Das dänische Unternehmen Kopenhagen Fur war das weltweit führende Auktionshaus für Pelzfelle und das Zentrum des internationalen Pelzhandels. Es befindet bis zu seiner eventuell endgültigen Auflösung in Glostrup, etwas außerhalb von Kopenhagen, mit Sitz im Langagervej 60. Es ist genossenschaftliches Eigentum der Mitglieder des 1930 gegründeten dänischen Pelzzüchterverbandes.

Geschichte mini|Zur Auktion eingelieferte Nerzfelle Im Jahr 1946 erwarb eine Gruppe dänischer Pelztierfarmer das kleine Auktionshaus „Kjøbenhavns Pelscentral“ und benannte es in „Danish Fur Auctions“ um, den heutigen Pelzzüchterverband Kopenhagen Fur. Seitdem entwickelte sich das Auktionshaus zu einem Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern. Die Gesellschaft Danske Pelsauktioner wurde 1994 in Copenhagen Fur Center umbenannt.Copenhagen Fur Center has now become the official name of Danish Fur Sales. In: Winckelmann International Sales Report Nr. 468, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, 20. September 1994, S. 2.

Als das Copenhagen Fur Center am 5. September 2004 seine Marketing-Allianz mit Saga Furs of Scandinavia beendete, nahm es mehrere Änderungen vor. Das Pelzzentrum benannte sich in Kopenhagen Fur um, mit der Besonderheit des „K“ anstelle „C“ des englischen Copenhagen. Kopenhagen Fur war inzwischen der Name sowohl für den Verband als auch für das Auktionshaus selbst.Record Turnover at Copenhagen Fur Center. In: Winckelmann Sales Report, Nr. 94, Frankfurt am Main, 15. Mai 1979, S. 6 (englisch).Cecilie Henriette Nøhr: Kopenhagen Fur's Tenth Anniversary. In: News, Kopenhagen Fur, September 2014, S. 8–9 (englisch).

Das Firmengelände in Glostrup wurde am 9. Dezember 1963 im Beisein von König Frederik, Königin Ingrid und Prinzessin Benedikte eingeweiht. Das Gelände umfasste damals, einschließlich Büros, Auktionsraum und Fellinspektionshalle, 8659 Quadratmeter, 50 Jahre später waren es über 70.000.Glostrup Location Turns 50. In: News, Kopenhagen Fur, Februar 2014, S. 10 (englisch). Der heutige Auktionssaal ist ein winkelförmiges Anhängsel an den Rest des Hauptsitzes. Die Mimik und Gestik des Auktionators und die Reaktion der Bieter im Saal muss aus der Ferne gut erkennbar sein. Daher wurde besondere Aufmerksamkeit auf die Beleuchtung und auf eine gute Akustik gelegt.Kopenhagen Fur, Auktionssaal. Kullegaard, Holbæk (dänisch). Abgerufen am 14. Februar 2023. Zu Auktionszeiten wurden von 600 m² Küchen-, Spül- und Lagerräumen aus etwa 2500 Kantinengäste versorgt.Kopenhagen Fur, ProduktionskKøkken. (dänisch). Abgerufen am 14. Februar 2023.

Der größte Teil der europäischen Pelzproduktion wurde bereits damals von Finnish Fur Sales (Finnland) oder Copenhagen Fur Center (CFC) (Dänemark) vermarktet.Th. Doelken: European Business and Industry. Who’s Who. 1990, S. 2122, ISBN 978-3-925306-07-5. Nach dreijähriger Planung koordinierte die Abteilung Empress Chinchilla von CFC 1963 die weltweite Pelzproduktion der Chinchillazüchter.Industry and Trade Summary: Furskins. U.S. International Trade Commission, Diane Publishing, Januar 2004, S. 18ff, ISBN 978-1-4578-2073-1. In der Regel werden die Felle unzugerichtet, als Rohfelle gehandelt. 1979 fanden die wichtigsten Auktionen im Januar, März, Mai und Dezember bei CFC statt.Business America. U.S. Department of Commerce, 1979, S. 30. Abgerufen am 12. Februar 2023. Bis 1999 kamen etwa 500 Käufer aus 15 Ländern nach Kopenhagen, um für rund 12 Millionen Nerzfelle zu bieten.Bertie Charles Forbes: Forbes Incorporated, 1999 (englisch).

