Die Arleigh-Burke-Klasse ist eine Klasse von Lenkwaffenzerstörern der United States Navy. Mit derzeit 74 Schiffen ist sie – was die Zahl der Einheiten betrifft – eine der am meisten gebauten Schiffsklassen der US Navy seit dem Zweiten Weltkrieg und die meistgebaute seit dem Ende des Kalten Krieges.

Das erste Schiff dieser Klasse wurde 1991 in Dienst gestellt. Die Produktion sollte ursprünglich im Jahr 2012 mit der 62. Einheit USS Michael Murphy auslaufen. 2009 wurde beschlossen, die Zahl der geplanten Einheiten der Zumwalt-Klasse zu verringern und stattdessen weitere Schiffe der Arleigh-Burke-Klasse zu bauen. 12 weitere Einheiten sind derzeit im Bau oder in der Haushaltsplanung fest vorgesehen, weitere Planungen gehen vom Bau von 20 bis 40 zusätzlichen Einheiten bis in die 2030er Jahre aus.

Die Schiffe sind die ersten Marineeinheiten der USA, die nach den Prinzipien der Tarnkappentechnik entwickelt wurden. Sie sind in den Trägerkampfgruppen vor allem für Flugabwehr zuständig, können aber auch für Angriffe auf Landziele eingesetzt werden.

Zu den bekanntesten Schiffen der Arleigh-Burke-Klasse gehört die Cole, die im Jahr 2000 im Nahen Osten bei einem Terroranschlag schwer beschädigt wurde.

Geschichte Planung und Bau mini|links|Die Farragut während des Baus

Die Planung für die Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse begann Anfang der 1980er Jahre als Ersatz für die Lenkwaffenzerstörer der Charles-F.-Adams-Klasse sowie der Farragut-Klasse. Planungswerft für die Klasse war Bath Iron Works, eine Werft aus dem General-Dynamics-Konzern. Zwei Werften, Bath Iron Works in Bath, Maine und Ingalls Shipbuilding (zugehörig zum Konzern Northrop Grumman) in Pascagoula, Mississippi fertigen die Schiffe. Für den Bau verwenden sie die sogenannte Modularbauweise. Dabei werden einzelne Sektionen so weit wie möglich ausgerüstet, in ein Trockendock gebracht und dort zum Rumpf verschweißt. Die Aufbauten werden auf den fertigen Rumpf aufgesetzt. Diese Bauweise erleichtert die Arbeiten, da vieles nicht im engen kompletten Rumpf, sondern in einfacher zugänglichen Modulen erledigt werden kann. Zwischen Kiellegung und Stapellauf liegen bei einem Zerstörer der Klasse rund 16 Monate, danach verbringt jedes Schiff noch 12 bis 18 Monate an der Ausrüstungspier und bei ersten Erprobungsfahrten.

Die Kosten für den Bau eines Zerstörers lagen bei den Genehmigungen aus dem Haushaltsjahr 2005 bei über 1,1628 Mrd. Dollar. Die Kosten für das gesamte Programm (62 Schiffe) liegen nach derzeitigen Schätzungen bei fast 59,5 Mrd. Dollar, die durchschnittlichen Kosten pro Schiff damit bei knapp 0,960 Mrd. Dollar.Department of the Navy Fiscal Year (FY) 2007 Biennial Budget Estimates (PDF; 615 kB), Februar 2006, Seite 88 Für das Haushaltsjahr 2005 waren drei Zerstörer budgetiert, die Kosten von knapp 3,5 Mrd. Dollar machten mehr als 30 % des gesamten Navy-Budgets für den Schiffsneubau von knapp 10,6 Mrd. Dollar aus. Von den Gesamtkosten für einen Zerstörer geht knapp ein Drittel an die Bauwerft, der Rest wird für die Herstellung und Installation der auf dem Schiff verwendeten Systeme aufgewendet. Der Unterhalt eines Schiffs kostet (Stand 1996) ca. 20 Mio. Dollar jährlich.

Benennung Die Schiffe sind allesamt nach Personen benannt. Die Klasse trägt traditionsgemäß den Namen des ersten Schiffes, das nach Admiral Arleigh Burke benannt ist, einem Zerstörerkommandanten aus dem Zweiten Weltkrieg. Die weiteren Einheiten wurden entweder nach amerikanischen Seeleuten niederen Ranges benannt, die in Kriegen seit dem Zweiten Weltkrieg gefallen sind, oder aber nach hohen Offizieren aus der frühen Navy beziehungsweise nach hohen Bundesbeamten. Die Kennungen bestehen aus dem Kürzel DDG für destroyer guided missile, also Lenkwaffenzerstörer, die Rumpfnummern beginnen bei 51 für das erste Schiff und laufen ununterbrochen bis 112 für die letzte Einheit.

