Das Castello della Motta ist eine frühmittelalterliche Burgruine in Savorgnano del Torre, einem Ortsteil der Gemeinde Povoletto in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Die beträchtlichen Ruinen kann man auf einem Bergrücken an der Mündung des Torrebaches in einen kleinen Fluss sehen. Die Burg war viele Generationen lang im Besitz der Adelsfamilie Savorgnan (it.: Savorgnano).
Geschichte Ursprünge Es gibt nur wenige, aber bezeichnende Archivdokumentationen über die Burg und ihre Herren. Die erste Beschreibung stammt vom 25. März 922 und ist in einem Diplom des Kaisers Berengar I. enthalten, mit dem er Pietro, dem „Presbitero“ der Kirche von Aquileia gestattet, die Burg mit merulis et propugnaculis, bertistis atque fossatis (dt.: Zinnen, hölzernen Befestigungseinrichtungen, Wehrerkern und Gräben) zu verstärken.
Man weiß nicht, wer der oben erwähnte „Presbitero Pietro“ war, aber in Investiturdokumenten aus der Mitte des 8. Jahrhunderts war die Festung bereits Eigentum der Adelsfamilie Savorgnan.
Jüngere historische Studien ergaben, dass der befestigte Hügel Della Motta von den Patriarchen von Aquileia mehreren Familien überlassen wurde, die nicht miteinander verwandt waren und den Namen des Ortes annahmen, in den sie investiert worden waren.
Substanziell kann die Geschichte der Herren Della Motta, wenn man die Zeit des Hochmittelalters und die der Rechtsprechung des „Pietro“ im 10. Jahrhundert ausklammert, in zwei Zeiträume aufgeteilt werden: Der erste („anteriore“) in den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts betraf eine Gruppe von Adligen mit dem Oberhaupt (festgestellt) Rodolfo di Savorgnano; der zweite („posteriore“) zeichnet sich durch die Herrschaft der Nachfahren von Federico di Colmalisio aus.
Die Söhne des Letzteren sollten im Laufe des 13. Jahrhunderts verschiedene Familienzweige gründen: Pietro den Zweig von Cergneu, Leonardo den Zweig von Bandiera und Costatino den Zweig von Scaglione. Der Zweig von Bandiera starb 1713 aus, während der Zweig von Scaglione sich nach 1413 und der Aufgabe des Castello della Motta sich schließlich in zwei Unterzweige teilte, den ‚‚Torre‘‘zweig von ‚‚Zuino‘‘ und den ‚‚Monte‘‘zweig von Osoppo.
Die erste sichere Quelle aus dem Spätmittelalter erwähnt einen ‚‚Rodolfo di Savorgnan‘‘ (genannt „Ciprioner“), einen freien Lehensnehmer, der 1219 gegen den Patriarchen Berthold V. rebellierte. Letzterer gelangte nach einigen Wechselfällen wieder in den Besitz der Burg und des Lehens, verwandelte es aber in eine „Ministeriale“ und unterstellte es seiner direkten Kontrolle. Der Ort galt wegen der Verwaltung des Wassers des Torrebaches, der die Bewässerungsgräben von Udine speiste, als strategisch bedeutend.
Die Söhne von Rodolfo, Rodolfo II. und Corrado, wurden vom Patriarchen als „Ministeriale“ mit dem Ort belehnt. Bei ihrer Investitur 1257 wurden zwei Türme der Burg erwähnt, einer namens „Superiore“ und einer „in Richtung der Burg von Attimis“.
Der Name „Della Motta“ für den Hügel erschien erstmalig in einer Landkarte aus dem 16. Jahrhundert, die ihn schematisch dargestellt zeigt.
Die neuen Herren Die archäologische Untersuchung hat bewiesen, dass in den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts ein wesentliches, kriegerisches Ereignis, ein Trauma, über die Burganlage hereinbrach, also zu einem Zeitpunkt, als in den Dokumenten einige Söhne von Federico di Colmalsio mit dem Beinamen „de Savorgnano“ erscheinen.
Es handelt sich um die neuen Herren der Burg, dem Patriarchen zugeneigt und nicht mit dem alten Adel verbunden, der vermutlich nach einer blutigen Belagerung abgesetzt wurde, was die Grabungen bestätigen.
