Warrant Officer, auch warrant officer (WO; für „ermächtigter Vorgesetzter“) bezeichnet in anglophonen Streitkräften einen zwischen Offizier und Unteroffizier stehenden Dienstgrad. Im deutschsprachigen Raum entspricht ein Warrant Officer in etwa den historischen deutschen Dienstgraden Offizierstellvertreter oder Feldwebelleutnant, bei der Marine dem Deckoffizier bzw. Deckoffizierleutnant; in der DDR war der Fähnrich vergleichbar. Der Warrant Officer steht in einem besonderen Vorgesetztenverhältnis, das eine Zwitterstellung zwischen den Laufbahnen der Unteroffiziere und der Offiziere (mit Offizierspatent) darstellt. In den US-Streitkräften gilt er als „Fachdienstoffizier mit Dienstgrad unter Leutnant“.Bundessprachenamt (Hrsg.): Militärisches Studienglossar, Englisch. Teil I (L–Z), Hürth 2001, S. 1249. Einordnung in die Hierarchie
In den Ländern des englischen Sprachraums sind Warrant Officers ranghohe Unteroffiziere (non-commissioned officers, NCO), die unmittelbar unter den Offizieren rangieren. In Großbritannien rekrutieren sich die WO aus langgedienten Berufsunteroffizieren. Die Nähe dieser Dienstgradgruppe zum Unteroffizierkorps ergibt sich auch aus den Dienstposten und deren Bezeichnungen. Dagegen bilden die WO in den US-Streitkräften eine zwischen den Unteroffizieren und den Offizieren angesiedelte eigene Laufbahngruppe. Diese ergänzt sich überwiegend aus Bewerbern mit höherem Schul- oder Universitätsabschluss, die nach Absolvierung einer zweijährigen Ausbildung direkt zu WO befördert werden; das vorherige Durchlaufen der Unteroffizierslaufbahn ist in den USA mittlerweile selten.
Die hierarchischen Unterschiede zeigen sich bei der Einordnung in das NATO-Rangcodesystem: Die britischen WO werden hier zu den Unteroffizieren (Other Ranks) mit den Einstufungen OR-8 und OR-9 gezählt; ihr Dienstgrad entspricht dem der Stabsfeldwebel und Oberstabsfeldwebel der Bundeswehr oder den Offiziersstellvertretern und Vizeleutnanten des Österreichischen Bundesheers, sowie den Adjutant Unteroffizieren (OR-8), Stabsadjutanten, Hauptadjutanten und Chefadjutanten (OR-9) der Schweizer Armee. Der Dienstgrad eines WO ist mit dessen Dienststellung eng verbunden, wie etwa die des Bataillons- oder Regimentsfeldwebels, für die in Bundeswehr und Bundesheer jedoch keine Entsprechungen existieren.
Die US-amerikanischen WO werden als Warrant Officers in die Sonderstufen WO-1 bis WO-5 eingeordnet. Letztere sind von ihrer fachlichen Kompetenz vergleichbar den Offizieren des Militärfachlichen Dienstes der Bundeswehr, genießen aber nicht deren Befehlsgewalt. Bei einer Übersetzung des Begriffs ins Deutsche wäre hier die Bezeichnung Fachoffizier oder Fachdienstoffizier 1. Klasse (2. Klasse usw.) annähernd zutreffend. Problematischer ist eine Übersetzung mit Feldwebelleutnant oder Deckoffizierleutnant: Diese Ränge zählten zwar, bis zu ihrer Abschaffung 1920, formal zu den Offizieren, waren letztlich aber nur das für Unteroffiziere in Friedenszeiten erreichbare „Spitzenamt“. Sie bildeten keine eigene Laufbahngruppe und besaßen kein Befähigungszeugnis in Form eines Patents, im Unterschied zu den heutigen Warrant Officers der US-Streitkräfte.
In den ehemaligen Bündnisstaaten des Warschauer Pakts bildet die Laufbahngruppe der Fähnriche das Pendant, in Deutschland die nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr besetzten Deckoffiziere sowie bis zum Zweiten Weltkrieg die seltenen Festungswerkmeister und Hufbeschlaglehrmeister (mit je einem Beförderungsdienstgrad).
Entstehung
Das Warrant-Officer-Korps entstand im 18. Jahrhundert in der Royal Navy Englands. Die Hierarchie der Warrant Officers führte stets der Steuermann an, der ähnliche Privilegien genoss wie der Lieutenant. Ihm folgten zivile Fachleute wie der Proviantmeister, der Schiffsarzt und – auf größeren Schiffen – der Bordgeistliche. Aus der Seemannslaufbahn aufgestiegen waren in der Regel der für die Borddisziplin verantwortliche Bootsmann, der Zimmermann und der Oberkanonier/Feuerwerker. Ebenso zählte der Koch zu den WO.
