mini|Titelbild des Romans in der Erstausgabe von 1926 Hikayat Faridah Hanom, eigentlich Hikayat Setia Ashik kepada Maksyuknya atau Shafik Afandi dengan Faridah Hanom () ist ein Liebesroman in malaiischer Sprache von Sayyid Shaykh al-Hadi, der zwischen Juli und Oktober 1926 erstmals veröffentlicht wurde. Er spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Kairo und erzählt die Geschichte des jungen ägyptischen Liebespaars Faridah Hanom und Shafik Efendi, die beide aus wohlhabenden aristokratischen Familien kommen und sich ewige Treue geschworen haben. Ihre Beziehung wird aber bald unterbrochen, weil Faridahs Vater sie mit einem Cousin zwangsverheiraten will. Während Shafik in den Krieg zieht, um seinem Leben ein Ende zu setzen, erkrankt Faridah nach der Trennung so schwer, dass ihr Leben bedroht ist. Als sie schließlich mit ihrem Cousin verheiratet wird, gelingt es ihr, eine Auflösung der Ehe zu erreichen und ihren Geliebten Shafik zu heiraten. Die Hikayat Faridah Hanom gilt als einer der ersten malaiischen Romane, allerdings knüpft er in vielerlei Hinsicht an das Erbe der malaiischen Hikayat-Tradition an.

Der Autor nutzt die Erzählung, um die Fragwürdigkeit von Zwangsehen aufzuzeigen, die Notwendigkeit von Frauenbildung und Frauenrechten zu demonstrieren und den kämpferischen Einsatz für Heimatland und Nation anzupreisen. Nach Virginia Hooker geht es in dem Roman darum, zu zeigen, wie islamische Werte gesellschaftlich umgesetzt werden können.Hooker: Transmission Through Practical Example. 1994, S. 109. Mit diesem Konzept, den Roman als Form der Vermittlung islamischer Prinzipien zu nutzen, war Sayyid Shaykh ein Pionier.Tan: Syed Shaykh: His Life and Times. 1999, S. 155. Der Roman enthält einige erotische Passagen und war mit erotischen Fotografien illustriert. Sie waren nach Auffassung Christine Campbells ein Zugeständnis an die junge männliche Leserschaft, deren Aufmerksamkeit Sayyid Shaykh auf sein Projekt der islamischen Reform lenken wollte,Campbell: The Thread of Eroticism in Faridah Hanum. 2009, S. 266. doch dienten diese Passagen auch dazu, die neuen Anstandsregeln darzustellen, die nach der Vorstellung islamischer Reformisten für unverheiratete Paare gelten sollten.

Entstehungsgeschichte Sayyid Shaykh al-Hadi (geb. 1867), der Verfasser des Romans, stammte aus einer arabisch-malaiischen Familie in Malakka. Als er sieben Jahre alt war, zog sein Vater mit ihm auf die Penyengat-Insel, auf der damals die buginesischen Unter-Könige (Yamtuan Muda) des Riau-Lingga-Sultanats residierten. Hier las al-Hadi sehr viel in religiösen Büchern und Zeitschriften aus Ägypten. In den 1890er Jahren begleitete er die Söhne der Königsfamilie bei einer Reise nach Mekka und Kairo. Dort besuchte die Gruppe Vorlesungen bei dem islamischen Reformdenker Muhammad ʿAbduh (gest. 1905). Anfang des 20. Jahrhunderts zog al-Hadi nach Singapur und gründete zusammen mit anderen die malaiische Zeitschrift al-Imām, die inhaltlich an ʿAbduhs Reformideen orientiert war. Hier wie auch später in Malakka gründete al-Hadi arabische Schulen, die aber bald schon wieder schließen mussten. 1916 zog al-Hadi nach Penang weiter, wo er eine dritte arabische Schule gründete und seinen Roman veröffentlichte.

Die erste Ausgabe der Hikayat Faridah Hanom erschien 1926 in zwei Teilen mit insgesamt 335 Seiten bei dem Verlag al-Maktaba al-Aminiyyah und wurde bei Mercantile Press in Penang gedruckt. Die Veröffentlichung des ersten Teils erfolgte im Juli, die des zweiten Teils im Oktober 1926. Sayyid Shaykh al-Hadi war bei der Drucklegung bereits 59 Jahre alt. Wie er am Ende des ersten Teils mitteilt, hatte er ursprünglich vorgehabt, den Roman in einem Band zu veröffentlichen, nahm jedoch von diesem Plan Abstand, als ihm ein befreundeter bengalischer Amtsarzt in Penang empfahl, zur Erhaltung seiner Gesundheit etwas langsamer zu arbeiten. Er entschloss sich daraufhin, den zweiten Teil des Romans erst drei Monate später zu veröffentlichen.Al-Hadi: Shafik Afandi dengan Faridah Hanom. 1926, nach S. 150. 1928 publizierte al-Hadi eine zweite überarbeitete und erweiterte Auflage des Romans.

