenstuhl beherbergt, und auf dem ein achtseitiger, schiefergedeckter Knickhelm aus dem Jahr 1905 sitzt. Das östliche Giebeldreieck wurde mit spätmittelalterlich-renaissancezeitlichen Fächerrosetten verziert, die sich über den gesamten Ständer des Giebelwerks ziehen. Er ruht auf einem vorkragenden Schwellbalken.

Ausstattung Der Innenraum ist mit einer Holzbalkendecke überspannt, die in der Mitte von einem hölzernen Pfeiler gestützt wird. Zur Kirchenausstattung gehört ein barocker Kanzelaltar von 1712, der mit den Patronats- bzw. Allianzwappen der Stifter verziert ist. Auf der linken Seite wird an den 1748 verstorbenen Heinrich Dietrich von Wartenberg und an der rechten Seite an die 1714 verstorbene Anna Magdalena von Moellendorff erinnert. Auf der Rückseite sind Auftraggeber und Künstler mit der Inschrift gemacht Friederich Schuzltzen aus Pritzwalk, Vorsteher und Peter Selge und Jürgen Appel 1712 notiert. Der Korb der Kanzel wird von Akanthusornamenten flankiert. Auf seiner Brüstung befinden sich Gemälde mit der Darstellung der vier Evangelisten und des Salvator mundi. 1855 hatte der Maler Schmiedehaus aus Pritzwalk die vier Kanzelfelder mit Ölbildern der vier Evangelisten und die Kanzeltür, sämtlich von ihm aus alten Originalen kopiert, unentgeltlich verziert.Königliche Regierung zu Potsdam: Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. . Stück 28, A. W. Hayn’s Erben, Potsdam, den 13. Juli 1855, S. 254. Oberhalb des Korbs befindet sich ein Schalldeckel. Von Pfarrer Schmidt sind Taufstein und Taufbecken, in 1894.Königliche Regierung zu Potsdam: Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. . Stück 42, A. W. Hayn’s Erben, Potsdam, den 19. Oktober 1894, S. 419. Zur weiteren Kirchenausstattung gehört ein Kruzifix sowie eine rund 55 cm hohe Figur der Anna Selbdritt, die in den 1930er Jahren verstaubt und beschädigt vom damaligen Pfarrer wiederentdeckt wurden. Im Westen des Kircheninnern steht eine Empore, deren Grundkonstruktion noch aus der Bauzeit stammt. Sie könnte zu einer früheren Zeit der Patronatsfamilie gedient haben, da an ihrer Brüstung zwei Wappen angebracht sind. Es handelt sich dabei um das Ehepaar Wolfgang Georg von Wartenberg, der 1760 starb sowie dessen Ehefrau Catharina Elisabeth, geb. von Quast aus dem Hause Radensleben, die im selben Jahr verstarb. Eine Besonderheit stellen die sieben Kabinettscheiben dar, die aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen. Im Turm hängen zwei Glocken aus Bronze, die in den Jahr 1704 und 1801 gegossen wurden.

Die KirchengemeindeVgl. Torsten Foelsch: Dorfkirchen und Patronat in der Prignitz. In: Wolf-Dierich Meyer-Rath: Die Kirchen und Kapellen der Prignitz. Wege in eine brandenburgische Kulturlandschaft. Lukas Verlag, Berlin 2016, S. 14 f. stand bis Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Patronat der uradeligen Familie von Wartenberg. Dies galt zeitweise ebenso für die Gemeinde in Retzin.Wolfgang Neugebauer, Reinhold Zilch: Preussen als Kulturstaat. Abteilung 2: der preußische Kultutstaat in der politischen und sozialen Wirklichkeit. Band 10: Quellen zum Elementarschulwesen in Brandenburg von 1796 bis 1848. Auflage: Online-Ressource, In: Acta Borussica. N. F. 2. Reihe, Hrsg. BBAW, De Gruyter Akademie Forschung, Berlin 2017, Anm. 213. Anlage C.

Literatur Paul Eichholz, Friedrich Solger, Willy Spatz: Die Kunstdenkmäler des Kreises Westprignitz. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Band I,1; Hrsg. Brandenburgischer Provinzialverband, Schriftleitung: Theodor Goecke, Voss Buchhandlung, Berlin 1906, S. 33 f. Mit Motiv Kirche., In: Internet Archive. Gerhard Vinken, Barbara Rimpel, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Hrsg. Georg Dehio Nachfolge/Dehio-Vereinigung e. V., 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2012, S. 451.

Weblinks

Die Guhlsdorfer Kirche, Hrsg. Kirchenkreis Prignitz

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude in Groß Pankow (Prignitz) Kategorie:Baudenkmal in Groß Pankow (Prignitz) Kategorie:Kirchengebäude des Evangelischen Kirchenkreises Prignitz Kategorie:Fachwerkkirche in Brandenburg Kategorie:Saalkirche in Brandenburg Kategorie:Erbaut in den 1590er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa