Die 3ª Armata () war eine Armee des italienischen Heeres im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie im Kalten Krieg.
Aufstellung Im Zuge der Heeresreform Spingardi-Pollio und auf der Grundlage eines Gesetzes vom 17. Juli 1910 sollten in Italien vier sogenannte designierte Armeekommandos in Mailand (1.), Genua (2.), Florenz (3.) und Bologna (4.) entstehen und im Frieden Planungsaufgaben übernehmen. Diese permanenten Armeeoberkommandos, die deutschen Armee-Inspektionen ähnelten, wurden erst in Lauf des Jahres 1914 aufgestellt. Vor 1910 bestanden diese höheren Kommandostellen nur auf dem Papier, das heißt, sie sollten erst im Fall einer Generalmobilmachung gebildet werden.
Infolge des 1912 erneuerten Dreibunds war die 3. Armee nach den Plänen des italienischen Chefs des Generalstabs Pollio im Bündnisfall zur Unterstützung der deutschen Truppen an der Front gegen Frankreich vorgesehen und sollte zu dem Zweck an den Oberrhein verlegt werden. Die Transportpläne dafür waren bereits ausgearbeitet worden. Auf eine entsprechende Anfrage des österreich-ungarischen Generalstabs im Dezember 1912 antwortete der italienische Militärattaché in Wien Albricci allerdings, dass Italien nicht auf die 3. Armee verzichten könne. Der Chef des Generalstabes Franz Conrad von Hötzendorf wurde daraufhin bei Moltke vorstellig und beklagte sich, Italien würde einen Bruch des Bündnisses vorbereiten. Erst nachdem Pollio versichert hatte, das anstelle der unabkömmlichen 3. Armee im Bedarfsfall als Ersatz einige Kavalleriedivisionen an den Bündnispartner abgehen würden, beruhigte sich die Lage wieder.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 3–6. Im Februar 1914 kündigte der Militärattache an der italienischen Botschaft in Berlin schließlich an, dass König Viktor Emanuel III. nun die 3. Armee im Bündnisfall abstellen könne. Daraufhin begab sich der designierte Oberbefehlshaber der 3. Armee Luigi Zuccari nach Berlin, um die operativen Pläne für einen Einsatz seiner Armee mit dem Chef des Großen Generalstabs Moltke zu besprechen. Bei den Gesprächen kam auf, dass die 3. Armee bei Bedarf auch an die Ostfront verlegt werden könnte, falls Österreich-Ungarn dort in Bedrängnis geraten sollte. Pollio lehnte einen solchen Einsatz allerdings kategorisch ab.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 14–15.
Erster Weltkrieg 1915 mini|Karte der Italienfront (1915–1917). Die 3. Armee stand am äußersten rechten Rand zwischen Isonzo und Karst Das designierte Kommando der 3. Armee wurde nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 in Florenz aufgestellt. Nach den Operationsplänen des neuen Chefs des Generalstabes, Luigi Cadorna, sollte sie im Kriegsfall mit Österreich-Ungarn zusammen mit der 2. Armee die Hauptlast des italienischen Angriffes mit jeweils drei Armeekorps tragen.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 138. Bei Ausbruch der Kriegshandlungen am 24. Mai 1915 stand allerdings nur das VI. Armeekorps mit zwei Infanterie- und einer Kavalleriedivision zur Verfügung, während die anderen beiden Korps, das VII. und das IX. Korps, mit weiteren vier Infanterie- und einer Kavalleriedivision sich noch im Aufmarsch befanden.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 170–171. Auf die unzureichende Vorbereitung der 3. Armee hatte ihr Oberbefehlshaber Zuccari bereits vorher hingewiesen, worauf er von Cadorna am 20. Mai, drei Tage vor dem italienischen Kriegseintritt, abgesetzt worden war.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 176. Zum neuen Oberbefehlshaber ad interim wurde Generalleutnant Vincenzo Garioni ernannt, der am 26. Mai 1915 vom Herzog von Aosta, Emanuel Philibert von Savoyen-Aosta, abgelöst wurde.Ministero della Guerra – Stato Maggiore R. Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): Le grandi unità nella guerra italo-austriaca 1915–1918. Volume primo: Casa militare di S. M. il Re – Comando Supremo – Armate – Corpi d’Armata – Corpi Speciali – Corpi di Spedizione. S. 35. mini|Die Westhänge des Monte San Michele, im italienischen Artilleriefeuer Der 3. Armee war der äußerste rechte Angriffsflügel zwischen Prepotto und Adria zugewiesen worden. Auch unter ihrem neuen Oberbefehlshaber gelangen in den ersten Kriegstagen nur geringe Erfolge. Nach Überschreiten der Grenze konnte sie nur wenige Kilometer vorstoßen und Cormòns besetzen. Die Inbesitznahme der wichtigen Isonzobrücken bei Pieris, einem Ortsteil von San Canzian d’Isonzo durch die 1. Kavalleriedivision scheiterte, worauf ihr Kommandant ebenfalls abgesetzt wurde. Nach drei Tagen reihten sich rechts des VI. Korps das XI. und VII. Korps ein. Letzteres sollte nach den Vorstellungen Cadornas Brückenköpfe am Unterlauf des Isonzo bilden.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 176–177. Zwischen dem 4. und 5. Juni gelang es dem VII. Korps unter Generalleutnant Vincenzo Garioni einen Brückenkopf am linken Isonzoufer bei Pieris zu errichten. Ein anschließend von der 2. Kavalleriedivision geführter Angriff auf Monfalcone brachte keinen Erfolg, machte aber deutlich, wie verwundbar Kavallerieeinheiten bei Maschinengewehrfeuerbeschuss waren. Am 7. Juni erhielt die 3. Armee den Befehl, den Angriff bis zum Rand des Karst-Plateaus fortzusetzen. Der Angriff sollte durch die nördlich angrenzende 2. Armee unterstützt werden, der das VI. Armeekorps unterstellt wurde. Ein erster am Nachmittag des 8. Juni von der 13. und 14. Infanteriedivision vorgetragener Angriff scheiterte. Erst am Mittag des darauffolgenden Tages gelang es der Infanteriebrigade „Messina“ Monfalcone einzunehmen, während die Infanteriebrigade „Granatieri di Sardegna“ die Höhen bei Selz nordwestlich von Monfalcone besetzte. Der nördlich davon liegende wichtige Brückenkopf Sagrado konnte von der 21. Infanteriedivision dagegen nicht genommen werden. Am 11. Juni befahl Cadorna erneut der 3. Armee auf der Hochfläche bei Sagrado Fuß zu fassen, wobei er ausdrücklich die Bedeutung des von ihm in seinem „Roten Büchlein“ propagierten Frontalangriffs hervorhob.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 183. Fünf Tage später war der italienische Angriffsschwung der ersten Kriegstage endgültig zum Erliegen gekommen, aber bereits am 21. Juni befahl das italienische Oberkommando den nächsten Angriff, der als Erste Isonzoschlacht in die Geschichte eingehen sollte.
