Anthropic PBC ist ein US-amerikanisches Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz (KI) mit Sitz in San Francisco. Es entwickelt die Familie von großen Sprachmodellen namens Claude. Anthropic ist als Benefit Corporation organisiert und forscht nach eigenen Angaben an der Entwicklung von KI-Systemen, um „ihre Sicherheitseigenschaften an der technologischen Grenze zu untersuchen“ und diese Forschung zur Bereitstellung sicherer Modelle für die Öffentlichkeit zu nutzen.
Anthropic wurde 2021 von ehemaligen Mitarbeitern von OpenAI gegründet, darunter die Geschwister Daniela Amodei (Präsidentin) und Dario Amodei (CEO). Stand Mai 2026 wird Anthropic mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet.
Geschichte mini|Dario Amodei, Mitgründer und CEO
Gründung und frühe Entwicklung (2021–2023)
Die Geschwister Daniela und Dario Amodei, von denen letzterer zuvor als Forschungsdirektor bei OpenAI tätig war, gründeten Anthropic im Jahr 2021 zusammen mit fünf weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern, darunter Jared Kaplan, Jack Clark, Chris Olah und Ben Mann. Beide hatten OpenAI aufgrund von Richtungsdifferenzen verlassen.
Im Sommer 2022 schloss Anthropic das Training der ersten Version von Claude ab, veröffentlichte sie jedoch nicht und verwies auf die Notwendigkeit weiterer interner Sicherheitstests sowie den Wunsch, kein potenziell gefährliches Rennen zur Entwicklung immer leistungsfähigerer KI-Systeme auszulösen. Die ersten beiden öffentlichen Versionen, Claude und Claude Instant, erschienen im März 2023, zunächst nur für ausgewählte Nutzer. Claude 2 wurde im Juli 2023 öffentlich verfügbar.
Wachstum und Partnerschaften (2024–2026) Im Jahr 2024 gewann Anthropic mehrere namhafte Mitarbeiter von OpenAI, darunter Jan Leike, John Schulman und Durk Kingma. Im März 2024 veröffentlichte Anthropic die Claude-3-Familie mit den drei Varianten Opus, Sonnet und Haiku in absteigender Leistungsfähigkeit.
Im März 2025 kündigten Databricks und Anthropic die Integration von Claude in die Databricks Data Intelligence Platform an. Im Mai 2025 stellte das Unternehmen Claude 4 vor, bestehend aus Claude Opus 4 und Claude Sonnet 4, mit verbesserten Programmierfähigkeiten. Gleichzeitig wurden neue API-Funktionen eingeführt, darunter der Connector zum Model Context Protocol (MCP). Claude Code, Anthropics Programmierassistent, wechselte von der Forschungsvorschau zur allgemeinen Verfügbarkeit mit Integrationen in VS Code und JetBrains-IDEs. Im selben Monat veranstaltete Anthropic seine erste Entwicklerkonferenz.
Im September 2025 gab Anthropic bekannt, seine Produkte nicht mehr an Gruppen zu verkaufen, die mehrheitlich im Besitz chinesischer, russischer, iranischer oder nordkoreanischer Unternehmen sind. Im Oktober 2025 schloss Anthropic eine Cloud-Partnerschaft mit Google, die Zugang zu bis zu einer Million von Googles Tensor Processing Units (TPUs) gewährt. Im November kündigten Nvidia, Microsoft und Anthropic eine Partnerschaft an: Nvidia und Microsoft investierten bis zu 15 Milliarden US-Dollar in Anthropic, und Anthropic erklärte, 30 Milliarden US-Dollar an Rechenkapazität von Microsoft Azure auf Nvidia-KI-Systemen kaufen zu wollen.
Ebenfalls im November 2025 berichtete Anthropic, dass von der chinesischen Regierung gesponserte Hacker Claude verwendet hatten, um automatisierte Cyberangriffe gegen rund 30 Organisationen weltweit durchzuführen, indem sie vorgaben, es handele sich um Verteidigungstests.
Im Dezember 2025 erwarb Anthropic die Software-Plattform Bun, um die Geschwindigkeit und Stabilität von Claude Code zu verbessern. Außerdem unterzeichnete Anthropic eine mehrjährige Partnerschaft über 200 Millionen US-Dollar mit Snowflake, um Claude-Modelle über die Snowflake-Plattform verfügbar zu machen.
Super-Bowl-Werbekampagne, Claude 4.6 (2026) Im Januar 2026 führte Anthropic eine neue Abteilung namens „Labs“ ein, der Mike Krieger als ehemaliger Chief Product Officer beitrat.
