mini|Border Theatre in Mission

Das Hidalgo County ist eine Verwaltungseinheit (County) im US-Bundesstaat Texas. Der Sitz der County-Verwaltung (County Seat) befindet sich in Edinburg. Das County ist stark von Landwirtschaft geprägt – speziell dem Anbau von Zitrusfrüchten. Die Einwohnerzahl betrug 2020 rund 870.000. Über 90 % davon sind hispanischer Herkunft. Strukturelle Probleme – speziell auch in Zusammenhang mit den Billiglohn-Zulieferbetrieben im nahen Mexiko – sind die stark unter dem US-Durchschnitt liegenden Einkommensverhältnisse sowie ein zum Teil mangelndes Wohnraumangebot.

Geografie mini|links|Naturreservats-Landschaft am Rio Grande

Hidalgo County liegt im Süden von Texas. Im Süden grenzt es an Mexiko. Im Osten ist es etwa 50 Kilometer vom Golf von Mexiko entfernt. Es hat eine Fläche von 4099 Quadratkilometern, wovon 33 Quadratkilometer Wasserfläche sind. Es grenzt im Uhrzeigersinn an die Countys Brooks, Kenedy, Willacy, Cameron und Starr. Geografisch ist das Gebiet Teil der südosttexanischen Küstenebene, landschaftlich, wirtschaftlich und sozial Teil der südtexanischen Subregion Rio Grande Valley.Siehe Karte Land Resource Areas und Artikel Rio Grande Valley; beide: Texas State Historical Association, aufgerufen am 24. Januar 2018 (englisch). Das County wird vom Office of Management and Budget zu statistischen Zwecken als McAllen–Edinburg–Mission, TX Metropolitan Statistical Area geführt.

Die Landschaft ist weitgehend eben; die Höhe über dem Meeresspiegel beträgt zwischen 12 und 60 Metern. Die Vegetation unterscheidet sich im nördlichen, von Prärie bestimmten Teil vom südlichen am Rio Grande mit stärkerem Baumbewuchs. Die Böden im nördlichen Teil sind sandig-hell, weisen teilweise Kalkstein-Untergründe auf und eignen sich vor allem für Viehzucht. Die Böden im südlichen Teil bestehen aus fruchtbaren, rötlich-tonig gefärbten Lehmböden und sind für Landwirtschaft gut geeignet. Mineralische Ressourcen der Region sind Kalk, Sand, Kies und Erdöl.Alicia A. Garza: Hidalgo County. Texas State Historical Association, 15. Juni 2010 (englisch).

Hauptansiedlungszentrum im County ist die statistische Metropolregion Edinburg-McAllen. Edinburg, mit rund 77.000 Einwohnern die kleinere der beiden Städte, ist die Bezirkshauptstadt. Größte Stadt mit 132.000 Einwohnern ist McAllen. Älteste Ansiedlung im County ist die direkt am Rio Grande gelegene Mittelstadt Hidalgo (12.500 Einwohner); im Südteil befindet sich das Gros der alten Städte – darunter La Joya (4.000 Einwohner), Mission (78.000 Einwohner), Progreso (5.600 Einwohner) und Mercedes (16.000 Einwohner). Weitere einwohnerstarke Städte sind Weslaco (36.000 Einwohner) und Pharr (71.000 Einwohner). Generell ist der südliche Teil des Countys der dichter besiedelte. Im Nordteil finden sich – von der nicht inkorporierten, 860 Einwohner zählenden Ansiedlung Linn abgesehen – keine geschlossenen Ortschaften.

Wichtigste Ost-West-Verbindungsstraßen sind der parallel zum Rio Grande verlaufende US-Highway 83 und der durch das County-Zentrum führende US-Highway 107. Wichtigste Nord-Süd-Verbindung ist der durch Edinburg, Pharr sowie McAllen hindurchführende US-Highway 281. Darüber hinaus führen durch den Landkreis eine Reihe sogenannter Farm-to-Market Roads, welche die Farmen und Ranches der Region mit den nächstgelegenen Marktstädten verbinden. Im Einzugsbereich des Countys liegen zwei kommerzielle Flughäfen: der McAllen-Miller International Airport in McAllen und der Valley International Airport im benachbarten Cameron County bei Harlingen. Ein weiterer Flughafen ist der South Texas International Airport in Edinburg, welcher der Stadt Edinburg gehört und von dieser betrieben wird.Überblickskarten Hidalgo County bei statisticalatlas.com und Google Maps; aufgerufen am 24. Januar 2018.

