mini|Kaponniere für Maschinengewehre und Räume zum Laden der Artilleriegranaten mit den Treibladungen; Forte di Monte Ercole in Ospedaletto Das Forte di Monte Ercole ist eine ehemalige italienische Befestigungsanlage auf dem Gipfel des Monte Ercole bei Ospedaletto, einem Ortsteil der Gemeinde Gemona del Friuli in der Region Friaul-Julisch Venetien. Die Anlage entstand zwischen 1904 und 1913 zur Verteidigung der Grenze zwischen dem Königreich Italien und dem Kaiserreich Österreich-Ungarn.

Geographische Lage mini|Das Tal des Tagliamento mit der Engstelle bei Venzone. Links der Bildmitte der Hügel des Monte Ercole vom militärischen Beobachtungspunkt am Monte Soreli aus Das Forte di Monte Ercole liegt am nördlichen Rand der norditalienischen Tiefebene am Beginn des Tagliamento-Tals. Es wurde auf der orographisch linken Flussseite auf einem kleinen Hügel über der Ortschaft Ospedaletto auf an den westlichen Ausläufern der Bergkette von Monte Chiampon-Monte Stol errichtet.

Das Werk sollte den nördlich von Ospedaletto liegenden Abschnitt zwischen der Fellamündung in den Tagliamento und die südlich davon liegende Engstelle bei Venzone sperren, und damit einen gegnerischen Vormarsch über die zwei Einbruchsstellen, Plöckenpass und Tarvis, vor Erreichen der Tiefebene im Friaul aufhalten.Giuseppe Marini: Il forte di Monte Ercole e il sistema difensivo del Tagliamento nella Grande Guerra. S. 16. Der Monte Ercole bildet dabei eines der letzten natürlichen Hindernisse bis zur Adria.

Geschichte Die Gegend um Ospedaletto war wegen ihrer Lage schon immer ein wichtiger Straßenpunkt an der antiken Via di Alegmana. Darüber hinaus kam dem Ort mit dem angrenzenden und leicht zu erreichenden Monte Ercole eine besondere strategische Bedeutung als Aussichts- und Verteidigungspunkt zu. Davon zeugt beispielsweise die Schlacht von Ospedaletto zu Beginn des Fünften Koalitionskrieges am 11. April 1809, zwischen der österreichischen Armee unter Erzherzog Johann von Österreich und der französischen Armee unter dem Befehl von General Jean-Baptiste Broussier. Auf einer kleinen Höhe in der Nähe des Ortszentrums kann man heute noch die Festungsanlagen aus napoleonischer Zeit sehen.

Die Sperrgruppe „Oberer Tagliamento“ mini|Kehlseite mit dem Zugang zum Batterieblock Die geographische Lage war auch bei der Errichtung der Sperrgruppe „Oberer Tagliamento“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts mitausschlaggebend. Nach dem Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg und dem Anschluss Venetiens an das Königreich Italien ergab sich die Notwendigkeit, potentielle Einbruchsstellen an der neuen Staatsgrenze im Nordosten abzusichern. Wegen verschiedener Faktoren, hauptsächlich bedingt durch die angespannte Finanzlage, wurde das erste dahingehende Projekt erst Anfang der 1880er-Jahre von einer Kommission des italienischen Generalstabs unter dem Vorsitz des Generals Giuseppe Salvatore Pianell ausgearbeitet. Die Unterzeichnung des Dreibunds mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich 1882 führte aber dazu, dass das Projekt vorübergehend in die Schublade gelegt wurde. Das Misstrauen gegenüber der Donaumonarchie, bedingt auch durch den Ausbau der österreich-ungarischen Sperrwerke an der Grenze zu Italien, ließ die Dringlichkeit, ein Pendant auf italienischer Seite zu schaffen, bald wieder aufleben. Der Generalstabschef des italienischen Heeres, Alberto Pollio leitete mit Erlaubnis des damaligen Kriegsministers Paolo Spingardi in den Jahren 1904–1905 den Plan für die Realisierung eines effizienten Verteidigungskomplexes im Lichte der erneuerten Festungstheorie und der schnellen Fortschritte der damaligen Militärtechnologie ein.

Im Bereich Oberer Tagliamento – Fella wurde diese Aufgabe den Sperren Monte Festa, Chiusaforte, Monte Ercole und Osoppo anvertraut. Diese wurden durch verschiedene Artilleriestellungen verstärkt, die auf den Höhen Col Curnic, Monte Sflincjs, Monte Somp-Pave und Cumieli-Palmbaro-Sella Sant'Agnese errichtet wurden. Letztere hatten auch die Aufgabe, eventuelle Umgehungsversuche zu blockieren. Daneben entstanden zahlreiche unterstützende Stellungen, wie Artilleriebeobachtungsposten, die auf den umliegenden Höhen (Monte Soreli, Monte Brancot, Monte San Simeone) erbaut wurden.

