Die Eggerstedt-Kaserne in Pinneberg wurde 1937 bis 1939 für die Wehrmacht auf etwa 36 Hektar errichtet und vom Luftgaunachrichtenregiment 11 bezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Anlage zunächst bis 1950 als Zwischenstation für Displaced Persons. Zudem war 1947 bis 1949 die Baltische Universität auf dem Areal untergebracht. Auch in den 1950er Jahren dienten die ehemaligen Truppenunterkünfte der Unterbringung von Flüchtlingen. Einige Unternehmen waren auf dem Gelände ansässig. Ab 1959 nahm die Bundeswehr die militärische Nutzung der Kaserne wieder auf. Es waren Verbände und -einrichtungen der Luftwaffe hier stationiert, darunter das Luftwaffenausbildungsregiment 1. Ende 2003 wurde die militärische Nutzung der Kaserne aufgegeben. Nach jahrelangen Planungen und dem Abriss der Kasernengebäude entstand auf dem Areal ein Wohngebiet, die „Parkstadt Eggerstedt“.

Bau- und Stationierungsgeschichte NS-Staat und Zweiter Weltkrieg links|mini|Die Kantine der Eggerstedt-Kaserne Zur Aufrüstung der Wehrmacht in Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg benötigte der NS-Staat zahlreiche neue Truppenunterkünfte. Obwohl die Stadt Pinneberg sich bereits ab Oktober 1934 um die Stationierung von Verbänden bemüht hatte, konnte der Bürgermeister erst am 22. Juni 1937 verkünden, dass der Bau einer Kaserne für eine Nachrichtenabteilung mit 1500 Mann vorgesehen sei. Am 1. Juli 1937 zog die Bauleitung im Pinneberger Rathaus ein und am 17. Juli 1937 kündigte der Befehlshaber im Luftkreis VII an, dass die Bauarbeiten demnächst beginnen würden. Im Spätsommer 1937 fiel der Startschuss für die Errichtung der Kaserne. Im Dezember 1937 zog die Bauleitung in das neuerrichtete Offizierswohnheim um. Die Fertigstellung der Gesamtanlage war für den Herbst 1938 vorgesehen. Die infolge der Bautätigkeit im gesamten Deutschen Reich bestehende Materialknappheit führte jedoch zu erheblichen Verzögerungen. Erst am 1. April 1939 konnte die 9. Kompanie des Luftgaunachrichtenregiments 11 als erste Einheit in die Kaserne einziehen. Im Sommer 1939 waren zwar bereits 800 Soldaten im Standort untergebracht. Die Bauarbeiten waren aber noch längst nicht abgeschlossen. Obwohl 1940 für die Kaserne ein Baustopp verhängt wurde, ließ die Bauleitung die Arbeiten dennoch fortsetzen und die Bauten vollenden.Major Rolf Mädler/Luftwaffenausbildungsregiment 1: Deine Garnison Pinneberg. Luftwaffenausbildungsregiment 1. Informationsschrift für Gäste und Soldaten, Koblenz/Bonn 1985, S. 7 ff. Ab Sommer 1941 erhielten Nachrichtenhelferinnen der Luftwaffe in der Kaserne ihre Ausbildung. Ab 1943 waren bis zu 2000 von ihnen in der Garnison untergebracht. Im April 1945 wurde die Kaserne zudem Hauptquartier des Stabes der Luftflotte Reich.

Nutzung der Kaserne zwischen 1945 und 1956 Am 4. Mai 1945 besetzten britische Truppen das Kasernengelände. Sie richteten hier eine Sammelstelle für deutsche Kriegsgefangene ein. Innerhalb weniger Tage schwoll die Zahl der untergebrachten ehemaligen Wehrmachtssoldaten auf 3400 an. Um Platz zu schaffen, wurden zugleich hunderte Luftwaffenhelferinnen entlassen oder in den Baumschulen der Umgebung untergebracht, um dort zu arbeiten. Im Gegensatz zu anderen Kasernen wurde die Anlage in Pinneberg nicht längerfristig durch Besatzungstruppen belegt. Am 30. Juni 1946 verließen die letzten britischen Truppenteile die Kaserne. Stattdessen wurde ein Lager für Displaced Persons in der ehemaligen Luftnachrichtenkaserne eingerichtet, das unter Verwaltung der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen stand. Ab Juli 1947 war das 17. Displaced Persons Assembly Centre Control Staff hier errichtet.

