missio München ist das katholische Hilfswerk für Afrika, Asien und Ozeanien im Bereich der Freisinger Bischofskonferenz. (missio Aachen ist in den übrigen Bistümern tätig.) In Zusammenarbeit mit kirchlichen Partnern vor Ort verbessert missio München in den Projektländern die Lebensumstände benachteiligter Menschen.

Der offizielle Name von missio München lautet missio - Internationales Katholisches Missionswerk Ludwig Missionsverein KdöR. Der zweite Teil verweist auf den historischen Namen: Der Ludwig Missionsverein (unterschiedliche Schreibweisen vorhanden) war am 12. Dezember 1838 als katholisches, bayerisches Missionswerk gegründet worden, damals noch zur Unterstützung der jungen Kirche in Nordamerika und Asien.Barbara Brustlein: 175 Jahre In: missio magazin, Ausgabe 13-01, Erscheinungsdatum 26.11.2012, S. 23–25.

Ziele und Wirkungsarbeit missio München verfolgt das Ziel, ein Leben in Würde und Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Projektarbeit im Ausland In den Projektländern in Afrika, Asien und Ozeanien unterstützt die Organisation lokale kirchliche Strukturen und darüber karitative Einrichtungen sowie Hilfe zur Selbsthilfe. Schwerpunkte der Projektarbeit sind die vier Bereiche Glauben leben, Bildung ermöglichen, Frauen fördern und Schöpfung bewahren. Kirchliche Partner erhalten finanzielle Unterstützung für den Bau von Kirchen und Kapellen, Ordenshäusern und Gemeindezentren, Gesundheitsstationen, Schulen, Schutz- und Waisenhäusern, die Ausbildung von Priestern, Schwestern oder Laien sowie die Berufsförderung den Kauf und die Installation von Solaranlagen. Es geht um Seelsorge, Entwicklung im ländlichen Raum und die gesellschaftliche Teilhabe aller, unabhängig von der Religion. In Katastrophenfällen wird über das kirchliche Netzwerk vor Ort Soforthilfe gefördert, in Krisenregionen wird wichtige Infrastruktur wie der Zugang zu Wasser und Bildung unterstützt.

Im Jahr 2024 förderte missio München 633 Projekte in 40 Ländern mit Schwerpunkten in Afrika, Asien und Ozeanien.

Bildungsarbeit im Inland Im Inland sensibilisiert missio München mit seiner Bildungsarbeit für die gegenseitige Verantwortung der Menschen weltweit. Im Haus der Weltkirche in München können Besuchergruppen und Gäste die Weltkirche und andere Kulturen erleben: in der missio-Ausstellung, der missio-Hauskapelle und bei Veranstaltungen.

missio betreibt zudem Bildungsarbeit in Schulen, unter anderem mit der mobilen Ausstellung missio for life: Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Alternate-Reality-Game und Ausstellung, das Jugendlichen mit VR-Brille in die Rolle von Gleichaltrigen in Ländern des globalen Südens versetzt. Die Missiothek bietet Unterrichtsmaterialien für Themen wie Frieden und Menschen auf der Flucht.

Organisation missio München gehört zu den rund 120 Päpstlichen Missionswerken weltweit, die dem Apostolischen Stuhl unterstehen. Organe von missio München sind der Geschäftsführende Vorstand, der Zentralrat (zugleich Nationalrat) und die Konferenz der Diözesandirektoren.

Sitz von missio München ist das Haus der Weltkirche in München, das auch über ein Gästehaus und buchbare Konferenzzimmer verfügt.

Vernetzung innerhalb der Weltkirche und Mitgliedschaften Beide missios arbeiten mit den katholischen Hilfswerken Misereor, Adveniat, Renovabis, Caritas International und dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ zusammen und bilden gemeinsam die MARMICK-Gruppe. missio gehört dem Forum Menschenrechte an sowie dem Bayerischen Bündnis für Toleranz und der Initiative Lieferkettengesetz.

Finanzierung missio finanziert seine Arbeit über die Kollekte am Sonntag der Weltmission, Geldspenden, Nachlässe und Schenkungen, zweckgebundene Fremdmittel aus staatlichen, kirchlichen und sonstigen Organisationen sowie aus Kapitalerträgen.

Zur nachhaltigen Unterstützung der Projektarbeit gründete missio die Stiftung ecclesia mundi.

Seit Beginn der Vergabe 1992 ist missio München mit dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) zertifiziert.

Geschichte 1838 suchte Friedrich Reese, der deutschstämmige Bischof von Detroit, König Ludwig I. von Bayern auf, um die Gründung eines bayerischen Missionswerkes zu erbitten. Reese hatte schon zehn Jahre zuvor eine ähnliche Vereinigung in Österreich initiiert, die den Namen Leopoldinenstiftung trug. Ludwig I. entsprach dem Ansuchen des Bischofs, rief ein solches Werk ins Leben, übernahm die Schirmherrschaft und lieh ihm seinen Namen, Ludwig Missionsverein, der zunächst nur Ludwigs-Verein hieß.