Kopenhagen Fur führte zeitweilig fünf Auktionen pro Jahr durch, bei denen jeweils fast 30 Millionen Nerzfelle, aber auch Fuchspelze, Swakarafelle und Chinchillafelle angeboten wurden. In Spitzenzeiten ist man in der Lage, 150.000 Felle an einem Tag zu verpacken und zu sortieren.Henriette Bjerreskov Dinitzen, Dorthe Bohlbro: Value-Added Logistics in Supply Chain Management. 2010, Academica, S. 85 (englisch). ISBN 978-87-7675-847-9. Abgerufen am 14. Februar 2023. Im Jahr 2020 soll das Unternehmen für 40 % der weltweiten Nerzpelzproduktion verantwortlich gewesen sein.James Liam: What is mink-related coronavirus? The Independent, 20. November 2020 (englisch). Abgerufen am 9. Februar 2023. Die bis dahin größte Menge einer Auktion wurde mit 8,5 Millionen Fellen im Juni 2017 angeboten. Das Bieten war inzwischen auch per Livestream möglich und wurde besonders von asiatischen Käufern wahrgenommen.Michael Abilon: The Largest Offering in the History of Kopenhagen Fur. In: News, Kopenhagen Fur, Juni 2017, S. 7 (englisch).

Im Jahr 2011 wurden erstmals auch Felle amerikanischer Nerzfarmer zum Verkauf angeboten.Mick Madsen: North American Mink Skins for Sale in Copenhagen. In: News, Kopenhagen Fur, September 2011, S. 14–15 (englisch). Nachdem das Geschäft mit dem Pelzmarkt China immer wichtiger geworden war, eröffnete Kopenhagen Fur im Oktober 2014 dort ein großflächiges Zollfreilager in Tong Er Pu.Heidi Cecilie Lorvik: Duty-Free Warehouse in China Almost Ready for Use. In: News, Kopenhagen Fur, September 2014, S. 16–17 (englisch).

Kopenhagen Fur setzte für Nerzfelle Farbsortiermaschinen ein, die diese Arbeit automatisieren. 2016 wurde eine neue Generation in Betrieb genommen, die zusätzlich die Fell- und die Haarlängen maß. Seit diesem Jahr besteht auch die Möglichkeit, die Felle vor dem Versand vakuumzuverpacken, um die Sendungsgröße zu reduzieren und einen Schädlingsbefall zu verhindern. In den Jahren 2015 und 2016 wurden zwei zusätzliche große Lagerhallen in Betrieb genommen.Michael Abilon: Preparing for the Future Requires Rebuilding at Kopenhagen Fur. In: News, Kopenhagen Fur, Februar 2016, S. 16–17 (englisch).

In der zweiten Hälfte des Jahres 2020 straffte Kopenhagen Fur sein Label-System für Nerzfelle auf zwei Unterteilungen, „Purple Label“ mit besonders feinen, kurzen Grannenhaaren, leicht und seidig mit dichter voller Unterwolle; sowie „Premium Quality Label“ (vorher Platinum-, Burgundy- und Ivory-Qualität) mit feinen gleichlangen Grannenhaaren und voller dichter Unterwolle.Kopenhagen Fur Label-System aktualisiert. In: Pelzmarkt Newsletter, September 2020, Deutscher Pelzverband, Frankfurt am Main, S. 2.

Kopenhagen Fur befasste sich im Laufe seines Bestehens zunehmend auch mit der Vermarktung von Produkten von Nichtmitgliedern. Dazu gehörten unter anderem Swakarafelle aus Namibia, Chinchillafelle und Wildware, wie beispielsweise nordamerikanische Waschbärfelle oder Seehundfelle aus der Jagd der indigenen Bevölkerung Grönlands.

Für Branchenmitglieder wurden regelmäßig Kurse zum Sortieren von Pelzfellen veranstaltet. Unter dem Brand Nexus wurden, innerhalb des Kreativcenters KiCK, Designer mit der Pelzverarbeitung vertraut gemacht und aktuelles Pelzdesign entworfen und erarbeitet. Kopenhagen Nexus unterstützte Mode- und Textilmarken weltweit bei der Integration von Pelz in ihre Kollektionen und übernahm das Produktionsmanagement der Pelzmodelle im Auftrag der Marken. Dabei lagerte Nexus die Pelzproduktion an Hersteller innerhalb ihres Netzwerks aus.Michael Abilon: Nexus Next Season. In: News, Kopenhagen Fur, Januar 2016 [Druckfehler im Cover: 2015], S. 16 (englisch).Christian Harpøth: Kopenhagen Nexus Has Opened Many Doors for Us. In: News, Kopenhagen Fur, Juni 2015, S. 24–25 (englisch). 2012 war eine eigene, im Jahr 2020 wieder eingestellte Marke Oh! für Pelzprodukte etabliert worden.