Bereits am 27. Januar 1947 hatte die Baltische Universität ihren Vorlesungsbetrieb in der früheren Kaserne aufgenommen. Sie hatte aus dem Museum für Hamburgische Geschichte der Hansestadt weichen müssen, das wiedereröffnet werden sollte. Die Lehre fand in den Studienrichtungen Philosophie, Recht und Wirtschaft, Mathematik, Landwirtschaft, Architektur und Ingenieurwissenschaften, Chemie, Maschinenwesen, Sport und Musik statt. Am 15. November 1947 befanden sich 159 Lehrende der Baltischen Universität mit 133 Familienangehörigen, 76 Verwaltungsmitarbeiter und 805 Studierende in der Kaserne. Hinzu kamen 64 Displaced Persons, die über die Westward Ho-Initiative für die britische Industrie gewonnen wurden, sowie 455 weitere Displaced Persons. Im Jahresverlauf 1948 kamen weitere Bildungseinrichtungen hinzu. Die Kaserne beherbergte im Juni 1948 das Pinneberg DP Study Centre mit 810 baltischen Staatsangehörigen, das Pinneberg Polish Study Centre mit 101 Polen, die Polish Secondary School mit 118 Polen sowie das Eggerstedt Camp mit 227 Letten. Das Lagerleben wurde insbesondere durch Musikveranstaltungen, Filmvorführungen, Ausstellungen, Vorträge, Diskussionsrunden und eine Bibliothek mit Leseräumen bereichert. Während die Baltische Universität zum 30. September 1949 aufgelöst wurde, blieb die Kaserne weiterhin zur Unterbringung von Flüchtlingen beschlagnahmt.

Die Internationale Flüchtlingsorganisation betreute noch bis zum 30. Juni 1950 im Displaced Persons Assembly Centre die in der Kaserne untergebrachten Flüchtlinge, hauptsächlich polnischer Herkunft. Bis zum 31. Mai 1950 sollten alle Displaced Persons, die nicht Deutschland verlassen wollten, mit Deutschen gleichgestellt und in die deutsche Wirtschaft integriert werden. Zudem mussten zwischen dem 1. und dem 20. April 1950 weitere 400 Flüchtlinge in der ehemaligen Truppenunterkunft aufgenommen werden. Am 1. Juli 1950 ging das Lager Eggerstedt in die deutsche Verwaltung über.

Ab 1948 wurden Teile der Kaserne außerdem vermietet. So nutzte eine Kaugummifabrik das Wirtschaftsgebäude und eine Kohlehandlung die Kraftfahrzeughallen. In einem Unterkunftsblock konnten Klassen der Berufs- und der Volksschule unterrichtet werden.

Bundeswehr links|mini|Sporthalle der Eggerstedt-Kaserne Mit der Unterzeichnung der Pariser Verträge am 23. Oktober 1954, der Gründung der Bundeswehr am 5. Mai 1955 und dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO am 9. Mai 1955 wurden Truppenunterkünfte benötigt. Hierfür kamen neben Neubauten auch die Inanspruchnahme früherer Kasernen der Wehrmacht in Betracht. Die Oberfinanzdirektion Kiel kündigte deshalb zum 1. Juni 1956 die Verträge mit den bisherigen zivilen Nutzern der Kaserne in Pinneberg. Dies löste Protest aus. 1957 begann die Umsiedlung der noch auf dem Kasernenareal untergebrachten Flüchtlinge und eine Erstinstandsetzung der Gebäude. Am 31. Dezember 1957 wohnten hier noch 379 heimatlose Ausländer und 238 Flüchtlingsfamilien mit deutscher Staatsangehörigkeit auf sechs Wohnblocks mit 277 Wohnräumen und 5 Wohnungen verteilt.

Erst im September 1959 konnten Soldaten der Bundeswehr einziehen. Von der am 16. Dezember 1955 auf dem Fliegerhorst Nörvenich gebildeten Luftwaffenlehrkompanie wurden im April und Mai 1956 Teile nach Uetersen in die dortige Kaserne des Fliegerhorsts verlegt, aus denen zunächst am 15. Mai 1956 der Stab des Luftwaffenausbildungsregiments 1 sowie dessen I. Bataillon mit der 2. und 3. Kompanie entstanden. Am 1. August 1956 war der Aufstellungsprozess des Regiments abgeschlossen. Am 14. Mai 1958 erfolgte in Uetersen die Teilung des Regiments in das Fluganwärterregiment und das Luftwaffenausbildungsregiment 1. Der Umzug in die Kaserne in Pinneberg erfolgte in mehreren Schritten: zunächst entstand in der späteren Eggerstedt-Kaserne am 15. September 1959 die Luftwaffensanitätsstaffel Pinneberg. Am 25. September 1959 verließ das II./Luftwaffenausbildungsregiment 1 mit der 7. und 8. Kompanie seinen bisherigen Standort Husum und bezog nun in Pinneberg Quartier. Noch im September 1959 kamen die 2. und 4. Kompanie des Luftwaffenausbildungsregiments 1 in die Garnison. Im November 1959 verlegten die 5. und 6. Kompanie von Uetersen nach Pinneberg. Der Regimentsstab bezog am 28. Dezember 1959 den neuen Standort. Die 1. Kompanie zog in die Pinneberger Kaserne 1963 ein. Der Bataillonsstab I./Luftwaffenausbildungsregiment 1 folgte im Juli 1964 und die 3. Kompanie im September 1964.Major Rolf Mädler/Luftwaffenausbildungsregiment 1: Deine Garnison Pinneberg. Luftwaffenausbildungsregiment 1. Informationsschrift für Gäste und Soldaten, Koblenz/Bonn 1985, S. 15

