mini|Signatur von Friedrich Doeltz, 1863Friedrich Doeltz (* 10. Oktober 1823 in Osnabrück; † 27. März 1894 in Erfurt; vollständiger Name: Carl Friedrich August Doeltz) war ein deutscher Architekt und Baubeamter im Königreich Hannover und im Königreich Preußen.

Leben und Wirken Leben und Werk des Architekten Friedrich Doeltz sind bisher nur in Umrissen erforscht. Die wenigen gesicherten Informationen zu Friedrich Doeltz stammen aus einem LexikonartikelThomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 170, 244 f., mit Werkverzeichnis., einem Beitrag zur Göttinger Baugeschichte des 19. JahrhundertsChristian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen. Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 808 ff. und S. 812., einer Monografie von Bärbel Schwager über das Auditorium in Göttingen als sein architektonisches HauptwerkBärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Band 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 288–307. und verstreuten Einzelfunden. Sein über 20-jähriges Wirken nach der Göttinger Zeit ab 1871 ist weitgehend unbekannt.

Doeltz war Sohn des Landbauverwalters und späteren Osnabrücker Oberlandbaumeisters Johann Friedrich Christian Doeltz (mit dem er in der Literatur häufiger verwechselt wurde) und dessen Ehefrau Charlotte Elisabeth Doeltz geb. Bahre.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 244.Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Band 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 288. Schon als Jugendlicher erhielt er Privatunterricht in Mathematik sowie künstlerischen Techniken des Zeichnens und Modellierens.Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 289 mit Anm. 11 (S. 289 f.). Nach dem Abitur besuchte er 1839–1842 die Höhere Gewerbeschule Hannover, wo er Baukunst bei Ernst Ebeling belegte und wohl auch Conrad Wilhelm Hase kennenlernte.Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 290 f. Es folgten ab 1844Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 291. Anstellungen im Baufach als Landbaueleve in Aurich und Nienburg/Weser und 1847 die Beförderung zum extraordinären Landbau-Conducteur, bevor er 1848 nach Göttingen versetzt wurde. Dort war er zunächst dem Landbaumeister und Distriktsvorstand Otto Praël unterstellt, absolvierte 1851 die Prüfung zum Landbauconducteur und wirkte ab 1858Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 294. als Landbauinspektor.Doeltz (Landbauinspektor), auf arcinsys.niedersachsen.de, abgerufen am 11. Februar 2023 (Akte im Universitätsarchiv Göttingen, Signatur: UniA GOE Kur. 9701, Laufzeit 1858–1872). Das Hof- und Staatshandbuch von 1860 führt Doeltz als Landbauinspektor und Vorstand der Landbau-Inspection Nordheim II.Hof- und Staatshandbuch für das Königreich Hannover auf das Jahr 1860, S. 376 (Nr. 12). - Digitalisat auf BooksGoogle

Dann übernahm Doeltz ab 1862 als Universitätsbaumeister in der Nachfolge von Otto Praël weitere selbständige Arbeiten als Architekt und leitender Baubeamter, vor allem beim Ausbau der Georg-August-Universität Göttingen. 1863 trat Doeltz dem Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover bei.Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 299.

Nach Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen (1866) kam es 1871 zu seiner „möglicherweise auch politisch motivierten Versetzung“ weg von Göttingen als Kreisbaumeister nach Stade, anschließend 1873 zur Ernennung zum Oberbauinspektor unter Versetzung nach Magdeburg. 1874 erfolgt die Ernennung zum Regierungs- und Baurat, 1890 zum Geheimen BauratBärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 306., bis zur Pensionierung 1893 mit 70 Jahren und einem Umzug nach Erfurt, wo er ein Jahr später starb.Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 307.

Friedrich Doeltz war ab 1852 in erster Ehe verheiratet mit Sophie Wilhelmine Adolphine Burmester (1829–1856) und in zweiter Ehe ab 1857 mit seiner Cousine Pauline Nathalie Elise Schröder (1834–nach 1895); beiden Ehen entsprangen jeweils zwei Kinder. Doeltz' Schwester Johanne (1831–1909) heiratete 1853 den Bremer Bankier Daniel Georg Volkmann.