Diese Spezialisten autorisierte eine königliche Vollmacht bzw. Bestallung (Royal warrant), die ihnen nach dem Bestehen einer Eignungsprüfung vom Marineversorgungsamt (Navy Board) beurkundet und ausgestellt wurde. Dies garantierte den WO ein gewisses Maß an Unabhängigkeit gegenüber den regulären Seeoffizieren, was sie von den einfachen Schiffsunteroffizieren (petty officers) unterschied, deren Beförderung (und Degradierung) allein vom Willen des Schiffskommandanten abhing.
Die Royal Warrant bezog sich allein auf das Spezialgebiet ihrer Träger, verlieh ihnen also keine umfassende Befehlsgewalt, wie sie die von dem Marineministerium (Royal Admiralty) mit einem königlichen Offizierspatent (Royal Commission) ausgestatteten Seeoffiziere besaßen. Der WO blieb demnach stets Untergebener des Seeoffiziers; die Standesschranken zwischen den Fachleuten niederer Herkunft (von denen nur wenigen der Aufstieg zum regulären Offizier gelang) und den Befehlshabern aus den oberen sozialen Schichten blieben so gewahrt. Äußerlich zum Ausdruck kam dieser Umstand in der verspäteten, in der Royal Navy erst 1787 erfolgten Uniformierung der WO. Außerdem war ihre Royal Warrant aus Papier gefertigt, während die Royal Commission der Seeoffiziere aus wertvollerem Pergament bestand.
Heutige Verwendung Vereinigtes Königreich
In den britischen Streitkräften sind Warrant Officers immer noch ranghohe Unteroffiziere (NCO), obwohl sie, wie die Offiziere, eine Königliche Vollmacht (Queen’s oder King’s warrant) haben. Vor WO muss nicht salutiert werden, aber sie werden von den niederen Dienstgraden mit Sir oder Ma’am angesprochen. Alle britischen WO stammen aus den Reihen der Unteroffiziere.
British Army mini|Bermuda Regiment Warrant Officers. In der British Army gibt es seit 1915 zwei WO-Ränge, den Warrant Officer Class 2 (WO2; NATO-Rangcode OR-8) und den höherrangigen Warrant Officer Class 1 (WO1; NATO-Rangcode OR-9). Allgemein wird die Angabe aber mit römischen Ziffern vorgenommen (WOII und WOI). Der nächstniedere Rang zum WO2 ist der Staff Sergeant (NATO-Rangcode OR-7).
Mit der Army Order 70 von 1915 wurden die WO in der British Army vereinheitlicht, denn es gab zuvor schon bevollmächtigte Unteroffiziere, die als Regimental Sergeant Major seit 1879 in Infanterie- und Kavallerie-Regimentern den Posten des höchsten Unteroffiziers ausfüllten. Der höhere Posten des Regimental Sergeant Major wurde nun von einem WOI und der Posten des Company/Squadron Sergeant Major von einem WOII ausgefüllt.
Jeder Warrant Officer hat einen speziellen Aufgabenbereich und wird im Allgemeinen mit diesem bezeichnet.
WO1 tragen das königliche Wappen als Abzeichen am Ärmel, welches von einem Kranz umrandet sein kann, je nach Verwendung. Verwendungen für WO1 sind: miniatur|100px|Abzeichen WOI Academy Sergeant Major (AcSM) Accountant Sergeant Major (nicht mehr verwendet) Armament Sergeant Major Armourer Sergeant Major Artificer Sergeant Major (ASM) Bandmaster (BM) Bugle Major Clerk of Works Sergeant Major Conductor (Cdr) Draughtsman Sergeant Major (nicht mehr verwendet) Drum Major Farrier Corporal Major Farrier Sergeant Major Foreman of Signals Sergeant Major Foreman of Works Sergeant Major (nicht mehr verwendet) Garrison Sergeant Major (GSM) Lithographer Sergeant Major (nicht mehr verwendet) Master Gunner 1st Class Master Gunner 2nd Class Orderly Room Sergeant Major (ORSM) Pipe Major Regimental Corporal Major (RCM) Regimental Sergeant Major (RSM) Royal Artillery Sergeant Major Saddler Sergeant Major Schoolmaster 1st Class (nicht mehr verwendet) Sergeant Major (obsolete) Senior Band Sergeant Major (SBSM) Sergeant Major Instructor (SMI) Staff Sergeant Major (SSM) Staff Sergeant Major 1st Class (nicht mehr verwendet) Sub-Conductor (nicht mehr verwendet) Superintending Clerk Surveyor Sergeant Major Trumpet Major
