mini|Zugefrorener Weiher im Moorgebiet Tourbière de la Chaux d’Abel [] (auch Tourbières de la Chaux d’Abel; deutsch «Torfmoor von La Chaux d’Abel») heisst ein Naturschutzgebiet im äussersten Nordwesten des Berner Juras. Die Landschaft im Westen des Hochplateaus der Freiberge (französisch Franches-Montagnes) umfasst mehrere Gebiete mit einer typischen Moorlandschaft und liegt im Zentrum des grösseren Gebiets La Chaux d’Abel, das sich zudem auch über eine Fläche im Südwesten des Kantons Jura erstreckt und im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung verzeichnet ist.Moorlandschaftsinventar: Objektbeschreibungen, auf bafu.admin.ch

Das Feuchtgebiet mit seiner Umgebung ist vom Kanton Bern als kantonales Schutzgebiet ausgewiesen. Es ist sowohl ein Objekt des Bundesinventars der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung als auch des Inventars der Flachmoore von nationaler Bedeutung im Kanton Bern sowie ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Der Wald beim Moorgebiet ist als kantonales Waldreservat geschützt, und eine Wiese westlich der Siedlung La Tuilerie ist im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung aufgeführt. Das Moorbiotop gilt seit langem als Referenzpunkt für die botanische Forschung. Neben Arealen mit primärer Hochmoorvegetation sind auf anderen Flächen wegen der früheren intensiven Ausbeutung des Torfs nur noch Reste des sekundären Hochmoors vorhanden.

Lage Das Torfmoor von La Chaux d’Abel liegt in der hoch gelegenen Landschaft des Plateaujuras im westlichen Abschnitt der Freiberge (französisch Franches-Montagnes) nordwestlich der Ortschaft Saint-Imier an der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Jura. Das Gebiet La Chaux d’Abel des Bundesinventars der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung hat eine Fläche von 193,87 Hektaren. Dieser Raum wird ausserhalb der geschützten Moore von mehreren Einzelhöfen aus landwirtschaftlich genutzt und hat somit mehrheitlich den Charakter einer Kulturlandschaft. Die Kernzone mit einem ausgedehnten Feuchtgebiet befindet sich auf der Höhe von in einer weiten, offenen Mulde einer schwach ausgeprägten Synklinale nördlich des Höhenzuges von Montagne du Droit und Mont Soleil.Philippe Bourquin: Atlas géologique de la Suisse 1:25'000. Feuilles 114 Biaufond, 115 Les Bois, 116 La Ferrière, 117 St-Imier. Notice explicative. Bern 1946, S. 28. (Digitalisat) Im tiefsten Bereich der Senke liegen zwei künstlich angelegte Weiher, die unter dem Namen Étang du Cerneux-Veusil bekannt sind. Durch das Moor verläuft die Grenze zwischen den bernischen Gemeinden Saint-Imier und Sonvilier. Nördlich davon befindet sich das kleine Dorf Le Cerneux-Veusil-Dessous auf dem Gebiet der jurassischen Gemeinde Muriaux. Auf der Ostseite führt die Kantonsstrasse 248.1 von Les Breuleux nach La Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg) durch das Gebiet La Chaux d’Abel des Moorlandschaftsinventars und nahe am Torfmoor vorbei.

Je nach Kategorie und Kriterium gelten unterschiedliche Angaben zur Ausdehnung der Schutzareale. Die Flächen mit noch vorhandenem primärem und sekundärem Hochmoor sind 16,73 Hektar gross. Die Zone der Moorflächen und ihrer Umgebung mit der Grösse von rund 40 Hektaren ist als Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung definiert. mini|Blick von Osten auf die Moorlandschaft mit dem Waldreservat