Im Februar 2026 schaltete Anthropic zwei Werbespots während des Super Bowl LX als Teil einer breiteren Marketingkampagne namens „A Time and a Place“, die von der Agentur Mother umgesetzt wurde. Jeder Spot zeigte KI-Assistenten, die mitten in einem Gespräch plötzlich beginnen, ein fiktives Produkt zu bewerben. Anthropic positionierte Claude damit als werbefrei – in Abgrenzung zum Konkurrenten OpenAI, der Werbung in der kostenlosen Version von ChatGPT eingeführt hatte.
Ebenfalls im Februar 2026 kündigte Anthropic Partnerschaften mit großen IT-Dienstleistern an. Erklärtes Ziel der strategischen Zusammenarbeit ist es, fortschrittliche KI-Lösungen für Unternehmen in den Bereichen Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, Fertigung und Softwareentwicklung zu fertigen. Als Teil der Zusammenarbeit werden die Claude-Modelle von Anthropic, darunter Claude Code, in die KI-Angebote der IT-Dienstleister integriert.
Im selben Monat veröffentlichte Anthropic Claude Opus 4.6 und anschließend Claude Sonnet 4.6.
Aufgrund von Cybersicherheitsrisiken machte Anthropic sein neues Modell Mythos im April 2026 zunächst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, sondern stellte es lediglich Behörden und ausgewählte Unternehmenspartner zur Verfügung. Da das Modell in der Lage ist, Schwachstellen in Software aufzuspüren rief US-Finanzminister Scott Bessent eine Dringlichkeitssitzung mit den Leitern wichtiger Wall-Street-Banken ein. Am 9. Juni veröffentlichte Anthropic schließlich Fable 5, das auf dem Mythos-Modell basiert. Im Gegensatz zu Mythos blockiert Fable allerdings Anfragen zu sensiblen Themen wie Cybersicherheit oder biochemischen Gefahren und wurde somit für die breite Öffentlichkeit freigegeben.
Der Zugang zu beiden Modellen (Mythos und Fable) wurde für Ausländer allerdings drei Tage nach der Veröffentlichung durch eine überraschende Anordnung der US-Regierung untersagt. Von dieser Entscheidung betroffen waren alle Personen ohne US-Staatsbürgerschaft, einschließlich ausländischer Anthropic-Mitarbeiter. Die Regierung begründete den Schritt mit akuten Risiken für die nationale Sicherheit. Da es für Anthropic technisch unmöglich war, die Nationalität von Millionen Nutzern weltweit in Echtzeit rechtssicher zu prüfen, musste das Unternehmen den Zugriff auf beide Modelle weltweit für alle Nutzer komplett abschalten, um nicht gegen die US-Auflagen zu verstoßen.
Anthropic ging im Mai 2026 eine Kooperation mit SpaceX ein, um sich durch die Nutzung des Rechenzentrums „Colossus 1“ in Memphis zusätzliche Rechenkapazitäten zu sichern. Die Zusammenarbeit erfolgte trotz zuvor geäußerter Kritik durch Elon Musk. Zeitgleich wurde ein Joint Venture zwischen Anthropic, der Blackstone Group, Hellman & Friedman und Goldman Sachs für den Vertrieb von KI-Tools an Unternehmen bekannt gegeben, für das insgesamt rund 1,5 Milliarden US-Dollar vorgesehen sind.
Im selben Monat berichtete die New York Times, dass Anthropic einen Börsengang (IPO) anstrebe, mit dem Ziel, im Herbst 2026 an die Börse zu gehen. Für das zweite Quartal 2026 erwartet das Unternehmen knapp 11 Milliarden US-Dollar Umsatz und den ersten operativen Gewinn.
Unternehmensstruktur mini|Unternehmensstruktur von Anthropic Laut Anthropic ist das Ziel des Unternehmens die Erforschung der Sicherheit und Zuverlässigkeit von KI-Systemen. Anthropic ist als Delaware Public Benefit Corporation (PBC) eingetragen, was es den Direktoren ermöglicht, die finanziellen Interessen der Aktionäre mit dem öffentlichen Nutzzweck des Unternehmens in Einklang zu bringen.
Anthropics „Long-Term Benefit Trust“ ist ein zweckgebundener Treuhandfonds für „die verantwortungsvolle Entwicklung und Wartung fortschrittlicher KI zum langfristigen Nutzen der Menschheit“. Der Trust hält Klasse-T-Anteile an der PBC, die es ihm ermöglichen, Direktoren in den Vorstand von Anthropic zu wählen. Stand Oktober 2025 sind die Mitglieder des Trusts Neil Buddy Shah, Kanika Bahl, Zach Robinson und Richard Fontaine.
