mini|hochkant|Tür des Wohnhauses Karl Uelliger (* 15. April 1914 in Saanen; † 17. August 1993 in Dicken) war ein Schweizer autodidaktischer Maler, Holzschneider, Illustrator und Plastiker.

Leben Karl Uelliger wuchs als fünftes von sieben Kindern von Karl Ulrich und Luise (geborene Seewer) Uelliger in ärmlichen Verhältnissen im Berner Oberland auf und musste nach dem Tod des Vaters 12-jährig als Verdingknabe arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Später wurde er von seinem Betreuer in eine Bäckerlehre gegeben. Als Senn, Holzfäller und mit weiteren Gelegenheitsarbeiten verdiente er seinen Lebensunterhalt. Ab 1949 lebte er in KilchbergDorothee Haarer: Uelliger, Karl. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL) und fand Arbeit als Hausbursche in der dortigen psychiatrischen Klinik.«Zwei Halbe geben auch ein Ganzes». In: Anzeiger von Saanen vom 6. Februar 2018, S. 4. Abgerufen am 30. August 2024

mini|alt=Bauernhaus mit Fachwerk|Wohnhaus in Dicken alternativtext=Karl Uelliger (1914–1993) Maler, Holzschneider, Plastiker. Hanna Uelliger-Montfort (1916–2004) Grab. Friedhof Degersheim, St. Gallen|mini|Grabstelle Friedhof Degersheim 1950 heiratete Uelliger die aus Freiburg im Breisgau stammende Josefa Elisabeth Pia Johanna «Hanna», geborene Monfort (1916–2004), die in derselben Klinik wie er als Büglerin arbeitete.Hanna Uelliger. In: www.uelliger.ch. Abgerufen am 30. August 2024 Ab 1951 musste er sich unfallbedingt mehreren Operationen am Kopf unterziehen. Neben seiner Arbeit malte er. Das Ehepaar wohnte dann in Balgach. Dank der Anstellung seiner Frau, die mittlerweile eine Werkskantine in Heerbrugg leitete, konnte er sich ab 1957 ganz der Kunst widmen. Der Maler Ferdinand Gehr unterstützte ihn auf seinem künstlerischen Weg.Armin Müller: Der Maler Karl Uelliger. In: Appenzeller Kalender, Bd. 263, 1984, S. 1–7 (archiviert in E-Periodica der ETH Zürich), abgerufen am 20. Februar 2023. Uelliger besuchte von 1959 bis 1963 einmal in der Woche Abendkurse in Akt- und Naturzeichnen bei Jakob Nef an der Kunstgewerbeschule in St. Gallen.Traumwelt eines Malers. In: Sonntag vom 13. Dezember 1972, S. 23. Abgerufen am 30. August 2024 1962 konnte er erstmals seine Bilder in einer Gruppenausstellung des Kunstmuseums St. Gallen der Öffentlichkeit zeigen. Weitere Gruppen- und Einzelausstellungen folgten.

1968 erwarb das Ehepaar in Dicken in der Ostschweiz ein altes Bauernhaus, dessen Fassade sowie Wände und das Mobiliar Uelliger bemalte, beschnitzte und verzierte. Uelliger arbeitete in seinem im Haus eingerichteten Atelier und unternahm regelmässig lange Wanderungen, bei denen er unzählige Notizbücher mit Gedanken und Skizzen zu seiner Umgebung und der Natur füllte.Karl Uelliger – Mit Wolken gehen möchte ich wandern. In: Open art museum. Abgerufen am 28. August 2024

Karl Uelliger starb 1993 in Dicken. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Degersheim, wo später auch seine Frau begraben wurde.