Die Ware Pelz war schon immer besonders großen Preisschwankungen unterworfen.Otto Feistle: Rauchwarenmarkt und Rauchwarenhandel. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1931, S. 9–13 (→ Inhaltsverzeichnis). Ursachen waren, neben den allgemeinen Konjunkturschwankungen, der unterschiedliche Fellanfall, die modeabhängige Nachfrage und zuletzt der Zeitgeist mit einer zunehmenden Abnahme der Akzeptanz von Tierprodukten. Das Auktionshaus wurde erstmals zwischen 2008 und 2009 erheblich vom weltweiten wirtschaftlichen Abschwung getroffen, die Pelzpreise fielen in der Zeit um 30 Prozent.Eundeok Kim, Ann Marie Fiore, Hyejeong Kim: Fashion Trends: Analysis and Forecasting. 22. November 2011. Berg. S. 128 (englisch), ISBN 978-1-84788-293-6. Abgerufen am 9. Februar 2023. Den entscheidenden Einbruch in die Unternehmensgeschichte brachte die Keulung von etwa 15 Millionen Farmnerzen im sogenannten Nerzskandal in Dänemark während der Coronavirus-Pandemie. Mit der Beschluss der Regierung vom 3. November 2020 wurde der größte Produktionssektor für Nerzfelle in der Europäischen Union zerstört. Es stellte sich später heraus, dass dafür die rechtliche Grundlage fehlte und der dänische Landwirtschaftsminister trat zurück.

Für das Jahr 2023 waren noch viermal acht Verkaufstage angesetzt worden.Termine. In: Pelzmarkt Newsletter Nr. 2, Deutscher Pelzverband, Februar 2023, S. 8. Die Branche ging jedoch davon aus, dass sich Kopenhagen Fur dem Ende zuneigte. Das Unternehmen hatte „immer noch Millionen von Nerzen auf Lager und wird bis 2024 weiterhin Auktionen veranstalten, aber damit ist das Angebot wahrscheinlich abgeschlossen“.Simon Ward (Hrgr.): The Changing Fur Auction Landscape. North American Fur Industry Communications group (NAFIC). Abgerufen am 25. Oktober 2023. Seit Juni 2022 wurden keine Auktionen mehr durchgeführt (Stand November 2023).

Die allerletzte Auktion von Kopenhagen fand vom 1. bis 6. Juni 2024 mit einem 100%igen Abverkauf statt, „damit ist das altehrwürdige Auktionshaus Kopenhagen Fur Geschichte“. Das vorläufige Auktionsprogramm ging von 3,6 Millionen zur Versteigerung kommenden Nerzfellen aus. Ungeklärt war noch die Höhe der den Nerzzüchtern, im Zusammenhang mit dem „Nerzskandal“, zu zahlende Entschädigung.Kopenhagen Fur Auktion im Juni 2024. In: Pelzmarkt Newsletter Nr. 6, 24. Mai 2024, Deutscher Pelzverband Frankfurt am Main, S. 2.Kopenhagen Fur 1. bis 6. Juni 2024. In: Pelzmarkt Newsletter Nr. 7, 24. Juli 2024, Deutscher Pelzverband Frankfurt am Main, S. 6.

Nachfolge Chinesische Investoren gründeten im Jahr 2025 ein Nachfolgeunternehmen und kauften die Marke „Kopenhagen Fur“ sowie den größten Teil des Equipments. Sie überzeugten einstige Führungskräfte und Mitarbeiter von Kopenhagen Fur für sie zu arbeiten. Unter dem Namen KPHG fur, Kopenhagen Group Fur nahmen sie im August 2025 offiziell den Betrieb auf. Der neue Standort befindet sich in Polen, im Panattoni Park Poznan East auf einer Fläche von 6200 m², die über moderne Kühl- und Lagerräume für Felle verfügt.KPHG fur fact sheets. Abgerufen am 2. Februar 2026 (englisch, PDF). Die erste Auktion fand im Juli 2026 in Poznan statt.Kopenhagen Fur Poznan. In: Pelzmarkt Newsletter, Deutscher Pelzverband, Frankfurt am Main, Juli/August/September 2026, S. 6 (PDF).

Siehe auch Unterschriften von Teilnehmern der skandinavischen Pelzauktionen, 1974–1978. Gesammelt vom Pelz-Fachjournalisten John Winckelmann.

Weblinks

Homepage Kopenhagen Fur

Einzelnachweise Homepage Kopenhagen Fur (englisch, dänisch). Abgerufen am 9. Februar 2023 (nicht mehr aufrufbar 30. Januar 2025).

Kategorie:Pelzhandelsunternehmen Kategorie:Handelsunternehmen (Dänemark) Kategorie:Glostrup Kommune Kategorie:Unternehmensgründung 1946