Eine Besonderheit stellt die Winston S. Churchill dar, die nach dem britischen Premierminister Winston Churchill benannt wurde und (Stand 2006) das einzige aktive amerikanische Kriegsschiff ist, das nach einem ausländischen Staatsbürger benannt ist. Hopper ist erst das zweite Kriegsschiff in der Geschichte der Navy, das nach einem weiblichen Soldaten der Navy benannt wurde, nämlich nach Admiral Grace Hopper.

Modifikationen mini|Die japanische Kongō

Der Entwurf der Klasse wurde mit der Zeit verändert, so dass drei Varianten, genannt Flights, existieren. Der Flight I umfasst 21 Schiffe und stellt die Basisversion dar. Flight II mit sieben Schiffen erhielt lediglich verbesserte Elektronik. Umfassende Änderungen wurden an Flight IIA (laut Planung 34 Schiffe) vorgenommen. Hier wurde zur permanenten Stationierung von zwei SH-60 Sea Hawk-Helikoptern ein Hangar hinzugefügt, was die Schiffe um ca. zwei Meter länger und fast 1000 ts schwerer macht. Auch innerhalb der Flights wurden kleinere Modifikationen vorgenommen. So sind zum Beispiel die Auslassöffnungen der Schornsteine ab der Mustin verkleidet, in einige Einheiten beginnend mit der Pinckney wurde das AN/WLD-1 Remote Minehunting System eingerüstet. Alle Flight-IIA-Schiffe erhalten auch serienmäßig das CEC-Kampfsystem.

Im National Defense Authorization Act of 2007 ist die Empfehlung für einen 200-Millionen-Dollar-Posten enthalten, der vor allem für eine mid-life modernization (etwa: Modernisierung nach der halben vorgesehenen Dienstzeit von 35 Jahren) der Schiffe des Flight I verwendet werden soll. Außerdem sollen vor allem die Betriebskosten durch Reduzierung der Besatzungsmitglieder gesenkt werden, was durch Implementierung von Technologien aus dem Smart Ship Project erreicht werden soll. Durch den Einsatz von Stabilisatoren und einem Wulstbug soll der Treibstoffverbrauch signifikant gesenkt werden. Daneben sollen die Schiffe durch die Modernisierungen kampfstärker werden. So ist für die Zukunft geplant, die Zerstörer als Teil der National Missile Defense verwenden zu können. Außerdem ist geplant, Schiffe des Flight IIA mit neuer Munition für das Geschütz auszurüsten. Diese raketenunterstützten Projektile können Ziele erreichen, die bis zu 40 Meilen weit landeinwärts liegen. Dies soll die artilleristische Fähigkeitslücke, die die Ausmusterung der Schlachtschiffe der Iowa-Klasse im Jahr 2006 erzeugt hat, schließen, denn der Kongress der Vereinigten Staaten hat diese Fähigkeit für die Unterstützung von Landungsoperationen für nötig erachtet.National Defense Authorization Act of 2007, und (engl., PDF)

Der Entwurf des Zerstörers wurde exportiert, die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte betreiben vier modifizierte Arleigh Burkes (Flight I) als Kongō-Klasse (veränderte Elektronik und Waffensysteme mit stärkerer Defensivausrichtung). Japan hat außerdem die Beschaffung von drei weiteren Einheiten nach Flight IIA als Atago-Klasse bis 2010 beschlossen. Die Royal Australian Navy entschied sich 2007 bei der Hobart-Klasse gegen den sich ebenfalls in der engeren Auswahl befindenden Burke-Entwurf und wählte den der spanischen Álvaro-de-Bazán-Klasse.

Gegenwart und Zukunft

Gegenwärtig (Stand Juli 2025) sind 74 Einheiten der Arleigh-Burke-Klasse bei der US Navy in Dienst; das Typschiff von 1991 ist das älteste. 25 Schiffe sind im Bau oder beauftragt, davon zwei nach Flight IIA und 23 vom Typ Flight III. Die Lebenszeit der Schiffe war ursprünglich auf jeweils 35 Jahre ausgelegt. Um jedoch eine Flottengröße von über 300 Einheiten auch halten zu können, wird die Lebensdauer auf bis zu 40 Jahre ausgedehnt. Hierfür finden seit 2010 Modernisierungen der Einheiten statt. Die Außerdienststellung der Schiffe wird damit voraussichtlich ab 2031 beginnen.

Als die ersten Einheiten der Arleigh-Burke-Klasse in Dienst gingen, existierten in der US Navy noch mehrere verschiedene Zerstörerklassen, die jeweils unterschiedliche Hauptaufgabenfelder besaßen. Die Charles-F.-Adams- und Farragut-Klasse waren multifunktionale Entwürfe mit dem Schwerpunkt Flugabwehr und gingen mit Erscheinen der ersten Burkes komplett außer Dienst. Um 2000 wurden außerdem die vier Einheiten der Kidd-Klasse ausgemustert. Seit 2005, als der letzte U-Jagd-Zerstörer der Spruance-Klasse aus dem aktiven Dienst zurückgezogen wurde, sind die Burkes die einzigen Zerstörer in der Flotte der US Navy. Dass dies weit vor dem geplanten Termin erfolgte, mag ein Hinweis auf den Erfolg des Burke-Entwurfes sein.