Werk Karl Uelligers Œuvre umfasst neben Zeichnungen, Illustrationen, Aquarellen und Gemälden in Acryl-, Öl- oder Temperafarben auch Holzschnitte, Hinterglasmalerei, Skulpturen, Reliefs und Objekte. Sein künstlerisches Werk entzieht sich sowohl stilistisch wie auch inhaltlich einer kunsthistorischen Einordnung. Ohne akademische Vorbildung und ohne Verbindung zum zeitgenössischen oder vergangenen Kunstschaffen entstanden, ist es am ehesten in der Laienmalerei beziehungsweise der Naiven Kunst anzusiedeln, hat jedoch mit seiner Vielfalt an fantastischen Elementen ebenfalls Merkmale der Art brut.

«Die Welt als Ganzes, der Lauf des Tages und der Jahreszeiten sowie Geburt und Tod als zyklische Abläufe» durchziehen inhaltlich sein gesamtes Werk. Sein Frühwerk bestand aus expressionistisch gemalten, figurativen Landschafts- und Bauernbildern sowie Darstellungen biblischer Szenen. Ab den 1970er Jahren betitelte er seine zunehmend abstrakten und traumhaften Motive mit rätselhaften Namen wie «Siebenmondtänzer» oder «Urahnengesang». Seine Kompositionen sind nicht auf Perspektive, sondern auf Farbwirkung angelegt. Neben der Malerei fertigte er Reliefs, Holzschnitzereien und Objets trouvés aus weggeworfenen Alltagsgegenständen, die er als «Schüürlilüt» bezeichnete und in der Scheune versteckte. Ausserdem textete und illustrierte er Kinderbücher.

mini|Malerei am Wohnhaus Um 1970 bemalte Uelliger die getäferte Fassade seines historischen Bauernhauses in gestrickter Holzbauweise aus dem frühen 19. Jahrhundert mit bunten Ornamenten und figürlichen Darstellungen. Dazu verwendete er die damals unter Bewitterung unerprobte Acrylfarbe. Bereits kurz nach Fertigstellung zeigten sich erste Abplatzungen der Farbschichten, die sich in Folge verstärkten. Daneben verblassten auch die für Uelliger typischen klaren Farbtöne unter der Einwirkung des Tageslichtes. Eine Untersuchung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ergab 2006 irreparabele Schäden der Bemalung. Zur Konservierung wurde der gesamte Anstrich mit einem mikrokristallinen, farblosen Wachs überzogen.Michael Niedermann: Einblicke. In: Pfalzbrief des Kanton St. Gallen, Ausgabe 4, 2022. Abgerufen am 28. August 2024

1996 wurde durch seine Witwe und Freunde zur «Lebendigerhaltung des Werkes Karl Uelliger, als Beitrag zum Ostschweizer Kunstschaffen» die Karl und Hanna Uelliger Stiftung gegründet und Ende 2019 aufgelöst. Der restliche Nachlass von Karl Uelliger sowie die übriggebliebenen Stiftungsmittel übernahm die Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art brut, Museum im Lagerhaus in St. Gallen. Werke von Karl Uelliger befinden sich unter anderem auch im Toggenburger Museum in Lichtensteig und dem Kunstmuseum St. Gallen. Neben anderen Werken ist eine grosse Weihnachtskrippe mit 123 geschnitzten Holzfiguren, die im Laufe von 25 Jahren entstanden, seit 2004 dauerhaft im öffentlich zugänglichen Klostergang des Klosters Fischingen ausgestellt.Weihnachtskrippe von Karl Uelliger. In: Kloster Fischingen. Abgerufen am 28. August 2024