Südlich dieser Verteidigungslinie entstanden Pläne für die Errichtung einer zweiten Sperrgruppe namens „Mittlerer Tagliamento“ mit dem Kommandositz in Colloredo di Monte Albano. Sie bestand aus den Sperren, die zwischen dem Ort Buja und den Bergen Bernadia, Campeon und Faeit lagen. Der Tagliamento-Übergang zwischen Pinzano und Ragogna sollte mit einem doppelten Brückenkopf auf dem Col Colat am rechten Tagliamentoufer und in Susans und auf dem Monte di Ragogna auf der linken Uferseite gesichert werden. Zwischen Tricesimo, Fagagna, Modoletto Santa Margherita di Gruagno und Col Roncone sollten weitere Panzerwerke das hügelige Gebiet im Alpenvorland im mittleren Friaul absichern.Giuseppe Marini: Il forte di Monte Ercole e il sistema difensivo del Tagliamento nella Grande Guerra. S. 19.

In einem solchen Verteidigungssystem kam den Sperrwerken die Aufgabe zu, die Kommunikationswege an strategisch wichtigen Punkten, wie Gebirgspässen und Brücken, systematisch unter Beschuss zu nehmen, um so den Vormarsch der gegnerischen Truppen zu verzögern und zu behindern. Darüber hinaus dienten sie im Falle eines Gegenangriffes als Stütze für die Logistik und die Verteidigung. Als 1904 die Arbeiten an der Sperre Monte Ercole begannen, entstanden entlang der Staatsgrenze im Nordosten des Königreiches mehrere Panzerbatterien vom Typ „Rocchi“, benannt nach dem General der Genietruppe Enrico Rocchi, der diesen Bautyp konzipierte. Die strategisch-militärische Bedeutung, die man der Nordostgrenze beimaß, geht auch daraus hervor, dass von den insgesamt 48 zwischen 1904 und 1913 errichteten Werken dieses Typs allein 44 an der Grenze zu Österreich-Ungarn entstanden. Die Sperre Ospedaletto sollte den Tagliamentodurchbruch bei Venzone, die Straße und Eisenbahnlinie nach Tarvis und die Straßenverbindung Cavazzo – Interneppo – Bordano sperren. Zudem konnte dank der Stellungen am Monte Cumieli und Monte Palombaro der Übergang in das Valle del Torre über den Sattel Foredôr auf dem Monte Chiampon kontrolliert werden, auch wenn der Übergang nur teilweise mit Fahrstraßen ausgebaut war.

Der Bau des „Werkes am Monte Comielli“, wie es laut Projekt zunächst benannt war, wurde am 8. Oktober 1904 mit einer an die Gemeinde Gemona gerichteten Anfrage eingeleitet. Darin bat der Kommandant der 6. Kompanie des 5. Genie-Regiments um Auskunft über die Besitzer der Grundstücke auf dem Monte Cumieli, auf denen sich Quellen befanden, die die Wasserversorgung des Werkes sichern sollten. Keine vier Wochen später übermittelte am 3. November das Territorialkommando in Padua der Direktion der Genietruppen in Venedig den Befehl, die für den Bau des Werkes vorgesehenen Grundstücke unter Beschlag zu nehmen.Marco Pascoli: Opere militari della Grande Guerra – Itinerari nel Gemonese S. 77. Im Laufe des Jahres 1907 war der Großteil der Bauten bereits vollendet.Giuseppe Marini: Il forte di Monte Ercole e il sistema difensivo del Tagliamento nella Grande Guerra. S. 21. Die Anlagen wurden erst zwischen 1913 und 1915 mit dem Einbau der Elektrogeneratoren fertiggestellt, die den Strom für die elektrische Beleuchtung und für die Bewegung der Panzerkuppeln der Geschütztürme im Batterieblock lieferten. Zwischen Februar und Mai 1915 führte das 8. Festungsartillerieregiment auf Forte di Monte Ercole mehrere Übungsschießen mit Ziel Bergsattel Foredôr durch.