Von diesem Zeitpunkt an zeigt die geschriebene Dokumentation, aber vor allen Dingen die archäologische, eine bemerkenswerte Bautätigkeit im Inneren der Festung, insbesondere in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1345 war das Anwesen mit Milizen des Grafen von Görz belegt, wogegen sich 1385 dort die Truppen des Patriarchats eingenistet hatten. Bei dieser Gelegenheit ist eine explizite bauliche Befestigung auf Befehl des Kapitäns Giovanni di Azzo degli Ubaldini des Patriarchats erwähnt. 1387 fanden weitere Arbeiten auf Befehl von Carrara statt, womit dieses Mal Francesco Nascinguerra aus Cividale beauftragt wurde. Man kennt den Umfang der Arbeiten der beauftragten Arbeiten nicht genau, weder derer von Giovanni Azzo noch derer von Francesco Nascinguerra: Es ist nicht von großer Bedeutung, wenn Tristano Savorgnano 1405 an die Stadt Udine berichtet, dass die Burg „ruiniert und schlecht verteidigt“ sei.
Letzte Belagerung und Aufgabe In den Jahren 1412–1413 wurde die Festung das letzte Mal belagert. Die Belagerer gehörten zu den heterogenen Truppen des Kaisers Sigismund, der sich in Friaul engagierte, um seine Hegemonie wiederherzustellen, die von den Venezianern gerade durch die Aktionen der Savorgnans untergraben worden war. Als anstrengend und vergeblich erwies sich dieser Widerstand, da laut der Quellen zwar die Burg eingenommen wurde, aber – wie die archäologischen Untersuchungen gezeigt haben – nicht vollständig zerstört wurde. Dennoch änderte dies ihren Verwendungszweck und die Savorgnans lebten nicht mehr dort.
Eine These, die zwischen 1960 und 1985 vom britischen Gelehrten Cecil H. Clough ausgearbeitet und vorgeschlagen wurde, geht davon aus, dass die Archetypen der Liebenden – die Shakespeare zu den Figuren Romeo und Julia inspirierten – tatsächlich existierende Personen waren und zwei verfeindeten Zweigen der Familie Savorgnan angehörten. Zusammenfassend demonstrierte der britische Professor, dass die Novelle Giulietta – geschrieben um 1517 von Luigi da Porto, dessen spätere Übersetzung William Shakespeare inspiriert hatte – tatsächlich 1511 in Udine vorgefallene Tatsachen erzählte, in die zwei rivalisierende Familienzweige der Savorgnans verwickelt waren: Der erwähnte Luigi da Porto und die junge Lucina Savorgnano.
miniatur|Familienstammbaum der Savorgnans mit den verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Luigi da Porto (Romeo), Lucina Savorgnan (Julia) und Tristano Savorgnan, den letzten Verteidiger des Castello della Motta in den Jahren 1412–1413 An dieser Stelle ist es interessant, zu sehen, dass der letzte Verteidiger des Castello della Motta, Tristano Savorgnan dello Scaglione, sowohl Urgroßvater von Lucina (alias Julia) als auch Ururgroßvater von Luigi (alias Romeo) war, und, dass das Castello della Motta mit vollem Recht als „Wiege“ der engsten Verwandten der beiden berühmten Liebenden anzusehen ist.
Archäologische Untersuchungen In seiner heutigen Form zeigt sich der Ort mit Gebäudestrukturen, die teilweise durch die archäologischen Untersuchungen ans Licht gebracht wurden, die (nicht durchgehend) von 1997 bis 2014 durchgeführt wurden. Die 13 Grabungskampagnen, die ausschließlich die Gipfelregion betrafen, konzentrierten sich auf das Gebiet um den polygonalen Bergfried. Die Untersuchungen wurden von einem Team ausgeführt, das aus der Zusammenarbeit zwischen der Universität Udine und der Gemeindeverwaltung von Povoletto unter Beteiligung von Studiengruppen und kulturellen Gesellschaften entstand. Die Ergebnisse und deren Ausarbeitung ermöglichten die Definition einer ersten, bezeichnenden Phasenfolge, die wiederum in fünf Perioden, vom Hochmittelalter bis zur definitiven Aufgabe der Burg, gruppiert wurde.