Das Ziel der Stiftung war es, hauptsächlich die aufblühenden nordamerikanischen und asiatischen Missionen mit Geldmitteln zu unterstützen, regelmäßig für sie zu beten sowie mit Schriften das Interesse an ihnen zu fördern. Als Mitgliedsbeitrag erbat der Verein einen Kreuzer pro Woche oder sechs Kreuzer pro Monat.Michael Hofmann: Die Gründung des Ludwig-Missionsvereins. In: Wolfgang Weiß (Hrsg.): Franken und die Weltmission im 19. und 20. Jahrhundert. Schöningh, Würzburg 2011, ISBN 978-3-87717-071-7, S. 113–128, hier S. 126. Der Verein widmete sich anfangs insbesondere der Erhaltung und Mehrung des Glaubens in den zahlreichen deutschen Auswandererfamilien in Amerika. In den Statuten hieß es, der Verein diene der „Verbreitung des katholischen Glaubens unter den Heiden und Ungläubigen, namentlich in Asien und Nordamerika“.

Man transferierte die Unterstützungsgelder zunächst an das 1822 in Lyon gegründete Oeuvre de la Propagation de la Foi ("Werk zur Glaubensverbreitung") zur Weiterleitung in die so genannte Neue Welt. Erst als sich herausstellte, dass die französische Missionszentrale die Interessen der Deutschstämmigen bei der Verteilung zu sehr vernachlässigte, entschied Ludwig I. 1844: „Von nun an soll, auf so lange ich nichts anderes verfüge, von der Sammlung des Ludwigsvereines nichts mehr nach Lyon geschickt werden, sondern an den 'Prefetto della prop. fide' hieher nach Rom […] Der Ludwig-Missionsverein soll für unsere gemeinsame katholische Kirche seyn und nicht ein Werkzeug der französischen Politik abgeben.“

Im Laufe der Jahre machte Ludwig I. dem Verein und seinen Zielen nicht weniger als fünfzig, zum Teil recht ansehnliche Stiftungen. Das Herrscherhaus Wittelsbach förderte die Stiftung bis zum Ende der Monarchie nachhaltig und das Missionswerk wurde überlebenswichtig für die junge Kirche in Nordamerika. Ein weiteres Hauptarbeitsfeld war die Palästina-Mission.Ernst Schmitz: Das kathol. Deutschtum in Palästina. Caritasverband für das katholische Deutschland, Freiburg im Breisgau 1913, S. 8.

1922 wurde die 1832 in Aachen gegründete Franziskus-Xaverius-Bruderschaft, das Pendant des Ludwigs-Missionsvereins in den deutschen Bistümern außerhalb Bayerns, von Papst Pius XI. in ein Päpstliches Missionswerk umgewandelt. Daraufhin beschloss die Bayerische Bischofskonferenz, ebenfalls den Päpstlichen Missionswerken beizutreten.Karl Josef Rivinius: Neuordnung der Missionswerke durch Pius. XI. In: Michael Sievernich, Klaus Vellguth (Hrsg.): Christentum in der Neuzeit. Geschichte, Religion, Mission, Mystik. Festschrift für Mariano Delgado. Herder, Freiburg 2020, ISBN 978-3-451-39983-1, S. 112–123, hier S. 117.

Bereits im 19. Jahrhundert zog die Arbeit des Ludwig Missionsvereins immer weitere Kreise: Der Verein unterstützte inzwischen Missionare, Laien, Ordensbrüder, Schwestern und kirchliche Mitarbeiter in der ganzen Welt. Mit der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt auf Afrika, Asien und Ozeanien.Barbara Brustlein: "175 Jahre". Anlässlich des 175-jährigen Bestehens von missio München. In: missio magazin, Ausgabe 13-01, Erscheinungsdatum 26.11.2012, S. 26.

Seit 1972 wird der Ludwig Missionsverein wie auch der Aachener Zweig des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung unter dem gemeinsamen Namen missio weitergeführt. Beide Werke bleiben rechtlich selbstständig, arbeiten aber in einigen Bereichen zusammen, zum Beispiel beim Sonntag der Weltmission.Barbara Brustlein: 175 Jahre. In: missio magazin, Jg. 2013, Heft 1, S. 31 (anlässlich des 175-jährigen Bestehens von missio München).

Zentrale Kampagnen Sonntag der Weltmission Anlässlich des Sonntages der Weltmission (Weltmissionssonntag) hat missio München im Weltmissionsmonat Oktober Partnerinnen und Partner aus einem Schwerpunktland zu Gast. Die Gäste berichten in die Diözesen über die Lebensumstände in ihrer Heimat und ihre Projektarbeit.

Afrikatag Am Afrikatag, traditionell der 6. Januar, wird für die oft schwierige Arbeit von Ordensschwestern und Priestern in einer jährlich wechselnden Region sensibilisiert und gesammelt.

Magazin und Podcast missio München veröffentlicht zweimonatlich die Zeitschrift missio magazin mit Reportagen aus den Projektländern sowie Hintergründen und Interviews zu weltkirchlichen Belangen. Zudem berichten missio-Mitarbeitende regelmäßig im Podcast Reisewarnung über ihre Begegnungen und Erfahrungen in Ländern des globalen Südens.

Auszeichnungen 2019: Alternativer Medienpreis für das Multimedia-Dossier zum Thema "Mach mehr aus deinem alten Handy: Es ist Gold wert!" 2021: Internationaler Mutter-Teresa-Preis der indischen Stiftung „Harmony Foundation“

Literatur Willibald Mathäser: Der Ludwig-Missionsverein zur Zeit König Ludwig I. Festgabe zur ersten Jahrhundertfeier des bayerischen Missionswerkes. Salesianische Offizin, München 1939.

Weblinks Website der Organisation Missio.de:

Einzelnachweise

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