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen: 2024/2025: Karl Uelliger – Mit Wolken gehen möchte ich wandern. Einzelausstellung, Open art museum, St. Gallen 2022: Trash-Art: Künstlerische Auseinandersetzung mit Mensch, Müll und Gesellschaft, Haus Appenzell, Zürich 2018: Museum der Landschaft Saanen, Saanen 2014: 100 Jahre Karl Uelliger «Vom letzten Rot will er noch schreiben», Kunsthäuschen, Herrliberg 2010: Mein Jugendbilderbuch, Tempera-Malereien, Ehemalige Propstei St. Peter und Paul, St. Peterzell 2007: Aussensaiter – Max Goldinger (1908–1988), Gottfried Röthlisberger (1915–1986), Paul Schlotterbeck (1920–1998), Karl Uelliger (1914–1993), Open art museum, St. Gallen 2007: Holzschnitte, Schnitzereien, Aquarelle, Appenzeller Volkskunde-Museum, Stein 2004: Eröffnung der Dauerausstellung Uelligers grosse Weihnachtskrippe, Kloster Fischingen, Fischingen 2004: Acrylbilder, Aquarelle, Schnitzereien, Holzschnitte, Kunsthäuschen, Herrliberg 2003/2004: Skizzen und Notizen, Open art museum, St. Gallen 1998/99: Tagsaumspurenschreiber, Hinterglas, Zeichnungen, Schüürlilüüt, Open art museum, St. Gallen 1996: Der gefesselte Maler – der entfesselte Maler, Appenzeller Volkskunde-Museum, Stein 1986: Schloss Arbon, Arbon 1984: Casinogesellschaft, Herisau, zum 70. Geburtstag 1980: Toggenburger Museum, Lichtensteig 1978: Kursaal-Galerie, Heiden 1974: Kulturzentrum Sigristenkeller, Bülach 1970: Toggenburger Museum, Lichtensteig 1970: Museum im Kornhaus, Rorschach 1969: Casinogesellschaft, Herisau 1967: Galerie Orell Füssli, Zürich 1963: Galerie Zünd, St. GallenSonderausstellungen. In: www.uelliger.ch. Abgerufen am 30. August 2024

Gemeinschaftsausstellungen: 2013: Schweizer Kunst von Segantini und Amiet bis heute, 19. Kunstausstellung, Trubschachen 2013: Naive Schweiz, Suisse Brut. Open art museum, St. Gallen 2010: Bibel in Bildern, Kloster Maria der Engel, Appenzell 2007: Aussensaiter, Objektkünstler / Outsider, Open art museum, St. Gallen 2001: Erzählende Linien – Zeichnungen aus dem Outside, Open art museum, St. Gallen 1984: 10 Künstler aus dem Untertoggenburg, Rathaus, Klosterhof, St. Gallen 1984: Ortsmuseum Lindengut, Flawil 1981: Biennale der Illustrationen Bratislava (BIB), Bratislava 1962: Rheintaler und Vorarlberger Künstler, Kunstmuseum St. Gallen

Veröffentlichungen (Auswahl) Karl Uelliger – Goldi Wolkenpicker und Schlarpi. Text: Elisabeth Sailer-Weiss, Appenzeller Verlag, Schwellbrunn 2019, ISBN 978-3-85882-825-5 Simone Schaufelberger-Breguet: Karl Uelliger – Jugendbilderbuch. Appenzeller Verlag, Schwellbrunn 2016, ISBN 978-3-85882-753-1 Simone Schaufelberger-Breguet: Karl Uelliger – Jahrzeitenwanderer. Appenzeller Verlag, Herisau 2013, ISBN 978-3-85882-655-8 Goldi beim Schafhirten: ein Bilderbuch. Säntis-Verlag, Urnäsch 1996, ISBN 978-3-907993-12-5 Karl Uelliger. Bildband zum 75. Geburtstag von Karl Uelliger. Text: Armin Müller, Säntis-Verlag, Urnäsch 1989 Goldi und der grosse Schneemann. Säntis-Verlag, Urnäsch 1984 Goldi beim Waldschloss: ein Bilderbuch. Säntis-Verlag, Urnäsch 1981 Goldi und der Bergwind. Säntis-Verlag, Urnäsch 1976

Weblinks

Website Karl Uelliger

Uelliger, Karl In: Deutsche Biographie Uelliger, Karl in der bibliografischen Datenbank WorldCat Karl Uelliger In: Artnet

Einzelnachweise

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