WO2 tragen eine Krone als Abzeichen am Ärmel, die bei Quartermaster Sergeants mit einem Kranz umrandet sein kann. Zwischen 1938 und 1947 galt dies für alle WO2 (siehe unten: WO3). Verwendungen für WO2 sind: Armament Quartermaster Sergeant Armourer Quartermaster Sergeant Artificer Quartermaster Sergeant (AQMS) Band Corporal Major (BCM) Band Sergeant Major (BSM) Battery Sergeant Major (BSM) Bugle Major Clerk of Works Quartermaster Sergeant Company Sergeant Major (CSM) Draughtsman Quartermaster Sergeant Drill Sergeant Drum Major Engineer Clerk Quartermaster Sergeant Farrier Quartermaster Sergeant Foreman of Signals Quartermaster Sergeant Foreman of Works Quartermaster Sergeant (nicht mehr verwendet) Garrison Quartermaster Sergeant Lithographer Quartermaster Sergeant (nicht mehr verwendet) Master Gunner 3rd Class Orderly Room Quartermaster Sergeant (ORQMS) Pipe Major Quartermaster Sergeant Instructor (QMSI) Regimental Quartermaster Corporal (RQMC) Regimental Quartermaster Sergeant (RQMS) Saddler Quartermaster Sergeant Squadron Corporal Major (SCM) Squadron Sergeant Major (SSM) Staff Quartermaster Sergeant Surveyor Quartermaster Sergeant Technical Quartermaster Sergeant (TQMS) Troop Sergeant Major (TSM) Trumpet Major
Seit 1938 gibt es auch den nicht mehr verwendeten Rang des Warrant Officer III (WO3). Die einzigen Verwendungen dieser Ränge waren als Platoon Sergeant Major, Troop Sergeant Major und Section Sergeant Major . WO3 trugen eine Krone als Abzeichen am Ärmel, weshalb alle WO2 während dieser Zeit eine von einem Kranz umrandete Krone als Abzeichen trugen. Der Rang wurde in den 1940ern aufgehoben und es wurden keine neuen Soldaten in diesem Rang eingestellt, der Rang an sich wurde aber nie offiziell abgeschafft.
WO sollen eigentlich ihren Rang und ihre Verwendung kenntlich machen, beispielsweise WO2 (CSM) Smith oder WO1 (BM) Jones. Jedoch werden sie meist als CSM Smith oder Bandmaster Jones angesprochen. WO2 in der Verwendung eines Sergeant Major oder Corporal Major werden häufig als Sergeant Major oder Corporal Major gerufen. WO1 hingegen werden nur mit ihrem vollen Verwendungstitel oder dessen Abkürzung angesprochen, beispielsweise RSM oder Garrison Sergeant Major.
Wie WO angesprochen werden, hängt, wie vieles andere in der British Army auch, stark von den Traditionen ihres Regiments oder Korps ab. Jedoch gibt es Faustregeln:
WO1 werden normalerweise von Offizieren mit Mr. Name und mit Sir oder Mr. Name von ihren Untergebenen angesprochen. (für weibliche WO1 Mrs. oder Miss Name, Ma’am) der Kommandierende Offizier, und er allein, hat das Privileg seinen Regimental Sergeant Major auch so zu nennen. Für alle anderen gilt die normale Form für WO1. WO2 werden normalerweise Sergeant Major, Corporal Major, Q (für Quartermaster Sergeants) oder Sir und Ma’am genannt.
Die vier höchsten WO-Verwendungen in der British Army sind in absteigender Reihenfolge: Conductor, Royal Logistic Corps Royal Artillery Sergeant Major, Royal Artillery Academy Sergeant Major, Royal Military Academy Sandhurst Garrison Sergeant Major, London District
Royal Air Force
Die Royal Air Force (RAF) übernahm 1918 die WO-Ränge vom Royal Flying Corps der British Army, ebenso die jeweiligen Abzeichen. Bis in die 1930er waren die Ränge bekannt als Sergeant Major 1st und 2nd Class. 1939 schaffte die RAF den Rang des WO2 ab und behielt den des WO1 bis heute als Warrant Officer.
Der heutige WO (NATO-Rangcode OR-9) trägt das königliche Wappen als Abzeichen am Ärmel. WO werden von ihren Untergebenen Mr., Mrs., Miss oder Sir und Ma’am genannt. Sie haben keine verschiedenen Verwendungsnamen, wie in der British Army oder bei den Royal Marines.
Der nächstniedere Dienstgrad ist der Flight Sergeant und der nächsthöhere der Pilot Officer, der niedrigste Offiziersrang.
1946 benannte die RAF die Warrant Officers ihrer Aircrews in Master Aircrew und 1950 ihre technischen WO in Master Technicians um. Im Gegensatz zum Master Technician, der nur bis 1964 überlebte, gibt es den Master Aircrew noch heute als Dienstgrad in der RAF.
Royal Marines