Seit der Übernahme der Kasernenanlagen durch den Bund bis zum Beginn der 1960er Jahre wurden ein Sportplatz, zwei Kompanie- und zwei Stabsgebäude, ein Sanitätszentrum, ein Schießstand, eine Ausbildungshalle und ein Wirtschaftsgebäude errichtet. 1965 und 1966 konnten ein Mannschafts- und Unteroffiziersheim sowie eine weitere Ausbildungshalle übergeben werden.

Die Garnison erhielt am 15. April 1971 offiziell den Namen „Eggerstedt-Kaserne“ verliehen.

1976 konnte ein Offiziers- und ein Feldwebelwohnheim fertiggestellt werden. 1977 wurde eine Truppenküche saniert. Zwei weitere Mannschaftsunterkunftsgebäude und ein Hörsaalgebäude wurden 1979 vollendet.

Ab 16. Juni 1981 ging aus dem Fluganwärterregiment das neue II./Luftwaffenausbildungsregiment 1 hervor, das in der Marseille-Kaserne (heute: Jürgen-Schumann-Kaserne) in Appen stationiert wurde.

Am 1. Oktober 1988 wurde in der Kaserne im Zuge der Umgliederung des Luftwaffenausbildungsregiments 1 dessen V. Bataillon gebildet, während das I. Bataillon in der Ruhrland-Kaserne in Essen eine Neuaufstellung erfuhr. Dem V. Bataillon waren die ebenfalls am Standort Pinneberg beheimateten 19. bis 24./Luftwaffenausbildungsregiment 1 unterstellt. Doch bereits zum 30. April 1990 wurde das Bataillon aufgelöst. Während die 19., 21., 23. und 24. Kompanie außer Dienst gestellt wurden, verlegte die 23. Kompanie als neue 19./Luftwaffenausbildungsregiment 1 auf den Fliegerhorst nach Goslar. Die 20./Luftwaffenausbildungsregiment 1 verblieb noch bis zum 30. September 1991 in der Eggerstedt-Kaserne.

Zum 1. Januar 1990 entstand in der Kaserne die 3. Inspektion der Unteroffizierschule der Luftwaffe. Sie verlegte im Oktober 2003 nach Mosbach in die Neckartal-Kaserne, kehrte aber 2008 in die Nachbarschaft von Pinneberg nach Appen in die dortige Marseille-Kaserne (heute: Jürgen-Schumann-Kaserne) zurück.

Die am 1. Oktober 1971 in der Bernhard-Hülsmann-Kaserne in Iserlohn gebildete Truppendienstliche Fachschule Luftwaffe zog zum 1. August 1990 in die Eggerstedt-Kaserne nach Pinneberg. Durch die bereits zum 1. Juli 1988 erfolgte Neuaufstellung der Unteroffizierschule der Luftwaffe in der Marseille-Kaserne in Appen waren die Tage der Fachschule gezählt. Die Reste wurden am 1. März 1991 zur Stabsgruppe Truppendienstliche Fachschule Luftwaffe in der Eggerstedt-Kaserne zusammengefasst, bevor auch für diese Dienststelle der Auflösungsbefehl zum 30. April 1994 erging.

Die am 1. Juli 1988 am Standort Iserlohn gebildete Lehrgruppe C der Unteroffizierschule der Luftwaffe kam ebenfalls am 1. August 1990 in die Eggerstedt-Kaserne. Im September 2003 verlegte sie nach Appen in die Marseille-Kaserne.

Am 1. Oktober 1991 erlebte der Standort mit der Neuaufstellung der 21., 22., 23. und 24./Luftwaffenausbildungsregiment 1 noch einmal eine Renaissance. Doch zum 30. Juni 1996 erfolgte die erneute Auflösung der 23. und 24. Kompanie. Die beiden weiteren Kompanien (21. und 22.) blieben hier bis zur Aufgabe des Standorts.

In der Kaserne war von März 1956 bis zum 31. Dezember 2001 die Standortverwaltung Pinneberg untergebracht. Ab 1998 befindet sich zudem das Bundesvermögensamt Hamburg/Schleswig-Holstein-Süd auf dem Areal.

Die Konzentration der Unteroffizierschule der Luftwaffe in der Marseille-Kaserne in Appen mit Neubau eines zweiten Hörsaalgebäudes führte dazu, dass die Eggerstedt-Kaserne im Stationierungskonzept der Bundeswehr 2001 nicht mehr enthalten war und veräußert werden sollte. Am 31. Dezember 2003 endete die Nutzung der Kaserne durch die Bundeswehr.

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