mini|alternativtext=Schinkelkirche Glienicke, Dorfkirche Glienicke (Heiligengrabe)|Schinkelkirche Glienicke alternativtext=Schinkelkirche Glienicke, Innenraum zum Kanzelaltar|mini|Innenraum zum Kanzelaltar Die evangelische, denkmalgeschützte Dorfkirche Glienicke steht in Glienicke, einem Gemeindeteil von Heiligengrabe im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Die Kirchengemeinde gehört zur Gesamtkirchengemeinde Wittstock im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Glienicke bei Wittstock an der Dosse in Brandenburg ist der Ort, in dem die erste Achteckkirche von Karl Friedrich Schinkel steht. Entworfen 1814, gebaut 1815–1817. Dieser evangelische oktogonale Zentralbau hat eine außerordentlich bewegte Geschichte durchlebt.
Der Entwurf aus der Oberbaudeputation in Berlin konnte 2012 eindeutig Karl Friedrich Schinkel als Inventor des Entwurfs für Glienicke nachgewiesen werden.Ute Kegel, Die Dorfkirche in Glienicke als ein Werk von Karl Friedrich Schinkel, in: architectura 1/2012, Berlin 2012, Bd. 42/2012, S. 75–94.
Geschichte, Vorgängerkirche Das Runddorf Glienicke wird erstmals Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt. Ein wohl slawisches Dorf, das mit 20 Hufen eine geringe Ausdehnung besaß.Peter Schmidt, Mit Lebensgefahr in der Kirche, „Ein nahezu vergessener Schinkelbau steht seit 175 Jahren im Glienicke der Prignitz.“, in: Mark Brandenburg, 14, Die Märkische Nummer 40, 2. Oktober 1991. S. 13
Durch Erbstreitigkeiten im 14. Jahrhundert und später durch Brandschatzungen Mecklenburgischer Raubritter wurde das Dorf 1420 „gemordbrannt“, also völlig ausgelöscht.Lieselott Enders, Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil I Prignitz, Potsdam 1997, 255.
Erst 1522 wird Glienicke wieder erwähnt und um 1550 die Ausstattung des Dorfes wiederum mit 20 Hufen Land angegeben. mini|alternativtext=Schinkelkirche Glienicke, Glocke von 1664|Kirchenglocke von 1664 Nachdem das Land sich wirtschaftlich erholt hatte, kam es im 17. Jahrhundert zu einem Neubau der evangelischen Kirche. Noch heute existiert die Kirchenglocke mit der Jahreszahl 1664.
Der Bau wird in den 50er Jahren des 17. Jahrhunderts begonnen worden sein, denn es gibt im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA) Rechnungen von 1659 bis 1696 zum Kirchenbau.Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Akte Republik. 2A, II OP Nr. 772. mini|alternativtext=Schinkelkirche Glienicke, Zinnkerzenhalter von 1652 mit Stifernamen und „Zu Glinike“|Zinnkerzenhalter von 1652 mit Stifernamen und „Zu Glinike“ Auf zwei Zinnkerzenhaltern, die noch heute existieren, sind außer den Stifternamen die Jahreszahlen 1652 (mit dem Schriftzug Zu Glinike) und 1653 eingraviert, wahrscheinlich sind sie zur Kirchweihe gestiftet worden.
Dieser Bau wird beschrieben als Fachwerkbau mit einer Grundfläche von ca. 10 m × 6,3 m, einem quadratischen Turm an der Giebelfront, zudem mit einem Vorhaus.
Sie muss eine Empore gehabt haben und einen massiven Altartisch, außerdem Kanzel und Kirchenbänke.Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Akte Republik. 2A, II OP Nr. 772.Das geht aus dem Kostenanschlag des Bauinspektors Buchholz hervor, der die Kosten des Abbruchs in seinem Kostenanschlag vom 12. Oktober 1813 aufgelistet hat.
Diese Kirche wurde nach etwa hundert Jahren so reparaturbedürftig, dass man einen Neubau vorschlug, der jedoch aus Kostengründen nicht realisiert werden konnte.
Durch Reparaturarbeiten wurde sie wieder nutzbar gemacht.
1785 erhielt sie dann eine zweite größere Glocke.Peter Schmidt, Mit Lebensgefahr in der Kirche, „Ein nahezu vergessener Schinkelbau steht seit 175 Jahren im Glienicke der Prignitz.“, in: Mark Brandenburg, 14, Die Märkische Nummer 40, 2. Oktober 1991.
Der Fachwerkbau wurde im Laufe der Zeit zunehmend maroder, so dass das Amt in Wittstock schon am 14. Juni 1809 eine Eingabe an Eine Königliche Hochlöbliche Regierungs und Geistliche und Schul Deputation zu Potsdam (GSD) gemacht hatte, die jedoch unbeantwortet blieb.
