mini|Ausstellung im Erdgeschoss
Das Jüdische Museum Worms befasst sich mit der Geschichte der Juden in Worms und den anderen SchUM-Städten. Träger des Museums ist die Stadt Worms.
Vorgeschichte Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs innerhalb der traditionsreichen Jüdischen Gemeinde das Interesse an und das Verständnis für die eigene Geschichte und ihre materiellen Hinterlassenschaften. Seit bald nach 1900 wurden Judaica in der sogenannten Raschi-Kapelle an der Synagoge ausgestellt, Forschungen zur Geschichte der Gemeinde erschienen. Nach einigen Anläufen gründete der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Worms 1912 eine Kommission, die ein kleines jüdisches Museum im Obergeschoss des Vorbaus der Wormser Synagoge planen sollte. Der Erste Weltkrieg verhinderte die Verwirklichung.Reuter: Vom Erwachen, S. 22f. Erst Isidor Kiefer gelang es 1924 diese Planung umzusetzen.Gerold Bönnen: Anmerkungen zum politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs- und Akkulturationsprozess der Wormser Juden (1816 bis 1865). In: Der Wormsgau 32 (2016), S. 169–248. Die Ausstellung zeigte vor allem Judaica. Kiefer erweiterte sie schließlich auf die Raschi-Jeschiwa, einen Anbau an die Synagoge. Auch der Wormser Machsor war hier zu sehen. Kiefer dokumentierte die Sammlung des MuseumsWeber: Katalog; Reuter: Vom Erwachen, S. 41–44; das Original der Dokumentation gelangte mit dem Nachlass von Isidor Kiefer an das Leo Baeck Institut in New York (Inv.-Nr.: AR-C. 672/1899), eine Kopie an das Stadtarchiv Worms (Abt. 203/10a und 10b)., bevor sie im Novemberpogrom 1938 weitgehend zerstört wurde.Urban u. a.: Die Ausstellung, S. 6f. Er nahm diese Dokumentation mit, als er 1933 emigrierte. So blieb sie erhalten.
Beim Neubau des Raschi-Hauses 1982 – es beherbergt im Wesentlichen das Stadtarchiv Worms – wurden im Erd- und Kellergeschoss AusstellungsräumeGerold Bönnen/Marzena Kessler: Das Raschi-Haus in Worms: Abriss, Bauforschung, Neubau (1968-1982). In: Kontinuität - Zerstörung – Authentizität? Die Wiedergewinnung des Synagogenbezirks in Worms 1945–1961, hg. von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz u. d. Stadtarchiv Worms, Schriftleitung: Gerold Bönnen/Nadine Hoffmann, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2022. ISBN 978-3-88462-409-8, S. 177–197. geschaffen, um die jüdische Geschichte von Worms darzustellen. Die Dauerausstellung zeigte Modelle, Urkunden, Pläne, Fotografien und Kultobjekte zur Geschichte jüdischen Lebens in der Stadt seit den Anfängen im Hochmittelalter bis zur Vernichtung der jüdischen Gemeinde im Nationalsozialismus. Hin und wieder wurden Sonderausstellungen gezeigt.Reuter: Das Jüdische Museum, S. 15ff; derselbe: Jüdisches Worms, S. 7ff.
Ausstellung mini|Modell einer Laube zum Laubhüttenfest mini|Figur des Golem mini|Ausstellungsraum im Kellergeschoss im mittelalterlichen Gewölbe mini|Pokal der Chewra Kadischa (Beerdigungsbruderschaft)Urban u. a.: Die Ausstellung, S. 80..
2020 wurde diese Dauerausstellung geschlossen und in den alten Räumen neu gestaltet, weil sich die SchUM-Stätten von Speyer, Worms und Mainz im Bewerbungsprozess um den Welterbe-Titel der UNESCO befanden, den sie ein Jahr später auch erhielten. Der inhaltliche Schwerpunkt der Ausstellung hat sich so auch zu diesem Aspekt hin verschoben.; Urban: Die Ausstellung. Die AusstellungAusstellung und Ausstellungsort, auf schumstaedte.de zeigt auf 158 m² in vier Räumen fast 1000 Jahre Geschichte.Urban u. a.: Die Ausstellung, S. 17.