Periode A - Hochmittelalterliche Ansiedlung (7./8.-9. Jahrhundert) Die archäologische Recherche ergab, dass es spätestens seit dem Hochmittelalter auf der Erhebung Della Motta eine Festung gegeben haben muss. Dies bezeugen die Reste eines viereckigen Bergfrieds, eines Wohnturms, der unter dem heute sichtbaren mit seinem polygonalen Grundriss lag.
miniatur|Grundriss des „Wohnturms“ aus dem Hochmittelalter (in rot), im Verhältnis zu den anderen, späteren Strukturen des Bergfrieds und anderer herrschaftlicher Gebäude auf dem Gipfel Die Wohneigenschaften dieses ersten Bergfrieds leiten sich aus den Dimensionen im Grundriss (die Seiten messen außen etwa je 8 Meter, die Dicke auf der Mauerwerksglättung beträgt etwa 1 Meter; der Innenraum hat eine Fläche von fast 40 m²) und aus den Fundstücken aus seiner Bestehensphase, in Zusammenhang mit Haushaltsaktivitäten, ab. Darüber hinaus führt sein Standort an einer markanten Stelle des Hügels (an der sich auch der Bergfried aus späterer Zeit fand) dazu, ihn als strategisch bedeutende Konstruktion, im Übrigen aus Stein, anzusehen (In der Erlaubnis von Berengar I. sind hölzerne Befestigungseinrichtungen – propugnaculis – erwähnt, also aus einem „weniger bedeutsamen“ Material).
Es ist nicht bekannt, wie das Castrum des Hochmittelalters in seiner Gesamtheit aufgebaut war. Ebenso ist nicht bekannt, wie die Siedlung in ihrem Inneren organisiert war, und, ob sie nur von Soldaten genutzt wurde, oder, ob dort auch die Zivilbevölkerung Schutz fand:.Das Vorhandensein eines Bergfrieds lässt aber eine Residenz eines Herren (womöglich des ‚‚Pietro‘‘, der in der Erlaubnis aus dem 10. Jahrhundert erwähnt ist) annehmen.
Die Chronologie des Turms ist aus der Datierung der keramischen Fragmente erhalten, die sich in einer Schicht in seinem Inneren fand, die von der Schicht aus dem Einsturz der Mauern des Turms verdeckt war. Es wird angenommen, dass die Artefakte aus dessen Lebenszeit (definiert als „Periode A“) stammen. Die Fundstücke wurden nach der typologischen Untersuchung und der Analyse durch Thermoluminiszenz auf das Jahr 678±90 datiert.
Zusammen mit den Einrichtungsgegenständen wurden ein „Schlüssel“ aus Eisen, ein tierischer „Knochen“ (Essensrest) und Fragmente einer „ebenen Fliese“ vom römischen Typ gefunden. Letztere diente als Dachschindel, wurde aber offensichtlich wiederverwendet und stammt aus einer verlassenen Siedlung am Fuße des Burghügels.
miniatur|Ausgrabung in der Nordwestecke des mittelalterlichen „Wohnturms“ (2002) Die baulichen Wechselfälle der befestigten Siedlung sind verständlicher, wenn man die unterschiedliche Verwendung der Rohstoffe betrachtet. Die Bauten der „Periode A“ (Hochmittelalter) bestehen zum größten Teil aus lokal vorgefundenen Steinarten (Sandstein, der zwar leicht zu bearbeiten, aber auch bröselig ist. Aus ihm besteht der Burghügel, auf dem die Mauerreste stehen) mit einem minimalen Anteil von Recyclat, das wahrscheinlich von aufgegebenen Siedlungen direkt am Hügel oder in der Ebene im Westen und Süden des Burghügels stammt. Diese Materialien wurden an den Gebäuden verwendet, ohne dabei auf die Ordnung der Struktur zu achten, oft miteinander verzahnt, ohne Gruppen durchsetzt von einigen horizontalen und nicht parallelen Reihen.
Periode B - Gebäude von Siedlungen vom 11. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts Im Laufe des 11. Jahrhunderts wurde der mittelalterliche Wohnturm durch einen massigen Bergfried („Periode B“) mit rechteckigem Grundriss und doppelt so dicken Mauern wie vorher ersetzt (Außenabmessungen ca. 10,5 Meter × 12 Meter, Innenabmessungen ca. 8 Meter × 6,5 Meter). Auf der Südostseite war der Turm mit einem angehobenen Eingang ausgestattet. Es hat sich als problematisch erwiesen, die Gebäudeteile aus dieser Zeit zu identifizieren, die zur „protofeudalen“ Ansiedlung der ersten Familie Savorgnan gehörte, die später aus dem Lehen und der Burg verjagt wurde, weil sie gegen den Patriarchen rebelliert hatte. Obwohl die gefundenen Beweise in spätere Schichten der Mauern integriert wurden, was es schwierig macht, die Schichtgrenzen in den Mauern genau zu lokalisieren, die die Einheiten der verschiedenen Zeitabschnitte trennen, zeigt der in dieser Zeit errichtete Mauertyp einige Besonderheiten.
miniatur|Grundriss des rechteckigen Bergfrieds und sein zeitgenössischer Mauerbau aus dem 11. Jahrhundert (Periode B, in grün)