So schrieb man am 10. Mai 1813 erneut einen dringlichen Brief an die Behörde: Das Amt Wittstock bringt den Bau des Thurmes und der Kirche zu Glienecke bei Wittstock in Erinnerung. Erinnert wird an die Baufälligkeit der Kirche und des Turmes. Da nun dieses Gebäude seit 1809 und ... daran bis jetzt nichts gebessert worden noch in größeren Verfall geraten sei, habe sich die Situation mittlerweile so verschärft, dass man nur noch mit Lebensgefahr in die Kirche gehen könne.
Daraufhin wurde der Wittstocker Bauinspektor Friedrich Buchholtz in einem Schreiben vom 19. September 1813 von der GSD aufgefordert, binnen drei Wochen einen Bericht zu erstellen.
Neubaupläne von Friedrich Buchholtz Am 12. Oktober 1813 berichtete Buchholtz über die maroden Zustände der alten Kirche und legte einen Bauplan und Kostenvoranschlag für eine neue Kirche bei.
Aus seiner Berechnung des Platzangebotes in der Kirche geht hervor, dass die Gemeinde aus 10 Hufwirthen, einschließlich des Schulzen und 4 Tagelöhnerfamilien besteht. Für die Männer werde ein Platzbedarf in den Kirchenbänken von 15 bis 20 Sitzen veranschlagt. Bei den Plätzen für die Frauen, Töchter und Dienstmägde, sowie für die 4 Büdner Frauen, müsse mit einem Platzbedarf von insgesamt bis zu 30 Personen gerechnet werden. Auf den Chören [Empore] sei Platz für 4 Büdner, 10 Knechte, 10 Dienstjungen und für die erwachsenen Jungen der Hufwirthe.
Der Neubau nach seinem Entwurf mit einem massiven quadratischen Turm an einer Schmalseite des Rechteckbaus sollte mit elf mal neun Metern im Außenmaß nicht viel größer als die alte Fachwerkkirche werden, jedoch aus massivem Mauerwerk und somit solider als der Vorgängerbau. mini|alternativtext=Bauentwurf von Friedrich Buchholz aus Wittstock, für die Dorfkirche von Glienicke bei Wittstock, Dosse |Bauentwurf von Buchholtz Der Bauplan wurde mit Aufriss, Schnitt und Grundriss der Kirche gezeichnet, zusätzlich die Ansicht der Turmseite, zur Hälfte als Ansicht, zur anderen als Schnitt. mini|alternativtext=Zusatzplan N° 1 von Buchholtz für eine Dorfkirche in Glienicke bei Wittstock, Dosse|Zusatzplan N° 1 von Buchholtz Da Buchholtz die Außenansicht des ersten Planes nicht mehr zusagte, strich er diese auf dem Plan durch und fügte eine neue Ansicht der Kirche auf einem gesonderten Blatt mit der Bezeichnung N° 1 hinzu.
Buchholtz hatte diese Unterlagen an die Regierung in Potsdam geschickt (GSD). Von hier wurden sie am 19. Februar 1814 zur Genehmigung bei der Oberbaudeputation (OBD) in Berlin eingereicht.Es sollten nur Bauanträge an die Oberbaudeputation eingereicht werden, die 500 Taler überstiegen. Paul Ortwin Rave, bearb. von E. Börsch-Supan, Karl Friedrich Schinkel, München 1981. S. 78
Diese Pläne erhielt Karl Friedrich Schinkel, als der für u. a. die ästhetische Begutachtung vorgelegter Entwürfe zuständige Baubeamte.
Er lehnte den Entwurf von Buchholtz ab und fertigte einen Gegenentwurf an.
In dem Begleitschreiben vom 7. März 1814 heißt es: Bei kirchlichen Gebäuden von so geringem Umfange, ist die alte Form der Kirchenschiffe weder für den Gewinn des Raums, noch für die Form im Ganzen zweckmäßig anzuwenden; weil ihre Vortheile in der Länge liegen, welche bei kleinen Gebäuden fehlt, auch erfordert ein besonders angebrachter Thurm für das, was er bewirkt, einen viel zu großen Aufwand, indem das Stück a b desselben, in der eingereichten Zeichnung N° 1, welches über das Kirchendach herausragt, in der Ferne als Thurm nur erkannt wird und dieses Stück einen doppelt so hohen massiven Unterbau a c erhalten muß.