Name Chaux d’Abel ist der Name der umliegenden, wenig besiedelten Landschaft der Kantone Bern und Jura, und auch einzelne der weit verstreuten Hofsiedlungen tragen denselben Ortsnamen. Das französische Wort chaux, frankoprovenzalisch châls, bedeutet «Weide» und kommt im Westschweizer Jura an zahlreichen Stellen und etwa auch im Ortsnamen der Stadt La Chaux-de-Fonds vor.chaux. Glossaire des patois de la Suisse romande online.Charles Thomann: L’histoire de La Chaux-de-Fonds inscrite dans ses rues. Neuchâtel 1965, S. 7. Der Namensteil Abel geht auf einen Personennamen zurück. In der Region, die früher zum Fürstbistum Basel gehörte, konnten sich im 18. Jahrhundert aus der Deutschschweiz geflohene Täufer ungestört niederlassen; der kleine Raum bildete daher eine deutsche Sprachinsel mitten im heute französischen Sprachgebiet, genauer im Grenzraum zwischen der frankoprovenzalischen Sprache und dem Franc-comtois. Die Gemeinschaft von Täufern in La Chaux d’Abel richtete 1836 eine deutschsprachige Schule ein, die bis 1952 bestand. Auf der Anhöhe von Coronelle neben dem heute geschützten Moorgebiet wurde 1905 eine Kapelle der Mennoniten gebaut.Historique, auf chaux-dabel.ch, abgerufen am 8. November 2022.Christian Hege, Christian Neff: Mennonitisches Lexikon, Bd. 1, 1967, S. 340. Im hoch gelegenen Alpweidegebiet mit einer traditionellen Milchwirtschaft wird die bekannte Käsespezialität Chaux d’Abel hergestellt.Fromagerie La Chaux d’Abel, auf chauxdabel.ch, abgerufen am 7. November 2022.

Geologie und Klima mini|Grosses Schluckloch im Boden bei La Tuilerie; unten Ruinen des ehemaligen Wasserwerks einer Sägerei Auf dem Hochland des Plateaujuras fehlen Fliessgewässer fast ganz, weil das Niederschlagswasser durch den verkarsteten Felsboden des Kalkmassivs im Untergrund versickert. Nahe beim Torfmoor von La Chaux d’Abel sind im Talboden besonders viele Dolinen entstanden, die das Wasser unterirdisch ableiten. Nur in einem etwa einen Kilometer langen und 300 Meter breiten Bereich mit einer wasserundurchlässigen Trennschicht aus Muschelsandstein und Meeresmolasse des Tertiärs und aus Lehm über dem Kalkfelsen staute sich das Wasser und konnte sich deshalb die Moorvegetation entwickeln.H. Suter: Kommentar zur geologischen Karte Les Bois auf ne.ch.Philippe Bourquin: Atlas géologique de la Suisse 1:25'000. Feuilles 114 Biaufond, 115 Les Bois, 116 La Ferrière, 117 St-Imier. Notice explicative. Bern 1946, S. 13. Zudem liegen im Gebiet zwei Quellen, die das Moor regelmässig bewässern.Philippe Bourquin: Atlas géologique de la Suisse 1:25'000. Feuilles 114 Biaufond, 115 Les Bois, 116 La Ferrière, 117 St-Imier. Notice explicative. Bern 1946, S. 51. An der tiefsten Stelle der Geländemulde westlich des Moorgebiets und auf der Gemeindegrenze sind zwei kleine künstliche Stauseen angelegt. Der etwa 400 Meter lange Entwässerungskanal Ruisseau des tourbières[ Lage des Ruisseau des tourbières] auf dem Geoportal des Kantons Bern. führt Wasser aus dem Moorgebiet und der anschliessenden Landwirtschaftszone zum unteren See, aus welchem ein kleiner Bach zu einem weiten, tiefen Schluckloch im felsigen Untergrund hinunterfliesst. An den Felswänden des tiefen Einschnitts ist die Molasseschicht unter dem Moor aufgeschlossen.Philippe Bourquin: Atlas géologique de la Suisse 1:25'000. Feuilles 114 Biaufond, 115 Les Bois, 116 La Ferrière, 117 St-Imier. Notice explicative. Bern 1946, S. 15. Der Schlund hiess früher auch Sagiloch, weil das Wasser ein Sägewerk in der Vertiefung antrieb. Auf der Siegfriedkarte der Schweiz sind unterhalb der beiden Weiher eine Scierie (Säge) und daneben eine Tuilerie (deutsch «Ziegelei») eingetragen; heute ist nur noch das Gebäude der ehemaligen Ziegelei vorhanden, vom 1944 abgebrannten Sägewerk sind nur noch wenige Ruinenreste zu sehen.Chaux-d'Abel Les Bois, auf chronologie-jurassienne.ch, abgerufen am 8. November 2022. Der unterirdische Bach und die Sickergewässer der Dolinen nehmen im Felsboden einen nicht genau bekannten Verlauf. Das Wasser bahnte sich einen Weg entweder zu Quellen fünf Kilometer weiter nördlich im Tal des Doubs, der zum Flussgebiet der Rhone gehört, oder möglicherweise zu den bekannten, kräftigen Karstquellen der Dou und der Raisette bei Cormoret acht Kilometer weiter östlich im Tal der Schüss, also im Flussgebiet des Rheins.