Die in der Dauerausstellung präsentierte Sammlung zeigt gerettete Stücke der Vorkriegssammlung, Fotografien und Dokumente aus dem Stadtarchiv sowie geschenkte Objekte von aus Worms stammenden Juden. Die Ausstellung gliedert sich in ThemeninselnUrban u. a.: Die Ausstellung, S. 21ff; NN: Die Ausstellung.: Erdgeschoss – das Eingangstor ist einer stark vergrößerten Schmuckseite des Wormser Machsor entnommen, die einzelnen Stationen sind teils mit Audio-, teils mit Videostationen ausgestattet. Welterbe SchUM Das ehemalige jüdische Museum (1924–1938) Die Wormser Synagoge Frauen Mikwe Shoah Modelle: Wormser Synagoge um 1620, Jüdische Familie am Sederabend, jüdische Hochzeit in Worms im 18. Jahrhundert, LaubhüttenfestZu den Modellen: Reuter: Das Jüdische Museum, S. 22–27 und derselbe: Jüdisches Worms, S. 15–21. Kellergeschoss – die teils mittelalterlichen Gewölbe enthalten bauliche Reste des ursprünglichen Gemeindehauses der jüdischen Gemeinde. Figur des Golem, dessen älteste erhaltene Belege aus Worms stammen (Eingangsraum). jüdische Gelehrsamkeit Der Silber-Pokal der Chewra Kadischa (Beerdigungsbruderschaft) von 1609, der in Frankenthal gefertigt wurde. Er ist 29 cm hoch und das älteste noch erhaltene Kultgerät aus der Wormser Gemeinde, das bekannt ist.Weber: Katalog; Homepage: Jüdisches Museum. Einflussbereich der SchUM-Gemeinden und der Taqqanot Qehillot Šum die jüdischen Friedhöfe von Worms und Mainz Geschichte des Raschi-Hauses jüdische Orte – die Topografie der Judengasse in Worms Nachrichten aus den SchUM-Städten ab 1104 – präsentiert von Petra GersterUrban u. a.: Die Ausstellung, S. 95.
Besucherzentrum Das Jüdische Museum Worms erfüllt seit der Aufnahme der SchUM-Städte in das Welterbe der UNESCO auch die Funktion eines Besucherzentrums – zumindest so lange, bis das geplante Welterbe-Informationszentrum für WormsChristoph Cluse u. a.: ShUM Sites of Speyer, Worms and Mainz. Nomination for the UNESCO World Heritage List – Nomination Dossier. Baier, Heidelberg , ohne ISBN, S. 530. noch nicht errichtet ist.
Literatur Katharina Rauschenberger: „Hier atmet noch die gute alte Zeit“. Das Heimatmuseum der israelitischen Gemeinde in Worms. In: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 12 (2002) = Anette Weber (Hg.): Themenheft Medinat Worms. Böhlau, Wien, S. 45–51. Fritz Reuter: Das Jüdische Museum Raschi-Haus in Worms. In: Der Wormsgau 15 (1987–1991), S. 10–29. Fritz Reuter: Jüdisches Worms: Raschi-Haus und Judengasse = Erweiterter Sonderdruck von „Das Jüdische Museum Raschi-Haus in Worms“. In: Der Wormsgau 15 (1987/1991). ISSN 0342-426X, S. 15–21. Fritz Reuter: Vom Erwachen des historischen Interesses am jüdischen Worms. In: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 12 (2002) = Anette Weber (Hg.): Themenheft Medinat Worms. Böhlau, Wien, S. 13–44. Susanne Urban, Gerold Bönnen, Günter Illner (Hg.): Die Ausstellung SchUM am Rhein. Vom Mittelalter in die Moderne. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2021. ISBN 978-3-88462-402-9. Annette Weber: Der Hort der Mythen – das Museum der israelitischen Gemeinde in der Alten Synagoge zu Worms 1924–1938. In: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 12 (2002) = Anette Weber (Hg.): Themenheft Medinat Worms. Böhlau, Wien, S. 53–66. Annette Weber (Bearbeiterin): Katalog der Kultgegenstände aus dem Museum der israelitischen Gemeinde Worms anhand der Angaben und Fotos von Isidor Kiefer. In: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 12 (2002) = Anette Weber (Hg.): Themenheft Medinat Worms. Böhlau, Wien, S. 67–89.
Weblinks Homepage: Jüdisches Museum Worms – Raschihaus; abgerufen am 23. Februar 2023.
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