Karl Jacob (* 19. Dezember 1864 in Hamburg; † 15. August 1947) war ein deutscher Historiker und Hochschullehrer.
Leben Karl Jacob, Sohn eines Großkaufmanns, besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums, das 1529 gegründete älteste Gymnasium Hamburgs. Im Anschluss begann er 1883 ein Studium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sowie an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, das er 1888 beendete. Zugleich schloss er 1888 seine Promotion zum Doctor philosophiae ab. Er leistete zwischen 1888 und 1889 Militärdienst im 2. Badischen Grenadier-Regiment „Kaiser Wilhelm I.“ Nr. 110 und schied als Oberleutnant der Reserve aus. Daraufhin setzte er sein Studium von 1889 bis 1892 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin sowie der Universität Straßburg fort. 1899 schloss er seine Habilitation an der Eberhard Karls Universität Tübingen ab und wurde dort daraufhin Privatdozent. 1905 erhielt er dort den Titel eines außerordentlichen Professors.Historische Vierteljahrschrift, 1905, S. 446Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 8, 1905, S. 446
Während der Weimarer Republik engagierte sich Jacob als Hochschullehrer öffentlich für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und trat als Mitveranstalter oder Teilnehmer zahlreicher nationalkonservativer Kundgebungen auf wie zum Beispiel bei der auf den 28. Juni 1922 angesetzten, wegen der Ermordung Walter Rathenaus dann aber ausgesetzten „öffentlichen Protestveranstaltung gegen den Friedensvertrag von Versailles und gegen die Kriegsschuldlüge“, bei seiner kritisierten Festrede 1929 und der Reichsgründungsfeier von Altdeutschem Verband, DMVP, NStK und den VVV am 16. Januar 1931. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 engagierte er sich im ersten Wahlgang am 13. März 1932 für den Deutschnationalen Theodor Duesterberg. Aus gesundheitlichen Gründen verließ er vor dem Wintersemester 1932/1933 Tübingen zur Erholung in Bad Tölz und blieb dort wohnhaft. Bereits für das Sommersemester 1933 beurlaubt, schied er zum Wintersemester 1933/1934 endgültig aus dem Lehrkörper aus.Mathias Kotowski: Die öffentliche Universität. Veranstaltungskultur der Eberhard-Karls-Universität Tübingen in der Weimarer Republik, 1999, S. 72, 82, 115 (Onlineversion (Auszug))Manfred Schmid: Die Tübinger Studentenschaft nach dem Ersten Weltkrieg 1918–1923, 1988, S. 41
Am 15. Juli 1895 heiratete er Maria Schlemmer, die Tochter eines Straßburger Geheimen Regierungsrates und Oberschulrates. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor.
Veröffentlichungen Neben seiner Lehrtätigkeit verfasste er zahlreiche Aufsätze und Rezensionen in Zeitschriften und Zeitungen sowie mehrere Fachbücher zu historischen Themen, insbesondere zur Geschichte Straßburgs und der Geschichte des Elsass. Zu seinen Werken gehören: Die Erwerbung des Elsass durch Frankreich im Westfälischen Frieden, 1897, Reprint 2019, ISBN 978-3-11-149206-3 (Onlineversion (Auszug)) Französische Bemühungen um Straßburg 1519, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1898 Straßburgische Politik 1621–1632, 1899 Von Lützen nach Nördlingen. Ein Beitrag zur Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs in Süddeutschland in den Jahren 1633 und 1634, 1904, Nachdruck 2022, ISBN 978-1-01-671672-7 Bismarck und die Erwerbung Elsass-Lothringens, 1905 Quellenkunde der Deutschen Geschichte, Band I, 1906 Der Große Kurfürst im Lichte neuerer Forschung, in: Deutsche Litteraturzeitung, 1907 Die Katastrophe des Preußischen Staates 1806, 1908 Zwei Fragmente der Wenckerschen Chronik, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1908 Studien über Papst Benedikt XII. 20. Dezember 1334 bis 25. April 1342, 1910 Quellenkunde der deutschen Geschichte im Mittelalter (bis 1400), Band 1, 1913 Die großen Kriege in der Geschichte des deutschen Volkes, 1915 Friedrich der Große. Ein deutscher König des achtzehnten Jahrhunderts, 1925 Quellenkunde der deutschen Geschichte im Mittelalter (bis 1400). Die salische und staufische Zeit (1024–1250), Band 2, 1926 Quellenkunde der deutschen Geschichte im Mittelalter (bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts). Teil 1. Einleitung/Allgemeiner Zeit: Die Zeit der Karolinger, 4. Auflage 1943, 5. Auflage 1949, 6. Auflage 1959 Quellenkunde der deutschen Geschichte im Mittelalter (bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts). Teil 2. Die Kaiserzeit (911–1250), 3. Auflage 1943, 4. Auflage 1949, 5. Auflage 1961, 6. Auflage 1968 posthum
Quellenkunde der deutschen Geschichte im Mittelalter (bis zum Ende des 15. Jahrhunderts). Teil 3. Das Spätmittelalter (vom Interregnum bis 1500), Herausgeber Fritz Weden, 1952
Hintergrundliteratur Wer ist’s?, Band 4, 1909, S. 642 f. (Onlineversion)
Einzelnachweise
Kategorie:Mittelalterhistoriker Kategorie:Historiker (Frühe Neuzeit) Kategorie:Hochschullehrer (Eberhard Karls Universität Tübingen) Kategorie:Sachbuchautor (Geschichte) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1864 Kategorie:Gestorben 1947 Kategorie:Mann