Hikayat Faridah Hanom war al-Hadis frühestes Werk, in dem er sich für Frauenemanzipation einsetzte. Diesen Einsatz setzte er später mit verschiedenen Zeitschriftenartikeln und seinem Buch Kitab 'Alam Perempuan („Das Buch über die Natur der Frau“) fort.

Handlung Erste Begegnung des Liebespaars und Treueschwur mini|hochkant|Erstes Treffen des Liebespaars in Faridahs Garten. Abbildung aus der ersten Auflage des Romans.

Der Roman spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Kairo. Shafik Efendi, ein junger Mann aus wohlhabendem Elternhaus, arbeitet vormittags im Unternehmen seines Vaters Talaat Bey. Die Nachmittage und Abende verbringt er mit Spazierfahrten in seiner Kutsche, bei denen er die verschiedenen Märkte, Ausflugslokale und Gärten der Stadt besucht. Er träumt davon, eine Militärschule zu besuchen, um danach als Offizier seinem Heimatland zu dienen, doch da er Einzelkind ist, erhält er dafür nicht die Erlaubnis seines Vaters. Eines Nachmittags im Mai 1894, als er gerade zu einer Spazierfahrt aufbrechen will, sieht er eine verschleierte junge Frau vor dem Tor seines Hauses entlanggehen, die ihn wegen ihrer Eleganz und Schönheit sofort fasziniert. Wie fremdgesteuert, läuft er ihr hinterher und stellt fest, dass sie in einer Villa in der gleichen Straße wohnt. Bevor sie in dem Haus verschwindet, treffen sich ihre Blicke, und beide sind augenblicklich ineinander verliebt. Die Frau, auf die Shafik gestoßen ist, heißt Faridah Hanom, ist die Tochter des sehr wohlhabenden Unternehmers Kasim Bey und verfügt über eine sehr umfassende Bildung. Das Leben der beiden wird durch die Begegnung völlig durcheinandergewirbelt. Sie versuchen zueinander Kontakt aufzunehmen, wissen allerdings nicht wie.

Eines Nachmittags hält Faridah an ihrem Fenster Ausschau nach Shafik. Als er sie bemerkt, winkt er ihr spontan zu, und Faridah erwidert ebenso spontan den Gruß. Sie schämt sich jedoch danach dafür, weil sich solches Verhalten für eine Dame wie sie nicht geziemt. Es kommt zu einem Briefwechsel, und die beiden verabreden sich zu einer nachmittäglichen Spazierfahrt in Shafiks Kutsche. Damit sie sich erneut treffen können, lädt Faridah ihn ein, am folgenden Tag um Mitternacht in den Garten ihres Hauses zu kommen.

Da sich Shafik an dem betreffenden Abend um europäische Gäste seines Vaters kümmern muss, verspätet er sich zu dem verabredeten Treffen mit Faridah. Seine Geliebte ist deswegen verärgert, doch kann Shafik sie beschwichtigen. Die beiden beschließen zu heiraten und schwören sich bei ihrem Treffen ewige Treue.

Die Zeit der regelmäßigen Treffen mini|Die Kutsche, in der das Liebespaar seine Ausfahrten macht. Abbildung aus der ersten Auflage des Romans.

Das Liebespaar trifft sich danach immer wieder, nachts im Garten des Hauses von Faridah und nachmittags in Shafiks Kutsche, in der sie zusammen zu den verschiedenen Gärten der Stadt fahren. Zuweilen gehen sie an der Nilpromenade spazieren oder machen Bootsfahrten.

Um sich ungestört mit Faridah treffen zu können, mietet Shafik ein Haus an, das er mit Möbeln einrichtet und in dem er seine Amme Aliah unterbringt. Faridah hat große Hemmungen, dieses Haus zu besuchen, weil sie fürchtet, dass Shafik schlechte Absichten haben und Schande über sie und ihre Eltern bringen könnte. Als sie auf seine Einladung schließlich doch in das Haus kommt, stellt sie erleichtert fest, dass Shafik sich nicht anders verhält als sonst und bei den Zärtlichkeiten die bisherigen Grenzen einhält. Allerdings ist sie sehr traurig, als Shafik ihr mitteilt, dass er sich nicht traut, seine Eltern darüber zu informieren, dass er sie heiraten will. Sie deutet dies als Zeichen dafür, dass er sich für eine andere Frau freihalten will. Nach diesem ersten Treffen in dem neuen Haus treffen sich die beiden Geliebten dort ständig. Wann immer einer von ihnen den anderen treffen will, begibt er sich in dieses Haus.