Danach wird noch auf eine Skizze hingewiesen, die in die Zeichnung N° 1 eingezeichnet wurde, um die Schwerfälligkeit des Turmes in der Diagonalansicht zu zeigen. mini|alternativtext=Schinkelentwurf für eine Dorfkirche in Glienicke bei Wittstock, Dosse, Aufriss, Schnitt, Grundriss und Erläuterungstext, (Kupferstichkabinett, Berlin, SM 44a, 33)|Schinkelentwurf für Glienicke Sodann wurde der Gegenentwurf erklärt: Wir haben uns veranlaßt gefunden, eine Skizze für diese Kirche zu entwerfen und hier beizufügen, worin solche den Charakter einer kleinen Capelle erhält und in ihrer einfachen achteckigten Form durch ihre spitze Zusammenziehung den Thurm zugleich bildet. Eine Königlich Hochlöbliche Deputation ersuchen wir ergebenst: hiernach die detaillierten Zeichnungen und Anschläge ausarbeiten und uns solche mit der Original Skizze zur Revision zurücksenden zu lassen. Dieser Brief wurde unterzeichnet mit: Königliche Ober Bau Deputation und den Unterschriften: Eytelwein, Rothe, Cochius und Schinkel.
Dieses Schreiben und die dazu angefertigte Zeichnung sind die wichtigsten Dokumente zum Bau der oktogonalen Kirche von Glienicke.
Neubau nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel Das Blatt von 1814 aus dem Kupferstichkabinett trägt die Bezeichnung „Glienicke bei Wittstock. Entwurf zu einer oktogonalen Kirche“, mit der Signatur SM 44a. 33. Es zeigt Aufriss, Schnitt und Grundriss der oktogonalen Kirche. In das vierte Blattkompartiment hat Schinkel einen Erläuterungstext geschrieben.Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett (Abb. Schinkelentwurf für Glienicke)
Über einem achteckigen Grundriss wird die Kirche als Putzbau mit einem Pyramidendach und einer Laterne mit Spitzdach abgebildet.
In der mittleren Achteckseite des Aufrisses befindet sich der Eingang mit einem Rundbogenportal und einem darüber angeordneten Rundfenster.
In den angrenzenden Oktogonseiten ist jeweils ein gleich großes Rundfenster auf gleicher Höhe im Emporenbereich angegeben, zwei weitere liegen ihnen gegenüber.
Entsprechend kleinere Rundfenster sind in jeder Achteckseite des Tambours eingelassen. Alle Fenster deuten ein Maßwerk an.
Im Schnitt erkennt man gegenüber dem Eingang einen Wandteil mit dem Kanzelaltar. Eine Fünfachtel-Empore liegt dem Kanzelaltar gegenüber.
In der Breite des Eingangs gibt es einen Windfang mit rechts und links zur Empore führenden Treppen.
Der Schnitt zeigt deutlich die Anordnung des Gebälks für die Dachkonstruktion mit der Aufhängung für zwei Glocken.
Aus dem Grundriss wird ersichtlich, dass im Baukörper nur fünf Rundfenster vorgesehen sind.
In Grundriss und Schnitt hat Schinkel alphabethisch Buchstaben zu seinem Erläuterungstext auf dem Plan eingefügt.
Am 31. März 1814 übermittelte die Regierung in Potsdam (GSD) die Zeichnung Schinkels an den Bauinspektor Buchholz mit der gleichzeitigen Aufforderung innerhalb von 14 Tagen eine Copie der Schinkelzeichnung anzufertigen sowie einen neuen Kostenvoranschlag vorzulegen. Man zitierte aus dem Brief der OBD die Begründung Schinkels für den achteckigen Bau.
Buchholtz muss von dieser Zurückweisung seiner Arbeit, die er wohl als altgedienter Baumeister mit 56 Jahren in ähnlicher Form schon häufiger erstellt hatte, heftig betroffen gewesen sein.
Weisungsgemäß hatte er im vorgegebenen kurzen Zeitraum die Auflagen erfüllt.
In einem beigefügten Brief versuchte er, seinen Entwurf und den dazugehörenden Anschlag zu rechtfertigen und bezweifelt, dass der Bau nach der Zeichnung aus der OBD im Gegensatz zu seinem Entwurf in Bezug auf Dauer, Solidität und Feuersicherheit den Anforderungen entspricht. Zu den eingesparten Kosten durch den Achteckbau berechnet er nur eine Einsparung von 124 Thalern und 4 Groschen.Akte Kirchenarchiv Wittstock mini|alternativtext='Copia' von Buchholz nach der Schinkelzeichnung für eine Dorfkirche in Glienicke bei Wittstock, Dosse|'Copia' von Buchholtz nach Schinkels Zeichnung Seine sorgfältig ausgearbeitete Zeichnung als Copia wurde dann am 19. April 1814 mit dem neuen Kostenanschlag und den übrigen geforderten Unterlagen zur OBD eingereicht.