Das Klima in Hidalgo County ist subtropisch und subhumid. Die Temperaturen reichen von durchschnittlich 8 °C im Januar bis zu 35 °C im Juli. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 23 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt bei 23 Zoll pro Jahr.

Geschichte mini|links|Hispanischer Bevölkerungsanteil im ehemals zu Mexiko gehörenden US-Südwesten

Voreuropäische Geschichte Südtexas wurde vor mindestens 11.000 Jahren von Menschen besiedelt, die in Küstennähe eher als Fischer, im Hinterland überwiegend als Jäger und Sammler lebten und ab etwa 9200 v. Chr. den Atlatl zur Jagd nutzten (Paläoindianer).Dies und das Folgende nach Bobbie L. Lovett, Juan L. González, Roseann Bacha-Garza, Russell K. Skowronek (Hrsg.): Native American Peoples of South Texas. Edinburg 2014 (online, PDF). Dabei erzwang eine geringe Ressourcendichte eine mobilere Lebensweise, während örtlich sich ballende Ressourcen, vor allem Nahrung, zu einer Verstetigung immer festerer Siedlungsstrukturen führten. Diese für die archaische Periode (6000–2500 v. Chr.) typische Differenzierung wurde zwischen 1300 und 1400 n. Chr. von neuen Siedlungsstrukturen abgelöst. Diese drastische Veränderung ging entweder auf von Norden zuwandernde Gruppen zurück, oder sie resultiert aus der Übernahme zahlreicher Kulturaspekte durch die ortsansässige Bevölkerung. Als wahrscheinlicher wird angenommen, dass die ab etwa 1200 weiter südwärts ausgreifenden Bisonherden die Lebensweise dauerhaft verändert haben. Wie stark die Ortsansässigen von den Herden abhängig waren, ist umstritten, jedoch ist klar, dass sich die Herden im Zuge der Kleinen Eiszeit um 1400 wieder nach Norden zurückzogen. Die Werkzeugtechnologie blieb jedoch erhalten und wurde auf andere Bedürfnisse übertragen. Die später als Coahuiltecan bezeichneten Gruppen koexistierten mit Gruppen anderer Kulturen wie den sesshaften Huaxteken, die am Río Pánuco im Nordosten Mexikos lebten, aber auch mit nördlicher lebenden, zentraltexanischen Gruppen.

Vor der Besiedlung durch Europäer war das Gebiet von unterschiedlichen Indianervölkern bewohnt. Dabei ist der Begriff „Volk“ insofern irreführend, als man heute im Dreieck südlich von San Antonio, also von der Mündung des Guadalupe River westwärts bis Eagle Pass, dann südostwärts bis an den Fuß der Sierra Madre Oriental durch die Bundesstaaten Coahuila, Nuevo León und Tamaulipas an der Golfküste, etwa 60 archaische Gruppen unterscheiden kann. Diese stellten noch immer archaische Kulturgruppen dar, deren Lebensweise sich allerdings durch Pfeil und Bogen, etwa ab 1200, zu verändern begonnen hatte. Die beiden wichtigsten dieser veränderten Gruppen waren die Coahuilteken und die Karankawa. Während erstere ein größeres Territorium im Landesinneren bewohnten und ihren Siedlungsschwerpunkt in den Gebieten südlich des Flusses hatten, zog sich das Territorium der Karankawa die Golfküste hoch bis in die Region von Galveston. Im 18. Jahrhundert weiteten darüber hinaus Lipan-Apachen und Comanche ihren Aktionsradius bis ins untere Rio-Grande-Tal hinein aus. Die Comanchen hatten wiederum die Lipan aus ihren ursprünglichen Gebieten in Colorado und New Mexico abgedrängt und ihren Herrschaftsbereich, die sogenannte Comancheria, weiter nach Süden ausgedehnt.