Die ursprünglich als Nachfolgerin vorgesehene Zumwalt-Klasse wird auf Grund starker Etatkürzungen eher als Technologiedemonstrator dienen und soll nur noch drei der ursprünglich geplanten 32 Schiffe umfassen. Deshalb brachte der Abgeordnete Gene Taylor, Vorsitzender des Subkomitees für Seestreitkräfte im United States House Committee on Armed Services, im März 2008 eine nuklear angetriebene Version der Burkes ins Gespräch. Stattdessen entschied sich die Navy allerdings, die Klasse nur wenig modifiziert weiterzuführen. Im Juni 2011 wurde der erste der neuen Zerstörer genehmigt, im September zwei weitere, die nach wie vor nach den Standards des Flight IIA gebaut werden.http://www.defenseindustrydaily.com/Adding-Arleigh-Burkes-Northrop-Grumman-Underway-06007/ Da die Zumwalt-Klasse größtenteils von Bath gebaut wird, wird Ingalls den größten Teil der zusätzlichen Burkes fertigen. Erst nach 2016 soll ein Flight III der Arleigh-Burke-Klasse zulaufen, der eine abgespeckte Variante des für die CG(X) vorgesehenen Air and Missile Defense Radar (AMDR) erhalten soll. Dieses Dualbandradar soll größere (14 statt 12 ft Durchmesser) Antennenflächen sowie eine aktive elektronische Strahlschwenkung aufweisen, wodurch erheblich bessere Leistungen in der Luftraumüberwachung erzielt werden sollen, als mit dem passiv phasengesteuerten SPY-1D Radar. Dadurch soll ein adäquater Ersatz der Ticonderoga-Klasse möglich werden.

Im November 2011 wurden von den beteiligten Schiffsbauern Bath Iron Works und Huntington Ingalls Industries die ersten Kostenschätzungen für den Flight III vorgelegt. Danach würde jedes Schiff bei BIW 2,7 Milliarden USD, bei HII 3,7 Mrd. Dollar kosten. Die Werften verweisen zur Rechtfertigung auf die Risiken des Fix-Preis-Vertragsmodells und die Notwendigkeit, für das neue Radar mit seinem Strombedarf von rund 10 Megawatt das gesamte elektrische System der Schiffe völlig neu zu konstruieren.Sam Lagrone: US Navy's BMD destroyer build costs revealed. In: Jane’s Defence Weekly, 23. November 2011, Seite 12

Nachfolger Im April 2014 begann die US Navy mit Studien für einen Nachfolger mit dem Namen „Future Surface Combatant“. Der Bau der Schiffe soll ab 2030 erfolgen, und das Design ist zurzeit noch komplett offen. Rumpfform und Technik sind noch nicht festgelegt, es sollen aber Techniken der Zumwalt-Klasse, des Littoral Combat Ship und der Gerald-R.-Ford-Flugzeugträger in weiterentwickelter Form genutzt werden. Die Schiffe sollen zusammen mit den 22 Zerstörern des Flight III eingesetzt werden.

Technik Rumpf mini|Die Lassen des Flight IIA bei einer Wende

Abmessungen und verwendete Werkstoffe Die Schiffe des Flight I sind knapp 153 Meter lang, die modifizierten Einheiten des Flight IIA messen knapp 155 Meter. Die Breite beträgt rund 20 Meter. Der Rumpf ist damit im Gegensatz zu den älteren Zerstörern eher kurz und breit (Verhältnis Länge:Breite 7,9:1). Dadurch erhoffte sich die Navy bessere See- sowie Manövrierfähigkeit. Der Mast erreicht eine Höhe von über 50 Metern. Die Verdrängung bei voller Zuladung beträgt bei den frühen Schiffen circa 8300 ts, der Hangar auf Flight IIA vergrößerte sie um fast 1000 ts.

Als Werkstoff wurde im Wesentlichen nur Stahl eingesetzt, auf die Verwendung von Aluminiumlegierungen wurde weitgehend verzichtet. Dies macht die Schiffe zwar schwerer und auch topplastiger, vermeidet aber bei Bränden die Gefahr des unkontrollierbaren Weiterbrennens von Magnesium, wie nach einer Kollision bei der Belknap im Jahr 1975. Zum Schutz vor Waffeneinwirkung sind im Rumpf um die wichtigsten Räume (Gefechtszentrale, Brücke und ähnliches) ca. 130 Tonnen Aramid verbaut worden.