Faridahs Auftritt im Nacktkleid und ihre Entführung durch Shafik Da Faridah weiß, dass ihr Vater sie bald mit ihrem ungeliebten Cousin Badruddin Efendi aus Alexandria verheiraten will, ersinnt sie einen Plan, um Shafik zu einer beschleunigten Verwirklichung seiner Heiratspläne zu bewegen. An einem Morgen fährt sie in das gemietete Haus und überrascht Shafik dort in einem durchsichtigen Chemisenkleid und hautfarbener Latexunterwäsche, die so aussieht, als ob sie nackt wäre. Der Plan geht jedoch schief: Shafik macht ihr nicht den gewünschten Heiratsantrag, sondern spricht erschrocken die Hauqala und läuft davon. Faridah ist daraufhin verärgert über Shafik und will ihn nicht mehr treffen, weil sie vermutet, dass er ihr schmutzige Absichten unterstellt. Weder Aliah, die auf Wunsch ihres Herrn Faridah zu Hause besucht und mit ihr ein längeres Gespräch führt, noch verschiedene Liebesbriefe, die Shafik an sie schreibt, ändern etwas an ihrer Haltung, obwohl sie selbst große Sehnsucht nach ihm hat und ihre Gedanken auf nichts anderes mehr richten kann.

Shafik plant schließlich, Faridah aus ihrem Haus zu entführen. Er erhält dabei nicht nur die Hilfe Aliahs, sondern auch von Faridahs Dienerinnen Suad und Khatun, die eine Fortführung der Liebesbeziehung zwischen ihrer Herrin und Shafik für wünschenswert halten. Die Umsetzung des Plans findet zu einer Zeit statt, da Faridahs Eltern und ihr Bruder Muhammad Efendi gerade zum Luftwechsel in Alexandria weilen: Shafik entführt Faridah um Mitternacht, und die beiden verbringen eine Nacht und einen Tag in Aliahs Haus, wobei sie auch eine Zeitlang zusammen in einem Bett schlafen, ohne aber irgendwelche sexuellen Handlungen zu begehen. Danach trifft sich das Liebespaar wieder regelmäßig, manchmal tagsüber in Aliahs Haus und manchmal des Nachts in Faridahs Garten.

Faridah wird ihrem Cousin Badruddin versprochen Nach einer Weile stellt sich im Hause Faridah Hanoms Besuch ein: Badruddin Efendi ist aus Alexandria gekommen und wohnt für ein paar Tage bei ihrer Familie. Während seines Aufenthaltes in dem Haus macht er Faridah immer wieder Avancen und bringt seine Bewunderung und Liebe für sie zum Ausdruck. Faridah, die von ihm angewidert ist, versucht ihm nach Möglichkeit auszuweichen. Als Badruddin ihr einmal unbemerkt in den Garten folgt und ihr den Weg zurück ins Haus abschneidet, sagt sie ihm mit groben und demütigenden Worten, dass sie ihn verabscheut, und fordert ihn auf zu verschwinden. Badruddin lässt sich dadurch aber nicht von seinen Heiratsplänen abbringen. Am nächsten Tag treffen Badruddins Eltern aus Alexandria ein, und Badruddins Vater hält auf seinen Wunsch um Faridahs Hand an. Faridahs Vater Kasim stimmt der Eheschließung der beiden unverzüglich zu, ohne sich mit seiner Familie zu beraten. Faridahs Bruder Muhammad, der von ihrer Abscheu gegenüber ihrem Cousin weiß, ist entsetzt und informiert seine Schwester über die Neuigkeit. Sie schickt daraufhin ihre Dienerin Suad mit einem Brief zu Shafik, in dem sie ihn über die neue Lage informiert und bittet, endlich seine Eltern über ihre Heiratsabsichten zu informieren.

Shafik ist erschüttert über Faridahs Nachricht und offenbart sich seinen Eltern. Seine Eltern besuchen noch am selben Abend Faridahs Eltern, um um ihre Hand anzuhalten, doch lehnt Kasim den Heiratsantrag mit der Begründung ab, dass er bereits den Heiratsantrag seines Bruders angenommen hat. Als am nächsten Morgen Faridah mit Suad zu Aliahs Haus fährt, um Shafik zu treffen, folgt ihnen Badruddin heimlich und belauscht sie. Er vermutet, dass Faridahs Geliebter in dem Haus auf sie wartet, und informiert Kasim über seine Entdeckung. Kasim, sein Bruder und Badruddin fahren zu dem Haus, finden dort allerdings neben Faridah und Suad nur Aliah vor. Kasim macht daraufhin Badruddin wegen der falschen Verdächtigung seiner Tochter schwere Vorwürfe.

Faridahs Erkrankung und Shafiks Kriegsdienst mini|Der Audienzsaal des Abdeen-Palast im Jahre 1931