Erste bis Vierte Isonzoschlacht In der am 23. Juni 1915 losgetretenen ersten von insgesamt elf italienischen Isonzooffensiven, kam der 3. Armee nur eine untergeordnete, unterstützende Rolle zu. Zwar gelang es der 3. Armee bei Sagrado überzusetzen und den Ort einzunehmen, aber danach blieb der Angriff erneut stecken. Die neue unter hohen Verlusten erkaufte Frontlinie der 3. Armee verlief nach Einstellung der Offensive am Rand der Karsthochfläche von Sagrado bis Redipuglia.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 192, 196. In der anschließenden Zweiten Isonzoschlacht gelang es ab 18. Juli auf die Karsthochfläche vorzustoßen. Nach anfänglichen Erfolgen war der Angriff wegen fehlender Artillerieunterstützung und nicht vorhandener Reserven jedoch erschöpft und die Truppen mussten sich in ihre Ausgangsstellungen zurückziehen.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 202. In der Dritten Isonzoschlacht vom 18. Oktober bis 4. November 1915 standen der 3. Armee auf einer Frontbreite von zwölf Kilometern drei Armeekorps (VII. X. und XIV. Korps) mit 8 Divisionen und 170 Geschütze mittleren und großen Kalibers zur Verfügung.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 222. Die Kämpfe entzündeten sich auf dem Karst insbesondere um den Monte San Michele und den Monte Sei Busi, die trotz wiederholter verlustreicher Angriffe nicht genommen bzw. gehalten werden konnten. Allein bei den Angriffen auf den Monte San Michele wurde die Infanteriebrigade „Catanzaro“ mit 3000 Ausfällen fast vollständig vernichtet. Laut österreichischem Generalstabswerk hatte die 3. Armee in der Dritten Isonzoschlacht mit 42.200 Ausfällen fast ein Drittel ihrer Kampfkraft eingebüßt.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Dritter Band: Das Kriegsjahr 1915 Zweiter Teil. Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen, Wien 1932, S. 451 (Digitalisat). In der anschließenden Vierten Isonzoschlacht sollte die 3. Armee ihre Angriffskräfte auf den nur wenige Kilometer breiten Frontabschnitt zwischen Monte San Michele und dem Ort San Martino sul Carso konzentrieren.Mario Montanari: Politica e strategia in cento anni di guerre italiane. Volume II: Il periodo liberale. Tomo II: La Grande Guerra. S. 231. Erneut blieben die Erfolge aus und die unerheblichen Geländegewinne rechtfertigten in keinster Weise die hohen Verluste der 2. und 3. Armee von 49.000 Mann. Ministero della Guerra – Comando del Corpo di Stato Maggiore – Ufficio Storico: L’esercito italiano nella grande guerra (1915–1918). Volume II: Le operazioni del 1915 (narrazione). Istituto Poligrafico dello Stato, Rom 1929, S. 541 (Digitalisat).
1916 Fünfte bis Neunte Isonzoschlacht mini|Italienische Gastote nach dem österreichisch-ungarischen Giftgasangriff am Monte San Michele am 29. Juni 1916 Im Winter 1915/16 beschränkten sich die Operationen der 3. Armee auf begrenzte lokale Unternehmungen, in Vorbereitung einer neuen Offensive im Frühjahr 1916. Die fünftägige Fünfte Isonzoschlacht im März 1916 sollte vor allem die Aufmerksamkeit der Mittelmächte etwas von der Westfront ablenken, an der die französischen Truppen in der Schlacht um Verdun schwer unter Druck standen. Sie kostete der 3. Armee dennoch knapp 2000 Ausfälle.Ministero della Guerra – Comando del Corpo di Stato Maggiore – Ufficio Storico: L’esercito italiano nella grande guerra (1915–1918). Volume III: Le operazioni del 1916. Tomo I°: Gli avvenimenti invernali (narrazione). Istituto Poligrafico dello Stato, Rom 1931, S. 177, 201 (Digitalisat).