Doeltz wohnte mit seiner Familie ab 1853 in der Göttinger Altstadt, erwarb 1864 mit seiner Frau das Göttinger Bürgerrecht, um spätestes seit 1868 im von ihm erbauten Haus Untere Karspüle 12 zu wohnen; in Erfurt 1894 wohnte die Familie im Gebäude Pförtchenstraße 6. Die Witwe Elise Doeltz kehrte 1894 nach Göttingen zurück.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 245.

Bauten und Entwürfe mini|Christuskirche Bodenfelde, 1853–1855 (2025) mini|Auditorium der Universität Göttingen, 1861–1865 (2018) mini|Orgelprospekt der St.-Johannis-Kirche in Rosdorf, 1863 (2012) Würdigungen In Göttingen stand Doeltz architekturstilistisch für eine „deutliche Abkehr von dem klassizistischen Idiom“Christian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen – Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 810. seiner Vorgänger Justus Heinrich Müller oder Otto Praël und folgte konsequent dem Hannoverschen Rundbogenstil, bei dem er Elemente der byzantinischen und Renaissancearchitektur zu einer neuen Stilauffassung innerhalb der Epoche des Historismus verband.

Der Kunsthistoriker Christian Freigang bezeichnete Doeltz als „maßgebliche Figur“ des programmatischen Anschlusses der Göttinger Architektur an die Hannoveraner Architekturauffassung. In diesem Zusammenhang hob er hervor, dass Doeltz „als Vertreter einer neuen Architektengeneration“ nicht an einer Kunstakademie, sondern an einer praxisorientiereren Gewerbeschule (der späteren Polytechnischen Schule) studiert hatte.

Bauten und Entwürfe (Auswahl) um 1850: Entwürfe zur Restaurierung des großen Turms der Burg Plesse 1853–1855: Neubau des Kirchenschiffs der Christuskirche in Bodenfelde 1854–1856: Mitarbeit beim Bau des Obergerichts Göttingen, Waageplatz 7 (unter Leitung von Otto Praël; heute Sitz der Staatsanwaltschaft)Christian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen – Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 808. 1856–1857: Anbau des „Neuen Saals“ an das ehemalige Wohnhaus von Karl Otfried Müller in Göttingen, Hospitalstraße 6Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 37, Architektur, Bd. 16). Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 386. 1857: Instruierung(?) zum Neubau des Kirchenschiffs in KerstlingerodeJan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924) (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen. Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 44 f. (auf books.google.de, abgerufen am 11. Februar 2023). 1857–1858: Regotisierung der St.-Albani-Kirche in Göttingen (mit Sakristeianbau)Nicole Dubis, Elke Vogel: St. Albani. In: Jens Reiche, Christian Scholl (Hrsg.): Göttinger Kirchen des Mittelalters. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, ISBN 978-3-86395-192-4 (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de; PDF; 21,1 MB, abgerufen am 12. Februar 2023), S. 266–300, hier S. 291. 1858: nicht ausgeführter Entwurf zu einer „Begräbniss=Capelle“ auf dem Bartholomäusfriedhof GöttingenJürgen Döring: Geschichte der alten Göttinger Friedhöfe. In: Göttinger Jahrbuch, 31, 1983, S. 95–142, hier S. 135 ff., mit Abbildung. 1858–1861: Erweiterung des Chemischen Laboratoriums in Göttingen, Hospitalstraße 9 1858–1861: Gewächshäuser und Gehilfenhaus im Alten Botanischen Garten der Universität in Göttingen, Untere Karspüle 1a 1860: Wohnhaus für den späteren Universitätskurator Adolf von Warnstedt in Göttingen, Bürgerstraße 50 1860–1861: Umgestaltung des Inneren der St.-Markus-Kirche in SchedenDenkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 5,2: Landkreis Göttingen, Teil 1. Bearbeitet von Peter Ferdinand Lufen. Vieweg, Braunschweig 1993, S. 250. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 11. Februar 2023. Dort fehlerhafte Architektenangabe zum Barockbau, da Heinrich Christoph Jussow erst 1754 geboren wurde.)