Erster Weltkrieg mini|Die desarmierten Panzerkuppeln Das Werk Monte Ercole war bereits vor dem italienischen Kriegseintritt veraltet und kaum in der Lage schwerem Artilleriebeschuss standzuhalten. Da die Front nach Beginn der Kriegshandlungen am 24. Mai 1915 außerhalb der Reichweite der Werksartillerie lag und sich die italienischen Angriffsbemühungen auf die Bereiche des Isonzo und des Karst konzentrierten, begann man noch im Sommer 1915 mit der Desarmierung des Werkes. Fortan diente es vor allem als logistisches Zentrum und als Munitionslager.Marco Pascoli, Andrea Vazzaz: I forti e la difesa permanente del Friuli. S. 118. Bewacht war es vom 8. Festungsartillerieregiment und von Truppen der Territorialmiliz. Wie die anderen Festungen der Sperrgruppe „Oberer Tagliamento“ unterstand Werk Monte Ercole dem Abschnittskommando „Carnia“. Ein zwischen 1916 und 1917 ausgearbeiteter Plan, mit dem die Sperrgruppe durch feldmäßige Stellungen verstärkt werden sollte, kam wegen fehlender Ressourcen nicht zur Ausführung. Ende Mai 1917 wurden schließlich auch die vier 149/35-A-Kanonen in den Panzertürmen ausgebaut. Lediglich drei 149G-Kanonen verblieben im Sperrwerk.Marco Pascoli: La battaglia del Gemonese: Dalla Val Venzonassa a Sella Foredôr, da Flaipano al Ponte di Braulins 27 – 30 ottobre 1917. S. 25.

Nach dem österreichisch-deutschen Durchbruch bei Karfreit, dem italienischen Caporetto, im Zuge der Zwölften Isonzoschlacht, am 24. Oktober 1917 wurden die verbliebenen Geschütze abgezogen. Beim chaotischen Rückzug der 2. Armee vom Isonzo kam es in den folgenden Tagen zu teils widersprüchlichen Befehlen. Ein am 25. Oktober vom Abschnittskommando Carnia ergangener Befehl, die drei in den flankierenden Feldstellungen verbliebenen 149G-Kanonen in das Resiatal zu verlegen, kam man aus unbekannten Gründen nicht nach. Erst am Abend des 27. Oktober wurden die drei Geschütze über den Tagliamento abgezogen.Marco Pascoli: La battaglia del Gemonese: Dalla Val Venzonassa a Sella Foredôr, da Flaipano al Ponte di Braulins 27 – 30 ottobre 1917. S. 232.

Am Tag darauf, den 28. Oktober 1917, erteilte Generalmajor Antonino Di Giorgio, Kommandeur des Sonder-Armeekorps (), das den Rückzug der 2. Armee decken sollte,Paolo Gaspari, Paolo Pozzato, Ferdinando Scala: I generali italiani della Grande Guerra. Atlante biografico Volume 2 C–Z. Gaspari, Udine 2019, ISBN 978-88-7541-409-2, S. 119. den Befehl die Anlage zu sprengen. Allerdings konnte der Befehl wegen eines gegenläufigen Befehls nicht ausgeführt werden, da Generalleutnant Francesco Rocca von der 63. Infanterie-Division mittlerweile eine Kompanie des II. Bataillons des 49. Infanterieregimentes „Parma“ zur Bewachung des Werkes abgestellt hatte. Erst am Tag darauf bestätigte General Rocca seinem Bataillonskommandeur, Major Francesco Morelli, dass die Anlage zu sprengen und das Sprenggelatinedepot am Lago di Ospedaletto zu verminen sei. Der Befehl wurde nach der Evakuierung des Dorfes um 16.00 Uhr desselben Tages ausgeführt. Die Explosion verursachte Schäden an verschiedenen Gebäuden des Werkes, während der desarmierte Batterieblock nicht beschädigt wurde. Zerstört wurden, wie angeordnet, die noch im Werk befindliche Munition, Verpflegung sowie andere für den Gegner noch nutzbare Materialien.Marco Pascoli: La battaglia del Gemonese: Dalla Val Venzonassa a Sella Foredôr, da Flaipano al Ponte di Braulins 27 – 30 ottobre 1917. S. 236. Des Weiteren entstanden durch die Explosion Schäden am Kloster Santo Spirito und an anderen Gebäuden des Dorfes, das vorher evakuiert worden war.

Am Vormittag des 30. Oktobers wurde Ospedaletto und das Werksgelände vom 1. und von Teilen des 4. Bataillons des k.k. Kaiserschützen-Regiments „Bozen“ Nr. II der k.k. 22. Schützendivision (Generalmajor Rudolf Müller) besetzt.Marco Pascoli: La battaglia del Gemonese: Dalla Val Venzonassa a Sella Foredôr, da Flaipano al Ponte di Braulins 27 – 30 ottobre 1917. S. 223. Damit kam man dem Befehl des Generals und Befehlshabers des k.u.k. I. Korps Alfred Krauß nach, der die wichtige strategische Bedeutung des Werks erkannt hatte. Die Besetzung des Forts durch österreichisch-ungarische Truppen endete Anfang November 1918 nach Inkrafttreten des Waffenstillstands von Villa Giusti und dem Rückzug derselben.

Zweiter Weltkrieg mini|Die Nahverteidigungsanlage mit der Schützengalerie