Bekannte Mitarbeiter
Dario Amodei: Mitgründer und CEO Daniela Amodei: Mitgründerin und Präsidentin Amanda Askell: Philosophin, arbeitet an Claudes Charakter Nicholas Carlini: Forscher Jack Clark, Mitgründer, Head of Public BenefitIntroducing The Anthropic Institute Anthropic, 11. März 2026, abgerufen am 24. September 2026] Jared Kaplan: Mitgründer und Chief Science Officer Mike Krieger: Chief Product Officer Jan Leike: Co-Leiter des Alignment-Science-Teams, ehemaliger OpenAI-Forscher Chris Olah: Mitgründer, Interpretierbarkeitsforschung
Produkte
mini|Logo von Claude Anthropics Hauptproduktlinie ist die Sprachmodellfamilie „Claude“, deren Name nach Angaben von Mitarbeitern eine Referenz an den Mathematiker Claude Shannon ist. Claude wird über eine Weboberfläche, eine API, Amazon Bedrock, sowie als App für iOS und Android angeboten. Zudem stehen Desktop-Apps für MacOS und Windows zur Verfügung.
Eine der Techniken zum Feintuning der Claude-Modelle ist „Constitutional AI“, bei der die KI darauf trainiert wird, eine Reihe von Prinzipien einzuhalten, die als „Verfassung“ bezeichnet werden.
Claude Code ist ein kommandozeilenbasierter KI-Agent, der vor allem für Programmieraufgaben verwendet wird. „Cowork“ ist ein Äquivalent mit grafischer Benutzeroberfläche, das einfacher bedienbar sein soll.
Finanzierung Im April 2022 gab Anthropic bekannt, 580 Millionen US-Dollar an Finanzierung erhalten zu haben, darunter eine 500-Millionen-Dollar-Investition von FTX unter der Leitung von Sam Bankman-Fried.
Amazon wurde im September 2023 Minderheitsaktionär und investierte insgesamt 8 Milliarden US-Dollar in mehreren Tranchen bis November 2024. Als Teil der Vereinbarung nutzt Anthropic Amazon Web Services (AWS) als primären Cloud-Anbieter und stellt seine KI-Modelle AWS-Kunden zur Verfügung. Google investierte ab Oktober 2023 insgesamt bis zu 3 Milliarden US-Dollar.
Im März 2025 sammelte Anthropic 3,5 Milliarden US-Dollar in einer Serie-E-Runde bei einer Post-Money-Bewertung von 61,5 Milliarden US-Dollar, angeführt von Lightspeed Venture Partners. Im September 2025 folgte die Serie F mit 13 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 183 Milliarden US-Dollar, geleitet von Iconiq Capital, Fidelity Management & Research und Lightspeed, mit Beteiligung der Qatar Investment Authority.
Am 12. Februar 2026 gab Anthropic eine Serie-G-Runde über 30 Milliarden US-Dollar bekannt, womit die Post-Money-Bewertung auf 380 Milliarden US-Dollar stieg.
Für das Geschäftsjahr 2025 entstand ein Nettoverlust von 42 Milliarden US-Dollar. Für Rechenleistung und Infrastruktur gab man 2025 7,33 Milliarden Dollar aus. Das ist mehr als die Hälfte der Gesamtbetriebskosten von 12,65 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz stieg 2025 auf fast 4,6 Milliarden US-Dollar. Fast ein Viertel davon kam von nur zwei Kunden. Daher wird eine Listung an einer Börse erwogen. Durch den Verkauf von Aktien erhofft man Einnahmen von bis zu 2000 Milliarden US-Dollar.
Projekte
US-Militär und Geheimdienste Im November 2024 ging Anthropic eine Partnerschaft mit Palantir und Amazon Web Services ein, um Claude US-Geheimdiensten und Verteidigungsbehörden zur Verfügung zu stellen. Im Juni 2025 kündigte Anthropic ein „Claude Gov“-Modell an, das Stand Juni 2025 bei mehreren US-Sicherheitsbehörden im Einsatz war. Im Juli 2025 erhielt Anthropic zusammen mit Google, OpenAI und xAI einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag des US-Verteidigungsministeriums für den Einsatz von KI im Militär.
Laut dem Wall Street Journal setzte das US-Militär Claude bei der Militärintervention in Venezuela 2026 ein. Wie genau Claude dabei verwendet wurde, ist nicht bekannt.