Bis zum 20. Jahrhundert mini|links|Seite aus dem zweisprachigen Glaubensbekenntnis, dem Confesionario de indios en coahuitleco y español, Mitte 18. Jahrhundert mini|hochkant|Juan Nepomuceno Cortina

Von den Spaniern wurde das Gebiet im 16. Jahrhundert erstmals erkundet. 1638 überquerte eine erste Expedition unter Jacinto García de Sepúlveda den Rio Grande, 1687 eine zweite unter Alonso de León. 1747 erfolgte eine weitere Erkundung unter der Leitung von Miguel de la Garza Falcón. Ungeachtet Falcóns pessimistischer Prognose erhielt ein weiterer Kolonisator – José de Escandón – zwei Jahre später den Auftrag, mit dem Anlegen von Siedlungen in der Region zu beginnen. Unmittelbare Folge war die Gründung von vier Ansiedlungen auf der Südseite des Flusses – Reynosa, Camargo, Mier und Revilla (heute: Guerrero).

Die Anfänge der Besiedlung im späteren Hidalgo County erfolgten von diesen Gründungen aus. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellte die neuspanische Kolonialverwaltung neunzehn Genehmigungen aus für insgesamt 80 Landstücke auf der Nordseite des Flusses. An der Stelle des heutigen Hidalgo wurde 1774 die Ansiedlung La Habitación gegründet. Unter den ersten Siedlern waren der Großgrundbesitzer Juan José Hinojosa de Ballí und der Rancher José Manuel Gomez – Begründer der bis in die 1990er-Jahre geführten McAllen Ranch. Bis zum Texanischen Unabhängigkeitskrieg hatte sich in der Region eine wirtschaftlich tragbare Form der Viehzucht entwickelt.

Da Mexiko das Gebiet südlich des Nueces River weiterhin als Teil der mexikanischen Provinz Tamaulipas betrachtete, blieb die Frage der staatlichen Zugehörigkeit bis zum Amerikanisch-Mexikanischen Krieg von 1846 bis 1848 strittig. Eine Folge des Krieges war die Old Military Road – eine in Richtung des heutigen New Mexico führende Versorgungsstraße, die unter dem Namen Gila Road Bekanntheit erlangte und von Goldsuchern auf dem Weg zu den kalifornischen Goldfeldern genutzt wurde. Um 1850 waren ungefähr 50 Farmen in Betrieb. Die bestehende Viehzucht wurde zwischenzeitlich von Gemüse- und Obstanbau ergänzt. Bedingt durch die gängige Erbteilung hatten sich speziell die alten Ansiedlungen La Habitatión, Relampago und Peñitas zwischenzeitlich zu geschlossenen Ortschaften entwickelt.

mini|hochkant|Kavallerie-Patrouille während des Garza Wars. Zeichnung von Frederic Remington (1892) mini|Alte Eisenbahnstation in Weslaco

Zunächst war das Territorium den Countys San Patricio und Cameron zugeordnet. 1852 erfolgte die eigenständige Konstituierung unter der Bezeichnung Hidalgo County. Gebildet wurde der neue Landkreis aus Teilen des Cameron County, benannt nach Miguel Hidalgo y Costilla, einem der führenden Vorkämpfer für die Unabhängigkeit Mexikos. Erste Hauptstadt wurde die – in Edinburg umbenannte, mit dem heutigen Verwaltungssitz Edinburg allerdings nicht identische – Ansiedlung La Habitación. Abgelegen vom Bevölkerungszentrum Brownsville im benachbarten Cameron County, machte sich im Hidalgo County bald das Gefühl breit, von der Entwicklung abgehängt zu sein. Gesetzlose Zustände breiteten sich mehr und mehr aus. Die Landstreitigkeiten zwischen alteingesessenen Eignern und einer ersten Welle neu hinzugezogener texanischer Siedler kulminierten 1860/61 in den sogenannten Cortina Wars – zwei von dem Großgrundbesitzer Juan Nepomuceno Cortina angeführten Rebellionen, welche das Ziel verfolgten, die Rechte der alten Eigner wiedereinzusetzen. Ein Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war die zwischen Cortina-Anhängern und Texas Rangers ausgetragene Schlacht von La Bolsa 1860 südlich der Ortschaft Progreso. Anders als das benachbarte Cameron County mit seinem küstennahen Zentrum Brownsville konnte Hidalgo County nur wenig von dem florierenden Schmuggel und Mexiko-Handel während des Amerikanischen Bürgerkriegs profitieren. Stattdessen avancierte das Gebiet zur Operationsbasis organisierter, teils aus Deserteuren beider Bürgerkriegslager zusammengesetzter Viehdiebstahl-Banden.