In der mehrere Quadratkilometer grossen Senke von Chaux d’Abel bildet sich je nach Wetterlage ein Kaltluftsee, der die Entwicklung der Vegetation beeinflusst.La Chaux d’Abel auf kaltluftseen.ch, abgerufen am 7. November 2022.

Landschaftsgeschichte Im Feuchtgebiet von La Chaux d’Abel entstand seit dem Ende des Eiszeitalters ein Hochmoor, dessen Torfschicht bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts stellenweise auf 2,5 Meter Dicke angewachsen war. Das Gebiet lag während der grössten Ausdehnung der eiszeitlichen Alpengletscher knapp ausserhalb des vom Rhonegletscher erreichten Gebiets und unterhalb des lokalen Juragletschers am Mont Soleil.Auguste Jaccard: Contributions à l'étude du terrain erratique dans le Jura. In: Bulletin de la Société des Sciences Naturelles de Neuchâtel, 20. Jg., 1891–1892, S. 124–145.Eiszeitkarte auf map.apps.be.ch. In mehreren umliegenden Senken auf dem Plateau der Freiberge sind einige weitere Torfmoore erhalten so wie die Tourbière des Barrières zwei Kilometer nördlich von La Chaux d’Abel bei Le Noirmont und die Moorlandschaften um den Étang de la Gruère und bei Bellelay.

Der Torf wurde bei La Chaux d’Abel im 19. und 20. Jahrhundert intensiv und planmässig ausgebeutet, und parallel dazu entwässerte man durch Drainage weite Teile des Gebiets, um neues Kulturland zu gewinnen. In den trockengelegten Flächen veränderte sich die Pflanzengemeinschaft stark. 1832 brach im für den Torfstich erschlossenen Areal ein Brand aus, der für die Gemeinden Saint-Imier und Sonvilier einen grossen wirtschaftlichen Schaden verursachte.Chaux-d'Abel Les Bois, auf chronologie-jurassienne.ch, abgerufen am 8. November 2022. Auf einigen Abschnitten des ausgebeuteten Feuchtgebiets breitete sich Wald aus. Von der Torfgewinnung, die bis 1936 andauerte, sind einige technische Relikte dieser Tätigkeit, zum Beispiel Gleise der ehemaligen Torfbahn, noch vorhanden. 1987 wurde das Moor von La Chaux d’Abel unter Schutz gestellt. Damals waren noch Reste der ursprünglichen Moorvegetation ausserhalb der Torfstichzonen erhalten geblieben. Durch die Absenkung des Wasserspiegels hatte sich die Vegetation bereits stark verändert.

Das Moor ist seit 1991 in der Verordnung über den Schutz der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung aufgeführt und seit 1996 im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung (Moorlandschaftsinventar) verzeichnet. Am 19. Februar 1997 stellte die bernische Kantonsregierung das Moorgebiet unter kantonalen Schutz, und 2000 erliess sie allgemeine Schutzbestimmungen über mehrere Moorlandschaften im Berner Jura (Marécages des Pontins, Tourbière de La Chaux-d’Abel, Étang de Gruère, La Chaux-des-Breuleux, Étang de Bellelay), die alle auch als wichtige Amphibienlaichgebiete gelten. Mit dem kommunalen Zonen- und Baureglement vom 15. August 2013 stellte zudem die Gemeinde Saint-Imier die ausgewiesenen Feuchtgebiete auf ihrem Territorium unter Schutz.Réglement municipal de l’affectation du sol et de construction. Commune municipale de Saint-Imier, 15. August 2013.

Die alten Kanäle sind wegen der Entwässerung des angrenzenden Landwirtschaftsgebiets noch immer in Betrieb und entziehen auch dem geschützten Moor weiterhin Wasser. Die beide Teiche und ihre sumpfige Umgebung bilden ein Feuchtgebiet mit Wasserpflanzen und Schilfzonen, das von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben ist. Einige Riedgebiete werden als Streuwiesen genutzt.

Forschungsgeschichte